Miami Files – „Blood Rites“ 5

Er hat angebissen. Muahahahaha.

Vorgestern wurde Roberto bei seinem Auto von einem Typen angesprochen. Der Kerl lehnte einfach daran und wartete. Als Roberto ihn zur Rede stellte, meinte er, er habe gehört, dass die schönen Männer was zu verkaufen hätten, und ob das stimme. Roberto machte vorsichtig zustimmende Geräusche und vereinbarte ein Treffen im Opera House für den nächsten Tag. Als es nichts mehr zu besprechen gab, ging plötzlich etwas wie ein Ruck durch den Mann, und dann sah er Roberto, und dessen pinkfarbenes Auto, völlig perplex an und machte, dass er davonkam. Ich würde sagen, da hat Adlene wieder mal mit einem seiner Geister einen Fremden besessen. Ob das nach diesen Magier-Gesetzen, mit denen Declan Edward gedroht hat, legal ist, wage ich ja auch zu bezweifeln, auch wenn dem Mann kein Leid geschah und Adlene nicht selbst Hand angelegt hat. Aber das sind doch Haarspaltereien, verdammt.

Wir beschlossen, dass nur Roberto und ich zu diesem Treffen gehen würden, weil Edward meinte, er könne nicht sonderlich gut lügen, und er wolle Adlene deswegen nur so oft persönlich begegnen wie unbedingt nötig. Und Alex hat Adlene ja sowieso gefressen; dessen Anwesenheit bei der Besprechung wäre also wohl eher kontraproduktiv. Oder besser, Alex‘ und Adlenes gegenseitige Abneigung ließ sich vielleicht – ein Echo unserer Überlegungen in Sachen der Clou – ja auch gewinnbringender einsetzen.

Wir trafen Adlene also und verhandelten. Tischten ihm unsere kleine Scharade von unserem vorzeitig verstorbenen Kunden auf und dass wir jetzt keinen Abnehmer hätten. Nichts davon stimmte, aber der Reaktion des Nethermancers nach zu urteilen, habe ich den ganzen Kram recht glaubwürdig rübergebracht. Adlene fragte uns dann auch nach Details zum Ritual aus, aber da zog ich mich dann auf Edward zurück und gab zu, dass ich von den magischen Einzelheiten wenig Ahnung hatte. Also vereinbarten wir für heute ein zweites Treffen, bei dem auch Edward anwesend sein würde und Adlene ihm seine Fragen stellen könnte.

Bei diesem Treffen hat Edward sich tapfer geschlagen, wenn es auch ein, zwei Mal auf Messers Schneide stand. Zuerst nämlich kam es zu einer Verstimmung, als Edward sagte, er werde Adlene das Ritual nicht verkaufen. Edward meinte Zutaten und Durchführung, Adlene verstand, an ihm ausführen. Der Necromancer war also schon drauf und dran, beleidigt abzuziehen, aber ich konnte ihn gerade noch so aufhalten und auf das Missverständnis hinweisen.

Völlig glaubwürdig erklärte Edward, er habe nur dieses eine Ritual, das er richtig gut beherrsche, und wenn er dessen Einzelheiten jetzt preisgebe, dann habe er gar nichts mehr, mit dem er sich am Markt abheben könne.

Das sah Adlene widerstrebend ein, bestand aber darauf, jede Menge allgemeiner gehaltene, aber dennoch zum Thema gehörende Fragen zu stellen, um herauszufinden, ob Edward überhaupt wisse, was er tue. Zum Glück beantwortete Edward all diese Fragen mit Bravour, so dass Adlene ziemlich überzeugt und einigermaßen besänftigt war.

Und dann kam noch unsere eigene kleine Interpretation von der Clou. Alex kam nämlich „zufällig“ vorbei, sah uns mit Adlene da sitzen und verhandeln, rollte mit den Augen und sagte nur: „Du gibst es dem?“ Es war perfekt gespielt, mit genau der richtigen Mischung aus Ungläubigkeit und Unverständnis, und ohne jede Spur von Künstlichkeit oder Übertreibung. Edward reagierte ebenfalls gut, mit einem „Du weißt, was das alles gekostet hat, wir müssen das wieder reinholen“, woraufhin Alex scheinbar frustriert-resigniert verschwand. Und Edward fast wieder alles kaputtgemacht hätte, indem er ein „Dieser Alex und seine Moral immer“ hinterher schob.

Dieser Spruch kam so hölzern und war so un-Edward, dass Adlene aufhorchte und wieder zu zögern anfing. Aber er ist gierig, und er will partout dieses Ritual, und so konnten wir ihn doch wieder beruhigen. Morgen soll es also stattfinden, auf dem Ritualplatz, den wir damals für Jack „verdorben“ haben, indem wir Declan involvierten und der Warden davon erfuhr. Aber hier macht das ja nichts, ist sogar ziemlich perfekt, denn wenn wir einen bislang unbekannten Ort nehmen würden, dann wüsste Declan durch Adlene doch gleich wieder davon.

Achja, ehe ich das Tagebuch weglege: Vorhin hat Sheila angerufen. Die Filmcrew hat bei den Dreharbeiten ihren ersten größeren Meilenstein hinter sich gebracht, und das wollen sie ein bisschen feiern. Ganz informell, mit einem Grillfest. Ich glaube, ich lade Dee ein. Und die Jungs sowieso.

Oh, und Alejandras Kindergärtner ist, wenn die Jungs recht haben, vermutlich kein White Court, sondern eine osteuropäische Sagengestalt, die sich tatsächlich von Tränen ernährt. Es gibt üble Geschichten von solchen Wesen, die ihre Opfer durch Qual und Folter zum Weinen bringen. Aber dieser Gregor… naja. Kleine Kinder weinen ja ständig mal. Ich hege die Vermutung, er hat sich absichtlich diesen Job gesucht, um eben niemanden mit Zwang zum Weinen bringen zu müssen.

Aber ich werde ihn definitiv im Auge behalten.

Puuuh. Was für ein Tag. Und dabei habe ich doch nichtmal was gemacht, lief die ganze Hochspannung doch durch Edward.

Aber, Madre de Dios, es hat geklappt. Ich kann gar nicht so viel dazu schreiben, aber das… das Vibrieren, diese sogar von mir gespürten magischen Energien, die sich sammelten und aufbauten und in der Luft hingen… sie hallen noch immer in mir wider.

Jedenfalls. Wir trafen uns mit Adlene am vereinbarten Ort, sans Alex, der aus einiger Entfernung und durch fließendes Wasser gedeckt, sicherte und beobachtete. Und sans Totilas, der noch immer nicht wieder aufgekreuzt ist und auch sein Handy ausgeschaltet hat.

Adlene war nervös wie ein junges Pferd, zittrig und misstrauisch, aber auch unendlich gierig auf das Ritual. Edward beantwortete also nochmals seine letzten Fragen, dann ging es los. Und es dauerte. Römer und Patrioten, ihr habt ja keine Ahnung, wie lange sich so ein Ritual hinziehen kann, dessen Effekt nicht nur ein paar Stunden andauern soll, sondern schon durchaus einige Jahre. Vor allem, wenn man gerade dabei ist, seinen Kunden zu betrügen.

Edward zog immer mehr, wie nenne ich das, magische Kraft in sich hinein. Er musste sich gewaltig konzentrieren, und ein oder zwei Mal sah es für meine Laien-Augen fast so aus, als sei er drauf und dran, die Kontrolle über sein Konstrukt zu verlieren.  Und Adlene wurde immer misstrauischer. Als Edward den Bibelvers deklamierte, fragte er plötzlich: „Was wird hier gespielt?!?“

Edward konnte sein Ritual nicht unterbrechen. Also fiel der Versuch, den Necromancer zu beruhigen, mir zu. Und erstaunlicherweise fiel mir spontan eine derart plausibel klingende Erklärung ein, dass sie mich selbst völlig überraschte und dank der Adlene erst einmal wieder ruhiggestellt war. Irgendwas von wegen, dass der Tod und das Alter verflucht werden müssten, um sich dem be-Ritualten nicht länger nähern zu können. Fragt mich nicht. Wenn ich jetzt im Nachhinein darüber nachdenke, klingt die Story völlig hanebüchen. Aber der Kerl wollte eben glauben. Vermutlich hätte ich ihm auch erzählen können, in das Ritual müsse eine Telefonbuchseite, damit das Alter vor ihm erst alle anderen Namen auf dem Blatt abklappern müsse.

Kurz vor Ende sah es nochmal so aus, als wolle er abspringen, aber er war dann doch zu gierig. Und dann war es geschafft, Edward (und Ximena, die ja geholfen hatte) völlig ausgelaugt, aber auch völlig euphorisch ob der reinen Größe dessen, was sie vollbracht hatten und dank der mächtigen Energien, die durch sie hindurchgeflossen waren.

Adlene überreichte uns den vereinbarten Preis (eine Million Dollar, man höre und staune) und verabschiedete sich mit der Drohung, dass er das Geld zurückfordern werde, falls das Ritual nicht geklappt haben sollte. Falls doch, sei es nett gewesen, mit uns Geschäfte zu machen. Und ging.

Ximena bekam natürlich sofort ihren Anteil, während wir uns überlegten, was wir mit dem Rest tun sollten. Eigentlich war es ja Edwards Honorar, aber der meinte, er könne es nicht annehmen, denn es würde doch auffallen, wenn er plötzlich anfangen würde, mit Geld um sich zu werfen. Dann sollten doch lieber wir es nehmen, denn dass er reiche Freunde habe, das sei ja nun allgemein bekannt, und bei mir oder Roberto zum Beispiel würde man das gar nicht merken.
Am Ende beschlossen wir dann, das Geld in die Renovierung des alten Dampfers zu stecken, in dem damals Ocean Raith gefangen gehalten worden war und den ich nach der Geschichte ja für einen Apfel und ein Ei gekauft habe. Daran wollten wir uns sowieso schon die ganze Zeit machen, weil es bestimmt nicht das Schlechteste ist, eine geheime Operationsbasis in den ‘Glades zu haben. Hach, wie das klingt. Da kommen doch glatt meine ganzen Kleine-Jungen-Agenten-Fantasien wieder hoch.

Zurück vom Grillfest. Und was soll ich sagen: Es Han Solot ganz gewaltig. Zum einen war Lady Fires Freundin Christine für das Grillfeuer verantwortlich, und sie ging uns genauso aus dem Weg wie beim letzten Mal. Zum zweiten ist mit Sam Worthington und Roselyn Sanchez etwas ziemlich Seltsames vorgegangen. Die Kleiderordnung war leger, Jeans und Hemd, und sowohl Sam als auch Roselyn hatten sich nach dem Dreh für die Grillparty gar nicht erst umgezogen, sondern die Sachen angelassen, die sie für ihre Rollen getragen hatten. Darin sahen sie exakt so aus, wie ich mir Eric Albarn und Catherine Sebastian vorgestellt hatte. Und während der Unterhaltung mit ihnen kam es mir plötzlich vor als, wie sage ich das, als wechselten sie in ihr Rollenverhalten hinein. Wie sie sich ein Wortgeplänkel nach dem anderen lieferten, das hätte ich genau so, wirklich haargenau so, auch für Eric und Catherine schreiben können. Nur dass ich es eben nicht geschrieben habe. Aber es würde perfekt zu den Charakteren passen.

Außerdem waren die Leute vom Zirkus Sambuca nebenan auch da. Fünf Typen: zwei Männer und drei Frauen. Sie tragen komische Künstlernamen: Den Nachnamen „Buca“ teilen sie alle, und die Vornamen haben alle irgendwas mit Feuer zu tun. Zumindest drei davon: Feu, Tinder und Ray Buca. Und deren Chefin nennt sich „Sam Buca“. Ha ha. Brüller.

Jedenfalls kam eine davon – die, die sich Feu nannte – auf Edward zu und sprach ihn rundheraus an. „Du bist dieser Edward, oder?“ Als er bejahte, nickte sie fröhlich und meinte, das habe sie sich gedacht. „Du kannst gut mit Ritualen, hab ich gehört.“ Und dann war sie auch schon wieder fort.

Irgendwer (Roberto? Alex?) hörte dann kurz darauf, wie Feu zu ihrer Chefin sagte, sie habe „diesen Edward“ gefunden. Was uns natürlich neugierig darauf machte, was diese Bucas wohl von Edward – und per Assoziation von uns – wollten. Außerdem war uns noch aufgefallen, dass die Bucas und Christine sich alles andere als grün zu sein schienen. Also suchten wir das Gespräch mit der Truppe, aber die Typen waren mehr als einsilbig, dieser Ray vor allem. Wir holten sie ein, als sie gerade das Gelände verlassen wollten, und beinahe wäre es zu Handgreiflichkeiten gekommen. Dieser Ray hatte schon einen Feuerball in der Hand und schien nur allzu bereit, den auf uns loszulassen, aber die Anführerin hielt ihn auf. „Nicht hier.“

Ooookay. Was zum Geier ?

Nachdem Christine uns ebenfalls hatte abblitzen lassen, mit der Frage, wie um alles in der Welt wir auf die Idee kämen, dass sie mit uns Verrätern reden wolle, war der Abend für uns in der Hinsicht völlig gelaufen. Aber wenigstens Dee hatte Spaß. Ich dann auch – bis Roberto auf die Idee kam, noch süchtig mit ihr auf Sause gehen zu wollen. Er schlug zuerst Pans Strandparty vor, aber mit Pan wollte und will Dee nach wie vor nichts zu tun haben. Und ich hätte Roberto treten können, dass er sie daran erinnerte.

Stattdessen gingen wir noch eine Weile in einen Club in der Stadt. Hinterher verabschiedete sich Dee mit einem Kuss auf die Wange… sowohl von mir als auch von Roberto. Seufz.
Naja, das könnte jedenfalls vielleicht erklären, warum ich nicht schlafen kann, sondern erst einmal all das hier aufschreiben wollte. Aber jetzt. Gute Nacht.

Coléra. Sie haben den Donut-Laden abgebrannt. Sie haben einfach den Donut-Laden abgebrannt. Das waren diese… diese Bucas! Jedenfalls war es Magie, denn in der Mall brannte einzig und allein das Dora’s, keiner der anderen Läden wurde auch nur im Geringsten angesengt.

Edward fiel dann etwas zu diesen Buca-Typen ein. Es gab so vor 7 oder 8 Jahren eine ganze Gruppe von Feuer-Warlocks, die sich „Les Flambeaux“ nannten und ziemlich übel gewütet haben müssen. Warlocks sind Magier, die die Gesetze der Magie brechen und von den Wardens gnadenlos verfolgt werden, erklärte man mir. Jedenfalls wurden diese „Les Flambeaux“ wohl von einem gewissen Warden Morgan gejagt und zum größten Teil aufgerieben. Aber es ist sehr gut möglich, dass diese Bucas die Überreste dieser Warlock-Gruppierung darstellen. Verdammt. Auch das noch.

Und Adlene muss sie auf uns angesetzt haben. Zumindest ist das unsere Theorie, auch wenn das verdammt schnell wäre seit der Aktion. Denn wer wusste außer Adlene schon davon, dass Edward gut in Ritualen ist? Und warum gerade Edward aufsuchen sonst? Er war es immerhin, der das Ritual durchgeführt und Adlene mit dem Pech belegt hat. Aber wie zur Hölle kamen sie auf das Dora’s? ¿Como demonios? Dass das schon derart als unser Stammlokal ausfindig zu machen war… Er muss uns seine Geister hinterhergescheucht haben. Cabrón.

Wir haben jetzt auch herausgefunden, warum die Sommerfeen und die Bucas sich nicht grün sind. Anscheinend haben die Bucas (also eigentlich diese „Flambeaux“-Warlocks, aber davon scheinen die Bucas ja die Überreste zu sein) einen Weg gefunden, irgendwie die Macht des Sommerhofes anzuzapfen und zu nutzen. Kein Wunder, dass Sommer die derart hasst.

Die Art und Weise, wie wir das rausgefunden haben, war allerdings… weniger schön. Seufz.
Wir haben nämlich Pans Party aufgesucht, um uns dort umzuhören. Der erste, dem wir begegneten, war Colin, Pans neuer Erster Ritter, und der zeigte sich alles andere als begeistert davon, mich zu sehen. Er beschuldigte mich, ihn bei der Sache letzten Sommer hinters Licht geführt zu haben. Die Ritterei sei viel anstrengender, als er sich das vorgestellt habe, und er hätte doch nur ein bisschen Party machen und dann weiter studieren wollen. Nichts so Permanentes jedenfalls!

Sagen konnte er uns zu der Fehde mit den Bucas auch nichts, also fragten wir nach Sir Anders. Der focht gerade mit einem anderen Sidhe einen Schaukampf mit Degen aus – Sir Kieran nannte Colin ihn. Und dieser Sir Kieran war niemand anderes als der Salsa-Liebhaber, dem Roberto die Celia-Cruz-Scheibe zerbrochen hatte… Der Sidhe-Lord hatte auch ein Date dabei. Und dreimal dürft ihr raten, wer das war, Römer und Patrioten? Richtig, Edelia Calderón, die Santería aus dem Plattenladen. Yay. Kein Wunder, dass Roberto erst einmal Getränke holen ging und sich rar machte, während wir warteten, bis der Kampf beendet war.

Sir Anders beantwortete zwar unsere Fragen, aber auch er war alles andere als glücklich, uns zu sehen. Er bezichtigte uns rundheraus des Verrats an Lady Fire. Ich versuchte, ihm unser damaliges Dilemma zu erklären, aber er war nicht sehr geneigt, mir zuzuhören. Oh verdammt. Ich wünschte, ich könnte das irgendwie aus der Welt schaffen…

Als keine Gefahr mehr bestand, Sir Kieran über den Weg zu laufen, tauchte Roberto wieder auf. Und wir sahen gleich: Da war was anders. Er trug nämlich eine Kette um den Hals, golden und mit einem Anhänger in Form von Titanias Portrait. Den Sommerfeen fiel das sofort auf, und die Menge teilte sich vor ihm wie… naja, auch auf die Gefahr hin, hier Klischees zu perpetuieren, wie das Schilfmeer vor Moses.

Römer und Patrioten, Roberto ist jetzt Titanias Richter.

Und das kam so: Als er dort am Getränkestand versuchte, sich nicht von Sir Kieran und Ms Calderón erwischen zu lassen, wurde er von einem von Pans Leuten eingesammelt, der Herzog wünsche ihn zu sprechen.
Er habe sich angemaßt, für Titania zu sprechen, sagte Pan Roberto dann auf den Kopf und ohne weitere Vorrede zu. Das wollte Roberto erst abstreiten, doch Pan – offensichtlich nicht sehr amüsiert darüber – beharrte darauf. Roberto habe dem Holländer Hans Vandermeer in Titanias Namen gestattet, an Land zu bleiben. Somit habe er sich das Amt des Richters angemaßt, und da Titania nicht protestiert – und vor allem, das es tatsächlich geklappt habe – sei das Amt des Richters nun auf ihn übergegangen. Und mit diesen Worten hängte Pan unserem Santerío die besagte Kette um. Die er jetzt irgendwie nicht mehr abnehmen kann. Hurra. Und irgendwie hört Roberto Oshuns Stimme, schon seit der Sache mit Titania letzten Sommer, nicht mehr so deutlich. Und jetzt, seit er die Kette trägt, irgendwie gar nicht mehr. Oh oh.

Gary aus der Arcanos-Runde hat eben angerufen. Ob wir von Ximena gehört hätten. Die war nämlich gestern ebenso wenig beim Spielabend wie ich. Nur dass ich abgesagt hatte, weil ja die Grillparty angesagt war, Ximena aber ohne ein Wort fehlte, und das sei sonst nicht ihre Art, meinte Gary. Mierda.

Keiner von uns wusste Ximenas Adresse, aber in der Uni bekamen wir ihre Anschrift heraus. Nur dass die nicht stimmte. In der Phi Beta Kappa (natürlich nicht die echte, aber da ich den tatsächlichen Namen der Schwesternschaft nicht mehr weiß, muss eben φβκ herhalten) hatte man von einer Ximena O’Toole nie gehört. Das waren auch alles blonde WASPs ; Ximena hätte da nie im Leben reingepasst.

Also rief Roberto bei seiner Tante an. Von der erfuhr er unter dem Vorwand, er habe seine Cousine ja so lange nicht mehr gesehen und wolle sie mal besuchen, eine Adresse, die sich als Trailerpark herausstellte, aber als einer von der gehobeneren Sorte. Ximenas Wohnwagen stand ziemlich abseits, durch Bäume sichtgeschützt, am Fluss. Oder hatte gestanden. Hinter der einwandfreien Illusion eines intakten Trailers fanden wir, als wir durch das Fenster nach seiner Bewohnerin schielen wollten, das Ding in rauchenden Trümmern vor. Mierda!

Ximena selbst fanden wir in der Gestalt eines Krokodils am Flussufer liegend, ziemlich fertig. Sie schaffte es zwar noch ohne Hilfe, die Illusion aufzugeben und ihre menschliche Gestalt wieder anzunehmen, aber sie war für die Dose Not-Cola aus Alex‘ Auto mehr als dankbar.
Wie wir anhand des abgebrannten Trailers schon vermutet hatten, waren die Bucas auch bei ihr gewesen. Wobei Ximena nicht beschwören konnte, dass es wirklich die Bucas gewesen waren, da sie auf Motorrädern, in Lederkluft und mit verspiegelten Helmen aufkreuzten, aber da es genau fünf waren, drei Frauen und zwei Männer, liegt der Gedanke an die Bucas doch irgendwie nah.

Wir brachten Ximena erst einmal dort weg und boten ihr Asyl bei uns an. Erst wollte Roberto sie zu sich nehmen, aber Ximena ist Magierin, und Magier töten Technik. Da wurde Roberto dann doch Angst und Bange um seine Stereoanlage, seinen High-End-PC und was nicht alles, also kam Ximena dann doch lieber bei Edward unter. Der hat immerhin, wegen desselben Handicaps, auch keine moderne Technik im Haus.

Wie Edward den weiblichen Besuch dann allerdings Chérie erklären wird, das muss er selbst sehen. Wobei es in den letzten Tagen zwischen Edward und Chérie ein wenig zu kriseln scheint. Zumindest klangen ihre letzten Telefonate, jedenfalls auf Edwards Seite, ein wenig … angespannt. Aber gut, so richtig klar über ihre Beziehung sind die beiden sich ja ohnehin nicht.

¿Qué demonios? Noch ein beunruhigender Anruf eben. Ms Berkeley, die Regisseurin, war dran. Am Set seien ganz seltsame Dinge geschehen. Sehr cool, aber auch sehr, sehr seltsam. Ob ich gleich vorbeikommen könne.
Ich muss los. Ich hab da so eine Ahnung. Mierda!

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