Forstzone (Kleintier-Anarcho-Satire. Wintertreffen 2012)

Die Forstzone. Ein Stück von dem, was die Zweibeiner „Deutschland“ nannten, wenn die Tiere es nur gewusst hätten. Rauh und dreckig und von den Hazis besetzt.

Serge, der Kater von Paris, hatte sie zusammengerufen. Paris, das war ein kleiner Teil von Schnurrerstadt, wo Serge über seinem unbestrittenen Reich thronte wie ein felliger König mit ramponierten Ohren. Aber die hatte er sich immerhin in jeder Menge schmutzigen Revierkämpfen erworben, was seinen Anspruch als König von Schnurrerstadt nur noch untermauerte. Serge kannte alles und jeden. Serge hatte Kontakte. Sogar zu den Hazis. Natürlich auch zu den Hazis, ein Kater musste immerhin überleben. Obgleich es auch Stimmen gab, die sagten, Serge arbeite insgeheim gegen die Besatzer. Ob das stimmte, wusste niemand so recht. Es konnte schon sein. Aber vor allem arbeitete Serge für eine Fraktion: für sich selbst.

Und jetzt war Serge ziemlich angefressen. Denn er war betrogen worden, und niemand betrog Serge, den Kater von Paris. Also hatte er das getan, was Serge immer tat: seine Kontakte spielen lassen und sich Leute besorgt, die das in die Hand nahmen.

Zu dritt liefen sie bei Serge auf: drei Tiere, die sich bisher nur flüchtig kannten, aber immerhin bei der einen oder anderen Gelegenheit schon mal zusammengearbeitet hatten. Sammy, Feuersalamander und glaubenseifriger Missionar-Inquisitor der Kirche von Unk. Marlies, eine junge Maulwürfin aus dem Untergrund, die seit der Vertreibung und Ermordung ihrer Familie und ihres ganzen Volkes alle Hazis mit einer Inbrunst hasste, die ihresgleichen suchte. Und Ricky, der Mungo, traumatisierter Kriegsveteran.

Serges Reich lag im Keller eines Zweibeinhauses, in dem ständig alle möglichen Zweibeiner aus- und eingingen und in dem jeden Abend in einem riesigen weiß- und metallfarbenen Raum ganz unterschiedliche Eßsachen ins Feuer gelegt wurden, was dem Kater ziemlich guten Zugang zu allen möglichen Zweibeinressourcen verschaffte, einen Gutteil zu seiner Statusbewahrung beitrug und ihm dabei half, seine eigene Kneipe angemessen ausgestattet zu halten.

Als die drei Tiere eintrafen, wurde Serge jedenfalls gerade wieder mal von mehreren attraktiven Katzen umschnurrt, die sich mit ihm zusammen auf einem weichen Kissen in der hinteren Mitte des Raumes fläzten. Und auch sonst war die Kneipe ziemlich gut gefüllt.

Serge scheuchte seine Bettkätzchen weg und wandte sich dann den drei Neuankömmlingen zu.
Der Auftrag war simpel genug, wie er es darstellte. Riccardo die Amsel hatte von ihm die Mittel bekommen, um eines von Serges Geschäften für ihn abzuwickeln: nämlich Ware, die der Kater von einem Handelspartner gekauft hatte, abzuholen und nach Schnurrerstadt zu bringen. Aber der falsche Vogel hatte Serge geprellt. Hatte das Geld genommen und die Ware abgeholt, sie aber nicht bei dem Kater abgeliefert. War einfach abgehauen mit dem Kram. Und Stimmen behaupteten, er sei zu den Hazis übergelaufen, habe sich mit dem Zeug bei denen eingekauft.

Was für Ware, war die naheliegende Frage. So eine rote Metallbüchse mit braunem, prickelnden Süßwasser drin, sagte Serge. Das Zeug wiederzubeschaffen, sei natürlich auch eines der Ziele, aber noch wichtiger war es dem Kater, dass Riccardo bei ihm abgeliefert würde, damit der seine Lektion lernen könnte.
Die drei Tiere waren sofort bereit, den Auftrag anzunehmen. Marlies, weil sie sich nur zu gerne allem anschloss, was in irgendeiner Weise gegen die Hazis ging. Ricky, weil er jederzeit für alles zu haben war, was ihm einen Adrenalinschub versprach. Und Sammy, weil sich unterwegs bestimmt Möglichkeiten zum Missionieren finden würden. Oder alternativ gerne auch zum Richten von Ketzern.

Und weil dem Kater die Sache so wichtig war, durfte das Team sich noch aus Serges reichhaltigen Vorräten ausrüsten. Marlies biss ein langes Stück Bindfaden von einer Garnrolle ab, während Sammy sich eine Packung Wunderkerzen schnappte und der Mungo zielsicher nach einer abgesägten Strohflinte – einem abgeschnittenen Strohhalm mit einem Gummi am Ende – griff. Zusätzlich verpasste er der Maulwürfin noch schnell eine Schweißerbrille, weil er fand, dass die gut zu ihr passte.
Dann hätte der kleine Trupp eigentlich auch schon aufbrechen wollen, aber es gab einen kleinen … Zwischenfall. Und zwar meinten einige, schon mehr als nur leicht angetrunkene, Hazi-Soldaten, Ärger machen zu müssen. Spätestens allerdings, als der Salamander ihnen wortwörtlich Feuer unter dem Hintern machte und ihre Löffel von Rickys Klinge an die Wand genagelt wurden, dass das Blut an selbiger herunterlief, mussten sie jedoch erkennen, dass es keine so sonderlich gescheite Idee gewesen war, sich mit dem Mungo und seinen neuen Kampfgenossen anzulegen.

Nach diesem ersten Vorgeschmack von Ärger ging es in den Wald. Serge hatte ihnen ja gesagt, wo das Treffen zwischen Riccardo der Amsel und seinen Geschäftspartnern hatte ablaufen sollen; da wollten die drei Tiere erstmal hin, um zu sehen, ob es dort irgendwelche näheren Hinweise gab.

Sie waren noch gar nicht so sonderlich weit gekommen, da hörten sie mit einem Mal ein Geräusch, leise erst, aber sehr schnell näherkommend. Und dann war es da, unvermittelt und überwältigend, das Brummen, das Dröhnen, aber vor allem: das Licht!
Die Maulwürfin, von dem gleißend hellen Leuchten fürchterlich geblendet, weil gerade ihre kleinen, an unterirdische Verhältnisse gewöhnten Augen völlig überfordert waren, geriet in Panik und begann blind und kopflos zu graben, was ihre Pfoten hergaben. Egal wohin, Hauptsache in die Tiefe, Hauptsache weg von dem Blenden! Der Tunnel hätte garantiert sonstwo hingeführt, wenn Ricky sie nicht geistesgegenwärtig in die richtige Richtung geschubst hätte.

Unter der Erde kam Marlies langsam wieder zu Sinnen und warf Ricky einen dankbaren Blick zu. Und auch der Mungo betrachtete die junge Maulwürfin anerkennend, vor allem deren harte Krallen.

Noch war es mit dem Graben allerdings noch nicht getan. Denn abgesehen davon, dass die Tiere ja auch voran kommen wollten, rumpelte und dröhnte es derart heftig über ihren Köpfen, dass Marlies den Tunnel schnell noch weiter in die Tiefe trieb, einfach weil sie Angst hatte, die Decke könnte sonst einstürzen.

Irgendwann wurden die Erdgänge zu zweibeingemachten Betonrohren. Kanalisation, mit anderen Worten. Mit richtig, richtig ekelhaftem Inhalt. Für Marlies‘ feine Nase war der Gestank unerträglich, aber immerhin konnte sie sich durch die Bilder, die über Sammys Rücken flackerten, ein wenig ablenken. Anfangs zumindest. Denn beim zigsten Ansehen wurde auch der Unk-Missionierungsfilm irgendwann zur Qual. Ricky hingegen störte die Umgebung kaum. Hatte er doch im Zweiten Waldkrieg im Kampf gegen die Wiesel-Cong ganz andere Dinge ausgehalten.

Das Rohr endete irgendwann an einer Öffnung, und die drei Tiere fanden sich am Waldrand im freien Feld wieder. Froh, dem Gestank zu entkommen, stolperten sie ins Freie – und direkt vor die Füße einer Hazi-Patrouille, denn das hier war deren Gebiet.

„Heil Hoppler!“ wurden sie sofort von den wildfarbigen Feldjägern, die üblicherweise die Langstreckenscouts der Hazis abgaben, angerufen. „Wer seid ihr und was tut ihr hier?“

Eins war klar. Draußen im Freien hätten sie keine Chance. Sie mussten die Patrouille irgendwie in die Röhre locken, wo der enge Ort ihnen vielleicht einen Vorteil verschaffen würde. Die Maulwürfin, erfahren in Untergrund-Strategien, wie sie war, gab also schnell entschlossen das unschuldige Opfer. „Hilfe, Hilfe! Bitte helft mir! Diese beiden Saboteure von der Anti-Ha haben mich entführt!!“

Der Trick klappte. Die Hazis sahen die Gruppe an, dann einander, dann wieder die Gruppe, und dann stürmten sie auf die drei Tiere im Kanalrohr zu. Die hielten die Scharade mit Marlies als Opfer aufrecht, bis die Feldjäger herangekommen waren, dann schalteten sie in Kampfmodus. Der Feuersalamander huschte an die Rohrdecke und ließ sich von oben auf die Rammler fallen, während die Maulwürfin ihr Bindfadenseil nutzte, um zwei der Feldjäger einzufangen, und Ricky mit Mungomesser und Strohflinte unter den Hazis aufräumte. Und Sammys Wunderkerzen natürlich. Die fanden ebenfalls einen würdigen Einsatz.

Einer oder zwei der Hasen überlebten den Kampf. Nicht dass ihnen das viel half, denn nun wurden sie von Inquisitor Sammy … ausgequetscht. Riccardo die Amsel war tatsächlich im örtlichen Hazi-Hauptquartier, gaben sie schließlich von sich. Und die Alaska-Staffel plante irgendwas. Oder besser, man plante irgendwas mit der Alaska-Staffel. Irgendwas, das mit dem Zeug zusammenhing, das der Vogel geliefert hatte. Wo das Hauptquartier war, wollten sie erst nicht rausrücken, aber den brennenden Argumenten des Salamanders gaben sie schließlich doch nach. Auf dem Schrottplatz also. Da, wo die ganzen Reifen gelagert wurden.

Als die Feldjäger alles ausgeplaudert hatten, was sie ausplaudern konnten, machte Sammy kurzen Prozess mit ihnen, sprich, er schleppte sie raus aufs Feld, errichtete dort einen Scheiterhaufen aus herumliegendem Stroh und zündete ihn, zum dramatischen Gezwitscher eines Zaunkönigs, der dem Team schon die ganze Zeit nachgeflattert war, an.
Marlies war ziemlich geschockt von dem Ganzen, aber dann biss die Maulwürfin die Zähne zusammen. Immerhin ging es hier um Hazis!

Plötzlich hörten die Tiere ein ängstliches Fiepen. „Was macht ihr denn da? Ihr könnt doch nicht einfach so die Hazis umbringen, die werden sich an uns rächen!“
Es war eine Feldmaus, die da aus ihrem Loch heraussah und so panisch das Team anfiepte. Ricky wäre ihr am liebsten gleich an die Gurgel gegangen, aber Sammy, nicht faul, bekehrte die Maus lieber zu seinem Glauben an den Heiligen Unk.

Frisch konvertiert, erklärte sich der kleine Nager – Boris hieß er, teilte er bereitwillig mit – sofort einverstanden, der Gruppe den Weg zu zeigen. Außerdem lieferte er noch einige interessante Details. Zum Beispiel erzählte er, dass man von einer Gruppe Hasen munkelte, die gegen ihre eigenen Artgenossen in den Widerstand gegangen waren – die Rabbitance… Und Boris ließ einen Namen fallen, den das Team bisher nur im Flüsterton gehört hatte: Dr. Mümmele, von dem es hieß, er führe Experimente an gefangenen Tieren durch… Dass die Hazis auf dem Schrottplatz auch Zwangsarbeiter rekrutiert hatten, war hingegen weder Gerücht noch Schreckgespenst, das konnte Boris bestätigen.

Der Weg zum Schrottplatz führte mitten durch Woldis Revier. Woldi, das war ein Hazi-Mitläufer, wie er im Buche stand. Und ein Zweibein-Sympathisant dazu. Der rehbraune Dachshund sonnte sich in seinem eingebildeten Status als Begleiter und Beschützer des Zweibeins, das diesen Teil des Waldes unsicher machte.
Besser, Woldi und seinem Zweibein gar nicht erst zu begegnen. Deswegen machten die drei Tiere sich wieder unter die Erde, Marlies und ihre Schaufelwerkzeuge voran, und gruben sich unter dem Revier Richtung Müllhalde. Nicht den ganzen Weg, natürlich; irgendwann stieß Marlies‘ schnell improvisierter Gang auf das etablierte Tunnelsystem.

Aber ganz ohne Ärger kamen sie auch hier nicht davon. Es war sogar eine Menge Ärger, der ihnen da, schon ziemlich in der Nähe des Schrottplatzes, in Form einer weiteren Hazi-Patrouille, in die Arme lief. Ein Versteck war weit und breit nicht zu sehen, und um in der Eile einen Seitentunnel zu graben, würde vermutlich die Zeit nicht reichen… Schon machte das Team sich wieder kampfbereit, als plötzlich eine heisere Stimme erklang. Und diese Stimme kannte Ricky nur zu gut: Es war die von Colonel Badger, seines alten Kampfgefährten und Offiziers aus dem Krieg, der sich, ähnlich wie der Mungo selbst, nun ebenfalls als Söldner verdingte. Dem Dachs gelang es, die gerade bei ihnen eintreffende Patrouille davon zu überzeugen, dass sein Team und er im Auftrag Hopplers höchstselbst unterwegs seien und sie keinesfalls in ihrer geheimen und wichtigen Mission gestört werden dürften. Die Hazis ließen sie also passieren, und die Tiere machten sich davon, schwer erleichtert, dass ihnen ein Aufmerksamkeit heischender Kampf erspart geblieben war.

Außer Sicht- und Hörweite der Patrouille erklärte Badger auf Rickys erstaunte Frage hin, er sei tatsächlich ebenfalls auf einem Auftrag gegen die Hazis unterwegs. Was es war, das wollte oder durfte der Dachs allerdings nicht mal seinem alten Kriegskameraden anvertrauen, nur so viel, dass es durchaus wichtig werden konnte. Und dann war der Colonel auch schon wieder in den Gängen verschwunden.

Kurz darauf erreichte das Team den Rand des Hazi-Komplex unter der Müllhalde. Boris die Feldmaus hatte ja gesagt, am Schrottplatz würden Zwangsarbeiter festgehalten, für was auch immer die Hazis da planten. Und tatsächlich: Ihrem Gehör und Geruchssinn folgend, kam die kleine Gruppe an eine Höhle, in der sich Tiere der unterschiedlichsten Gattungen aufhielten. So müde und abgekämpft, wie die aussahen, waren das offensichtlich die Zwangsarbeiter, und sie waren anscheinend vor kurzem erst für die Nacht in die Höhle zurückgebracht worden. Also einigten die drei sich auf die klassische Einschleich-Taktik und mischten sich unauffällig unter die Gefangenen.

Die internierten Tiere waren allesamt völlig entkräftet, von ihrer demoralisierten Gefühlslage ganz zu schweigen. Ein Hauch Hoffnung kam auf, als die Gefangenen die Neuankömmlinge bemerkten und erkannten, dass diese freiwillig hier waren und irgend etwas planten, und es bildete sich eine kleine Traube um das Team. Die drei wollten auch gerne Rede und Antwort stehen, nur dummerweise blieb die Ansammlung von Tieren nicht unbemerkt.
Auf den Wachrammler, der nachsehen kam, was da los war, ging Ricky mit einem „Hazis raus!“ los, ehe die Maulwürfin ihn daran hindern konnte. Der Hazi war dann auch schnell erledigt und wurde in einer dunklen Ecke verscharrt.

Etwas später kam eine weitere Patrouille vorbei, mehrere Hasen diesmal, und zwar Angehörige der Elite-Staffel, der Alaskas. Auch mit denen wollte Ricky sich anlegen, aber Marlies hielt den überraschten und nach kurzem Zögern durchaus angetanen Mungo mit einem Kuss auf.
Das Fehlen des Wachhazis registrierte der Anführer der Alaska-Patrouille zwar, gab sich aber nicht überrascht, weil der anscheinend ohnehin als arbeitsfaul verschrien war.

Plötzlich war von hinten durch die kleine Traube von Tieren eine heisere Stime zu vernehmen. „Marlies!?“  
Es war ihr Vater.
Als beide sich wieder etwas gefasst hatten, erzählten sie einander kurz, was geschehen war. Marlies, wie es ihr in dem Chaos nach dem Überfall gelungen war zu entkommen. Wie sie in den Untergrund gegangen war. Angefangen hatte, aktiv gegen die Hazis zu operieren, wo sie nur konnte. Und gedacht hatte, von ihren Angehörigen habe niemand überlebt. Der ältere Maulwurf hingegen erzählte mit schwacher Stimme, dass die Familie getrennt worden sei. Er selbt nach bitterer Gegenwehr niedergeschlagen, die Mutter irgendwohin anders verschleppt. Er hatte auch gesehen, wie Marlies‘ älterer Bruder ebenfalls niedergeknüppelt worden war, und er befürchtete, der Junge habe das nicht überlebt.

Von ihm erfuhr die Gruppe auch, dass die Hazis in einer großen Höhle weiter drinnen an etwas bauten – oder besser ihre Zwangsarbeiter bauen ließen. Denn dieses Etwas war gefährlich und machte krank. Einige ihrer schwächeren Leidensgenossen hatte das Ding schon das Leben gekostet. Und der alte Maulwurf erzählte, dass der berüchtigte Dr. Mümmele tatsächlich hier war. Und Experimente machte. An seinen eigenen Leuten, aber auch und vor allem an Gefangenen. Etliche hatten die Wachen schon geholt, die nie wiedergekommen waren.

Die Gefangenen hatten alle eine Krampe angeheftet bekommen. Den schwächsten dreien – Marlies‘ Vater, der ständigen Widerstand geleistet und somit die volle Brutalität der Hazis zu spüren bekommen hatte, darunter – nahm das Team die Heftklammern ab und befestigte sie provisorisch am eigenen Körper. Für die drei Zwangsarbeiter, deren Platz sie einnehmen wollten, buddelte Marlies einen Verstecktunnel, wo sie fürs erste sicher wären. Boris, die bekehrte Feldmaus, die ohnehin nur auf eine Gelegenheit wartete, die Höhle des Löwen zu verlassen, erklärte sich bereit, die drei Befreiten hinauszubringen, sobald die Luft rein sei.

Am nächsten Tag wurde die vergrabene Wache immer noch nicht vermisst. Es waren andere Wächter, die kamen, um die Gefangenen zu ihrer Zwangsarbeit zu treiben, und auch deren Anführer brummte etwas von „arbeitsfaul“ und „Schande“, wunderte sich aber nicht weiter.

Rücksichtslos wurden die drei Tiere zusammen mit den anderen nicht-versteckten Gefangenen durch die Tunnels gestoßen. Auf dem Weg begegneten sie immer wieder Angehörigen der Alaska-Staffel, und seltsamerweise waren die meisten davon anders drauf als die, denen das Team bisher begegnet war. Die Augen aufgerissen und die Mäuler klebrig von einer bräunlichen Flüssigkeit, zappelten die schwarzen Kaninchen durch die Gänge und schienen geradezu heiß darauf, dass etwas geschah, dem sie mit Gewalt begegnen konnten. Auch wirkten sie stärker und schneller, was man so von ihnen aus dem Augenwinkel sehen konnte…

Dann waren sie am Ziel, einer großen, hell erleuchteten Höhle – und erstarrten erst einmal geschockt bei dem Anblick, der sie da erwartete.
Es war ein Hasenmäher – eine mit Kabeln und Drähten übersäte und vor allem mit mehreren Autobatterien gekoppelte Höllenmaschine, die offenbar ganz kurz vor der Fertigstellung stand…

Im Obergeschoss der Höhle, dort, wo offensichtlich die Köpfe hinter dem Ganzen steckten, war auch die Silhouette von Riccardo der Amsel zu sehen, dem eigentlichen Ziel des Teams – aber der Hasenmäher war erst einmal wichtiger. Viel wichtiger.
Die drei Tiere beschlossen, die Höllenmaschine so zu sabotieren, dass sie dann explodieren würde, wenn die Hazis sie an ihrem Bestimmungsort erstmals in Betrieb nehmen wollten.
Zu diesem Zweck, und für den Kampf, den sie erwarteten, trafen sie ausgefeilte Vorbereitungen: Ricky legte Todesfallen in der ganzen Höhle und Sammy wiegelte die Wachen gegeneinander auf, während Marlies sich um den Hasenmäher kümmerte. Dabei wurde die Maulwürfin beim Zernagen eines Kabels durch auslaufende Batteriesäure ziemlich übel verletzt, aber sie biss die Zähne zusammen und machte weiter.

Und dann, als alles bereit war und sie wussten, dass der Kampf auf Leben und Tod gleich beginnen würde, trafen sich Marlies‘ und Rickys Augen, und sie teilten einen langen, tiefen Blick und einen Kuss.

[Dann war zu unser aller großem Bedauern der Morgen-Slot vorbei (überzogen hatten wir eh schon), und wir mussten uns eilen, wenn wir überhaupt noch etwas zu essen bekommen wollten. Deswegen musste der epische Endkampf ausfallen bzw. rein in unserer Vorstellung ausgetragen werden.
Aber diesen wunderbaren Epilog, as imagined by Dreamdealer, will ich euch nicht vorenthalten:]

So schön hat Marlies es sich in den kühnsten Träumen nicht vorgestellt, aber Ricky hält sie zärtlich in den Armen. Aus seinem Mundwinkel tropft noch ein wenig Cola, gemischt mit Haziblut, als er sich zu ihr beugt, um sie im Schein des riesigen Scheiterhaufens zu küssen. Wenig stört die beiden die Silhouette von Sammy, der mit irren Augen um das Inferno tanzt und laut die Unkenhainische Hymne singt. Das Knistern des Feuers, der graue Rauch der Autoreifen, der beissende Geruch von säureverbranntem Hazifell vermischt sich mit der süßgeträllerten Melodie des Zaunkönigs – so schön kann die Forstzone sein!

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2 Kommentare

Eingeordnet unter Pen & Paper, Tanelorn-Treffen

2 Antworten zu “Forstzone (Kleintier-Anarcho-Satire. Wintertreffen 2012)

  1. Der Facebook Like Button wuerde sich gut auf der Seite machen, oder ist er mir entgangen?

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    • Ich bin kein übermäßiger Freund von Facebook Like Buttons, vielleicht, weil ich selbst nicht bei Facebook bin. Aber die Like Buttons wirken auf mich irgendwie immer so wie Gruppenzwang.
      Na, mal sehen, vielleicht baue ich sie ja doch irgendwann noch ein. Vielen Dank für die Anregung jedenfalls.

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