Die Deadlands-Nachwuchsrunde (1)

Die erste Session beginnt mit dem klassischen Einführungsabenteuer „The Gatling Decision“ von Dave „Grubman“ Bezio (das ich selbst nicht gelesen habe, um mir den Spaß nicht zu verderben, das sich aber laut diverser Aussagen ziemlich gut eignet).

Alle Mitglieder der Gruppe hat es, aus welchen Gründen auch immer, in das Örtchen Branson in Arizona verschlagen. Jones zum Beispiel ist unterwegs zu einem großen Pokerturnier, das demnächst auf einem Dampfschiff im Great Maze stattfinden soll, während Benj Taylor wieder mal hinter irgendeinem Kopfgeld her ist. Miss Mendez und Wolfskehle haben keine so klar umrissenen Gründe, sie sind halt auf der Durchreise.

Am Abend trifft man zufällig bei einem Pokerspiel im Saloon aufeinander: die vier SCs und ein fünfter Mann, ein offensichtlich wohlhabender, graugekleideter Rancher aus der Gegend, der sich als Mr. Logan vorgestellt hat. Das Spielglück wogt hin und her, wobei Jones natürlich als Profispieler am meisten gewinnt, auch ohne zu betrügen, einfach weil er die Tricks kennt. Aber auch die anderen gewinnen ein bisschen Geld – der einzige, der wirklich den ganzen Abend über zu verlieren scheint, ist der Rancher in grau. Das fällt den Charakteren auf, und Wolfskehle denkt schon an einen Fluch oder etwas in der Art, während Jones einmal sogar betrügt, um den Rancher gewinnen zu lassen. Diese Runde geht dann auch tatsächlich an Mr. Logan, aber gleich darauf verliert er bereits wieder, was ihn im Laufe des Abends immer gereizter werden lässt.

Dies geht einige Stunden lang so, bis Jones wieder einmal eine Runde gewinnt und den relativ großen Pott gerade einstreichen will. Da fällt der Rancher ihm mit den Worten: „Na das war ja ganz lustig, aber jetzt reicht es, ich nehme mir mein Geld zurück“ in den Arm und macht sich ebenfalls daran, die Münzen einzusammeln.
Guten Worten ist der zunehmend wütende Rinderbaron nicht zugänglich. Er beschuldigt die drei Mitspieler, mit Jones – der im Verlauf des abendlichen Geplauders ganz selbstverständlich zugegeben hatte, das er Profispieler und zu einem Kartenturnier im Westen unterwegs sei; eine Information, die Logan überhaupt nicht gefallen hatte – unter einer Decke zu stecken und fordert die Herausgabe seiner Einsätze. Als Jones, den dies immerhin am schwersten treffen würde, weil er über den Abend am meisten gewonnen hat, sich weigert, springt Logan auf und winkt seine Cowboys herüber, die an den umliegenden Tischen gesessen haben.

Trotz eines letzten Versuches, die Situation friedlich zu klären, kommt es zu einer zünftigen Kneipenschlägerei, zerbrochene Stühle, Bierkrüge und Whiskyflaschen inklusive, während der es eine ganze Weile munter hin und her geht, alle Beteiligten Kratzer und blaue Flecken einstecken und Jones fröhlich „54 heb auf!“ mit den Cowboys spielt (sprich mindestens zweimal eines der zahlreichen Kartendecks, die er in den Taschen hat, als ‚Burst‘ auf seine Gegner feuert. Vom Zauber unterstützt, entwickeln die an und für sich harmlosen Spielkarten richtig scharfe Kanten und fügen den Cowboys empfindliche Schnitte zu.)

Mr Logan selbst hält sich im Hintergrund und sieht sich die Keilerei regungslos an. Erst als es für seine Jungs schlecht auszugehen droht, zieht er mit einem Mal seine Waffe und feuert auf Jones, trifft diesen auch schmerzhaft, aber nicht tödlich. Isabel Mendez hingegen zieht ihre Pistole aus dem Strumpfband und schießt auf den Rancher – und sie wiederum trifft ihn mit tödlicher Präzision.
Der Tod ihres Bosses bringt die noch stehenden Cowboys zur Raison oder besser, zum geschockten Aufgeben. Doc und Sheriff sind auch schnell auf den Plan geholt. Für Mr Logan kommt jede Hilfe zu spät, aber Jones ist schnell verarztet, und glücklicherweise hatte der Treffer auch deutlich schlimmer ausgesehen, als er dann eigentlich war.
Ebenso glücklicherweise gab es auch genug Zeugen, die das Geschehen beobachtet hatten und einstimmig aussagen konnten, dass Logan als erster gezogen hatte und Isabels Schuss nur Notwehr war. So wird die Leiche des Ranchers abtransportiert, und die Charaktere bleiben unbehelligt.

Nach dem Ende des Kampfes war im oberen Geschoss des Saloons eine Tür zugefallen, ohne dass die Charaktere gesehen hätten, wer dort hineingegangen war. Jetzt jedoch bringt der Barkeeper einige Gläser mit Whisky hinüber zu deren Tisch und erklärt, diese Runde ginge aufs Haus, und der Besitzer des Etablissements wolle sich gerne einmal mit ihnen unterhalten. Dabei zeigt der Mann nach oben auf genau diese Tür.

Natürlich hat niemand etwas dagegen einzuwenden, mit dem Besitzer zu reden, und so findet sich die Gruppe kurz darauf in dessen Büro im Obergeschoss ein. Der Mann stellt sich als Bailey Granger vor und dankt den Charakteren erst einmal für die gute Arbeit. Dieser Logan sei ein arroganter Mistkerl gewesen, der sich hier im Tal alles einverleiben wolle und dem schon lange ein Zahn gezogen gehört hätte. Ob Gruppe zusammengehöre, will er wissen, quittiert die Verneinung mit Bedauern. Ob sie denn vielleicht trotzdem einen Auftrag für ihn annehmen würden. Er müsse eine gewisse Lieferung versenden, und er brauche zu ihrem Schutz Leute, die auf sich aufpassen könnten – was die Charaktere ja soeben bewiesen hätten.

Es müsse eine Kiste mit dem Zug in einen Ort namens Privilegio, einige Meilen südlich von Dead End, überführt werden, wo sein Bruder lebe. Die Kiste sei ca. 1,50 m lang und ca. 90 cm breit und wiege etwa 45 kg. Dead End ist die derzeitige Endstation der Eisenbahn im Westen; in Dead End müsste die Gruppe also per Kutsche weiter, um die Fracht nach Privilegio zu bringen.

Es folgt ein wenig Hin und Her und Feilschen um den Lohn (Granger bietet 25$ pro Person als Anzahlung und weitere 25$ bei Ablieferung, außerdem wird der Saloonbesitzer die Eisenbahnfahrt für die Charaktere und ihre Pferde übernehmen) sowie misstrauisches Nachfragen.
Ist die Kiste ein Sarg? Ist da etwa eine Leiche drin? Nein, ist es nicht. — Was ist überhaupt darin? Das hat die Charaktere nicht zu interessieren. — Warum soviel Bewachung für die Kiste? Ist deren Inhalt so wertvoll? Nicht unwertvoll, und es hat schon Räuberüberfälle auf der Strecke gegeben. — Weiß denn jemand um den Versand der Kiste? Nur Mr. Granger, sein Bruder und jetzt die Charaktere. — Enthält die Kiste etwas Illegales? Nein.

Schließlich fallen den Charakteren keine weiteren Fragen mehr ein, und sie nehmen den Auftrag an.

Der Zug trifft am nächsten Tag pünktlich ein und fährt ebenso pünktlich ab. Die Charaktere überzeugen sich, dass die besagte Kiste in den Frachtwaggon geladen wird und führen ihre Pferde in den Waggon mit den Pferdeboxen, ehe sie es sich im Passagierabteil bequem machen. Den Frachtwaggon dürfen sie nicht betreten: Der wird abgesperrt und auch von zwei Personen bewacht, wie zu sehen war, als dessen Tür an der Station offenstand. Hinter dem Passagierwaggon kommt ein Wagen mit Holz: Schwellen für den Weiterbau der Eisenbahn ab Dead End, danach der Bremserwagen. Pferdeboxen und Kohlenwaggon sind zwischen Frachtabteil und der Lok.

Insgesamt fahren 4 Wachen im Zug mit: die beiden im Frachtabteil, einer bei den Passagieren und einer hinten im Bremserhäuschen. Die Fahrt vergeht zunächst ereignislos, bis auf die Tatsache, dass der kleine Sohn einer mitreisenden Dame noch nie einen Indianer gesehen hat und Lih’nadil Miqa’qwe neugierig mit immer nervigeren Fragen bombardiert.
Dann jedoch kommt es zum fast schon befürchteten und erwarteten Überfall: Ein Trupp von Räubern reitet unter lautem Geheul von beiden Seiten auf den Zug zu. Teils reiten diese neben dem Zug her, um mit ständigem Schießen die Reisenden unten zu halten, aber die beiden Anführer und zwei ihrer Leute springen auf den Frachtwaggon auf, zwei an jeder Tür, und machen sich an diesen zu schaffen.

Isabel Mendez und Benj Taylor bleiben im Passagierwagen und feuern nach draußen auf die Reiter, ebenso wie der Wachmann, der sich ohnehin schon im Waggon befand, während der Wächter aus dem Bremserhäuschen sich über mehrere Runden hinweg nach vorne vorarbeitet und währenddessen ebenfalls auf die Reiter schießt. Lee Wolfskehle und William Jones hingegen schießen bzw. zaubern zunächst durch das Fenster des Passagierabteils auf die Kerle, die sich am Frachtwagen zu schaffen machen. Allerdings haben die irgendwann die Türen aufgebrochen und verschwinden in dem gesicherten Waggon, so dass die beiden Charaktere ihnen folgen müssen. Im Frachtwaggon kommt es zum Nahkampf, während dessen Wolfskehle nur einen Kratzer abbekommt, während Jones wieder einmal vergleichsweise heftig verletzt wird. Aber es gelingt schließlich, die Angreifer niederzustrecken und in die Flucht zu jagen.
Und da der Indianer über recht gute Fähigkeiten in der Naturmedizin verfügt, kann er den Kartenspieler einigermaßen wieder zusammenflicken, so dass nur eine leichte Wunde übrig bleibt.

Zur Überraschung der Gruppe waren die Räuber doch nicht hinter der Kiste hergewesen. Von der schienen sie sogar nicht einmal etwas gewusst zu haben, denn sie steht völlig unberührt in ihrer Ecke. Statt dessen hatten die Outlaws versucht, sich den Tresor anzueignen, der ebenfalls in dem Frachtwaggon mitgeführt wurde – wenn sie nicht daran gehindert worden wären, hätten sie wohl den ganzen Tresor aus dem Zug gestoßen, um ihn dann irgendwann in Ruhe auszuleeren.

Ein Kommentar

Eingeordnet unter Deadlands Reloaded, Nachwuchsrunde, Pen & Paper

Eine Antwort zu “Die Deadlands-Nachwuchsrunde (1)

  1. mhhh kliengt … mhhhm gut meine Begeisterung hält sich aus mehren Gründen in Grenzen aber naja. Ich hatte vor ein paar Tagen schon einmal ein Gespräch über Western Settings und ich mag sie einfach nicht. Das macht es mir schwierig viel darüber zu sagen. Die Story hat ein wenig was von Shadow Run die Charakter sind immer noch interessant und ja vielleicht werde ich durchs lesen ja vielleicht noch ein Western Freund.

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