New Orleans – Tage des Teufels (Solène)

Warnung für die Diaries zu „New Orleans – Tage des Teufels“:
Diese Geschichte ist ziemlich extrem, und auch ziemlich bitter. Es werden Themen wie Gewalt und Kindesmissbrauch angesprochen, und es kommt eine Vergewaltigung darin vor. Nicht explizit in den Diaries ausgesprochen, sondern nur angedeutet, aber diese Themen durchziehen die Geschichte. Ein oder zwei Sexszenen gibt es auch. Wer mit solchen Dingen ein Problem hat, sollte diese Beiträge vielleicht nicht lesen.

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Niniane schreibt zu ihrem Text:

Mein Diary ist keine Beschreibung des Spielgeschehens im herkömmlichen Sinne, weil ich der Meinung war, eine Beschreibung der Ereignisse aus Solènes Sicht würde ein wenig die Übersinnlichkeit ihres Charakters zerstören. Also habe ich jemanden anderen erzählen lassen:

La Legende du Chat Noir

Kommt mal her, Kinder. Ja, ganz dicht dran. Du da hinten, du auch. Ich muss euch ’ne Geschichte erzählen, ist wirklich so passiert. Hier, in Big Easy. Ist ’ne traurige Geschichte, ich hoffe, ihr habt Taschentücher dabei, falls ihr mal’n paar Tränchen verdrücken wollt. Oh, und’n bißchen gruselig isses auch, also haltet euch gut fest und betet zur Jungfrau, damit sie uns beschütz‘. Aber ich schwör euch, jedes Wort ist wahr, ihr könnt den alten Thibodeaux fragen, drüben in der Charleston Road. Der hat sie auch gesehen, die schöne Frau, wie ’ne schwarze Katze, oder vielmehr ’ne Löwin war sie, so schön und so gefährlich. Du da Kleiner, halt Dir mal die Ohren zu, dass is‘ noch nix für Dich, aber ihr da, Jungs, ihr könnt das ruhig hören, dass die gute Solène, so hat sie sich genannt, verdammt nochmal die schönste Frau im ganzen French Quarter war. Oh ja, Mann. Wunderschön.

Aber sie war nicht normal, also nicht verrückt, wenn ihr das denkt, sie war nicht… von dieser Welt. Als ich sie kennengelernt hab‘, was schon lange lange her ist, verdammt lange, länger als die meisten von euch Kindern denken können, da war sie noch ein junges Mädchen. Süß und rein wie die Jungfrau, aber eine Seele, die war verflucht nochmal gar nicht unschuldig. Sie hatte Feuer in sich, oh Mann, und im Bett ging sie ab… he Du, ich hab gesagt, Ohren zuhalten! Oder Du gehst sofort zurück zu deiner Mami, aber sag ihr nix hiervon. He, bessere Idee, hol mir was von dem grünen Zeug, dass der alte Jerome braut, hier ist’n Dollar, und noch einer für Dich.

Und ihr, Ohren wieder auf, denn ich erzähl euch von Solène LeGuir, der schärfsten Frau in ganz Nola. Sie trug nur so’n weisses Kleid, so ein Sommerkleid, als ich sie das erste Mal traf, und ich schwör euch, es war so weiss wie ’n Brautkleid, und sie hat es genauso getragen, obwohls doch nur so’n Hängerchen war, andere Weiber tragen sowas als Unterwäsche, aber sie, sie sah darin aus wie ’ne gottverdammte Königin, und genauso hat sie sich auch benommen. Sie hatte noch nicht mal Schuhe dazu an, aber das war egal, brauchte sie auch gar nicht.

Ich hab sie immer mal wieder gesehen in dem Sommer, aber nich‘ oft, ich hatte zu tun, hatte Geld zu verdienen, wie ein Besessener hab ich geschuftet, aber hat sich gelohnt. Ich konnt‘ mir ein Haus kaufen, so’n richtig schmucken Kasten mit allem Drum und Dran, stand da in der Nähe vom See, wo heute die Bonzen hausen, ihr wisst schon, da, wo Katrina nich‘ hingekommen ist, weil die Leute ihre Seelen an den Teufel verkauft ham, und der schützt die Seinen, auch gegen sowas wie Lady Katrina. Oder sie lassen sich mit anderen Mächten ein, von denen sie nix verstehen, und opfern dafür die, die sie lieben. Wirklich wahr, guck nich‘ so erschrocken, Kleine, so is‘ die Welt nu’mal. Und Solène, um ma‘ wieder zum Thema zu kommn, die wusste das. Aber sie hat trotzdem mitgemacht, und schwupp, eh sie sichs versieht, hat ihr so’n Bonze das Herz gestohlen. Ja, richtig, das Herz, und das ist jetzt nicht so’n romantischer Kram, wie ihr den in der Flimmerkiste seht, sondern so ein Typ hat es ihr weggenommen, weil er sich damit vor dem Teufel schützen wollte. Ein Sprichwort sagt, wenn du dich mit’m Teufel einlässt, veränderst nicht du den den Teufel, der Teufel verändert dich. Genau das ist mit diesem Typen passiert, erst hat er sich mit dem Leibhaftigen eingelassen, um mehr Kohle zu kriegen, und dann hatters mit der Angst zu tun gekriegt und sich an Solène rangemacht, damit sie ihn beschützt. Ich hab ja gesagt, sie war nich‘ von dieser Welt, sie war’n Loa, und dieser geldgeile Sack hat sich mit ’ner Voodoo-Priesterin verbündet und Solène dazu gebracht, dass sie ihm ihr Herz schenkt. Er hats dann auf seinem Bonzenanwesen versteckt, und die schwarze Löwin war auf einmal ’n nasses Kätzchen. Es hiess, sie wäre immer noch in der Lage, verrückte Dinge zu tun, so’n Magiekram, aber sie war jetzt ’n Mensch. ‚N verdammt hübscher Mensch, wenn ich das mal so sagen darf, und sie ist nicht älter geworden, war immer noch son junges Ding, wie damals im Sommer.

Sie hat’s aber irgendwie zu Geld gebracht, wie, weiss ich nich‘, und will ich auch gar nich‘ wissen, aber sie hatte dann so ’nen Club, „Etablissement“ sagt man dazu, weil’s nicht so nach Puff klingen soll. Was? Nein, das Ding hat ihr gehört, kleiner Dummkopf, sie war die Chefin, sie hat da nich‘ gearbeitet, auch wenn ich gehört hab‘, dass ’ne Menge Typen ihre gesamte Kohle für eine Nacht mit Le Chat Noir ausgegeben hätten. Aber sie hat das immer nur weggelächelt, weil sie wusste, dasses verdammt gefährlich ist, mit ihr in die Kiste zu gehen. Nur einmal ist sie schwach geworden, und ich weiss noch, so schwach hab ich sie nie vorher und nachher wieder gesehen, und ich hab dann gehört, dass irgendsoein Typ im Mardi Gras ihr ein Kind gemacht hat, frag‘ mich nich‘, ich habs nie gesehen. Bis dann dieser Bengel aufgetaucht ist, nach 21 Jahren kam er hier an und hat sich benommen, als würde ihm die Stadt gehörn. Ich hab gleich gemerkt, dass mit dem was nich‘ stimmt, der hatte so komische Augen, die waren irgendwie wie die von ’ner Katze, ganz und gar nich‘ menschlich. Der roch so dermaßen nach Ärger, das war nich‘ mehr feierlich. Eigentlich wollte an dem Abend so ’ne feine Familie in dem Club feiern, irgendso’n reicher Pinkel und seine Kinder. Seine Kleine hatte ihren Highschool-Abschluss in der Tasche und durfte deswegen im Le Chat Noir ein paar Lieder für ihre reichen verwöhnten Freundinnen trällern, und der Sohn hat dazu gefiedelt. Der war auch nich‘ ganz normal, hat sich für ’nen Rockstar gehalten oder sowas, total irre und auf Drogen, aber die reichen Kids ham ja auch nix besseres zu tun, als sich von Acid bis Opium alles reinzupfeifen, was es zu kaufen gibt.

Jedenfalls, der erste Bursche, der mit den komischen Augen, marschiert in Solènes Büro, und dann hört mans nur noch krachen, und er hat sie gegen das Regal geworfen, der irre Spinner. Natürlich isser danach getürmt, was erwartet man von so einem, und der reiche Pinkel und seine Tochter, son blasses Pflänzchen, haben sich dann um Solène gekümmert. Ich hab gehört, die Kleine war öfter im Club und hat da Singen gelernt von Solène, denn das konnte sie, ohja, ’ne Stimme wie Honig und Bourbon. Ich hab ihr früher gerne zugehört, wow, Kinder, ihr wisst gar nicht mehr, wie das ist, so ’ne Musik zu hören, echten Blues, das gibts heutzutage ja gar nich‘ mehr mit diesem ganzen elektronischen Kram, der keine Seele mehr hat. Das Gefiedel von dem Junior-Pinkel hat mich ’n bißchen daran erinnert, wobei, da liefs mir da kalt den Rücken runter, das war ’ne andere Art von Seele, ’ne düstere Seite, die übelste Gelüste weckt, an die ich gar nich‘ mehr denken mag. Besessen, hab ich gedacht, der Typ ist besessen, aber ich wollt‘ gar nich‘ drüber nachdenken, wovon oder von wem. Aber die ganze Familie waren komische Typen. Der Alte hatte schon die zweite Ehefrau unter die Erde gebracht, hab‘ ich gehört, und die Erste soll komplett durchgedreht sein. Die Zweite hat das kleine Vögelchen mit in die Ehe gebracht, aber viel Glück war ihnen auch nicht beschieden, soll ’n Unfall gewesen sein. Ja klar, wers glaubt, Reitunfall, ist doch ’n Klassiker, wenn die Ehefrau nicht mehr spurt, wirds Pferd scheu gemacht und der Witwer ergeht sich in seine Trauer. Hätt‘ mich nich‘ gewundert, wenn das Vögelchen bald Ehefrau Nummer Drei geworden wäre.
Anscheinend hat das Zusammenleben mit dem ständig vollgekoksten Junior und dem Alten sie aber auch irre gemacht, ich hab dann gehört, dass sies nicht mit dem Alten, sondern mit dem Jungen getrieben hat. Mitten im Garten, vor so ’nem Mausoleum. Der Alte wiederum hat sich mit Solène eingelassen, armer Irrer. Das er das überlebt hat, war ’n Wunder, wobei, eigentlich auch nich‘. Der war nämlich der Nachfahre von dem Scheisskerl, dem Solène ihr Herz geschenkt hatte, ihr wisst doch, der mit dem Teufel einen Pakt eingegangen ist. Und der Teufel wollte sich jetzt holen, was ihm gehört, nämlich die Seelen von dem Alten und dem Junior. Dafür isser vor nix zurückgeschreckt, hat sich sogar an die Tochter rangemacht. Der Junior hatte sogar ’ne Stimme im Kopf, wenn ichs euch doch sage, der konnte mit dem Leibhaftigen reden, echt wahr. Aber ich hör‘ jetzt besser auf, vom Teufel zu reden, sonst kriegt ihr Angst, und scheisst euch in die Hosen.

Erinnert ihr euch noch an den jungen Burschen, der in Solènes Club aufgetaucht ist? Das war ihr Sohn, ja, genau, der vom Mardi Gras, und der hat rausgefunden, dass er über genauso magische Kräfte verfügt wie seine Ma. Konnte Dinge durch die Gegend werfen und sich in ’ne reissende Bestie verwandeln und so. Und, ganz wichtig, genau wie Solène konnte er den Leibhaftigen in Schach halten. Der Junior, sonst immer so zappelig war wie die kleinen Fische, die Mr Detemple vom Laden anner Ecke ausm Kanal holt, wurde auf einmal brav wie ’n Lämmchen, wenn Antoine – so hiess der Knabe – da war. Aber anstatt sich darüber zu freuen, hat Solène es mit der Angst zu tun gekriegt, denn stellt euch vor, sie wurde plötzlich älter. Ja, ihr habt richtig gehört, sie hat Falten gekriegt und alles, und wenn Du 200 Jahre lang aussiehst wie ’n junges Mädchen, dann fällt dir das auf, und allen anderen auch.

Aber Solène mochte die Kleine, also die Tochter von dem Alten, wirklich, und sie hatte Angst, dass ihr Alter auf die Idee kommt, das Herz einfach auszutauschen und ihren Sohn umbringt, um seins zu kriegen. Also hat sie alles gegeben, und ich mein‘ wirklich alles. Das hättet ihr sehn müssen, das war zum Gruseln, eben war sie noch jung und schön, und plötzlich steht da ’ne alte Frau, uralt, runzlig mit weissen Haaren und keine Zähne mehr im Mund, und sie wusste auch nich‘ mehr, wer sie war. Das war da in dem Garten, ihr wisst schon, das Labyrinth auf dem Grundstück von dem Alten, wo er das Herz versteckt hatte. Irgendwie sind da den einen Abend plötzlich alle aufgetaucht: Der Alte, das Vögelchen, der Junior, so’n komischer Typ, der aussah wie’n Gärtner, Antoine und Solène. Jesus, sah die fertig aus. Ich sag ja schon, ist um Jahre gealtert, und mit letzter Kraft hat sie dann versucht, den Alten fertig zu machen, aber das hat dann sie fertig gemacht. Jeder hat gedacht, jetzt geht sie drauf. Aber sie is‘ nich‘ draufgegangen, im Gegenteil, als sie da so lag, und es mit ihr vorbei war, da ist sie plötzlcih wieder jünger geworden! Ja, ich schwörs euch, immer jünger, und dann war sie nur noch so ’ne Lichtgestalt, ja, ehrlich, das war ihre wahre Gestalt, bevor sie ’nen Mensch wurde und dem anderen Typen ihr Herz geschenkt hatte.

Sie konnte jetzt auch nich‘ mehr sprechen, aber sie hat das Vögelchen geheilt, die wollte sich nämlich dem Teufel opfern, damit der Leibhaftige ihren Alten und den Junior verschont. Ich sag ja, die Saat des Wahnsinns ist schon voll aufgegangen in der Kleinen, kein Wunder, wenn der Teufel schon deine Mutter und die erste Ehefrau geholt hat.
Aber jetzt, wo sie das Herz nich‘ mehr hatten, konnte der Leibhaftige sich endlich holen, was ihm zusteht, und das hat er auch gemacht, ohja, bei lebendigem Leib mit sich in die Hölle gerissen hat er sie, war kein schöner Anblick. Kinder, lasst euch niemals mit dem Beelzebub ein, das endet nie gut. Niemals!

Jedenfalls ist das Vögelchen mit Antoine und dem Gärtner entkommen, aber ich bezweifel‘ dass die Kleine glücklich geworden ist. Solène hab ich jedenfalls nie wieder gesehen, keine Ahnung, was aus ihrem Etablissement geworden ist.
Aber das ist ’ne andere Geschichte, und das hier ist alles genau so passiert, so wahr ich Victor l’Ancien heisse.

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