Die Geschichte von Stian und Riná (17)

Ach Stian, ich weiß so vieles nicht mehr!“
Nach dem ersten Kuss, der einen zeitlosen, ewigen Moment gedauert hatte und doch viel zu kurz gewesen war, stand er noch immer da und hielt sie fest, konnte noch immer kaum glauben, dass er sie endlich wiederhatte.
Nun lächelte der Elf Riná beruhigend an und strich ihr sanft über das Haar. „Ich bin sicher, das kommt alles wieder.“ Ganz so zuversichtlich war der Schurke in Wahrheit zwar doch nicht, aber er konnte es kaum ertragen, seine Liebste trotz der Wiedersehensfreude so niedergeschlagen über ihren Gedächtnisverlust zu sehen. „Bestimmt.“
Riná kuschelte sich vertrauensvoll an ihn. „Meint Ihr?“
Stian nickte wieder. „Ganz bestimmt.“
Er hatte der Heilerin in kurzen Worten von seiner Suche berichtet – für alles andere, Ausführliche, würde später der richtige Moment kommen – und auch noch einmal Rinás Version der Ereignisse gehört. Aber es stimmte schon, sie wusste wirklich etliches nicht mehr, vor allem, was diese letzten Wochen in Outland betraf. Der Schurke kochte innerlich: Wenn er je herausfinden würde, was geschehen war, und wenn es einen Schuldigen gab… wehe ihm. Oh ja. Aber zunächst würde er alles tun, was in seiner Macht stand, damit die Frau seines Herzens ihr Gedächtnis vollständig wiedererlangte.

Nun holte Stian tief Luft und lächelte die Priesterin liebevoll an. „Riná… bitte entschuldige, dass ich so plötzlich davon anfange – ich müsste eigentlich einen besseren Moment, einen passenderen Ort dafür abwarten… Aber ich muss einfach jetzt fragen: Ich wollte es schon zuvor, und dann bist du verschwunden, und… ich kann einfach nicht länger warten.“
Riná sah ihn gespannt-fragend an. „Ja?“
Stian atmete noch einmal durch und holte aus der Tasche ein kleines, in Geschenkpapier gewickeltes Päckchen, das er schon lange, lange für genau diesen Augenblick mit sich herumtrug. Das Geschenk hatte ihn in den letzten Wochen über Stock und Stein begleitet; oft hatte er abends am Lagerfeuer gesessen und das Gebinde gedankenverloren wieder und wieder in den Händen gedreht; es war abgewetzt, zerknautscht, das Geschenkpapier an den Ecken abgestoßen. Doch das war nur das Äußere, das, was sich darin befand und was Stian mit viel Herzblut schon vor langer Zeit für seine Liebste angefertigt hatte, war in all den Mühen unversehrt geblieben, und es bedeutete dem jungen Schurken alles auf der Welt, genau diesen Gegenstand Riná jetzt zu überreichen.
Mit einem hoffnungsvollen Lächeln sank Stian vor seiner Liebsten auf ein Knie nieder und hielt ihr das kleine Päckchen hin. Die Heilerin nahm es mit einem neugierigen Ausdruck auf dem Gesicht entgegen und nestelte das Geschenkband auf. Zum Vorschein kam ein kleines Kästchen, und gleich darauf hielt die junge Sin’dorja einen schmalen, mit einem einzelnen, klaren Diamanten besetzten Ring in der Hand.
Stian sah ihr tief in die Augen. „Riná Sanemúra… willst du meine Frau werden?“
Sie schwieg einen Moment lang, einen entsetzlichen, ihm den Atem raubenden Moment lang. Dann lächelte sie strahlend. „Ja, Stian, ich will liebend gerne Eure Frau werden.“
Der Schurke spürte, wie ein beglücktes Lächeln über seine Züge flog. Freudig fasste er Riná um die Hüfte und wirbelte sie herum, ehe er ihr einen innigen Kuss gab und ihr liebevoll den Diamantring an den Finger steckte. „Danke dir… Du machst mich zum glücklichsten Sin’dor der Welt. Dieser Welt und aller anderen…“

Hinter sich hörte Stian leichte Schritte, die sich vorsichtig entfernten. Aus dem Augenwinkel warf er einen Blick zurück und sah Haniko eben noch aus seinem Sichtfeld verschwinden, ein zufriedenes Lächeln auf dem Gesicht. Die dunkelhaarige Hexerin musste ihnen wohl gefolgt sein und alles mit angehört haben. Stian lächelte leise und zog Riná enger an sich. Es war ihm egal, dass die gesammelte Priesterschaft hier in der Halle dem Geschehen mit großen Augen folgte. Und in dem Moment, als ihre Lippen wieder auf den seinen lagen, vergaß er ohnehin vollkommen, dass sie nicht alleine waren.

Nach einigen Minuten atemlosen Küssens musste Stian plötzlich schmunzeln. „Was?“ fragte Riná neugierig. „Was habt Ihr?“
Die Frage ließ den Sin’dor laut herauslachen.
„Was ist denn?“ Die Priesterin wirkte nun beinahe besorgt.
„Genau das“, japste Stian, „haargenau das. Riná, liebste Riná, Frau meines Herzens, würdest du mir einen großen Gefallen tun?“
Sie sah ihn mit großen Augen an und nickte. „Wenn ich kann?“
Stian musste wieder grinsen. „Es ist nichts Schlimmes. Nur… Rina, liebste Rina… jetzt, wo wir verlobt sind – meinst du nicht, du könntest dich langsam dazu durchringen, mich zu duzen?“
Nun musste Riná selbst lachen. „Oh Stian, ich werde mich bemühen. Es ist nur so ungewohnt. Ihr müsst… du musst mir einfach etwas Zeit geben. Geht das?“
Stian nickte lächelnd. „Aber natürlich.“

Schließlich fiel den beiden Sin’dorei ein, dass sie ja gemeinsam durch das Dunkle Portal hatten gehen wollen, wenn Stian so weit wäre. In den Wochen seiner Suche hatte der Schurke Riná an Erfahrung zwar eingeholt und sogar übertroffen, aber es war gar keine Frage, dass sie diesen bedeutenden Moment jetzt nachholten.
Gemeinsam ließen sie sich vom Translokator nach Undercity teleportieren, gemeinsam nahmen sie den Zeppelin nach Grom’Gol und flogen von dort aus nach Stonard. Der Ritt durch die Blasted Lands ging schnell, und dann standen sie ehrfürchtig vor dem Großen Portal. Stian nahm Rinás Hand, und gemeinsam schritten sie hindurch.

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Eingeordnet unter Stian & Rina, World of Warcraft

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