Die Hellfrost-Nachwuchsrunde (5)

Einen einzigen kleinen Vorteil haben wir: Der Frostriese – so werde ich ihn einfach trotzdem erst einmal weiter nennen – kümmert sich gar nicht um uns, wir sind viel zu winzig und unbedeutend, um seine Aufmerksamkeit zu verdienen. So können wir uns ungestört in Position bringen, denn der Riese hat erst einmal innegehalten, steht ein kleines Stückchen vor dem Bauernhof und bearbeitet diesen sowie das naheliegende Gehölz mit seinem Frostatem.

Yuka stürmt, nachdem er die anderen beruhigt hat, dass er ja seine warme Kleidung trägt und außerdem an die Kälte seiner nördlichen Heimat gewohnt ist, als einziger zum Riesen hin; der Rest hält sich wohlweislich in Fernkampfentfernung. Grôman überlegt kurz, ob seine „Elemental Manipulation: Water“ wohl dazu ausreiche, auch diesen speziellen Elementar zu beeinflussen, aber da der Riese höher ist als ein Haus und die Fähigkeiten des Zwergs gerade mal für ca. einen halben Liter ausreichen, verwirft er diesen Gedanken schnell. Auch ein versuchsweise geschleuderter Eispfeil prallt logischerweise völlig wirkungslos an dem Frostriesen ab. Diesen zu treffen, ist übrigens nicht das Problem: Das Ungetüm ist mit einer Size von 18 so riesig, dass man schon völlig versagen müsste, um daneben zu zielen. Carimus schießt einen Pfeil auf das Ungetüm ab, was diesem allerdings kein bisschen wehtut; das einzige, was der Schuss erreicht, ist, den Riesen auf die Winzlinge aufmerksam zu machen, die da seine Kreise stören. Mit wütendem Gebrüll wendet er sich der Gruppe zu, atmet tief ein und lässt seinen Eishauch auf sie los. Yuka war schon ein gutes Stück herangekommen, er steht also genau im Weg des Frostatems, kann aber gerade noch ausweichen, indem er behende zur Seite springt.

Dann ist er heran und schwingt das Engelsschwert, doch auch der Schlag des Grey Legionary kratzt den Eispanzer des Riesen nicht einmal an; dieser scheint sogar nicht einmal zu bemerken, dass ihn da etwas getroffen hat. Aber nun geschieht wieder das Seltsame, das auch schon dem Feuerdämon in der Höhle den endgültigen Garaus gemacht hat, nachdem Grômans Wassermagie ihn ernsthaft verletzt hatte: Yuka hört, nein spürt eher durch das Band, das ihn mit dem Engel verbindet, fast so etwas wie ein Singen von seiner Waffe, eine Art Willensanstrengung, die von dieser ausgeht und das Böse zu brechen versucht, das sie berührt. Das hinterlässt bei dem Elementarwesen durchaus einen Eindruck: Es knurrt wild und schüttelt den Kopf, wie um den Eindringling aus diesem zu vertreiben. Das scheint ihm auch zu gelingen, denn gleich darauf richtet es sich wieder auf und wendet sich nun ernstlich dem Finnar zu.

(Spieltechnisch ist das der Spruch „Banish“, den die Engelsklinge bei jedem erfolgreichen Treffer unabhängig vom verursachten Schaden automatisch auf Dämonen, Elementare und sonstiges übernatürliches Gezücht wirkt: Das Monster muss einen Spirit-Wurf gegen den Waffen-Würfel des Schwertes schaffen, oder es wird umgehend in die Niederungen verbannt, aus denen es kam. Eifriger Bennie-Einsatz seitens des SL verhindert, dass der Kampf schon jetzt, vergleichsweise unspektakulär, zuende geht.)

Der Eisriese schlägt zu und trifft Yuka, der ohne seinen Schild kämpft, damit er den Engel zweihändig führen kann, vergleichsweise harmlos. Aber der Grey Legionary steht auch in der Frostaura des Elementars: Gegen diese unnatürliche Kälte hilft nicht einmal seine warme Pelzkleidung, und so zieht er sich einige Erfrierungen zu. Dadurch behindert, gelingt es dem Krieger nicht, dem nächsten Frostatem auszuweichen, und nun kann er sich kaum noch auf den Beinen halten. Der Elementar scheint zu wittern, dass sein in diesem Kampf gefährlichster Gegner kurz vor dem Niedergang ist; er richtet sich zu seiner vollen Höhe auf, um dem Finnar den letzten Schlag zu versetzen.

Katelar war nach kurzem Zögern hinter Yuka zu dem Riesen hingelaufen, um dem Grey Legionary Unterstützung zu geben, und auch ihr ist es – ebenso wie dem Zwerg in einiger Entfernung – gelungen, dem ersten Frostatem auszuweichen. Als Yuka verwundet wird, will sie eigentlich zu ihm und ihm ihren Heiltrank verpassen, doch dann merkt sie, wie eiskalt es in der Umgebung des Riesen ist, und so bringt sie sich lieber in sichere Entfernung. Carimus, der Bogenschütze, stellt in genau diesem Moment fest, dass er ja keinerlei Nahkampfwaffe besitzt, sondern lediglich seinen Bogen, und so ist er mehr oder weniger darauf reduziert, weiter Pfeile auf den Elementar abzufeuern und zu versuchen, ihn beschäftigt zu halten. Immerhin gelingt es ihm mit einem seiner Brandpfeile sogar, dem Frostwesen eine Wunde beizubringen
Grôman jedoch, selbst nicht mehr so ganz sicher auf den Beinen, eilt zu dem Legionary hin und flößt diesem gleich zwei Tränke auf einmal ein: seinen Heiltrank und den Stärketrank aus dem Kloster. Yuka passt es ganz und gar nicht, stillstehen zu müssen, aber täte er das nicht, könnte der Zwerg ihm die Tränke nicht verabreichen.

Die beiden Elixiere geben Yuka neue Kraft; er rafft seine allerletzten Reserven zusammen und schlägt noch einmal zu, gerade als auch der Frostelementar bereits ausholt. Wieder kann der rein körperliche Hieb dem Ungetüm nichts anhaben, und wieder spürt der Legionary dieses Singen, als die Klinge sich gegen das Böse wendet. Erneut schüttelt sich der Riese, wehrt sich mit aller Macht, doch diesmal fruchtet das nichts; das Singen wird stärker, jubilierender, und dann ist der Frostriese mit einem Mal verschwunden. Einfach aufgelöst.

(Diese Szene war an Spannung kaum zu überbieten. Yuka mit seinen 3 Wunden musste nur noch angepustet werden, um umzukippen; die anderen überlegten ooc schon, dass dann ja wohl ein anderer den Engel würde nehmen müssen, wenn der Finnar außer Gefecht wäre. Dann plante Grôman, Yuka die beiden Tränke einzuflößen, was aber nur ging, wenn Yuka eine Runde lang außer Stillstehen und runterschlucken nichts tun würde, also musste er sich auch das Zuschlagen verkneifen. Die spannende Frage: Würde er den Soak-Wurf durch den Heiltrank schaffen und mindestens eine Wunde reduzieren? Und die noch spannendere Frage: Würden Grôman und Yuka vor dem Riesen drankommen und so einen weiteren, mit ziemlicher Sicherheit tödlichen oder ausknockenden Schlag vermeiden, vom Frostschaden der Aura ganz abgesehen? Und dann die neue Runde… erst Grôman, dann Yuka und dann der Riese – Pik 10 vs. Kreuz 10!
Und natürlich haute Knörzbot für den Willenswurf gegen den Banish des Schwertes sämtliche Bennies raus, die er noch hatte, 3 Stück an der Zahl, aber er kam trotzdem nicht über die 10, die er brauchte! Puuuuh. Extrem coole Szene. So sehr habe ich lange nicht mehr auf der Stuhlkante gehibbelt.)

Den Magier hat die Frostaura des Riesen, ehe dieser vom Schwert gebannt wurde, auch ganz schön mitgenommen, und so revanchiert Yuka sich nun mit seinem eigenen Heiltrank, um den Zwerg vor Schlimmerem zu bewahren. Katelar, Carimus und die Soldaten sind vergleichsweise glimpflich davon gekommen; der Captain bedankt sich nun herzlich, aber leicht betreten, weil er selbst nicht damit gerechnet hatte, einem so mächtigen Gegner gegenüber zu stehen.
Grôman erzählt nun der Gruppe, außerhalb der Hörweite der Bewaffneten, von seiner Beobachtung, dass der Riese kein echter Riese, sondern eine beschworene Kreatur gewesen sei, und gemeinsam beschließt man, das dem Jarl möglichst nicht in Gegenwart seines Beraters zu berichten, denn wer weiß, ob nicht gerade dieser Erzmagier derjenige ist, welcher.

Zurück an der der Burg werden wir nach einem ereignislosen Heimritt (und natürlich, nachdem wir uns vergewissert haben, dass es der Bauernfamilie einigermaßen gut geht) von einem sehr dankbaren und frohen Jarl begrüßt, der uns zu einer Audienz einlädt, wo er uns seinen Lohn auszahlen will, ebenso zu einem Fest zu unseren Ehren, das er am Abend auszurichten gedenkt. Aber vorher erklärt ihm Grôman, er würde ihn gerne alleine sprechen. Gut, erwidert der Jarl, und auch er bittet um ein Gespräch unter vier Augen – mit Katelar.

Tja, und die Diebin… spielt ihren Charakter aus, sagt ihre Spielerin hinterher. Gerät völlig kopflos in Panik, findet Knörzbot. Was von beidem, oder etwas dazwischen, es auch gewesen sein mag: Katelar, die als Hindrance „groß gesucht“ wird und einen „kleinen Feind“ hat (das wissen wir ic natürlich noch nicht, und auch nicht die ganz genauen Umstände), hat wohl in der Royalmark, nach allem, was bisher so angeklungen ist, einem dortigen Machthaber die Krone gestohlen. Deswegen hat sie nun besagten Machthaber zum Feind. Nur zu einem „kleinen Feind“, wie gesagt; viel schlimmer ist, dass sie die Krone, aus welchem Grund auch immer, nicht behalten konnte (weil sie ihr von einer anderen Diebesgilde abgejagt wurde, oder so), aber trotzdem alle, Gesetzeshüter wie andere Diebesorganisationen, noch immer hinter ihr her sind, weil sie glauben, sie wisse um das Versteck dieses extrem wertvollen Kleinods.

Und als der Jarl nun zu Katelar sagt, dass er mit ihr sprechen müsse, weil Leute nach ihr gefragt hätten, vermutet die Anari sofort das Schlimmste: dass der Baron sie verhaften und ihrem Feind ausliefern lassen will. Ohne ein Wort zu ihren Mitreisenden – sie kennt sie ja schließlich nicht, die paar Tage auf Achse waren für die Diebin eine reine Zweckgemeinschaft, die zu rein gar nichts verpflichtet – verschwindet sie aus der Burg in die Stadt, und als sie in der Stadt tatsächlich Steckbriefe von sich entdeckt, reißt sie alle ab, die sie finden kann, wirft sich dann auf ihr Pferd und ist auf und davon.

Advertisements

Hinterlasse einen Kommentar

Eingeordnet unter Hellfrost, Pen & Paper

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s