Die Geschichte von Stian und Rina (24)

Kreokk konnte mit dem Stück Metall tatsächlich nichts anfangen, und auch seine alchimistische Analyse des Staubes blieb erfolglos, doch der Orc versprach, sich für Stian in der Stadt umzuhören.
Während der Krieger unterwegs war und der Blutelf rastlos in Kreokks kleinem Haus im hinteren Teil der Stadt auf und ab wanderte, drehten sich seine Gedanken fortwährend im Kreis.
Liliwyn war in den Badlands aufgefunden worden, das war das erste. Dort musste er ansetzen. In Kargath selbst würde man sich vermutlich noch an die verwirrte Sin’dorja erinnern, die von einer Taurin dort angebracht worden war, aber mehr konnte Stian sich von dem Außenposten nicht erhoffen. Sie waren ja nicht involviert gewesen. Hmmm. Was lebte in den Badlands? Jede Menge Wildgetier, aber das benutzte keine Werkzeuge. Die Elementare, die sich in den Bergtälern fanden, ebenfalls nicht. Die Troggs und Oger allerdings wären eine Möglichkeit. Oder die Dunkeleisenzwerge aus der Festung Angor.
Moment mal… Dunkeleisenzwerge… Das war es!
Aufgeregt stürmte Stian zur Bank und durchwühlte den Kasten, der dort auf seinen Namen aufbewahrt wurde und alles enthielt, was er von früheren Reisen mitgebracht und dort hinterlegt hatte, weil er es fürs erste nicht brauchen konnte.
Er war doch in der Brennenden Steppe und der Sengenden Schlucht gewesen… Und hatte dort mehrfach ein Erz gefunden, das er trotz aller Anstrengungen bisher nicht hatte einschmelzen können. Irgendwann würde er noch herausfinden, wie das ging, da war er sich sicher, aber bislang lagen die Klumpen noch immer in seinem Bankfach und warteten darauf, dass er lernte, wie sie sich schmelzen ließen. Dunkeleisenerz hatte sie der Bergbau-Experte genannt, als der Schurke sich danach erkundigte, aber nicht einmal er wusste um das Geheimnis. Das bewahrten die Dunkeleisenzwerge eifersüchtig für sich, hatte der Lehrer missmutig geknurrt.
Nun also kramte Stian wie wild in seiner Banktruhe herum und hielt bald darauf einen der Erzklumpen in der Hand. Ja… Er hatte dieses Erz zwar noch nicht in Barren- oder bearbeiteter Form gesehen, doch die schattenhafte dunkelgraue Farbe, die rauchige Anmutung der Oberfläche, die das Stück fast wie Kohle erscheinen ließ… Ja, er war sich ziemlich sicher, dass das Stück Metall, das Lili bei sich gehabt hatte, aus demselben Stoff gemacht sein musste, aus dem auch diese Erzklumpen bestanden.
Dunkeleisenzwerge! Eine Spur!

Am liebsten wäre der Blutelf sofort zum Zeppelin gerast, doch Kreokk würde sich wundern, dass er verschwunden war, wenn der Krieger seine Nachforschungen beendet hatte. Also wartete Stian ungeduldig auf die Rückkehr seines Freundes, doch zum Glück dauerte es nicht zu lange, bis der grauhaarige Orc wiederkam. Und er hatte Neuigkeiten. Ein orkischer Metallurge bei den Schmieden im Tal der Ehre war ebenfalls zu dem Schluss gekommen, dass es sich bei dem Metall und dem Staub um Dunkeleisen beziehungsweise um Dunkeleisenrückstände handelte. Diese Rückstände, habe der Metallurge erklärt, entstünden übrigens, wenn das Metall mit falsch angewandter Magie zusammentreffe. Wenn der Zaubernde nicht ganz genau wisse, was er tue, zerfalle Dunkeleisen einfach zu Staub.
Mit diesen Informationen gewappnet, hielt es den Schurken gar nicht mehr in der Stadt. Von Zeppelin-Ingenieur Krixx erfuhr er, dass der nächste Zeppelin zum östlichen Kontinent in kurzer Zeit ablegen würde. Keine Zeit also zu verlieren. Aber einige wenige, hastige Zeilen an Riná brachte er trotz seiner drängenden Unruhe doch zustande, die er eilig hinkritzelte und auf den Weg schickte:

——
Meine liebste Riná,

ich habe nicht viel Zeit; gleich geht der Zeppelin.
Liliwyn hat alles verloren. Alles. Wenn ich herausfinde,
wer ihr das angetan hat… Eine Spur gibt es, eine kleine.
Wünsch‘ mir Glück…
Liebste, ich melde mich bald wieder. Ich schließe Dich in die Arme…

Ewig, Stian
——

Was der Blutelf nicht wusste, war, dass Riná auf seine konfuse Nachricht umgehend antwortete, als sie diese erhielt. „Warte auf mich, Stian“, schrieb sie, „geh nicht ohne mich. Lass mich deine heilende Hand sein…“ Doch dieses Schreiben erreichte ihn nicht mehr. Der Zeppelin war bereits abgeflogen, und von Grom’Gol aus machte der Schurke sich sofort auf in die Wildnis, wo kein Postdienst verkehrte. So wartete der Brief den obligatorischen Monat auf Abholung und wurde dann mit Unzustellbarkeitsvermerk an die Priesterin zurückgesandt. Aber auch davon wusste Stian nichts, bis Riná es ihm später, viel später, erzählte.

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