Igniculus-in-Arden, 08. Mai 2012

Es ist Frühsommer, und die Magi überlegen wieder einmal, welcher Baustelle sie sich als nächstes widmen sollen, nachdem das Problem mit den Wildschweinen jetzt gelöst ist. Für Askeladd und die vier verlorenen Schlüssel reicht es noch nicht; das ist eindeutig ein langfristiges Projekt.

Aber bei der Gelegenheit fällt Gudrid wieder ein, dass es in der Vergangenheit ja so geklungen hatte, als stünde der Bund auf genau dem Ort, wo damals das Barbarendorf der Flammenwirker gewesen war. Dem will die Maga nachgehen und macht sich deswegen auf dem Gelände auf die Suche nach Spuren der früheren Bewohner.

Leider ist ihr Unterfangen nicht von Erfolg gekrönt, denn außer einigen Knochen, die sich nicht am kleinen und rein christlichen Friedhof des Bundes befinden, sticht der Nordländerin nichts Interessantes ins Auge oder an die magischen Sinne.

Crispinus Comis, der indessen in Begleitung von Hermes Fidelis die Bibliothek aufsucht, um dort in den Archiven zu stöbern, hat mehr Glück. Der Verditius findet einen Bericht von der Gründung des Bundes durch die drei Flambeaux vor etwa dreißig Jahren, und in diesem Bericht findet sich einiges von Interesse.

Und zwar schreibt der damalige Chronist des Bundes von einer Kammer tief in den Grundfesten der früheren Siedlung, auf der Igniculus-in-Arden aufgebaut wurde. Und in dieser Kammer, oder Höhle, befände sich ein Brunnen, bis zum Rand gefüllt mit reinstem, flüssigem Feuer. Natürlich, erzählt die Chronik weiter, sei diese Kammer sogleich abgesperrt und mit magischem Schutz versehen worden, damit sich niemand aus Versehen dorthin verirren könne. Die Magi selbst hätten sich allerdings häufiger an den Feuerbrunnen zurückgezogen und sich nach und nach immer mehr Laborgerät dorthin bringen lassen. Und mit schöner Regelmäßigkeit ersetzen lassen, wenn wieder einmal eine ganze Laborausstattung in Flammen aufgegangen war.

Der Chronist war selbst kein Magus, daher kann er nur gewisse Vermutungen darüber anstellen, was die Magier dort unten genau erforscht haben, aber dass sie geforscht haben, teils sogar über mehrere Seasons, ist sicher. Einmal sei einer der Flambeaux mit einem Feuervogel aus der Kammer aufgetaucht, aber der Vogel sei bald darauf schon wieder verschwunden.

Offensichtlich wollten die Flambeaux das flüssige Feuer im Brunnen in die Form eines Lebewesens zwingen und sich diesen Elementargeist dann nutzbar machen. Und da liegt der weitere Schluss nicht fern, dass diese Versuche schließlich – spätestens da, wenn nicht schon früher – in dem Feuerwolf gipfelten, der im Kampf gegen Askeladds Wikinger eingesetzt wurde und mit dem Tod der Flambeaux freikam.

Gemeinsam befragen die Sodales anschließend noch Harold, den Autocraten. Der ist immerhin ebenfalls schon seit etlichen Jahren im Bund – nicht ganz seit dessen Bestehen, aber doch immerhin schon über zwanzig Jahre. Harold bestätigt die Angaben in der Chronik: Auch zu seiner Zeit haben sich die Magier immer wieder in die Feuerkammer zurückgezogen und dort ihre Forschungen betrieben.

Jetzt wissen die Jung-Igniculi also endlich, was sich hinter der Tür mit den fünf Schlössern verbirgt. Und um so dringender ist es, die fehlenden Schlüssel wiederzubeschaffen – sogar noch viel mehr, als Harold erzählt, jeder der drei Flambeaux habe einen vollständigen Satz besessen. Die Rede ist also gar nicht nur von vier fehlenden Schlüsseln, sondern von elf. Das mag es für die Igniculi leichter machen, von jeder Sorte einen zu erlangen, aber andererseits ist es auch ungleich gefährlicher, wenn es ihnen eben nicht gelingt, alle zurückzubekommen, und die Möglichkeit, sich Zugang zu der Feuerkammer zu verschaffen, weiterhin dort draußen in den Händen Askeladds und seiner Männer liegt.

Dennoch müssen die Schlüssel warten, soviel stand ja bereits fest. Dann doch lieber versuchen, das Problem des Flammenwolfes anzugehen.

Wolfram fliegt in Rabengestalt über den Wald, um nach Spuren zu suchen. Dabei fällt auf, dass es keinerlei verbrannte oder auch nur leicht vertrocknete Stellen mehr zu finden gibt, wie noch im letzten Herbst. Statt dessen bemerkt der Bjørnær, dass es in weitem Umkreis auch gar keine Raubtiere mehr zu geben scheint, zumindest keine vierbeinigen. Einige tote Hirsche entdeckt der Magus, und alle bis auf einen scheinen nicht gerissen worden, sondern einfach an Altersschwäche verendet zu sein. Die eine Ausnahme jedoch ist sehr wohl einem Raubtier zum Opfer gefallen, und die Spuren riechen für den Bjørnær eindeutig nach dem Flammenwolf.

An diese Stelle lotst Wolfram die anderen, und von dort aus nehmen Guri und er die Spur auf. Die Fährte führt zu einer Höhle in einem erkletterbaren Hügel, so dass Hauptmann Willehad den Befehl erhält, hinaufzuklettern und von oben den Eingang zu sichern. Semper Secundus schleicht sich indessen unsichtbar und so bezaubert, dass weder seine Schritte Geräusche verursachen noch irgendein Geruch von ihm ausgeht, bis zum Höhleneingang und späht hinein.

Zum großen Erschrecken des Tremere befindet sich in der Höhle kein Flammenwolf. Statt dessen sieht er einen sehr großen, aber nicht brennenden Vertreter der Gattung, ein durchschnittlich gewachsenes Tier sowie etliche Jungen.

Semper Secundus will sich gerade mit diesen Neuigkeiten zu seinen Sodales zurückziehen, da scheinen ihn die Wölfe in der Höhle doch zu bemerken, und der Leitwolf – offensichtlich der Feuerwolf, der nicht mehr länger nur körperlich ist, sondern nun zu allem Überfluss auch noch gelernt hat, seine Flammen nach Wunsch zu kontrollieren – stößt ein derart lautes Knurren aus, dass unter Willehads Füßen regelrecht der Hügel erzittert.

Wie es ausssieht, ist es keine sehr gute Idee, sich mit dem ganzen Rudel anzulegen. Dann schon lieber mit dem Feuerwolf reden. Das wollte Constantia doch ohnehin.
Semper Secundus‘ Vorschlag, man könne doch erst das Weibchen und die Welpen töten, wird sehr schnell abgeschmettert. Erstens komme das überhaupt nicht in Frage, stellt die Principa klar, und zweitens: Was glaubt der Tremere wohl, wie der Leitwolf reagieren wird, wenn die Magier erst seine Familie umbringen und dann versuchen, mit ihm zu reden? Sowas müsste doch sogar jemandem, der sich mit der Natur überhaupt nicht auskennt, eigentlich klar sein.

Der unsichtbare Magus wäre übrigens von Constantia ex Flambeau beinahe gebraten worden, als er dieser bei seiner Rückkehr ohne Vorwarnung an der Schulter antippte, die Feuermagierin rein instinktiv reagierte und nur Secundus‘ Parma Magica ihn vor ihrem feurigen Speer schützte.

Da Constantia, ihrer vorigen Pläne zum Trotz, sich nun doch nicht so richtig zur Höhle traut, geht der Bjørnær vor. In Tiergestalt ruft er den Flammenwolf heraus und erklärt, die Menschen, also eigentlich vor allem Constantia, wollten gerne mit ihm reden.
Der Feuerwolf kommt knurrend und misstrauisch vor die Höhle, verhält sich aber erst einmal friedlich. Die Menschensprache versteht er, und das, was er zu den Magi sagt, übersetzt Wolfram.

Er will vor allem seine Familie schützen, kommt bei der Konfrontation heraus. Wegen der unterdrückt er inzwischen auch seine Flammen die meiste Zeit über, er will ja sein Weibchen und seine Jungen nicht verletzen. Das ist übrigens auch nicht ganz unbeunruhigend: Während seine Gefährtin eine normale Wölfin ist, stellt sich doch die Frage, ob die Jungen aufgrund ihrer väterlichen Hälfte nicht irgendwann auch irgendwelche Flammenfähigkeiten entwickeln werden, und welche.

Körperlich ist der vormals unstoffliche Elementargeist geworden, als er bei dem magischen Angriff auf den Bund von dem Feuerstrahl getroffen wurde, der eigentlich die anderen drei Elemente in der Mitte des Bundes hätte ergänzen sollen.

Auf den Bund, oder besser auf Flambeaux, ist der Feuerwolf überhaupt nicht gut zu sprechen. Immerhin haben die Feuermagier ihn aus seinem Heim vertrieben, ihn immer wieder beschworen und versucht, ihn zu zähmen, ihn zu ihrem Haustier zu machen! (Die direkt darauf folgende Frage, was denn „die da“ nun eigentlich von ihm wolle, beantwortet Constantia in einer Meisterleistung der Diplomatie nicht mit der direkten Wahrheit.)

Der Flammenwolf zeigt sich auch ziemlich verärgert darüber, dass er nicht nach Hause kann. Erstens, weil die Menschen sich da eingenistet haben, aber auch und vor allem, weil der Weg zu seinem Feuerbrunnen, aus dem er ja eigentlich kommt und in den er früher immer zurückgekehrt ist, abgeschnitten wurde.
Die Igniculi können ihm erklären, dass die Angreifer aus dem Norden die Schlüssel mitgenommen haben müssen, dass sie aber schon daran arbeiten, diese zurückzubeschaffen.

Am Ende verbleibt man mit einem vorsichtig neutralen Abkommen. Der Flammenwolf wird den Bund und all seine Bewohner und Nutztiere in Ruhe lassen, während die Magier sich darum kümmern, die Schlüssel wiederzubekommen. Im Gegenzug werden sich die Menschen vom Wolf, seiner Familie und dessen neuem Revier fernhalten.

Also kein Haustier für unsere Flambeau. Aber immerhin haben wir eine weitere Baustelle wenigstens vorläufig provisorisch gestopft. Oder nach hinten verschoben. Oder wie auch immer man es nennen will.

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Eingeordnet unter Ars Magica, Dienstagsrunde, Pen & Paper

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