Faurelia – Auf der Suche nach dem Tabestan (6)

Doch bevor es dazu kam, war hinter uns ein Schrei zu hören, und als wir uns umdrehten, sahen wir Miguel de Sangrado im Raum stehen. Er achtete gar nicht auf die Platten auf dem Boden, sondern kam auf uns zugelaufen, immer Esmeralda fest im Blick. Plötzlich ging ein Fallbeil vor ihm nieder, und Esmeralda entfuhr ein „Vater!“

Vater? Das war ja eine interessante Entwicklung, aber es erklärte auch so einiges. Während wir für einen kurzen Moment von der Familienzusammenführung abgelenkt waren, sprang Dottore Rappacini vor und schnappte sich den Stein aus Maurice‘ Hand. Seine Einlassung, dass der Stein nur ein Gegengewicht war und die Oase der wahre Schatz sei, interessierte sie nicht wirklich, aber sie verschwand plötzlich auch in die Oase, Felice im Schlepptau. Herrje, unser Vater wird sich doch nicht ernsthaft in dieses durchtriebene Flittchen verliebt haben! Maurice verlor keine Zeit und rannte ihm hinterher, und wir anderen drei taten es ihm gleich. Esmeralda entdeckte noch ihren Familiensinn und wickelte die Karte um einen Stein, um sie ihrem Vater zuzuwerfen. Das verzögerte ihren Sprung, denn die Wand schob sich wieder nach oben, doch in letzter Minute schaffte sie es ebenfalls durch die Wand.

Es war ja schon von weitem zu sehen, dass es sich im wahrsten Sinne des Wortes um eine grüne Oase handelte, aber als ich dann wirklich in der Oase stand, war ich schon überwältigt, denn wir waren mitten in einem grünen blühenden Tal, in dem kleine Echsen vorbeihuschten, die Luft war klar, und es war ruhig.. bis auf Dottore Rappacini und Felcie, die sich immer noch stritten, wem nun die Ehre der Entdeckung gebührt. Esmeralda war es inzwischen leid, und so schlug sie Carlotta Rappacini kurzerhand nieder. Soviel zum grossen Vorbild.

Zunächst sah es so aus, als sei das Tal nur von den kleinen Echsen bewohnt, aber plötzlich stand ein junger Felide vor uns, der uns überrascht ansah und dann wegrannte. Allerdings war er dabei weder besonders schnell noch besonders geschickt, denn wir konnten im bequem in sein Dorf folgen. Das Dorf schien aus einem Sammelsurium an Tiermenschen zu bestehen, es gab Katzenleute, Stierleute und Vogelleute.
Die Dorfälteste kam auf uns zu und sah uns mit fragendem Blick an, dann sagte sie etwas, das sehr feierlich klang, in einer merkwürdigen Sprache. Erst nach einiger Zeit fiel mir auf, dass es einfach nur ein sehr altertümlicher Dialekt war, den sie nutzte. Daraus konnten wir uns herleiten, dass sie uns wohl in Tabestan, dem Dorf des Friedens und der Idylle begrüsste. Weiterhin sprach sie davon, dass irgendwann die Sendboten der Götter kommen würden und ihren Frieden zerstörten.

Das war ja schön und gut, aber irgendetwas störte mich an diesem Dorf, und das war nicht nur das etwas debile Grinsen der Dorfältesten. Ich packte heimlich meine Elementarwaage aus und stellte fest, dass das Dorf durch einen uralten elementarfreien Mechanismus geschützt wurde, etwas, von dem wir schon im ersten Semester gelernt haben, dass es nie gemacht wird, da es so gefährlich ist. Hier konnte das aber wohl egal sein, denn in Tabestan gab es keine Elementare – bis auf den Stein, den Esmeralda Carlotta Rappacini abgenommen hatte. Als sie ihn vorzeigte, war die alte Frau ziemlich entsetzt, und für einen Moment entgleiste ihr auch ihr debiles Grinsen. „Dieser Ort ist elementarfrei!“ stammelte sie, und für die Dörfler ersetzt ein goldenes Idol, das ebenfalls Tabestan heisst, die Elementare.

Das Tabestan selbst entpuppte sich als ein goldener Block, in dessen Nähe der Tuffstein heftig reagierten, die Elementare schienen um keinen Preis in seine Nähe kommen zu wollen, und als Folge dessen explodierte ein Teil des Steins. Die Elementarwaage hingegen reagierte nicht mehr, aber in der Gegenwart des Idols verspürte ich plötzlich den heftigen Wunsch, an diesem Ort zu bleiben, zu schlafen, und zu entspannen. Als ich mich umsah, stellte ich fest, dass es den anderen auch so ging. Aber dann merkte ich, was mich von Anfang an diesem Grinsekatzen-Dorf gestört hatte: Es gab überhaupt keine Musik, und essbares oder die Zubereitung von Essen hatte ich auch nicht gesehen. Bevor ich mir ausnalen konnte, was es sonst noch alles nicht gab, riß ich mich los. Auch Dottore Carlotta und Felice blieben wie angewurzelt vor dem Stein stehen, aber Maurice zog Felice mit sich mit, als er sich aus der Trance befreite. Niemand verspürte den Drang, Rappacini dort wegzuziehen.

Wir verabschiedeten uns schleunigst aus dem Tabestan-Dorf, das jetzt eine neue Bewohnerin hatte, und mit Hilfe der Tuffstein-Elementare gelang es uns, das Tor in unsere Welt wieder zu öffnen.
Anscheinend hatten die Piraten darauf nur gewartet, dennn Sangrado stand vor uns und verlangte, in die Oase gelassen zu werden. Es gelang uns, ihn davon zu überzeugen, dass es dort nichts zu holen gab (auch wenn die Leute dort merkwürdig waren, sie hatten uns ja nichts getan, und deswegen mussten wir ihnen nicht die Piraten auf den Hals hetzen, die sich nur für das goldene Dingsda interessierten). Daraufhin wechselte Sangrado das Thema, er wollte, das Esmeralda ihn begleitete, damit er sie mit Fritz, seinem ersten Maat verheiraten konnte, wie er es schon lange geplant hatte. Natürlich hatte Esmeralda auf Fritz überhaupt keine Lust, und ich erklärte Monsieur Sangrado, dass die Zeiten, in denen Väter ihren Töchtern den Bräutigam vorschreiben, schon lange Geschichte sind. Außerdem liebt Esmeralda Maurice, und ich bin immer mehr für das Wohl meines Bruders als für das eines dahergelaufenen Piraten.

Niniane: „Wir Frauen können selbst entscheiden, wen wir heiraten, und wann wir heiraten und wann wir Kaninchen in Biersauce kochen!“
Bad Horse: „Das ist ein bißchen bescheuerter Tausch… Meine Tochter oder meine Gitarre…“
Bad Horse: „Also ich glaube, ich will mich jetzt mit irgendjemandem duellieren.“
Patti: „Dann duellier dich mit Fritz.“
Bad Horse: „Warum?“
Patti: „Er hat unseren Auftraggeber getötet!“
Bad Horse: „Fritz, dass du immer so unsubtil bist…“
Patti: „Ich will auch keinen Mörder.“
Bad Horse: „Fritz ist kein Sadist, der ist nur ein bißchen dumm.“
Patti: „Du willst ein Duell? Ich wähle die Waffen und den Ort: Luftballons, Schaschlikstäbchen, in einem Schrank.“

Miguel erkannte dann in Joaquin den Mann, der ihn angeblich beim Kartenspiel betrogen hatte (als ob mein Joaquin so etwas tun würde!) und forderte auch noch seine Gitarre zurück. Bevor er aber irgendetwas in Richtung meines Liebsten unternehmen konnte, forderte Maurice ihn bereits zum Duell. Er wollte Esmeralda nicht mit diesem bärtigen brutalen Aulenländer gehen lassen. Maurice und Miguel duellierten sich mit Fäusten, sie rannten über das Geröll in dem Palast, und lösten auch noch eine Fallenplatte aus. Maurice versetzte Miguel einen heftigen Schlag am Kinn, worauf dieser aufhörte, meinen Bruder zu beleidigen und ein Messer zog. Maurice reagierte schnell und stiess Miguel in das ausgelöste Fallbeil, zog ihn dann aber im letzten Moment wieder zurücke. Dabei muss sich der Pirat den Knöchel verknackst haben, jedenfalls blieb er mit schmerzverzerrtem Gesicht liegen. Mit letzter Kraft warf er noch seinen Dolch nach Maurice, aber er traf ihn nicht. Geschlagen musste er wohl oder übel der Verlobung seiner Tochter und meines Bruders zustimmen. Ich war so stolz auf Maurice!

Bad Horse: „Willst du die jetzt wirklich heiraten?“
Nocturama: „Jawoll!“
Bad Horse: „Ach du liebes Bißchen.“

Es lag auf einmal soviel Liebe in der Luft, dass Joaquin mich spontan fragte, ob ich ihn heiraten wollte. Was für eine Frage! Natürlich habe ich ja gesagt, aber Felice musste natürlich wieder dazwischenfunken, dass ein Glücksspieler und Musiker nicht der richtige Mann für mich sei. Ich habe ihm gedroht, Maman zu verraten, dass er ein Verhältnis mit Dottore Rappacini hatte, wenn er uns noch einmal querkommt.
Einer war jedoch nicht von unserem Glückstaumel angesteckt worden. Fritz schien mit der Gesamtsituation unzufrieden und beschloss, dass es wohl nun Zeit wäre, dass er Kapitän anstelle des Kapitäns würde, und bedrohte Miguel mit seinem Säbel. Esmeralda schoss auf ihn, sie konnte ihn zwar nicht treffen (gut schiesst sie wirklich nicht..), aber sie lenkte ihn zumindest soweit ab, dass Fritz seinen Säbel wieder einsteckte und unter wilden Drohungen aus dem Palast lief. Natürlich achtete er bei seiner wilden Flucht nicht auf die Fallen, und so wurde er bedauernswerter Weise das einzige Opfer der Fallbeile an diesem Tag.
Sangrado seufzte noch irgendwas von „Gutes Personal“, aber dann kam er mit uns aus der Höhle zurück zu seinem Schiff, wo auch unser Beiboot wartete. Anscheinend hatte er ein unglaublich schlechtes Gewissen, dass er uns verfolgt und bedroht hatte und außerdem unsere Wolkenkuh beschossen hatte, jedenfalls bot er uns an, dass er uns in seiner Eigenschaft als Kapitän doch trauen könne, Maurice und Esmeralda sowie Joaquin und mich.

Bad Horse: „Willst du den – ich weiss nicht, wie du heisst..“
Timberwere: „Sie heisst Francine, verdammt“
Bad Horse: „Willst du, Francine-Verdammt, den hier heiraten, aber der betrügt beim Kartenspiel“

Die Feierlichkeiten wollten wir auf die Wolkenkuh verlegen, die gottseidank angelegt hatte und nicht allzu schwer getroffen worden war, denn ich erinnerte mich daran, dass es auch hier noch ein Paar gab, dass einer Trauung bedurfte: Endlich konnte Karl, der Kuckucksuhrenbauer, der mit uns in seiner Verkleidung als Norbert herumgeflogen war, seine Pauline davon überzeugen, dass er ein wagemutiger Abenteuerer war. Natürlich sagte sie ja zu ihm, und Joaquin konnte endlich einmal eine richtige Amtshandlung als Kapitän durchführen. Allerdings liess Pauline es sich nicht nehmen, uns alle, Wolkenkuh-Besatzung wie Piraten, mit ihrem Kaninchen in Biersauce zu bewirten.

Damit endete unser Abenteuer von der Suche nach dem Tabestan, doch ich denke, es werden noch weitere folgen.

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