Igniculus-in-Arden, 13. Januar 2015

Eine kurze Sitzung war das diesmal wegen bahnbedingtem verspäteten Heimkommens und Beginn.

Wie geplant, macht sich die Gruppe am nächsten Morgen auf den Weg zur der Halle der Barden, oder besser zur Halle der Skalden, wie es hier im Norden heißt. Es hatte ja geheißen, diese Halle sei ungefähr drei Tagesreisen entfernt – das stimmt auch ungefähr so, aber ganz bis zu ihrem Ziel schaffen die Igniculi es am dritten Tag nicht, sondern finden für die Nacht in der Scheune eines gastfreundlichen Bauern Unterschlupf. Irgendwann nachts hört Knut, der nicht mit nach drinnen gekommen, sondern im Freien in die Baumgestalt gewechselt ist und sich in der Erde verwurzelt hat, für einige Zeit ein Dröhnen und Rumpeln in der Ferne, das sich aber irgendwann legt und dann auch nicht mehr wiederkommt.

Am nächsten Morgen werden die Reisenden von der Bauersfamilie freundlich und mit einem Frühstück verabschiedet, ehe sie so gestärkt den Rest des Weges zurücklegen. Es ist auch gar nicht mehr so weit bis zu dem bezeichneten Ort, einem typischen, strohbedeckten Wikingerlanghaus. Kein Mensch ist zu sehen, alles ist still, zu still dafür, dass hier ein Versammlungsort von Skalden sein soll. Bei näherem Hinsehen fällt auf, dass die Tür schief in den Angeln hängt – Vorsicht ist angesagt.

Evelyn schleicht also zum Eingang und späht hinein, während Semper Secundus seinen bewährten durch-die-Wand-seh-Zauber wirkt. Beide erkennen, dass das Gebäude innen Spuren eines Kampfes aufweist: Gegenstände und Möbel sind wild herumgeworfen, und es ist niemand zu sehen bis auf einen einzelnen Mann, der verwirrt in einer Ecke sitzt, vor sich hin schaukelt und nur in Reimen redet, als die Gruppe ihn anspricht. Er erzählt etwas von einem Troll, der den Zoll habe einfordern wollen und alle bis auf ihn mitgenommen habe. Viel mehr ist aus dem Mann nicht herauszubekommen, aber immerhin deutet er mit der Hand, als er gefragt wird, wo der Troll denn hin sei.

Tatsächlich befindet sich in der angegebenen Richtung in einiger Entfernung eine Höhle, aus der ein lautes Schnarchen zu vernehmen ist. Vor dem Höhleneingang und im Eingang verstreut liegen etliche Tierknochen unterschiedlichsten Alters. Gesammelt schleicht sich die Gruppe in die Höhle, in deren Mitte ein mit einer Körpergröße von 5 Metern noch junger Troll schläft. An der Höhlenwand hängen, in Seile eingebunden, geknebelt und mehrere Meter über dem Boden, etliche Personen: vermutlich die verschleppten Skalden.

Der Mann, der den Igniculi am nächsten ist, reißt überrascht die Augen auf und macht Anstalten, unter seinem Knebel loszustammeln, weswegen Semper Secundus mit einem „Psssst“ den Finger auf die Lippen legt und darüber nachzugrübeln beginnt, mit welchem Zauberspruch er die Leute wohl am besten und sichersten von der Wand bekommt. Die anderen Gruppenmitglieder zerbrechen sich indessen den Kopf nach nicht-magischen Möglichkeiten zur Rettung der Barden.

Ideal wäre natürlich eine Leiter, aber woher hier nehmen? Sowohl die Halle der Skalden als auch der Bauernhof, wo man übernachtet hatte, sind zu weit weg, um eben schnell mal eine Leiter zu holen. Aus Knochen etwas zu basteln, dürfte daran scheitern, dass weder genug Seil zur Verfügung steht, noch die Knochen lang oder stabil genug sind, um sich wirklich zu eignen. Knut die Baumgestalt annehmen zu lassen und in seinen Ästen hochzuklettern, ist ebenfalls keine Option, da ausgewachsene Nordmanntannen bis zu 40m hoch werden und Knut in Baumform somit schlicht nicht in die Höhle passt.

Der Troll schläft lange ungestört, doch irgendwann werden seine bislang regelmäßigen Schnarchgeräusche unruhiger, und er beginnt, sich zu bewegen. Der Rest der Gruppe tritt daraufhin hastig den Rückzug aus der Höhle an, Semper Secundus hingegen verstaut den Stein, den er anfangs in der Höhle aufgehoben und mit einem Lichtzauber versehen hatte, in der Tasche und zieht sich tiefer in die Höhle zurück. In der jetzt nur noch vom leichten Dämmerlicht aus dem Höhleneingang geminderten Dunkelheit erwacht der Troll mit einem Schnauben und setzt sich auf. Ein Schnüffeln ist zu hören. Einen Lautlosigkeitsspruch hatte Semper Secundus bereits zum Schleichen auf sich gelegt; jetzt lässt er auch seinen Geruch verschwinden. Dummerweise scheint der Troll aber auch im Dunkeln oder fast-Dunkeln ausgezeichnet sehen zu können, denn als er sich umschaut, bleibt sein Blick zielsicher auf dem Magus hängen, der – ausnahmsweise einmal nicht unsichtbar – dies sogleich nachholt.

Allerdings hilft dem Tremere auch die Unsichtbarkeit nichts, denn der Troll haut wütend mit der Faust auf den Boden – gar nicht auf Secundus selbst, aber allein die Wellen, in die dieser mächtige Faustschlag dem Untergrund versetzt, reichen bereits aus, um den Magus von den Füßen zu reißen. Dummerweise schlägt dieser so unglücklich mit dem Kopf auf einen Felsen auf, dass er schwer verwundet das Bewusstsein verliert.

Sempers Aufschrei ruft jetzt aber auch die übrigen Igniculi wieder in die Höhle. Der Troll wirkt wütend, aber nicht so, als wolle er sofort und gleich auf die Gefährten losstürmen, also versuchen diese es erst einmal mit Reden.
Nun erklärt sich auch, warum der verwirrte Alte in der Halle der Skalden nur noch in Reimen geredet hat: Der Troll tut es nämlich auch – und er scheint es auch von seinen Gesprächspartnern zu erwarten… oder nicht gereimte Antworten gar nicht erst zu verstehen, denn diese ignoriert er konsequent.

Es ist vor allem Barde Cedric, der nun zusammen mit Evelyn Streona die Verhandlungen übernimmt. Obgleich des Norse ja eigentlich bislang kaum mächtig, hatten Evelyn und er in den letzten Tagen mit Knut sowie am vorigen Abend und morgens beim Frühstück im Gespräch mit ihren bäuerlichen Gastgebern ihre frisch erworbenen und noch immer ziemlich rudimentären Kenntnisse des Norse weiter geübt. Und gerade der Barde hat durch seine Balladenschreiberei in Ribe durchaus schon eine kleine Grundlage der Sprache gelegt, die es ihm jetzt zusammen mit seinem allgemeinen Sprach- und Reimtalent ermöglicht, ebenfalls in Reimen auf den Troll einzugehen – in schrecklich gebrochenen, bemühten Reimen, aber immerhin in Reimen.

Es stellt sich heraus, dass der Troll eigentlich nichts weiter will als seine Ruhe. Aber jedesmal, wenn er sich gerade zum Schlafen legte, riss ihn der „schreckliche Lärm“ der Skalden wieder hoch, so dass ihm schließlich irgendwann der Geduldsfaden riss und er beschloss, endlich etwas dagegen zu unternehmen. Auch Semper Secundus wollte er eigentlich nichts Böses, erschrak aber ob der offensichtlichen Zurschaustellung von Magie des Hermetikers und wollte, derart überrumpelt, die Bedrohung durch die Magie schnell ausschalten.

Nach einigem Hin und Her und Verhandeln gelingt es der Gruppe schließlich doch, den Troll davon zu überzeugen, dass er die Barden freigibt – solange diese versprechen, ihn nicht länger mit ihrem Lärm zu belästigen. Dies ist ein Versprechen, das Cedric erst einmal für die Musiker abgibt; diese dann ebenfalls dazu zu bringen, wird hoffentlich auch gelingen, wenn alle wieder sicher in die Halle der Skalden zurückgekehrt sind.

Semper Secundus wird natürlich ebenfalls eingesammelt – zwar ist der Magus unsichtbar und noch immer bewusstlos, so dass er sich nicht bemerkbar machen kann, doch glücklicherweise ist ihm bei seinem Sturz der Lichtstein aus der Tasche gerollt, so dass die Gruppe ihn anhand dessen einigermaßen lokalisieren kann.

Advertisements

Hinterlasse einen Kommentar

Eingeordnet unter Ars Magica, Dienstagsrunde, Pen & Paper

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s