Igniculus-in-Arden, 12. August 2014

Was eine Sommerpause bis Ende Juli werden sollte, zog sich dann doch bis Mitte August hin, aber wir wollten nicht wieder mit zwei Ausfällen spielen, sondern nach der Pause dann gleich wieder richtig einsteigen. Wobei auch in der gestrigen Sitzung Semper Secundus‘ Spieler wieder fehlte, so dass wir immer noch nicht genau wissen, ob denn nun die Kräuterfrau oder der Illusionsmagier dabei sein wird. Aber, witzeln wir schon, entweder es sind nur Nichtmagier – oder falls nicht, sieht man den einen Magier, der mitreist, sowieso nie.

Es ist Frühherbst, als die Reisegruppe sich auf den Weg macht. Wie immer, ist die erste Etappe die Strecke nach Warwick, etwa drei Tagesreisen vom Bund entfernt gelegen. Am zweiten Tag überholen die Igniculi, obgleich sie zu Fuß unterwegs sind, zwei sehr gemächlich dahinrollende, bunt gestrichene Wagen, in der eine Sippe fahrenden Volkes unterwegs ist. Auf dem Kutschbock des hinteren Wagens sitzen ein älterer, knurriger Mann und dessen sehr hübsche Tochter von vielleicht siebzehn oder achtzehn Jahren, während der vordere Wagen von einem weiteren Mann gesteuert wird, der seine Ehefrau, seinen erwachsenen Sohn und zwei Jungen im Kindesalter dabei hat. Auch zwei Hunde streifen um die Wagen herum.

Cedric von Aymerstone mit seiner Schwäche für hübsche Frauen fällt die junge Zigeunerin natürlich sofort auf. Deren brummeligem Vater scheint das gar nicht zu behagen, vor allem nicht, als die junge Frau die Igniculi einlädt, sich doch dem Zug anzuschließen, weil man gemeinsam doch stets sicherer reise, aber davonjagen will er sie auch nicht, und so setzt man den Weg tatsächlich gemeinsam fort.

Bei der Mittagsrast lernen die Igniculi auch die Leute aus dem anderen Wagen kennen, und es werden Neuigkeiten, Gerüchte und Informationen ausgetauscht. Das ist natürlich die perfekte Gelegenheit, auf das Großereignis hinzuweisen, das im nächsten Sommer in Kaledonien stattfinden soll: Gerade fahrende Spielleute könnten doch ein Interesse daran haben, alte Mythen und Legenden wie Feen und nordische Asen leibhaftig zu Gesicht zu bekommen.

Am Nachmittag wird die Weiterreise für eine Weile unterbrochen, als sich eines der Wagenräder löst, was aber außer dem Zeitverlust keine sonderlichen nachteiligen Auswirkungen hat. Verletzt wird niemand, und die Igniculi, vor allem Knut, der kräftige Baum, helfen bei der Reparatur. Ansonsten vergeht der Rest des Tages ereignislos; nur nachts schlagen die einmal die Hunde an, sind dann aber auch bald wieder ruhig.

Cedric und Esmeralda – so heißt die junge Dame – haben weiterhin durchaus Augen füreinander, aber auch mit Evelyn Streona freundet das Mädchen sich an, als die beiden am nächsten Tag eine Weile gemeinsam auf dem Kutschbock des hinteren Wagens fahren. Dabei erzählt Esmeralda, dass die Sippe die Winter meistens im Süden verbringe, im Frühling dann wieder losziehe und über Wales nach Norden reise, um sich im Herbst dann langsam wieder auf den Rückweg zu machen. Außerdem denkt die junge Frau, ihr Vater wolle sie diesen Winter wohl verheiraten – wen er dabei allerdings im Sinn habe, oder ob er sich überhaupt schon auf jemanden festgelegt habe, das vermöge sie aber gar nicht zu sagen. Am liebsten würde sie ja jemanden heiraten, in den sie sich auch verliebt habe, fügt sie mit einem verschämten Seitenblick auf Cedric hinzu.

In einer ruhigen Minute nimmt Evelyn daraufhin den Barden beiseite und fragt ihn, wie ernst es ihm mit dem Mädchen sei. Cedric ist völlig konsterniert – er hat doch nur ein bisschen geflirtet! Das Mädchen ist viel zu jung, und überhaupt ist sie nicht die Richtige. Daraufhin erklärt Evelyn, Esmeralda habe sich aber aufgrund seiner Flirterei in ihn verliebt und hege nun die ernsthafte Hoffnung, dass er sie vor der ungeliebten Heirat im Winter retten werde. Von besagter anvisierter Heirat wusste der Barde ja bislang noch gar nichts, aber auch wenn er sich nicht in das Mädchen verliebt hat, wehtun will er Esmeralda nicht, und so erklärt er sich einverstanden, in einer ruhigen Minute mit ihr zu sprechen und ihr die Sachlage klarzumachen.

Während des Gespräches zwischen Cedric und Evelyn ist auch Knut anwesend, der dieses ganze Menschending von Heiraten und Liebe und dem allen als Baum nicht so recht verstehen kann. Heiraten, ja, das hat er inzwischen gelernt: Das tun Menschen, wenn sie mächtig oder wichtig sind und damit ein Reich oder so etwas sichern wollen; so wie Lord Herne zum Beispiel die Hüterin heiraten will. Das Wort ‚Liebe‘ – oder besser, welche Gefühle sich dahinter verbergen – war ihm bisher nicht recht geläufig, also versucht Cedric ihm das Konzept ein wenig näher zu bringen. Ob und inwieweit das dem Barden allerdings gelungen ist, trotz seiner sehr bildhaften Erklärungsversuche, das bleibt noch abzuwarten.

In Warwick angekommen, nutzt Evelyn ihren Einfluss als Ex-Schwiegertochter des Alderman, um den Schaustellern die Möglichkeit zu verschaffen, zumindest für zwei Tage, bis zum nächsten Wochenmarkt, direkt in der Stadt selbst auf dem Marktplatz spielen zu dürfen, statt vor den Mauern bleiben zu müssen. Die Nacht jedoch verbringen die fahrenden Leute tatsächlich draußen, und wieder schlagen die Hunde an, wie auch schon in der Nacht zuvor. Es geschieht allerdings nichts weiter.

Wie versprochen, spricht Cedric auch noch mit Esmeralda. Dank seines Charmes und seiner Wortgewandtheit gelingt es dem Barden immerhin wenigstens, dass der harte Schlag bei der jungen Frau ein wenig gedämpft ankommt: Er versucht ihr zu vermitteln, dass er sie zwar mag, dass er aber viel zu alt für sie ist, und nicht „die Richtige“, und das junge Mädchen sieht sogar ein, dass sie sich ein wenig in eine Träumerei verrannt hat und Cedric ebensowenig „der Richtige“ für sie ist. Dennoch lässt das Gespräch beide natürlich trotzdem recht bedrückt zurück, und Esmeralda verabschiedet sich sehr schnell, will sie Cedric doch ihre Tränen nicht sehen lassen. Und auch Cedric zieht sich mit seiner Laute irgendwohin zurück, um sich mit seiner Musik etwas abzulenken. Nicht einmal nach weiblicher Gesellschaft ist dem sonst so lebenslustigen Barden fürs erste nach diesem Gespräch.

Während Pater Geoffrey sich mit dem örtlichen Priester unterhält, trifft Evelyn in der Stadt alte Bekannte und hört verschiedenste Gerüchte: unter anderem, dass die Hebamme einen neuen Liebhaber habe, wen wundert’s… und dass im Wald eine unheimliche Gestalt gesehen worden sei – ein Mann, der aber aussah wie ein Baum, also eine Art hölzerne Haut gehabt habe. Knut jedoch kann das nicht gewesen sein: Erstens hat er sich während der Nacht nicht vom Lager entfernt, und zweitens sieht er in Menschengestalt aus wie jeder andere Mensch auch, und als Baum hat er das Aussehen eines ganz gewöhnlichen Baumes. Fragt sich also, wer oder was diese seltsame Gestalt gewesen sein mag, und ob sie auch den Igniculi über den Weg laufen wird…

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Eingeordnet unter Ars Magica, Dienstagsrunde, Pen & Paper

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