Faurelia – Auf der Suche nach dem Tabestan (4)

„Freund oder Feind?“

Esmeralda

Ich habe mich dann doch entschieden, wieder an Deck zu kommen, denn schliesslich musste ich Maurice zeigen, dass ich wieder ein wenig milder gestimmt bin, ich habe sein Geschenk an meinem Hut befestig. Außerdem kam auch gerade ein Beiboot an, in dem einige Menschen mit Musketen sassen, was ich etwas befremdlich fand, aber sie waren doch recht friedlich und fragten, ob wir Freund oder Feind seien. Dann legten sie an, und eine Frau stieg aus, eine wirklich gutaussehende Elfe mit langen Hosen und einem Federhut, die sich als Carlotta Rappacini vorstellte.

Nocturama: „Ich hatte sie mir anders vorgestellt… weniger attraktiv…“

Francine

Mein Idol! Sie hat uns von ihren Forschungen erzählt, zum Beispiel, dass sie im Vulkan einen mächtigen Elementar vermutet, und sie hofft, mit dessen Kindern Kontakt aufzunehmen. Außerdem scheint sie wirklich viel herumzukommen, sie kannte sogar Kapitän Lahnstein, der vor Senor Mendez… Joaquin… Kapitän Mendez Kapitän dieses Schiffes war. Und dann hat sie uns sogar zum Essen eingeladen!

Cher journal!

Gähn…! Sie haben mich geweckt, weil es etwas zu essen gibt, mit einer gewissen Dottore Rappacini. Ist das nicht der Forscher, der Felice immer das Leben schwer gemacht hat? An Deck seh ich nur eine gut gebaute Elfe, aber das ist wohl das entscheidende Detail, das auch Felice immer fehlte.

Das Lager, in das sie uns eingeladen hat, sah etwas baufällig aus, irgendwie passte sie da nicht so ganz hin. Die Baufälligkeit könnte aber auch an den Erdelementaren liegen, offensichtlich kann hier niemand wirklich ordentlich Elementar-Singen. Mlle Esmeralda meinte, es erinnere sie an ein Xorlok-Lager (was für ein geistreicher Kommentar, mit Geschichte kennt sie sich also auch aus…), wie sie darauf kommt, hat sie uns aber nicht verraten, denn die Xorlok haben bekanntlich die Aussenmauern ihrer Siedlungen mit dem Blut ihrer Feinde gestrichen.

Am Tor des Lagers stand ein Artgenosse von Maurice, der aber wesentlich unzivilisierter als mein lieber Bruder aussah und noch wilder dreinschaute.

Das Innere der Siedlung war nichts besonderes, es gab Felide, die arbeiteten, und Minotauren, die sie beaufsichtigten. Dottore Rappacini war nirgends zu sehen, aber dafür kam uns ein Gnom entgegen in teurer chavreusischer Kleidung. Ein Landsmann, mitten im Dschungel! Er stellte sich uns als Jacques de Montain vor. Hach, es tat so gut, mit jemandem zu sprechen, der einen versteht! Ich habe Monsieur de Montain natürlich nach seiner Familie gefragt, höflich, wie ich bin, denn wer weiss, vielleicht begegne ich zuhause einmal einem seiner Verwandten. Außerdem ist er sehr charmant, was man von einigen Mitgliedern unserer Reisegruppe nicht behaupten kann… Das hat auch Monsieur de Montain festgestellt, denn er hat Joaquin schon ein weing auflaufen lassen. Aber das kann er ab, und er hat es ja auch verdient.

Irritiert war ich jedoch, als es darum ging, dass Maurice auch in das Hauptzelt mit hineindarf. Jacques hat allen Ernstes gefragt, ob „der Minotaure“ auch mit eingelassen werden soll. Als ob Maurice irgendein Minotaure wäre! Ich habe ihm freundlich, aber bestimmt, erklärt, dass Maurice immerhin mein Bruder ist, und Joaquin ist mir zur Seite gesprungen. Joaquin? Na, macht nichts, solange sie Maurice nicht wie einen ihrer Arbeitssklaven behandeln, ist mir jede Hilfe recht. Aber de Montain ist ja nicht dumm, er schloss aus unserer Intervention, dass Maurice der Sohn von Felice d’Almagnac ist, und meinte dann geheimnisvoll, dass er für ihn eine Überraschung habe.
Die war ihm auch wirklich gelungen, denn im Zelt trafen wir nicht nur auf Dottore Rappacini, sondern auch auf… Felice d’Almagnac. Das war aber nicht die einzige Überraschung, denn so, wie die beiden miteinander turtelten, waren sie augenscheinlich ein Paar. Maurice schien das genauso wenig zu behagen wie mir, widerwillig hat er dann auch den Rest unserer Gruppe vorgestellt, während Carlotta (dieses Flittchen!) überhaupt nicht wusste, worum es ging.

Niniane: „Ich möchte gerne ein Bier!“

Um dann von sich abzulenken, wollte Felice, dieser Schwerenöter, von Maurice wissen, ob ich mich in Joaquin verliebt habe. Nur, weil er mir die ganze Zeit beipflichtet und nicht von meiner Seite weicht, pfff.. Er macht sich halt Sorgen, weil ich nach dem ganzen Starkbier noch etwas wacklig auf den Beinen bin. Maurice hat das dann natürlich abgestritten, aber dazu hat er dann überraschend Hilfe bekommen, nämlich von Mlle Esmeralda.
Aber lange hat sie sich nicht damit aufgehalten, sondern sich dann ein geologisches Duell über Gesteinsformationen geliefert; ich vermute allerdings eher, dass sie Dottore Carlotta ablenken wollte, damit wir in Ruhe mit Felice reden konnten und er uns erklärt, was er hier überhaupt macht.

Das Problem war, dass es nicht so einfach war, mit Felice zu sprechen, ohne diese Elfe dabei zu haben. Selbst ein Spaziergang hat sie nicht davon abgehalten, mitzukommen, und nur die Ausrede, dass Maurice und ich über Felix‘ „peinliche Schwester“ sprechen wollten, und sie dabei nicht zuhören sollte, konnte sie dann davon überzeugen, sich mal ein wenig zurückzuhalten. Wer hätte gedacht, dass die Verrückte Valerie nochmal für irgendwas gut sein würde… Außerdem wollten Mlle Esmeralda und Joaquin sie solange bequatschen, dass sie nicht zuhören konnte, allerdings hat Joaquin wohl irgendwo seinen Charme eingebüsst, denn sie ist nicht wirklich auf ihn angesprungen. Vielleicht war das noch die Nachwirkung der rumreichen Nacht mit Esmeralda? Aber vielleicht habe ich ihm auch Unrecht getan, und es ist wirklich nichts passiert. Er wirft mir immer so sehnsüchtige Blicke zu.. Bin ich am Ende schuld daran, dass er seinen natürlichen Charme einbüssen musste? Das wäre ja schrecklich!

Esmeralda, wieder ganz Grande Dame, hat derweil Dottore Carlotta über Felice ausgefragt, aber sie war auch nicht so ganz bei der Sache, sie hat sich immer wieder nach Maurice umgesehen. Dottore Carlotta hat ihr dann eine Lupe in die Hand gedrückt, damit sie sich ein Bild von den Feuerelementaren am Fuss des Berges machen konnte.

Bad Horse: „Du siehst kleine Feuerelementare im Tuffstein. Sie kichern Dir in die Lupe.“

Was mir auch auffiel war, dass die Feuerelementare sich nicht wie sonst verhalten, sie vollführten komplexe Dinge, wie ein Balzritual oder ein Duell.

Bad Horse: „Und dann spritzt da was raus…“
*Gelächter*
Bad Horse: „Manchmal ist das echt anstrengend, mit Mädchen zu spielen.“
Niniane: „Captain Morgan ist schuld!“

Dottore Carlotta musste auch noch ihre Theorie über den Tabestan zum Besten geben (ich hab vergessen, was es war, die Frau ging mir furchtbar auf die Nerven, dagegen ist Esmeralda ja ein Waisenmädchen). Felice meinte jedoch, dass er glaubt, dass der Tabestan der Elementar sei, der unter dem Vulkan schlafe, und dem man nur eine Frage zu stellen braucht. Allerdings könnte es sich auch um eine Art verfluchten Gral handeln, seiner Meinung nach handelt es sich tatsächlich um den Elementar. Außerdem müsse es noch eine Opferstätte geben, und sehr wahrscheinlich auch noch eine Stadt in dem Krater. Mir war klar, dass man schon über eine riesige Elementarmacht verfügen muss, um dort oben in der Hitze eine Stadt zu bauen. Und die wollte ich unbedingt sehen!
Wir mussten einen Weg finden, um diese Elfe endgültig abzulenken, und natürlich waren Felice, Maurice und ich uns einig, dass das, was auch immer sich im Vulkan befindet, nach uns benannt werden muss.

Patti: „Es ist Inkognitan – wir wissen nicht, was es ist!“

Aber vorher hatte ich noch ein ganz anderes Problem. Mein lieber Herr Ziehvater bekam nämlich seinen Moralischen, als er gemerkt hat, dass Maurice‘ ihn wohl angeschwindelt hatte, und Joaquin und ich sehr wohl etwas füreinander empfinden. Ich hab ihm gedroht, seiner Frau die Nummer mit Dottore Carlotta zu verraten, da ist er wütend davongestürmt. Esmeralda, völlig unbeeindruckt davon, dass ich mich gerade mit meinem Vater gestritten hatte, wollte plötzlich, dass Joaquin auf seiner Gitarre die Elementare mit Flammando besingt, und Dottore Carlottas sollte dazu tanzen. Eigentlich war jetzt kein Ablenkungsmanöver mehr nötig, Felice war ja weg, aber Rappacini schien das auch ziemlich egal zu sein, sie hatte es jetzt auf Maurice abgesehen. Weder er noch Mlle Esmeralda waren davon sehr begeistert, und so hat Letztere ein Tanzduell vorgeschlagen, dass sie natürlich gewonnen hat. Was kann diese Frau eigentlich nicht? Langsam muss ich gestehen, dass ich sie ein wenig bewundere – und beneide, denn so toll wie sie werde ich niemals aussehen.
Ungewöhnlich war allerdings an dieser ganzen Tanznummer, dass auch ein Erdelementar mitgetanzt ist, mit einer Hand über dem Kopf, so als ahmte er die Tanzgeste nach. Die Feuerelementare haben sich aber anscheinend zu sehr über den Tanz aufgeregt, denn der Tuffstein, den wir eben noch beobachtet hatte, explodierte.

Patti: „Was war das denn jetzt?“
Niniane: „Wissenschaft!“

Aber eines ist mir nach dieser ganzen Tanzerei und Kabbelei klar geworden: Wir mussten alle mal dringend miteinander sprechen. Also habe ich Joaquin um ein Gespräch unter vier Augen gebeten, und Esmeralda und Maurice empfohlen, das Gleiche zu tun.

Patti: „Wir sollten die beiden jetzt alleine lassen.“
Nocturam: „Nein! (Pause) Wir wollten etwas in die Luft sprengen.“

Aber dann hat mich natürlich mein Mut verlassen, und ich konnte ihm nicht sagen, was ich sagen wollte und habe nur noch vor mich hingestammelt, weil ich so aufgeregt war. Ich liebe ihn doch, aber er ist so ein Schuft, aber er liebt mich auch und… dann hat er mich geküsst. Einfach so, und sehr leidenschaftlich. Oh.

Bad Horse: „Da steht ihr jetzt in diesem Dschungelcamp, beäugt von ein paar Minotauren…“
Niniane: „…und Millionen RTL-Zuschauern…“

Nach einer kurzen Zeit – die mir wie einei Ewigkeit vorkam – haben wir uns dann auf der Lichtung wieder getroffen, und ich hätte beinahe breit gegrinst, als ich gesehen habe, dass mein werter Bruder und Esmeralda Händchen gehalten haben. Unsere Idylle währte aber leider nicht sehr lange, denn über dem Lager der Forscher stand plötzlich ein Beiboot, von dem sich jemand abgeseilt hat, kurz darauf hörte man Lärm und es schien ein Aufruhr stattzufinden, dann erklang ein Gong. Der Grund war uns auch schnell klar, denn am Horizont tauchten drei Schiffe von Miguel Sangrado auf.
Keiner achtete auf uns, also konnten wir den Tumult für uns nutzen und zu unserem eigenen Boot fliehen, in dem der Matrose Norbert wartete, dass wir wieder zurückgebracht werden konnten.
Leider hatte der gute Mann aber die Bekanntschaft von ein paar Katzenmenschen gemacht, die irgendwelche Rauchschalen aufgebaut hatten, in denen sie irgendwas verbrannt haben, was sie sehr träge und müde gemacht hat. Vielleicht Katzenminze oder sowas. Sonst hätten sie sich sicher nicht freiwillig Geschichten über Kuckucksuhren angehört.

Niniane: „Ya man, Kuckucksuhren, man!“

Wir haben ihn dann aber doch von den Katzenmenschen weggelotst, und ich habe ihm angedroht, wenn er jetzt singt, erzähle ich allen, dass ich sehr genau weiss, dass er nicht Norbert heisst und auch kein Matrose ist. Joaquin ist nunmal der bessere und begabtere Elementarsänger, und er hat es auch tatsächlich geschafft, die Luftelementare dazu zu bringen, schneller zu fliegen.

Auf zum Tabestan!

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