Faurelia – Auf der Suche nach dem Tabestan (2)

„Über den Kuckucksuhräquator“

Cher journal!

Tag Zwei unserer Reise, und es geht drunter und drüber. Zunächst hat Maurice es mal wieder geschafft, sich vollkommen zum Ochsen zu machen.
Mlle Esmeralda hat sich am gestrigen Abend noch ein Bad bereiten lassen und in ihrem Badezuber gesungen – ich gebe zu, für meinen Geschmack zu laut und mit viel zu viel Tremolo – aber was macht mein hornochsiger Bruder? Er stürmt mit gezücktem Säbel ihre Kabine, und die arme Mlle Esmeralda kann sich gerade eben noch so ein Handtuch umbinden. Aber wie ich Maurice kenne, hat er trotzdem gelinst, er hat irgendwas von einem Muttermal in Form dreier Tropfen gemurmelt.

Patti: „Sie ist Koloratursopranistin“
Nocturama: „Dann stürme ich in ihre Kabine, weil ich denke, jemand ist verletzt“

Ich dagegen hatte mehr Glück. Liebes Tagebuch, er mag mich!!! Es war so romantisch, wie in einem der Liebesromane, die Maman immer gelesen hat. Wir haben gemeinsam an Deck gestanden, und am Horizont ging die Sonne auf und dann… hat Maurice alles vermasselt, weil er sich darüber beschweren musste, dass er bei diesem jaulenden Flintenweib nicht landen kann. Er könne ihr nichts recht machen, und sie sei so launisch. Ja, was erwartet er denn, wenn er mit gezücktem Säbel in die Kabine einer Frau gestürmt kommt, die gerade im Badezuber sitzt? Dass sie ihn mit Rosen überstreut und küsst? Joaquin, ganz der besonnene Kapitän, hat ihn dann erstmal gefragt, was passiert ist, und da hat er uns dann alles gebeichtet.

Timberwere: „Senor d’Almanach, sagen Sie doch mal, was passiert ist“

Aber plötzlich hatten wir ganz andere Probleme, denn Vogelmenschen auf riesigen Vögeln haben sich überall um die Wolkenkuh versammelt, es handelt sich wohl um einen hiesigen Eingeborenenstamm. Joaquin muss völlig verängstigt gewesen sein (diese Biester waren aber auch verdammt groß!), er konnte nur noch ein paar Befehle stammeln, und die Mannschaft hat voller Angst darauf geschaut, was ihr Kapitän nun tut. Es schien auch keinen ersten Maat mehr zu geben, vermutlich hatte der ehemalige Kapitän den auch noch gleich mit verspielt.

Die Mannschaft wusste nicht, was sie machen soll, auf Kämpfe war sie gar nicht vorbereitet, denn die Hildegard, pardon, die Wolkenkuh ist ein Handelsschiff. Zum Tauschen war nichts vorhanden, offensichtlich hatte das der ehemalige Kapitän auch beim Kartenspiel eingesetzt. Mlle Esmeralda hat dann vorgeschlagen, dass die Mannschaft mit Segeltüchern abspringt und die Vogelmenschen einfängt. Eine wunderbare Idee, eine Handvoll völlig verängstigter Handelsmatrosen zu so etwas anzustiften, sie sind doch keine wagemutigen Piraten. Wie diese Frau nur auf diese Einfälle kommt…

Schliesslich hat Joaquin dann doch beschlossen, auszuweichen, aber die Wolkenkuh war zu langsam, das Manöver funktionierte nicht. Die Vogelmenschen hatten es unterdessen geschafft, die Mannschaft endgültig einzuschüchtern, auch wenn ein paar tapfere mit Brot an Seilen warfen, auch eine Idee von Mlle Esmeralda. Einmal hat ein Vogel danach geschnappt, aber der Matrose hat voller Schreck über seinen Erfolg das Seil losgelassen, und außerdem haben die Vogelmenschen damit begonnen, mit Speeren zu werfen.
Ein paar Männer ist es dann aber doch mit Hilfe von Joaquin gelungen, einige der Vogelmenschen von ihren Vögeln herunterzustossen, und ich hatte kurzzeitig den Eindruck, die Matrosen hatten richtig Spaß dabei.

Ich für meinen Teil habe mir ein Ofenrohr geschnappt (aus der Küche, die wurde ja nun gerade nicht gebraucht) und habe mit meiner Elementarwaage ein paar Feuerelementare abgewogen, um eine Kanone zu improvisieren. Töten oder verletzen wollte ich damit niemanden, aber es sollte schön laut sein, damit einige dieser Flattermänner vor Schreck von ihren Artgenossen herunterfallen. Anscheinend waren die sowas schon gewohnt, wer einen Satz nach hinten gemacht hat, waren diese dummen Aulenländer…

Maurice musste wohl noch die Schmach vom Vorabend ausbügeln, er sprang heldenmutig auf den Rücken des Anführers – der Anführerin, wie er dann feststellen musste. Anscheinend gilt „Auf-den-Rücken-springen“ bei diesem Volk als eine besonders zärtliche Geste, die Dame war jedenfalls sehr angetan von meinem Brüderchen, und offensichtlich war sie nicht so immun gegen seinen Charme wie Mlle Esmeralda. Die saß übrigens derweil in einer Seilrolle und hat auf die Vogelmenschen geschossen, aber getroffen hat sie niemanden.

Meinem Bruder ist es auch zu verdanken, dass die Vogelmenschen schließlich eingelenkt haben und mit uns reden wollten. Die Dame, auf deren Rücken er gelandet war, hört auf den Namen Ixti. Sie hatte Angst, dass wir mit unserer Wolkenkuh gefährliche Piraten seien, und ihren Stamm überfallen wollten. Maurice hat sie natürlich mit dem ihm eigenen Charme (der anscheinend nur bei jubilierenden Orchideenpflückerinnen nicht funktioniert..) davon überzeugt, dass sie uns passieren lässt. Ixti ist darauf eingegangen, und ich hatte den Eindruck, auch ihre Stammesbrüder waren froh, dass sie nicht mehr weiterkämpfen müssen. Sie hat um ein Palaver gebeten in ihrem Stammesgebiet, und Joaquin hat bei den Sachen des ehemaligen Kapitäns eine kleine Aulenstatue gefunden, ein perfektes Geschenk für eine Vogelfrau. Er sieht nicht nur gut aus, er ist auch sooooo klug!

Mlle Esmeralda kam auch wieder hinter ihrer Seilrolle vor und reagierte merkwürdigerweise ein wenig verschnupft auf Ixti, warum auch immer. Sie ist doch gar nicht Maurice‘ Typ.
Die Vogelmenschen leben auf einer Felsnadel inmitten hoher Bäume. Dabei handelt es sich um ein sehr begehrtes Holz in Deneira, ich kann langsam verstehen, warum sie jedes Schiff angreifen.

Dr Schlieffensiefer, der Schiffsarzt, behandelte die Verwundeten – gottseidank hatten die meisten Männer nur Prellungen und blaue Flecke davon getragen, während ich mich vor dem Zorn von Pauline, der Köchin, zu verstecken versuchte. Mme Pauline ist eine resolute Person, die hervorragend kocht (Kaninchen in Biersauce beispielsweise), aber was die Wahl ihrer Werkzeuge angeht, ist sie schrecklich rückständig. Ich habe hr angeboten, einen Induktionselementarherd zu bauen, da hat sie mich einfach aus der Küche geworfen…!
Maurice hat derweil nur Augen für Ixti gehabt (für einen Vogel sah sie ja ganz passabel aus, auch wenn die vornehme Gesellschaft zuhause so eine Liaison sicher nicht gerne gesehen hätte), und sie schien ihm auch nicht gerade abgeneigt. Sie hat ihm erklärt, was es mit den Felsen auf sich hat, dass sie ein heiliger Ort für ihr Volk sind und dergleichen mehr.

Joaquin (er ist wirklich klug, er kann sogar die Sprache dieser Leute!) konnte sich also mittels von Pfeiflauten verständlich machen, auch wenn die Vogelmenschen auch unsere Sprache sprachen. Aber es gilt ja nun als höflich, sich bei einem Gast an seine Sitten anzupassen. Allerding war er doch nicht so ganz tonsicher (obwohl er sonst wunderschön singen kann.. besser als Mlle Esmeralda, möchte ich fast meinen), oder Ixti kann menschliche Männer und Frauen nicht voneinander unterscheiden, denn sie hat ihn „Schwester“ genannt. Vielleicht sind lange Haare für Vogelmenschen einfach etwas verwirrend.

Unser Geschenk, die Aulenstatue, wurde vom Schamanen als ein sehr gutes Geschenk eingestuft, die Vogelmenschen haben sie sogleich auf eine Art Altar gestellt und angebetet. Das mag ja gut und schön sein, aber dann wollten sie, dass wir das auch tun. Wir haben das höflich abgelehnt.<

Nach der Aulen-Verehrung konnten wir den Vogelmenschen dann endlich erklären, dass wir zum Tlapotec müssen, um die Piraten zu finden. Ihr lapidarer Kommentar dazu war allerdings nur „Gott wird sie fressen“. Herrje, Statuen anbeten und Berge? Das ist ja schrecklich rückständig! Mein Einwand, dass ein Berg kein Gott sein könne, wurde aber geflissentlich ignoriert. Eine Schande ist das, wie die Stimme der Wissenschaft zum Schweigen gebracht wird.

Aber immerhin hat Ixti uns in Aussicht gestellt, dass wir nach unserer Rückkehr in den Stamm aufgenommen werden, da wir den Vogelmenschen angeblich Glück bringen..
Ixti schien doch sehr Gefallen an Maurice gefunden zu haben, sie hat ihm zum Abschied ein Federbüschel geschenkt und ihm mit den Worten „Du grosser Stiermann“ die Schulter getätschelt. Mlle Esmeralda hat das mit versteinertem Blick zur Kenntnis genommen, und kein Wort mehr gesagt, an Bord ist sie in ihrer Kabine verschwunden und hat wütend die Tür geknallt.

Nocturama: „Ich versteh keine Frauen“
Niniane: Ich bin auch eine Frau!“
Nocturama: „Ja nicht so richtig“
Timberwere: „Wollen Sie denn damit etwa sagen, Mme Francine ist keine Frau?“
Nocturama: „Ja nur theoretisch“

Nun aber eine kleine Pause, ich habe gehört, es gibt Kaninchen in Biersauce.

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Eingeordnet unter Hühnerrunde, Pen & Paper

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