Die Hellfrost-Nachwuchsrunde (4)

Am Tag vor unserem Aufbruch gibt es noch einmal ein Gespräch mit dem Jarl (oder besser die Fortsetzung / Zusammenfassung des Treffens vom Ende der letzten Sitzung), bei dem der Adlige verkündet, dass er uns zur Unterstützung einen Trupp Soldaten mitgeben werde. Anschließend fällt der Gruppe ein, dass sie ja noch die unbeschrifteten Tränke aus dem Alchimielabor des Klosters analysieren lassen möchte, und so wird ein kleiner Ausflug in die Stadt beschlossen. Der Jarl weigert sich allerdings, Yuka unbeaufsichtigt aus seiner Burg zu lassen, und da der Grey Legionary nicht bereit ist, die Engelsklinge aus der Hand zu geben, bleibt er eben da und lässt die anderen alleine gehen, damit hat er keine Probleme. Allerdings fällt die eigentlich von ihm geplante Trainingsstunde auf dem Kampfübungsplatz aus, denn der Finnar merkt beim ersten Schlag, dass das gar keine gute Idee ist, weil er vom Kampf gegen den Feuerdämon noch eine ziemlich böse Wunde hat. Carimus war ebenfalls in der Burg geblieben und hatte sich Yuka auf dem Kampfplatz anschließen wollen, beschließt dann aber auch, es lieber ruhig angehen zu lassen, weil er ebenfalls noch etwas verwundet ist.

Der Jarl hatte übrigens in der Audienz einen Berater bei sich, den Grôman schon bei der ersten Audienz als richtig mächtigen Erzmagier erkannt hatte (was dem Zwerg auch heftigen Respekt eingejagt hat.) Diesen Erzmagier sucht Yuka nun auf – oder besser, er fragt, ob es in der Burg einen Heiler gibt und wird zu diesem Erzmagier geschickt –, und diesem gelingt es, die Verwundung des Legionaries mit Magie etwas zu reduzieren, wenn auch nicht vollständig zu heilen.

Katelar und Grôman haben indessen in der Stadt einen Alchimisten aufgetan, dem sie die Trankfläschchen und die dort in den Katakomben ebenfalls gefundenen Amphoren zum Analysieren geben. Der Inhalt der Amphoren ist schnell bestimmt: Es ist Wasser, schlicht und ergreifend. Die Tränke will der Mann bis zum nächsten Mittag bestimmt haben, sagt er, aber wir wollen am nächsten Tag schon bei Sonnenaufgang losziehen, und so müssen die beiden wohl oder übel einen deutlich höheren Preis bezahlen, wenn sie die Analyse schon am Abend haben wollen. Den alten Mann herunterzuhandeln, gelingt der Diebin leider nicht; zu sehr ist der Händler sich dessen bewusst, dass er in diesem Fall am längeren Hebel sitzt.
Dafür hat er auch tatsächlich wie versprochen am Abend die gewünschten Informationen bereit, allerdings vielleicht nicht gerade die erhofften: Der Inhalt der Phiolen würde denjenigen, der davon trinke, sehr krank machen, erklärt er.

Am nächsten Tag dann brechen wir auf, und wie angekündigt, werden wir von einem Trupp Bewaffneter begleitet. Sieben Mann sind es: sechs Soldaten und ihr Anführer. Der Jarl und sein Erzmagier-Berater verabschieden sich im Burghof, und letzterer gibt jedem von uns noch einen Heiltrank mit auf den Weg.
Es vergehen zwei ereignislose Tagesreisen gen Norden… und ereignislose Nächte: Katelar denkt anscheinend entweder, im Moment sei nichts zu holen, oder die Anari hat Hemmungen, im Beisein der Krieger ihre eigenen Reisegefährten erneut auszunehmen oder ihre Fingerfertigkeit gar an den Soldaten selbst zu erproben.
Wir sind auch lange genug unterwegs, dass die noch Verwundeten ihren ersten Wurf für natürliche Heilung machen können, was den zähen Yuka von seiner letzten Wunde befreit. Carimus jedoch wird noch etwas länger an seiner Verletzung laborieren müssen.

Als wir wir in das Gebiet kommen, das der Frostriese unsicher machen soll, können wir sein dumpfes Stampfen schon hören, ehe wir ihn sehen, und dann kommt er auch in unser Blickfeld: wahrlich gigantisch, mehrere Häuser hoch, ragt er über die Baumkronen hinaus, und mit jedem Schritt knickt er Stämme um wie Strohhalme. Ab und zu atmet er aus, und wo sein Atem hinreicht, vereisen Pflanzen und Bäume, und überhaupt trägt er eine frostige Aura mit sich, die alles einfrieren lässt, ganz ohne dass er extra ausatmen müsste.

Der Frostriese ist nicht alleine: Er wird locker umringt von zehn riesigen Wölfen, und zwar nicht einfach nur Wölfen, sondern Dire Wolves, die groß genug sind, dass die Orcs sie regelmäßig als Reittiere abrichten. Es sieht tatsächlich so aus, als würden diese Wölfe mit Absicht in größerem, unregelmäßigem Abstand um den Giganten herumpatroullieren. Grôman fällt bei diesem ersten Hinsehen aus größerer Entfernung nichts weiter an dem Riesen auf; zu überwältigt ist er in diesem ersten Moment von dessen Dimensionen und offensichtlicher Zerstörungskraft.

Die Gruppe macht sich ans Planen: Tatsache ist, dass wohl nur Yukas Engelsschwert eine echte Chance gegen den Riesen haben wird – die Legende besagt, dass die Waffe die Macht besitzt, Kreaturen des Bösen mit einem Schlag zu vernichten, erklärt der Anführer des Bewaffnetentrupps auf Yukas diesbezügliche Frage hin.
Damit ist klar, dass der Finnar nah an den Riesen heran muss. (Nicht, dass daran wirklich jemals ein Zweifel bestanden hätte.) Aber zuerst einmal packt er seine sämtlichen warmen Winterkleider aus, die er aus seinem kalten Zuhause weiter im Norden mitgebracht hat und hier in den etwas milderen Regionen (wir befinden uns in der Nordmark, im Grenzgebiet zur Royalmark) bisher nicht wirklich gebraucht hat. Auch seine Mitstreiter folgen dem Beispiel und packen sich so warm ein, wie sie nur können.
Carimus macht eine Fackel bereit, damit er Feuerpfeile auf die Gegner abschießen kann, und auch unser Magier überlegt sich, welche Zauber in dieser Situation wohl am sinnvollsten wären. Außerdem befestigt er in weiser Voraussicht die Phiole mit dem Heiltrank an einer Seite seines Gürtels, damit er im Notfall schneller darankommt; an die andere Seite des Gürtels hängt er den Stärketrank, den er (das hatte ich in meinem ersten Posting völlig vergessen) in dem Alchimielabor des Klosters gefunden und eingesteckt hatte.

Der Plan ist, die Wölfe nach und nach auszuschalten, wenn sie sich gerade etwas vom Rest des Rudels entfernt haben – die Dire Wolves patrouillieren weit genug auseinander, dass dieser Plan funktionieren könnte –, und sich am Ende dem Riesen zuzuwenden. Damit soll Yuka der Rücken freigehalten werden, so dass dieser sich schon von Anfang an und von Wölfen unbelästigt dem Frostriesen widmen kann.

Als dieser Plan soweit steht (er wird hastig geschlossen, weil der Riese indessen immer weiter auf einen nahegelegenen Bauernhof zustapft, und spätestens, als wir die Bauernfamilie aus dem Haus flüchten sehen, ist es aus mit dem Rumgeplane, und wir eilen los) nähert sich die Gruppe möglichst unauffällig weiter dem Geschehen. Die Betonung liegt auf „möglichst“ – in voller Ausrüstung und Bewaffnung ist eben nicht gut Schleichen, da kann Katelar noch so verstohlen von Baum zu Baum huschen.
Der Elf bereitet eben seinen ersten Feuerpfeil zum Abschuss auf den einzelnen Dire Wolf vor, der sich uns am nächsten befindet, da bemerkt uns das Tier – kein Wunder bei dem Getöse, dass wir anderen veranstalten – und, es ist ja nicht dumm, alarmiert seine Genossen mit lautem Heulen. Soviel zu unserem Plan, die Wölfe einzeln abzuhandeln und/oder Yuka schon mal alleine in Richtung des Riesen vorgehen zu lassen, denn im Nu ist das Viech mit dem Finnar im Nahkampf.

Mit den Tieren werden wir trotzdem erstaunlich gut und erstaunlich schnell fertig: Da sie ja in lockerer Formation und recht weit von einander entfernt herumgelaufen sind, kommen pro Runde nur etwa 3 von ihnen auf einmal in Kampfreichweite. Außerdem sind es nur Extras, und überdies ist das Kampfglück uns allen ziemlich hold. Die sechs Soldaten des Jarls (geführt von Katelars Spielerin) teilen sich bei ihren Armbrustsalven recht erfolgreich auf diejenigen Dire Wolves auf, die sich nicht gerade mit Yuka im Nahkampf befinden oder von den Fernkampfangriffen des Magiers und des Elfen beharkt werden, und schon nach wenigen Runden sind die Wölfe Geschichte.

Der Hauptmann der Bewaffneten wird übrigens von Timber geführt, nachdem Carimus‘ Spieler zunächst einen Protest wegen mangelnder Intelligenz eingelegt hatte und wir ihm erstmal erklärten, dass nicht Yuka-der-Charakter dem Captain sagen würde, was er zu tun habe, sondern dass Timber-die-Spielerin den Soldaten zusätzlich zu Yuka übernehmen und Timbers Intelligenz hoffentlich dazu ausreichen würde.
Allerdings hat zugegebenermaßen der Hauptmann in diesem Kampf nicht sonderlich viel getan außer sein Schwert bereit zu halten, falls ihm ein Wolf zu nahe kommen würde, und seinen Leuten Befehle zuzurufen. Denn da ergab sich eine Regelfrage, die ich aus meiner SW-EX heraus nicht auf Anhieb beantworten konnte (die SW-GE, die auch am Tisch lag, haben wir, damit es zügig weiterging, nicht mehr befragt, sondern einfach so weitergespielt). Also: Der Captain hat „Command“, und damit gibt er seinen Untergebenen ja einen Bonus auf’s Ent-Shaken, solange er sich in deren Reichweite befindet. Aber was genau ist „Reichweite“? Soft-geregelte Rufweite? Sichtlinie? X Inches? Und weil ich es eben nicht finden konnte, habe ich den Hauptmann lieber in Formation mit seinen Truppen bleiben lassen, und da er selbst keine Armbrust besaß, sondern nur ein Schwert, hatte er halt in dem Kampf nicht viel zu tun. Machte aber nichts, wir haben die Wölfe ja auch so platt bekommen.
(Dass die Reichweite aller solcher Talente laut SW-GE tatsächlich 5 Inches sind, habe ich beim Spielen nicht gefunden, weil ich in der Eile auf die schlaue Idee kam, nicht beim „Command“ Edge an sich nachzusehen, sondern ein Stückchen oben drüber bei den Leadership Edges ganz allgemein, nachzusehen, schlichtweg nicht kam.)

Während wir uns mit den Wölfen beschäftigten, hat der Frostriese sich überhaupt nicht um uns gekümmert, sondern ist immer weiter auf den Bauernhof zugestampft.
Nun, als Grôman das Ungetüm aus näherer Entfernung betrachten kann, fällt ihm auch auf, was er vorhin übersehen hatte: Das ist gar kein Frostriese! Frostriesen sind zwar furchterregende, aber natürliche Wesen, die in den nördlichen Gefilden Rassilons durchaus existieren. Das hier jedoch, erkennt der Magier, ist keine natürliche Kreatur, sondern ein Elementar, und als solcher muss dieser von irgendjemandem heraufbeschworen worden sein, und zwar von einem sehr mächtigen Zauberkundigen. Diese Tatsache behält der Zwerg aber jetzt, direkt nach dem einen und kurz vor dem nächsten Kampf, wo es wahrlich anderes zu bedenken gibt, erst einmal für sich.

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