Die Hellfrost-Nachwuchsrunde (7)

Angesetzt haben wir nahtlos am selben Abend im Gasthaus. Es ist noch nicht Schlafenszeit, und so bleiben die drei Männer noch eine Weile in der Gaststube. Carimus allerdings ist es viel zu warm; der Taigaelf fühlt sich ziemlich unwohl und zieht sich daher ziemlich früh auf sein Zimmer zurück, wo er wenigstens das Fenster weit aufreißen kann.

Der Elf hat kaum die Wirtsstube verlassen, da bemerken die anderen beiden, dass die Stimmung ein wenig aufgeladen ist: Es ergibt sich eine Diskussion zwischen zwei Gruppen von Gästen. Einer, offensichtlich ein Händler oder etwas in der Art, beschwert sich lauthals, dass die Methoden des Jarls unerträglich seien, der Brückenzoll von 50 Goldstücken, den er auf dem Weg hierher habe entrichten müssen, viel zu hoch, und überhaupt! Einige andere, anscheinend hier in der Gegend ansässige Gäste widersprechen vehement und lassen auf den Jarl nichts kommen: Er müsse hart durchgreifen, weil er nur so die Räuber und Banditen in den Griff bekommen habe, die bis vor kurzem noch die Gegend unsicher gemacht hätten, und damit das Volk in Frieden leben könne, seien die Maßnahmen völlig gerechtfertigt.

An dieser Stelle schalten sich Grôman und Yuka in das Gespräch ein, weil ein solches Verhalten nicht zum Jarl, wie sie ihn kennengelernt haben, passen will, und sie außerdem auf ihrem Ritt hierher an überhaupt keiner zollpflichtigen Brücke vorbeigekommen sind.
Dabei stellt sich heraus, dass die Diskussion sich gar nicht um „ihren“ Jarl dreht, sondern um einen gewissen Erland Eisenfaust. Die Brücke, um die es ging, liegt noch vor uns. Offensichtlich befinden wir uns im Grenzgebiet zweier Baronien, und die Burgen der beiden Feudalherren liegen nur wenige Tagesreisen von einander entfernt am östlichen bzw. westlichen Rand ihres jeweiligen Herrschaftsbereiches. Oder so. Anders kann man sich ja nicht erklären, dass wir gerade mal einen Tag von der Stadt des „Frostriesen-Jarls“ (Brumm. Ich muss glaub wirklich Knörzbot nochmal fragen, wie der genau hieß) geritten sind und hier nun schon gleich der nächste Baron sein Land haben soll. 🙂

Nun mischt sich auch ein Engro ein, einer von drei Angehörigen seines Volkes, die an einem Tisch zwar aufgeregt zischelnd miteinander geredet hatten, aber ansonsten bisher für sich geblieben waren. Er wettert ebenfalls gegen den Jarl, der seinen Cousin Miro einfach so, ohne jeden Grund, verhaftet habe! Was auch ihre erregte Unterhaltung erklärt.
Der Jarl-verteidigende Bauer fährt auf, dass der Cousin es dann wohl nicht besser verdient habe; jeder wisse doch, dass die Engros nichts als Diebe und Gesindel seien… – und schon ist alles auf den Beinen, zischen Schwerter und Dolche aus Scheiden und werden Krüge und Stuhlbeine zum Zuschlagen gepackt.
(Und Carimus‘ Spieler ärgert sich schwarz, dass er den Elfen schlafen geschickt hat. :P)

Yuka und Grôman sind ebenfalls aufgesprungen, allerdings nicht, um sich am Handgemenge zu beteiligen. Sie gehen dazwischen, und es gelingt ihnen mit etwas Mühe tatsächlich, die drohende Kneipenschlägerei im Keim zu ersticken.
Der Finnar versucht dann auch noch mit dem Hinweis auf seinen eigenen Orden, der von einer Engro angeführt werde, den wortführenden Bauern davon zu überzeugen, dass man nicht verallgemeinern dürfe und dass eben nicht alle Engros Diebe und Gesindel seien. Aber das will dem guten Mann nun gar nicht in den Kopf. Eine Engro, Hauptmann der Grey Legion? Das erschüttert sein Weltbild völlig, auch wenn er von seinem Standpunkt trotzdem nicht abgehen will. Aber wenigstens ist nun Ruhe und die Schlägerei abgewendet.

Der dankbare Wirt hat den beiden Abenteurern eben eine Runde spendiert, da werden sie von einem Saxa angesprochen, der ihnen, jetzt wo sie ein wenig darüber nachdenken, als derjenige auffällt, der das Kneipengespräch überaus unauffällig überhaupt erst auf den Jarl Eisenfaust gebracht hatte. Er stellt sich als Angus vor, bedankt sich für das beherzte Eingreifen und bietet einen Auftrag an. Er vertrete ein Handelskontor in Norvold und sei unterwegs zurück dorthin. Erland Eisenfausts Verhalten habe sich erst vor einigen Monaten so extrem verändert, erklärt Angus; erst seit kurzem wende er diese Raubrittermethoden an, zuvor sei er lange Jahre lang ein gerechter Lord gewesen, an dem es nichts auszusetzen gegeben habe. Die plötzliche Veränderung müsse doch einen Grund haben, und so sei der Auftrag, sich auf der Burg des Jarls einmal umzuhören, nachzuforschen, ob uns vielleicht etwas auffällt.
Wir lehnen mit Bedauern ab, weil die Suche nach Katelar ja Vorrang für uns hat. Aber wir vereinbaren mit Angus, dass wir ihn vielleicht später irgendwann kontaktieren werden. Denn das, was er da erzählt, klingt schon merkwürdig.

Anschließend spricht Yuka noch kurz mit den drei Engros und befragt den Wortführer der kleinen Gruppe nach seinem Cousin und den Umständen von dessen Verhaftung. Der Engro ist misstrauisch, gibt dem Finnar aber doch brummig Auskunft, auch wenn er seinem Zweifel daran, dass sich ein Angehöriger eines anderen Volkes um das Schicksal eines Engro kümmern oder gar für einen Engro aktiv tätig werden könnte, deutlich Ausdruck verleiht. Viel Neues ist nicht zu erfahren: Eisenfaust habe Miro einfach ohne Angabe jedes Grundes verhaften lassen und fordere nun ein exorbitant hohes Lösegeld.

Um ganz sicher zu gehen, dass die Schlägerei nicht doch noch ausbricht, bleiben die beiden Reisegefährten in der Gaststube, bis die erste der beiden potentiellen Streitparteien aufbricht, dann legen Grôman und Yuka sich auch schlafen. Immerhin wollen wir wegen unserer Suche nach Katelar sehr früh aufstehen. Bei Morgengrauen ist die Nacht also vorüber, und beim Frühstück besprechen wir, wie wir weiter vorgehen wollen. Eine Weile sind wir hin und hergerissen: weiterreiten? Warten? Uns aufteilen und beides tun? Schließlich kommt wieder der gesunde Menschenverstand (oder das, was wir dafür halten) ins Spiel. Wenn Katelar auf der Flucht ist, liegt nahe, dass sie sich von den Straßen fernhält und sich einen Weg durch den Wald gebahnt hat, und das wiederum könnte bedeuten, dass wir uns vor ihr befinden. Und da sie in höchster Eile losgeritten ist, kann sie eigentlich nicht mehr Proviant dabei haben als wir, was nicht sonderlich viel ist. Und das wiederum lässt vermuten, dass die Anari sich bei nächster Gelegenheit neu versorgen wird, also – mit etwas Glück – genau hier oder, falls ihr das noch zu riskant sein sollte, vielleicht im nächsten Gasthaus. Ausgehend von dieser messerscharfen Logik bleibt der Zwerg in der Taverne zurück, um die Eingangstür zu beobachten (und genüsslich ein zweites Frühstück zu vertilgen), während die beiden Gruppenmitglieder mit Naturerfahrung sich jeder auf einer Seite der Straße in den Wald begeben, wo sie die Straße jeweils noch sehen können. Und dann beginnt das Warten und Hoffen, dass wir mit unseren Schlussfolgerungen nicht völlig daneben liegen.

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