Tanelorn-Sommertreffen 2014: Kurzbericht 2

Irgendwie bin ich bislang noch gar nicht dazu gekommen, die noch fehlenden Kurzberichte meiner Runden vom Tanelorn-Sommertreffen 2014 nachzuliefern. Aber hier sind sie jetzt, knapp und auf einem Haufen, wie sich das für Kurzberichte gehört.

Freitag Abend: Heroen

Der erste Slot des Treffens nach dem donnerstäglichen LIRP gehörte Grey und seinem eigenen System, „Heroen“. Wir spielten eine amüsante Sitzung, in der unsere Gruppe in einer an einem Fluss gelegenen Grenzstadt eine Gruppe von Sklavinnen über den besagten Fluss in Sicherheit bringen wollten.
Nach einigen Anlaufschwierigkeiten bei der Charakterzusammenführung (4 Charaktere waren bereits in der Antisklavenbewegung aktiv, während ein Charakter anfangs noch zu den sklavenjagenden Kopfgeldjägern gehörte und erst noch eine Sinnkrise bekommen und sich uns anschließen musste) kam es zu einer Verfolgungsjagd durch die Stadt, bei der unsere Retter-Truppe ihre Schützlinge tatsächlich auf das rettende Schiff bringen und meine Schamanin sich unterwegs ein nettes kleines Zauberduell mit der verfolgenden Schwarzmagierin lieferte. Das Ganze in vollem Galopp und in einem eigentlich eher Low-Magic-Setting, also schon ziemlich cool.

Samstag Mittag: Franz jagt im komplett verwahrlosten Taxi quer durch Bayern

Sommer 1983. Die BRD lacht über Hitlers Tagebücher, strickende Langhaarzottel haben den Bundestag erobert, die zweite Generation der RAF sitzt im Knast und Franz Josef Strauß sorgt mit einem Milliardenkredit dafür, dass der Sozialismus in seinem Lauf nicht von Ochsen, Eseln und Banken aufgehalten wird.

Franz jagt im komplett verwahrlosten Taxi quer durch Bayern. Hinter ihm fahren, in dieser Reihenfolge, ein Eingreiftrupp der Stasi auf der Suche nach einem Grenzflüchtling, Wachtmeister Hinterhuber, der endlich den Temposünder erwischen will, der vor zwei Tagen seine Radarfalle über den Haufen gefahren hat, und Frau Mayr, die ihrem Franzl schon seit zwei Tagen seine Pausensemmel hinterherfährt.

Auf dem Beifahrersitz lümmelt Max Hintzke, ein Berliner Schieber, dessen Geschäftspartner auf der Ostseite Denny gegen gutes Geld den Fluchttunnel gegraben haben. Er sollte sie auf der bundesdeutschen Seite einsammeln und vor eventuellen Grenztruppen in Sicherheit bringen.

Auf dem Rücksitz sitzen Denny, die gerade aus der DDR entkommen ist und im Westen ihre Tante suchen will, die irgendwo bei München wohnen soll,
Siddharta, ein zu spät geborener Althippie aus Berlin, der eigentlich friedlich an der Grenze zur DDR gegen Grenzen und Gewalt demonstrieren wollte, bis sich vor seinen Birkenstock der Boden öffnete und Denny herausgekrabbelt kam, und Annemarie Hintermhaisl, die vor vier Stunden ein Taxi gerufen hatte, das sie vom Hof ihrer Eltern in den nächsten Ort zum Bahnhof fahren sollte. Da das Taxi sowieso nach München fährt, kann sie aber auch gleich sitzen bleiben.

Franz, der in dieser aberwitzigen Fahrt die Gelegenheit sieht, sich endlich von seiner gluckenden Mutter los zu sagen, hat sich sofort in Denny verguckt, Annemarie findet Max echt niedlich und Siddharta liebt alle vier – auch wenn sie voll spießig und unentspannt sind (Wo ist nochmal das Gras?).

Gerade hat Franz an der Tankstelle in Mitwitz das Auto vollgetankt, als der vollkommen übernächtigte Wachtmeister Hinterhuber mit Blaulicht auf die Tankstelle zugerast kommt.

Wird die Gruppe der Stasi entkommen? Wird Denny ihre Tante finden? Wer kriegt wen?

Eine Runde, deren Titel aus einer Laune heraus und von einem Schriftarten-Beispiel-Pangramm inspiriert entstanden ist, konnte ja eigentlich nur albern werden, und genau das wurde sie. Aber es war eine unglaublich geniale Art von albern – ich würde sogar so weit gehen zu behaupten, das war die coolste „Gonzo“-Runde, die ich je gespielt habe.
Gestützt vom leichten Korsett der „Lady Blackbird„-Regeln und geleitet von Edvard Elch, spielten wir eine irrwitzige Verfolgungsjagd um Wachtmeister Huber, diverse Geheimdienste, die Stasi, Franzls besorgte Frau Mama und einen beleidigten Zuhälter, dem wir die Edelkarosse stahlen. Vielleicht wäre das Ganze nicht so gonzo geworden, wenn nicht schon die Eröffnungsszene so aus dem Ruder gelaufen wäre, aber hey, eigentlich war es perfekt.

Bei den vorgegebenen Charakteren konnte jeder irgendeinen falschen Akzent auspacken, ob es nun der bayerische („I bin die Annemie. Ia könnts mi Mie nenna.“) oder der Berliner war, aber Sashaels Darstellung des „äschdn sächs’schn Mädschns“ schoss hier eindeutig den Vogel ab. Ganz großes Sommerkino!

Samstag Abend: Das Gasthaus am Jadefluss – Wuxia mit PDQ#

Diese Runde war ganz großes Drama und definitiv ein weiteres Highlight des an Highlights wahrlich nicht armen Treffens. Wir hatten die Charaktere im Vorhinein gebaut und miteinander verknüpft: Ein ehemaliger Polizeibeamter, der vor ca. 18 Jahren einer jungen Frau aus Liebe dabei geholfen hatte, deren Vater aus dem Gefängnis zu befreien, weil dieser – verraten von seinem Stellvertreter und Rivalen – sonst hingerichtet worden wäre. Entgegen ihres Versprechens war seine Liebste nach der Befreiung spurlos verschwunden. Der Polizist hatte dann seinen Dienst quittieren müssen bzw. war in Unehren entlassen worden und fristete nun als Schwertkämpfer sein Leben, immer auf der Suche nach der Frau, die ihn verraten hatte.

Was der Schwertkämpfer nicht wusste, war, dass seine Liebste ihn nicht freiwillig verlassen hatte, sondern die Umstände und ihr Vater (der tatsächlich damals ein berühmt-berüchtigter Räuberhauptmann war) sie dazu zwangen. Genausowenig konnte er natürlich wissen, dass aus der einen Nacht mit der jungen Frau eine Tochter hervorgegangen war.

Nun, Jahre später, kommt es natürlich zu einer schicksalhaften Wiederbegegnung im Gasthaus am Jadefluss: Der alte Räuberhauptmann, der inzwischen als respektabler Händler durch die Lande zieht, seine Tochter und Enkelin, dazu der Schwertkämpfer, dessen Polizeipartner und bester Freund von damals, der nie genau wusste, was damals geschehen war und den Polizeidienst nie verlassen hatte, sowie der Hauslehrer des jungen Mädchens, der in Wahrheit vom Rivalen und Konkurrenten des Räuberhauptmannes geschickt war, um die Familie auszuspionieren, dessen Loyalitäten längst bei der Familie lagen.

Natürlich kam es zum Konflikt mit dem rivalisierenden Räuberhauptmann (den der Polizist fassen sollte), zuerst im besagten Gasthaus, später dann zum Endkampf in einer alten Tempelruine in einem malerischen Bambuswald.
Und natürlich – dies war eine Wuxia-Geschichte – gab es kein Happy-End: Zwar hatten die Tochter des Räuberhauptmannes und der Schwertkämpfer ein klärendes Gespräch, doch dann opferte er sich heldenhaft im Endkampf, um seine ehemalige Liebste und seine Tochter zu retten.

Hach, war das eine schöne Runde. So richtig high-drama-emotional eben, aber dankenswerterweise nicht kitschig, mit zünftiger Action und genau der richtigen Dosis an „comic relief“, vor allem durch den etwas einfältigen, aber herzensguten, Polizeipartner. Und ich bekam eines der größten Komplimente, die man als Rollenspieler bekommen kann: „Vorhin, bei der Aussprache-Szene, da war ich mir nicht sicher, ob du nicht gleich wirklich in Tränen ausbrichst.“ Hihi. So muss das sein.

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