Die Geschichte von Stian und Rina (18)

Der Kampf um den Treppenabsatz tobte noch immer so heftig wie eh und je, aber die beiden Blutelfen waren sich dessen kaum bewusst, schauten statt dessen eine Weile stumm und ehrfürchtig auf den verwunschenen Himmel. Irgendwann nahmen sie einen von Meisterin Frayfeathers Greifen nach Thrallmar, aber dort war es ihnen zu laut, zu hektisch, und so schwangen sie sich auf ihre Reittiere und ritten in Richtung Falcon Watch. Dort ging es ruhiger zu, und die beiden Sin’dorei verweilten einige Zeit lang dort im Gasthaus. Aber es herrschte doch auch hier ein eifriges Kommen und Gehen, und so begaben sie sich schließlich auf einen der Hügel vor dem Außenposten. Riná kuschelte sich eng an ihn, Stian legte den Arm um sie und zog sie an sich. So saßen sie eine Weile schweigend, dann begannen sie zu erzählen: Stian in aller Ausführlichkeit von den letzten Wochen, von seiner Suche und seinen Erlebnissen, und Riná, so gut sie es eben vermochte. Einige Einzelheiten waren ihr schon wieder eingefallen, und so hoffte der Sin’dor, dass die Heilerin tatsächlich nach und nach ihr Gedächtnis wiedererlangen würde.

Langsam wurde es Abend. Der Schurke und die Priesterin saßen eng beieinander auf dem Hügel und blickten in das rote Land hinein; tauschten immer wieder zärtliche Küsse aus und unterhielten sich leise.
Mit einem Mal durchbrach ein Ton die andächtige Stille, ein metallischer, gleichzeitig irgendwie heller, dumpfer, scheppernder und durchdringender Ton, der einherging mit einem schweren Stampfen, das die Erde erbeben ließ. Stian sah auf. Diesen Ton kannte er: Das war ein Fel Reaver, oder Teufelshäscher, wie diese mechanischen Riesen auch genannt wurden. Fürchterliche Monstren waren das, die auf einem anscheinend willkürlich programmierten Kurs über die Höllenfeuerhalbinsel stapften. Mehr als einmal wäre er in den letzten Wochen beinahe von einem überrascht worden, und nicht einmal seine Schleichkünste schienen gegen die Kerle zu helfen. Glücklicherweise war dieser hier ein gutes Stück von der Falkenwacht entfernt, stellte also keine unmittelbare Gefahr dar. Der Schurke fluchte leise. Verdammte Viecher!
Riná aber – Riná erstarrte, stieß einen leisen Angstschrei aus und klammerte sich an ihm fest wie eine Ertrinkende. „St… Stian… D… dieses Geräusch…“
Der Elf strich ihr beruhigend über das Haar. „Pssst, er ist weit weg. Er kann uns nichts tun.“
Riná schüttelte mit angstgeweiteten Augen den Kopf, klammerte sich weiter an ihn. „Stian… dieses Geräusch! Das war es!“ Sie hatte Tränen in den Augen. „Das war es!
Die Priesterin zitterte. „Ich war gerade unterwegs zur Falkenwacht, da hörte ich diesen Ton. Rendarei erschrak, warf mich ab und rannte davon, und dann war er über mir… dieses… Ding…“
Sie weinte nun offen, und Stian konnte nichts tun, als sie weiter festzuhalten, sie zu streicheln, sanfte Worte des Trostes zu sprechen.

Der Teufelshäscher wanderte weiter, und langsam beruhigte Riná sich wieder. Stian hielt sie im Arm, während sie berichtete. Offensichtlich hatte der Fel Reaver seine Liebte schwer verletzt, so schwer, dass sie das Bewusstsein verloren hatte. Ein wahres Wunder, dass das Monstrum sie nicht totgetrampelt hatte…  Jemand hatte die ohnmächtige Priesterin gefunden, verarztet, auch ihren Falkenschreiter wieder eingefangen und Sin’dorja und Reittier nach Shattrath und von dort nach Silvermoon gebracht. Als Riná wieder zu sich kam, war ihr Retter verschwunden… und der größte Teil ihres Gedächtnisses ebenfalls.
Nun aber hatte der Anblick des Riesen und der damit einhergehende Schock alles wiedergebracht, stellte der Blutelf mit Erleichterung fest. Er gab seiner Verlobten einen weiteren liebevollen Kuss und lächelte sie froh an.
Aber im Inneren tobte er. Einer der Teufelshäscher war es also gewesen. Oh, warte nur, warte! Eines Tages… eines Tages würden die mechanischen Monster dafür büßen, was sie Riná angetan hatten.

Der Schreck und der Ansturm ihrer verlorenen Erinnerungen hatten die Elfin emotional vollständig verausgabt. Sie lag erschöpft in seinen Armen, und Stian stützte sie, ja trug sie fast zurück nach Falcon Watch, wo sie für die Nacht eines der leerstehenden Zelte dort in Beschlag nahmen. Riná schlummerte nach einigen innigen Küssen ein – eigentlich viel zu schnell für Stians Geschmack. Aber auch er war völlig ausgelaugt von den Ereignissen dieses unendlich langen Tages, und so war auch er bald eingeschlafen, den Arm um Riná geschlungen, als wolle er nicht einmal im Traum das Risiko eingehen, sie wieder zu verlieren.

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Eingeordnet unter Stian & Rina, World of Warcraft

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