Faurelia – Auf der Suche nach dem Tabestan (3)

„Kaninchen in Biersauce“

Cher journal,

Ich bin sowas von entsetzt! Wie kann er sowas machen? So ein Schuft!
Aber der Reihe nach. Mlle Esmeralda hat nach dem Essen begonnen, den Teppich zu untersuchen. Offenbar lernt man an ihrer Alma mater nicht nur das (Daneben-)Schiessen, sondern auch Teppichkunde. Wir wollten ihr alle gerne behilflich sein, aber sie hat uns aus ihrer Kabine geworfen.

Timberwere: „Ich bin es nicht gewohnt, von einer Frau aus der Kabine geworfen zu werden“
Nocturama: „Ich schon“

Dann aber, als wir in der Tür standen, hat sie uns plötzlich zurückgeholt und irgendwas von einer Geschichte erzählt, die im Teppich erschienen ist. Vielleicht hatte das was mit Joaquins Gepfeife zu tun?
Sie kam dann wieder an Deck und hat erzählt, dass sich im Teppich eine Knotenstrutkur befindet, wie sie die Talmeken verwenden, eine Art Morsecode: „Feuerfluss, Zorniger Gott, Versteck, Opferung“.

Sie hat Opferungen gesagt, diese Möchtegern-“Forscherin“, dabei kann das Wort auch Prüfung heissen. Sie fand Opferung aber schicker, „fürs Melodrama“, und dann hat diese Schnepfe auch noch erklärt, dass die Talmeken, ein Volk von überaus grosser kulturschaffender Kraft, wohl sowieso keine anderen Prüfungen gehabt hätten, als Leute aufzuschlitzen.

Niniane: Immer dieser Kulturimperialismus!

Ich weiss gar nicht mehr, wieso wir dann von den Talmeken auf El Sangrado gekommen sind (wahrscheinlich wollte jemand von wirklich gemeinen Leuten berichten), aber Mlle Esmeralda hat dann erzählt, dass sie bereits auf seinem Schiff war. Ja sicher. Lässt sich von irgendwelchen Adligen die Orchideen zeigen, war mal auf einem Piratenschiff, ist Forscherin.. Was denn noch? Demnächst kommt sie noch damit um die Ecke, dass sie mit diesem blutrünstigen Schurken verwandt ist..Joaquin hat seine Gitarre – ein sehr schönes altes Stück – geholt und ein Lied über seine Begegnung mit El Sangrado gesungen, sehr heroisch. Vielleicht hat er ein bißchen dick aufgetragen, aber mit Sicherheit nur ein ganz kleines bißchen…


(Anmerkung: Hier kann Francine nicht weiterschreiben, weil es sich um Gedanken anderer Charaktere handelt)

Esmeralda

Ich frage mich, woher der Kapitän diese Gitarre hat. Sie ähnelt frappant der, auf der Papa mir immer etwas vorgespielt hat, als ich noch ein kleines Mädchen war. Ich habe ihn dann vorsichtig danach gefragt, und er hat gesagt, er habe sie beim Faro gewonnen. Das bestätigt mich darin, dass es doch Papas Instrument ist, denn im Faro war er schon immer gotterbärmlich schlecht, und wenn er getrunken hat, sowieso. Sonst hätte er nie nie diese Gitarre hergegeben, und unser Kapitän hätte mit Sicherheit nicht mehr seinen Kopf.

Offensichtlich habe ich eben laut gedacht, Kapitän Mendez sieht mich so seltsam an. Aber er sagt nichts weiter, stattdessen holt er eine Flasche Rum und spielt ein lustiges Lied aus Escamandria. Eine wunderbare Stimme hat er, das muss ich ihm lassen..
Huch, jetzt fordert er mich auch noch zum Tanzen auf? Mein Lieber, der geht aber ganz schön ran! Ich dachte, er wäre an diesem kleinen Wichtelmädchen interessiert, aber da habe ich mich wohl getäuscht.
Maurice und seine kleine „Schwester“ sind wohl an Deck. Wen interessiert das, wir singen jetzt noch ein Lied auf die Schönheit Escamandrias und trinken dazu noch ein Glas Rum!

Niniane: „Willst Du sie nicht retten, sie singt schon wieder“

Er ist wirklich ein wunderbarer Mann. So gutaussehend und zuvorkommend. Ich möchte ihn küssen.. mir wird schwarz vor Augen.

Francine

Dieser Schuft!

Während Maurice und ich also draußen mit der Mannschaft redeten, hat er sich mit Esmeralda vergnügt, diesem Orchideen-Flittchen! Er streitet natürlich alles ab, aber wir haben ihn gesehen, wie er aus ihrer Kajüte kam und sich erst noch den Hemdkragen und den Gürtel richten musste. Dieser widerliche Lüstling! Ich will ihn nie wiedersehen! Maurice hat ihn noch beschimpft, aber was er genau gesagt hat, habe ich schon nicht mehr gehört.

Nocturama:„Man kann eine Frau nicht betrunken machen! Also man kann schon, aber man sollte nicht!“
Timberwere: „Hätte ich sie vielleicht in der Messe liegen lassen sollen?“
Nocturama: „In der Messe? Was bist Du denn für einer!“

Kurze Zeit später fand ich mich in der Küche wieder, vielleicht haben mich meine Schuldgefühle wegen des Ofens dort hingetrieben. Pauline, die Köchin, war dann auch nicht mehr ganz so sauer, dass ich das Ofenrohr zweckentfremdet habe, sie hat mir erstmal ein starkes aulenländisches Bier gegeben, weil sie meinte, dass würde Frauen in meinem Zustand beruhigen. Aber ich will mich ja gar nicht beruhigen, ich will nach Hause zurück an die Universität und Hauswirtschaft studieren. Papa wird sich sicher freuen, er wollte mich ja schon immer mit dem Sohn seines Kartenspiel-Freundes verheiraten. Pauline hielt allerdings gar nichts von dieser Idee.
Sie hat mir von ihrer Jugend erzählt, als sie von ihrem Vater mit Karl, dem Kuckucksuhrenbauer, verheiratet werden sollte. (Die Aulenländer haben irgendwas mit diesen Kuckucksuhren, ich konnte aber noch nicht genau herausfinden, was) Karl muss aber kreuzlangweilig gewesen sein, während es Pauline mehr nach Abenteuern stand, und so hat sie ihn kurzerhand vor dem Altar stehen lassen. Sie hat versprochen, mir das Kochen beizubringen, wenn ich das unbedingt will, aber sie meinte, ich sollte bloß nicht den Kartenspielfreund-Sohn heiraten, denn Freiheit sei das Wichtigste.

Esmeralda

Mein Kopf… Meine Güte, was habe ich gestern abend nur getrieben? Und wo bin ich überhaupt? Oh, das ist ja meine Kabine. Aber wieso habe ich noch meine Kleidung an? Das Überkleid hängt da über dem Stuhl, und meine Schuhe stehen vor dem Bett. Was ist passiert? Ich erinnere mich dunkel an den gestrigen Abend, eine Gitarre war im Spiel und unglaublich viel Rum und.. oh mein Gott. Ich werde doch nicht den Kapitän geküsst haben? Hoffentlich war er genauso betrunken wie ich und kann sich an nichts mehr erinnern. Alles andere wäre ja soooo peinlich.

Francine

Plötzlich hat jemand irgendwas von „Vulkan in Sicht“ gerufen. Wir sind alle an Deck, Joaquin sah entsprechend verkatert aus. Ha, geschieht ihm recht. Er soll ruhig leiden dafür, dass er heute nacht Mlle Esmeralda seine Orchideen gezeigt hat, oder was auch immer sie da getrieben haben.
Der Vulkan, den der Mann im Ausguck gesehen hat, steht etwas abseits des Gebirges auf einer Ebene, es führen Wege auf ihn hinauf. An seinem Fuss am Rand des Dschungels hat Maurice ein Lager mit einem Luftschiff entdeckt, er konnte allerdings nicht erkennen, um was für ein Schiff es sich handelte, aber es war definitiv kein Schiff der Piraten. Die Galleonsfigur zeigte einen Heiligen, und sowas ist eigentlich immer ein sicheres Anzeichen für ein iralisches Schiff. Maurice murmelte irgendwas davon, dass das das Lager von diesem Dottore Rappacini sein könnte, irgendsoein iralischer Gelehrter, der Felice ständig zuvorkommt bei wichtigen Entdeckungen
„Kapitän, jemand hat die Kuckucksuhr repariert!“

Hui, mir hat sich plötzlich alles gedreht! Das aulenländische Starkbier hatte es ganz schön in sich (oder ich bin zu klein für einen normalen aulenländischen Humpen..), und ich habe Maurice voller Begeisterung erzählt, dass ich jetzt das Kaninchen in Biersauce mache. Der hat natürlich kein Wort verstanden und stand erstmal da wie der Ochs vorm Berg. Aber lange musste er sich nicht mit meinem Kaninchen und dem Bier, das ich schon intus hatte, rumplagen, denn Joaquin erschien an Deck. Ein Hoch auf unseren Kapitän! Hicks! Dann hat er einen auf besorgt gemacht, und Maurice gefragt, wie es mir ginge. Mir gings wunderbar (hurra, Starkbier!), aber mein grosser Bruder hat Joaquin gesagt, dass er gefälligst nicht mehr mit sprechen soll, nach seinen Eskapaden mit Esmerel..Esmeral..Esmeralda.

Aber das war wirklich lustig, wie Maurice sich da zum Ochsen gemacht hat, wo er doch selber in Esmeralda verliebt ist. Ups, habe ich das jetzt etwa laut gesagt? Und von man vom Esel tratscht kommt er gelatscht, hat mein Vater immer gesagt, denn genau in diesem Moment kam Mlle Esmeralda die Treppe vom Niedergang hinauf. Könnte ein Minotaure rot werden, dann wäre Maurice nicht mehr von einer Tomate zu unterscheiden gewesen… Er hat natürlich alles abgestritten, und sie hat ihn entweder nicht gehört, oder so getan, als hätte sie nichts mitbekommen, denn sie hat gleich nach Dottore Rappacini gefragt, und erzählt, dass der Dottore ihr wissenschaftliches Vorbild sei. Das ist ja wieder mal typisch!

Ich erinnere mich auch noch verschwommen daran, dass Joaquin Maurice was von Ehre erzählt hat, und dass er nicht mit Esmeralda geschlafen hat. Das kann er seiner Großmutter erzählen, dieser Schuft!
Unser Schiff hat angehalten.. aber die Iralier haben die Wolkenkuh noch nicht entdeckt.

Nocturama: „Ich wollte gerade sagen, lasst uns den Stier bei den Hörnern packen!“

Bevor ich mich versah, befand ich mich mit einem Mal in der Luft. Das war aber meine eigene Schuld, denn ich musste unbedingt einem dieser fabelhaften Aulenländer erzählen, wie sehr ich inzwischen ihre Küche zu schätzen weiss (Kaninchen in Biersauce!). Der gute Mann hat allerdings kein Wort verstanden und mir einfach ein Seil in die Hand gedrückt, und schwupp – war ich in der Luft. Maurice kam natürlich sofort dazu, um mich zu retten, und Joaquin – Joaquin? – hat ihm geholfen. Ich glaube, ich habe noch einmal „Biersauce“ geflüstert und bin in seinen Armen eingeschlafen. Es müssen seine gewesen sein, sie fühlten sich anders an als die von Maurice… weniger minotaurig.

Esmeralda

Das war ja klar. Kaum hat er den Eindruck, ich wäre mit einem anderen intim geworden, da erwacht sein Kampfgeist. Jetzt steht er winselnd vor meiner Tür (die ich ihm wie eine echte Dame vor der Nase zugeknallt habe!) und will mit mir reden. Natürlich will ich auch mit ihm reden, aber ein wenig zappeln muss er schon, wenn er mich für so ein Flittchen hält. Er hat mir dieses Federdings von dieser Ixti geschenkt, immerhin etwas, jetzt weiss ich, dass ihm dieses gefiederte Weibsbild nichts bedeutet.

Patti: „Ich würde ja sagen, stecks Dir an den Hut, aber da hast Du ja schon Federn!“

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