Die Hellfrost-Nachwuchrunde (6)

Der Rest der Gruppe weiß davon natürlich erst einmal nichts. Wir kommen wohlgelaunt zu unserer Audienz mit dem Jarl, der uns noch einmal dankt und uns dann jedem unseren Lohn – die, für Yuka zumindest, unfassbare Summe von 500 Goldstücken pro Person – aushändigt. Grôman berichtet von unserem Erfolg gegen den Eisriesen und erklärt, dass dieser eine beschworene Kreatur gewesen sei – offensichtlich von einem sehr mächtigen Magier. Ob der Jarl Feinde habe? Der Burgherr sagt auf diese Frage nichts, wirkt allerdings auch überhaupt nicht überrascht ob dieser Information. Dann allerdings fasst der Adlige den Finnar ins Visier und fragt diesen rundheraus, was er nun wegen des zweihändigen Engels zu tun gedenke. Der Grey Legionary befindet sich in einer echten Zwickmühle, weil er die Waffe nicht aufgeben möchte, aber in die Dienste des Jarls zu treten kommt natürlich auch überhaupt nicht in Frage.
(Wobei ich das mit der Verbindung zum Schwert etwas falsch verstanden hatte. Es ist eher eine „Einstimmung“ aufeinander, eine gewisse Resonanz, kein Band auf Leben und Tod, also würde es zumindest keine körperlichen Nachteile haben, die Waffe aufzugeben. Trotzdem, das Ding ist so mächtig, das würde wohl niemand so ganz leichtfertig wieder hergeben.)

Man hat sich gerade darauf geeinigt, dass man erst einmal in Ruhe das Fest am Abend feiern und am nächsten Tag weiter darüber sprechen werde, da fällt den anderen auf, dass Katelar ja gar nicht da ist. Der Jarl hat auch tatsächlich nur für drei Personen die Bezahlung bringen lassen. Auf die Fragen der Gruppe hin erklärt der Jarl, ja, die Anari sei gesehen worden, wie sie die Stadt verlassen habe, und damit habe sie auch auf ihren Lohn verzichtet. Ihren drei Mitstreitern händigt der Adlige das Geld auch nicht aus, obwohl diese es einfordern: Nicht nur sei es sehr unhöflich von Katelar gewesen, einfach so ohne ein Wort zu verschwinden, er könne überdies nicht wissen, ob die drei Abenteurer Katelars 500 Goldstücke nicht einfach so einstreichen würden, um sich selbst daran zu bereichern.
Yuka ist ziemlich baff ob dieser Anschuldigung; seine Mitstreiter zu bestehlen oder ähnliches würde ihm nicht einmal im Traum einfallen!

Natürlich kommt dann die Frage auf, warum die Anari so Hals über Kopf aufgebrochen sein könnte, und der Jarl erklärt ohne Umschweife, dass es Steckbriefe von ihr in der Stadt gäbe und dass Leute sich auf seiner Burg nach ihr erkundigt hätten. Einen der Steckbriefe zeigt der Adlige der Gruppe auch; das Bild gleicht Katelar recht deutlich, nur ein Name steht nicht dabei. (Ihre echte Identität ist also fürs Erste gesichert.) Eigentlich, so sagt er, habe er sie lediglich warnen wollen, aber mit ihrer überstürzten Flucht habe sie sich kein gutes Zeugnis ausgestellt, und vielleicht sollten ihre drei Mitreisenden, da sie ja offenbar bislang keine Ahnung von ihrem gesetzlosen Hintergrund hatten, sogar dankbar darüber sein, die Diebin losgeworden zu sein.
Aber davon will Yuka nichts hören. Er, die treue, loyale Seele (ja, er hat die Hindrance „loyal“), sieht die anderen drei nach all den bestandenen Gefahren schon längst als seine Gefährten, und er weigert sich, Katelar im Stich zu lassen, ganz egal, was sie getan haben mag. Oder wenigstens will er aus ihrem eigenen Mund hören, warum sie abgehauen ist.

Wie dem auch sei, der Grey Legionary beschließt, der Anari zu folgen, und zwar sofort zu folgen, gar nicht groß auf der Burg zu rasten oder das Fest mitzumachen.
Und damit klärt sich für ihn leider auch die Frage des Schwertes. So wertvoll die Waffe ihm ist, die Loyalität zu Katelar ist wichtiger, und so legt er den zweihändigen Engel unendlich sachte und vorsichtig, und auch durchaus nicht wenig widerstrebend, in die Hände des Jarls und verabschiedet sich. Carimus und Grôman stimmen nach kurzem Zögern zu, ebenfalls gleich mit abzureisen.
Der Jarl ist traurig über unsere Entscheidung, hindert uns aber nicht am Aufbruch, und so satteln wir unsere Pferde (ich glaube zumindest, dass wir vom Jarl wieder welche bekommen haben; wir hatten ja bei der Charaktererschaffung alle für Reittiere bezahlt, sie aber nie zu Gesicht bekommen, und ich meine, die Pferde, auf denen wir gen Frostriesen geritten sind, waren Teil der Bezahlung, damit der Status Quo wieder hergestellt war.)

An einem der Stadttore erfahren wir, dass eine Frau von Katelars Beschreibung die Stadt hier verlassen hat. Aber keiner von uns ist sonderlich geschickt darin, die Spuren eines einzelnen Pferdes auf einer belebten Handelsstraße zu verfolgen. Und so vergeuden wir erst einmal wertvolle Zeit, weil wir hin und her suchen und keine Ahnung haben, wie wir unsere Reisegefährtin jemals wiederfinden sollen, bis wir dann schließlich anfangen, nachzudenken. (Mit ein klein wenig Anstubsen und Fremdbestimmung seitens des Spielleiters, denn sonst hätte es vermutlich wirklich ziemlich mau ausgesehen.) Wir wissen, dass Katelar aus der Royalmark kommt. (Dass wir das wissen, legt Knörzbot jetzt einfach mal fest. Ob aufgrund ihres Akzents, ihrer Kleidung oder einer Bemerkung, die die Anari vielleicht mal gemacht hat, ist in dem Moment relativ gleichgültig.) Und wenn sie aus der Royalmark kommt und Steckbriefe aus der Royalmark nach ihr suchen, dann ist es relativ wahrscheinlich, dass sie in genau die gegengesetzte Richtung weggeritten ist, so weit von ihren Häschern weg, wie nur irgend möglich. Direkt nach Osten geht nicht, da ist eine hohe Bergkette, und da müsste man die Pässe schon sehr genau kennen. Also ist Katelars wahrscheinlichste Straße die, die einen kleinen Umweg nach Süden bedeutet. Ergo schlagen wir auch diesen Weg ein. (Das es übrigens nicht Yuka war, der all diese schlauen Gedanken hatte, sondern die anderen beiden, dürfte ja inzwischen klar sein. :P)

Wir reiten den ganzen Rest des Tages lang, bis wir gegen Abend an einem Gasthaus ankommen. Hier erkundigen wir uns natürlich sofort, ob eine Reisende von Katelars Beschreibung durchgekommen ist, werden aber enttäuscht. (Was die Charaktere nicht wissen, ist, dass sie Katelar untertags überholt haben, weil diese abseits der Straße im Wald geblieben ist und somit langsamer vorankam als die Gruppe auf der Straße.)
Immerhin kann Carimus hier von einem reisenden Händler ein Langschwert kaufen, so dass er nun endlich nicht mehr ohne Nahkampfwaffe sein Dasein fristen muss.

Oh, und Yuka schreibt an dem Abend aus dem Gasthaus unter vielen Mühen noch einen Brief an den Jarl. Das muss man sich dann ungefähr so vorstellen: „Wehrter Jaarl. Bite ehntschuldihgt, das wir so plötslich auf gebrochen sind und bite past guht auf das Engelschwert auf. Es ist sehr wehrtfoll.“ (*hust* Ja, Yuka kann lesen und schreiben, wenn auch nur mit, äh, Anstrengung.)

—-

Hier haben wir dann unseren Cut für den Abend gemacht. Knörzbot sagte, er habe somit immerhin schon eine Idee für das nächste Abenteuer und wie er uns dort hineinbringen kann, falls Katelars Spielerin nichts dagegen habe, dass er noch ein wenig weiter darüber bestimmt, wie und warum sie wo genau landet. Dagegen hatte sie nichts einzuwenden, also schauen wir mal, wie es weitergeht.

Schade war natürlich, dass Yuka sein Engelsschwert jetzt doch zurücklassen musste, aber ich glaube ehrlich gesagt nicht, dass eine so mächtige Waffe überhaupt je dazu gedacht war, in Spielerhand zu bleiben, und ich denke nicht, dass dem Finnar – bzw. vor allem mir 🙂 – noch ein Trick eingefallen wäre, um es nicht hergeben zu müssen. Und in dem Moment passte es halt einfach, dass Yuka seine Loyalität ausspielte und das Schicksal der Reisegefährtin ihm eben doch wichtiger war als alle magischen Waffen der Welt.

Dass wir nicht an der Feier teilgenommen haben, hat uns übrigens auch unsere ersten Rufpunkte gekostet, denn wären wir dortgewesen und hätte sie stattgefunden, dann hätte man unsere Taten durchaus besungen.

Memo an uns: Katelar schuldet uns 6 Rufpunkte! 😛

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