Miami Files: Side Job – Vignette 4

Oh Mann. Wo anfangen. Am besten einfach der Reihe nach; vielleicht… vielleicht hilft das, die Gedanken etwas klar zu bekommen. Aber ich glaube nicht so recht daran.

Ich folgte den drei Hexen bis zur Lodge der beiden alten Damen. (Die Jungs hatten mir übrigens auf der Insel noch erzählt, dass sich Vanessa Gruber die beiden Rentnerinnen in der „Sight“ angesehen und als echte Warlocks identifiziert hat, die definitiv etwas planten.) Aus der Hütte kam deren Stiefschwiegersohn – dessen Namen ich nie erfahren habe, glaube ich – und gingen in Richtung See.

Die anderen, die Vanessa suchen gegangen waren, als die drei Hexen den Salon verließen, hatten diese inzwischen gefunden, denn auf dem Weg zum See stießen sie zu mir, und wir verfolgten die drei weiter. Erst waren wir relativ unauffällig, aber je näher wir dem See kamen, um so unruhiger wurde Ms. Gruber. „Wir sollten sie keinesfalls auf die Insel lassen“, erklärte sie und hob ihren mit Muscheln besetzten Magierstab.

Dass Vanessa sich auf Wassermagie spezialisiert hat, das war uns ja schon vorher aufgefallen, und auch jetzt wirkte sie wieder einen entsprechenden Zauber: Mit einer Wasserhose zerstörte sie das Boot.

Als die beiden alten Damen sahen, dass ihr Transportmittel unbrauchbar geworden war, fauchten sie wütend auf und fletschten die Zähne, und wir konnten sehen, dass es ganz eigenartige, tierhafte Reißzähne waren.

Elena riss ihren Malblock hoch und begann im Stehen zu zeichnen. Wir durften keinesfalls zulassen, dass das, was sie da malte, Wirklichkeit wurde, also übergoss ich den Block schnell mit dem Brandbeschleuniger, den Alex mir gegeben hatte, und Roberto, direkt neben mir, zündete die Seiten an.

Indessen rannte der Schwiegersohn zu Vanessa, wurde aber von dieser verletzt. Auch Edward stürmte zu dem großen Kerl hin, zog ihn von Vanessa weg und begann, ihn zu verprügeln.

Die beiden alten Hexen lachten böse und pusteten irgendetwas in Vanessas Richtung, ein gelbes Pulver, das die Magierin einhüllte. Sie schrie laut auf vor Schmerzen: Offensichtlich hatte der Staub eine giftige oder ätzende Wirkung. Alex fackelte nicht lange, sondern warf sie in den See, um das Pulver von ihr abzuwaschen. Dann sprang er hinterher, um Vanessa aus der Gefahrenzone zu bringen, denn aus eigener Kraft bewegte die Österreicherin sich nicht.

Elena warf ihren brennenden Zeichenblock nach mir, ich konnte aber gerade noch beiseite springen, so dass der Block mich nur streifte und ich kein Feuer fing. Roberto, der näher bei Elena war als ich, nahm sie in den Schwitzkasten und machte den beiden älteren Hexen gegenüber Drohgebärden, als wolle er Elena töten. Dies veranlasste Hattie, eine Puppe herauszuziehen, die Roberto vage ähnelte, während ihre Schwester der Puppe den Arm brach. In diesem Moment schrie Roberto auf und hielt sich den Arm – offensichtlich war da irgendein, wie hat Ximena das mal genannt, Sympathie-Zauber zwischen Puppe und Mensch am Werk. Die Gelegenheit nutzte Elena, um ihren Stift in Roberto zu bohren.

Ich hatte noch immer die Flasche mit dem leicht brennbaren Aftershave in der Hand, und ein bisschen was war noch darin, also sprühte ich diesen Rest Maggie ins Gesicht. Die schrie auf und rieb sich die Augen, aber davon schien die Flüssigkeit ihr nur tiefer in die Augen zu geraten, denn sie fauchte, und ihre Augen tränten, und sie tastete blind umher.
Ihre Schwester Hattie stürmte auf mich zu und griff mit ihren Krallen nach mir, aber es gelang mir, ihren Arm hart zur Seite zu schlagen – deutlich härter, als ich das wohl unter anderen Umständen getan hätte.

Edward und der Stiefschwiegersohn prügelten sich noch immer, waren inzwischen beide zu Boden gegangen und rollten da ringend herum, bis Edward schließlich die Oberhand gewann und den Kerl mit einem gezielten Schlag ins Reich der Träume schickte. Roberto hingegen, gebrochener Arm oder nicht, legte den unverletzten Arm um Elena und küsste sie hingebungsvoll.

Inzwischen hatte Alex Vanessa Gruber aus dem Wasser gezogen und sie irgendwo außer Reichweite hingelegt. Jetzt kam er zu uns zurück und griff in das Kampfgeschehen ein, indem er die noch immer blind herumtastende Maggie ergriff, ihr das Feuerzeug an den Kopf hielt und ein lautes „HALT!“ in Richtung ihrer Schwester rief. Hattie allerdings war nicht sonderlich beeindruckt von der Drohgebärde, sondern fauchte wütend und schien einen Zauber vorzubereiten.

Ich warf die jetzt leere Aftershave-Flasche nach der Hexe, um sie abzulenken. Das gab Edward die Gelegenheit, zu Hattie hinzukommen und ihr die Faust in die Rippen zu rammen. Mit einem Schmerzenskrächzer ging die Hexe zu Boden und begann zu röcheln.

Roberto küsste Elena noch immer. Die war völlig überfordert von der Situation, wand sich ein wenig in Robertos Armen; doch eigentlich gefiel ihr der Kuss, soviel war offensichtlich, denn inzwischen erwiderte sie diesen leidenschaftlich.

Maggie rief etwas. Fremdartige, gutturale Worte: ein Zauber. Ihre Stimme wurde tiefer, und ihre Haut schien sich zu verschieben. Sie hob die Arme gen Himmel, wie einladend, und dann ging ein Ruck durch sie, und sie lachte und war nicht mehr sie selbst, sondern wir sahen uns dem Dämon gegenüber, den sie gerufen und der von ihr Besitz ergriffen hatte.

Alex fackelte nicht lange, sondern aktivierte sein Feuerzeug, das er Maggie ja noch immer an den Kopf hielt. Und weil die Hexe das Brandbeschleuniger-Aftershave im Gesicht hatte, fing sie umgehend Feuer. Alex ließ sein Feuerzeug sinken und machte die Handbewegungen, die ich inzwischen damit assoziiere, dass er ein Tor ins Nevernever öffnen will.

Der Dämon indessen kümmerte sich gar nicht darum, dass er brannte, sondern ging mit seinen flammenden Fäusten auf Edward los, der aber ausweichen konnte. Dass Edward nicht da war, wo der Dämon ihn vermutete, schien diesen zu verwirren, und ich versuchte, ihn zu verspotten, um ihn noch weiter abzulenken – nur so verwirrt war er dann leider doch nicht, dass er sich davon hätte ablenken lassen.

Edward versetze dem Dämon Hieb um Hieb, aber ich war mir nicht sicher, ob er damit überhaupt etwas ausrichtete.
Während der Dämon aber mit Edward beschäftigt war, gelang es Alex, sein Tor zu öffnen, und er zwang den Dämon hindurch.
Nur den Dämon, wohlgemerkt. Seine sterbliche Hülle, die Hexe Maggie, fiel leblos zu Boden.

Roberto hatte inzwischen Elena den Stift weggenommen, den diese, völlig gebannt von seinem Kuss, nur noch locker in der Hand hielt. Noch immer küsste er sie. Und dann…

Que Dios tenga misericordia.

Dann hob Roberto den Zeichenstift, den er Elena eben weggenommen hatte, und rammte ihr diesen in den Hals. Elenas Augen weiteten sich, dann sackte sie in seinen Armen zusammen.

Und dann war es vorbei. Da lagen die drei toten Frauen – Roberto hatte Elena sanft, beinahe ehrfürchtig, zu Boden gleiten lassen, und es war nicht zu übersehen, dass sie tot war. Maggie hatte es nicht überlebt, dass der Dämon sie verließ, und auch Hattie war nicht mehr am Leben: Anscheinend war Edwards Hieb so heftig gewesen, dass eine gebrochene Rippe die Lunge der Hexe durchbohrt hatte.

Vanessa Gruber, schwer verletzt, lag reglos, wo Alex sie hingebracht hatte. Der Stiefschwiegersohn war verschwunden. Da, wo er zu Boden gegangen war, lagen nur noch seine Kleider und einige Stöcke. Als hätten die Hexen ein Konstrukt herbeigezaubert und animiert.

Alex bugsierte die drei Leichen durch das Tor ins Nevernever. Und ich? Ich konnte Roberto nur anstarren. Wie konnte er das tun? Ja, Elena hatte mich beeinflusst, aber sie stand doch selbst unter dem Einfluss ihres Malblocks, das hatte Roberto selbst in der „Sight“ gesehen. Vielleicht hätte es doch eine Möglichkeit gegeben, Elena von diesem Einfluss zu befreien und sie zu retten…

Ich weiß nicht mehr, ob ich Roberto anschrie oder so schockiert war, dass ich ruhig sprach. Meine Erinnerungen an den Moment sind vage. Aber ob laut oder leise, ich konfrontierte ihn mit seiner Tat, machte ihm Vorwürfe. Roberto sah mich nur an, murmelte kühl etwas von wegen „Es ging nicht anders, es gab keine Rettung für sie“ und „Du bist zu weich, Cardo.“

Ich musste da weg. Die ganze von Elena mir gegen die Jungs eingepflanzte Antipathie kochte wieder hoch, und diesmal gelang es mir nicht, mit meinem Kopf dagegen anzugehen. Auf die Idee kam ich nicht einmal. Ich konnte nur eines denken: weg hier.

Also hob ich Vanessa hoch und trug sie zur Lodge. Innerlich war ich wie gelähmt, vor den Kopf geschlagen. Wie ein Automat rief ich die Nummer des Notrufs an, bat um einen Rettungshubschrauber. Wie ein Automat sagte ich zu Margo und den Gästen, die aufgeregt angelaufen kamen, etwas von einer Fehlfunktion des Bootes, von einem explodierten Motor, von ausgetretener und versprühter Batteriesäure, die Vanessa verätzt habe. Dieselbe Erklärung für die Rettungssanitäter, die einige Zeit später eintrafen.

Aber sie konnten Vanessa nicht mit dem Hubschrauber ausfliegen. Sie wollten sie an ein Beatmungsgerät anschließen und in einer Röhre transportieren, und das ging nicht im Helikopter.
Alex war, nicht ganz so schwer wie Vanessa, aber ebenfalls von dem Pulver der Hexen verätzt worden und musste ebenfalls ins Krankenhaus. Ebenso Roberto mit seinem gebrochenen Arm. Also brachte man die beiden durch die Luft weg, während Vanessa über den Landweg weggebracht wurde. Nach Portland wollten sie sie wohl bringen, entnahm ich dem Gespräch. „Komisch, dass sie mit diesen Verletzungen überhaupt noch am Leben ist“, hörte ich außerdem einen der Rettungssanitäter sagen. Ich machte ihn nicht darauf aufmerksam, dass Magier anscheinend häufiger über besondere Heilkräfte verfügen. Wie hätte ich das auch erklären sollen? Besser, die Ärzte glauben an ein Wunder.

Edward packte eilig Vanessas Sachen zusammen und fuhr dann damit hinter dem Krankenwagen her.
Normalerweise wäre ich vermutlich auch mitgefahren, aber nicht so. Nicht da. Ich stand immer noch ein wenig unter Schock, glaube ich, als ich die Leute in der Lodge zu beruhigen versuchte.

Roberto kam abends noch wieder. Sein Arm war anscheinend gar nicht wirklich gebrochen gewesen; die Hexen hatten ihm wohl nur die Illusion davon untergejubelt. Aber ich ging ihm aus dem Weg, ich wollte nicht mit ihm reden, ihn nicht sehen.

Natürlich wurden auch die beiden alten Damen und ihr Schwiegersohn irgendwann vermisst, ebenso Elena. Suchaktion. Polizei. Weitere Befragungen. Glück insofern, als die Beamten das Ganze in Zusammenhang mit dem explodierten Boot brachten und von einem tragischen Unfall ausgingen.

Totilas kam aus Eugene zurück, und es war seltsam, aber auf ihn erstreckte sich meine Antipathie nicht. Wobei, gar nicht so seltsam, denn er war ja nicht da gewesen, als Elena den Zauber auf mich wirkte, also war er davon auch nicht betroffen. Er wollte mit mir reden, aber ich habe so gut wie keine Erinnerung mehr daran, was er eigentlich sagte.

Ich habe auch kaum mehr Erinnerungen an den Rest des Abends. Irgendwann fiel ich ins Bett, in dem freien Zimmer in Dannys und Lilas Hütte. Und am nächsten Tag blieb ich nicht mehr lange, sondern brach, als der von Margo für mich georderte Mietwagen angeliefert wurde, ziemlich bald auf. Die meisten Gäste taten das nach dem gestrigen Schock, glaube ich.

Das Autofahren tat mir gut. Ich fuhr langsam, beinahe wie in Trance, aber doch aufmerksam genug, um keinen Unfall zu bauen, und dass ich mich auf die Straße konzentrieren musste, war gerade die richtige Ablenkung. Die Fahrt nach Portland dauerte fünf Stunden, so dass es auch schon wieder auf den Abend zuging, als ich ankam. Zum Glück fand ich das Hotel ohne Probleme: hurra für moderne Navigationsgeräte.

Im Auto habe ich meinen iPod an das Radio gehängt und habe ihn, nach Interpreten sortiert, einfach ab irgendwo mittendrin laufen lassen. Und irgendwann kam dann das erste Album von Mumford & Sons. Ich weiß, dass diese Songs eigentlich ganz andere Dinge zum Thema haben, völlig anders zu interpretieren sind, aber etliche Zeilen daraus sprangen mir förmlich entgegen. Zeilen, die mir vorkamen, als handelten sie von mir, oder als spreche der Sänger mich direkt an.

Cold is the water
It freezes your already cold mind
And death is at your doorstep

And it will steal your innocence

But it will not steal your substance

But you are not alone in this

You are not alone in this

As brothers we will stand
and we’ll hold your hand

Hold your hand

Mierda. Wie Hohn klang das.

Ich habe mich gezwungen, eine Kleinigkeit zu essen, aber Hunger habe ich keinen. Wenn ich gewusst hätte, in welches Krankenhaus sie Ms. Gruber gebracht haben, hätte ich sie vermutlich besucht, aber ich habe keine Ahnung, wo sie ist. Und Alex wird da auch sein. Den sollte ich wohl ebenfalls besuchen, aber … ich kann nicht. Nicht, solange dieser Zauber anhält.

Vielleicht mache ich noch einen Spaziergang. Vielleicht aber auch nicht. Das Hotelzimmer ist ziemlich bequem; ich glaube, ich gehe einfach ins Bett. Habe bei Dee angerufen, aber es geht niemand dran. Zuhause in Miami ist es ja auch schon drei Stunden später, das ist mir aber auch eben erst eingefallen. Ich hoffe, sie war einfach nicht da. Es wäre mir peinlich, wenn ich sie aufgeweckt hätte.

18. März. Vancouver, Kanada.

Zurück im Hotel. Die erste Lesung lief eigentlich recht gut, muss ich sagen. Zumindest war der Tag gut für die Ablenkung: die Fahrt zum Flughafen, Abgeben des Mietwagens, der Flug nach Vancouver, die Sicherheitsmaßnahmen beim Einchecken, die Einreiseformalitäten in Kanada. Taxifahrt zum Hotel, Vorbereiten auf die Lesung.

Der Raum war recht gut gefüllt, die kanadischen Zuhörer aufmerksam und höflich. Und tatsächlich schienen die meisten zumindest Indian Summer gelesen zu haben, und etliche sogar die ganze Reihe. Natürlich gab es Fragen wegen des Films und wegen des Todesfalls am Set letztes Jahr, aber darin habe ich ja inzwischen Übung und konnte ganz routiniert über Roselyn Sanchez‘ tragischen Unfall sprechen. Ich bin nur froh, dass offensichtlich noch keinerlei Gerüchte über die Vorfälle am Crater Lake an die Öffentlichkeit gedrungen sind. Denn das wäre absolutes Gift: erst Roselyn Sanchez‘ Tod beim Filmdreh, jetzt der Todesfall einer jungen Autorin und das Verschwinden dreier – vierer! – weiterer Personen, alles in meiner Gegenwart… die Medien würden sich die Lefzen lecken danach. Ich bete, dass diese Verbindungen nie der Presse zugespielt werden…

19. März. Seattle, Washington.

Kein Flug diesmal, sondern mit dem Auto gefahren. Ist ja kein langer Weg. Und ich hatte, wie gestern auch schon, noch immer den ganzen Tag diese Song-Texte im Kopf.
Die Lesung selbst war sehr erfreulich – Seattle scheint ein kleines Dorado für Genre-Liebhaber zu sein.

Nur… eben habe ich bei Dee angerufen – heute früher, habe an die Zeitverschiebung gedacht – aber das war ein ganz seltsames Telefonat. Ich hatte so ein dringendes Bedürfnis, mit ihr zu sprechen, und ich habe ihr alles erzählt, aber ihre Reaktion war… eigenartig. Beinahe steif. Sie meinte, nach dem, was sie von Warlocks wisse, seien die ziemlich rettungslos verloren, und wie es denn Roberto gehe? Wie der mit dem Trauma fertig werde? Und dass sie wohl mal nach ihm sehen gehen müsse.

Nicht das, was ich mir von dem Gespräch mit Dee erhofft hatte. Eindeutig nicht.

20. März. Zurück in Portland.

Selbes Spiel wie gestern. Mit dem Auto nach Portland, Lesung diesmal direkt hier im Hotel. Ebenso genre-affines Publikum.

Ich habe lange über Dees Aussage nachgedacht. Dass es für Roberto ein Trauma sei. Sie hat recht, natürlich hat sie recht, das konnte ich nur vor lauter Abneigung nicht sehen.

Ich muss ihn anrufen, heute noch, so schwer es mir fällt, weil Elenas Zauber noch immer auf mir liegt.

Keiner zuhause. Vielleicht besser so. Ich habe ständig Robertos Vorwurf im Ohr, seine herablassende Stimme. „Du bist zu weich, Cardo.“ Bin ich das? Vielleicht bin ich das tatsächlich.

Spare me your judgements and spare me your dreams
Cause recently mine have been tearing my seams
I sit alone in this winter clarity which clouds my mind

Sei ehrlich, Alcazár. Es ist nicht herablassend. Das kommt dir in deinem momentanen Zustand nur so vor. Wenn du rational darüber nachdenkst, wirst du zugeben, dass es nicht herablassend ist.

Naja. Ein bisschen vielleicht.

21. März. San Francisco, Kalifornien.

Die Hotelzimmer beginnen sich zu gleichen. Die Tagesabläufe auch. Heute war es wieder mal ein Flug.
Die Lesung war gut, der Raum etwas kleiner, weniger Leute, aber interessiert.

Habe wieder versucht, bei Roberto anzurufen, aber es geht niemand dran. Mit Dee hätte ich auch gerne gesprochen, aber auch sie ist nicht zuhause. Verdammt.

22. März. Immer noch San Francisco.

Heute mal weder Reise noch Lesung. Einfach nur ein Tag zur freien Verfügung. Also auch weniger Ablenkung. Mierda. Ich habe mir die Stadt angesehen. War, weil Sonntag, in der Messe. Hatte immer noch erschreckend viel Zeit und erschreckend viele Gedanken im Kopf, also ein Museum. Comic-Kunst oder Walt Disney? So viel Zeit, es wurden beide.

Ich habe Roberto erreicht. Und, tío, war das ein ungemütliches Telefonat.
Vorher hatte ich mit Macht meinen Kopf arbeiten lassen. Mir wieder und wieder und wieder vorgesagt, dass meine Antipathie Roberto gegenüber nicht echt ist. Auch wenn er bisweilen nervt: Er ist mein Freund.

Aber am Telefon war es dann trotzdem unendlich schwer, nicht wieder ausfällig gegen ihn zu werden. Ich entschuldigte mich für meine Vorwürfe an der Lodge, gab zu, dass ich ein Idiot gewesen sei, bat ihn um Verzeihung. Erklärte, dass ich schon die Tage angerufen, aber ihn nicht erreicht hätte.

Roberto klang kühl, unbeteiligt. Schon gut, meinte er leichthin, und nein, er sei nicht zuhause gewesen. Dee hätte ihm da zwei Clubs empfohlen, die sie sich angesehen hätten.

Ähm. Da war es aus mit meiner ganzen so sorgfältig vorbereiteten Kopfarbeit. Es gelang mir, Roberto nicht anzublaffen, immerhin ist es Dees Sache, mit wem sie ausgeht, und sie und ich haben nie wirklich ausgesprochen, was es denn nun eigentlich ist, was wir haben. Oder nicht haben. Aber ich legte sehr schnell und sehr kurz angebunden auf.

A white blank page and a swelling rage…

23. März. Los Angeles, Kalifornien.

Flug. Lesung. Hotel. Eigentlich muss ich gar nichts mehr groß dazu schreiben. Nur dass hier in L.A. die Fragen wegen der Premiere morgen natürlich noch viel mehr auf den Film konzentriert waren als bisher schon. Wenig Fragen zu Roselyn Sanchez, dem Himmel sei Dank, mehr auf den Film allgemein bezogen.
Ich hoffe, die Kritiken fallen positiv aus.

24. März. Los Angeles, Kalifornien.

Puh. Das war… anstrengend.
Der Film ist gut geworden, kein Zweifel, spannend und alles – aber für mich kam beim Sehen doch alles wieder hoch.

Habe bei Dee angerufen, aber wieder niemanden erreicht.
Ich wünschte, ich könnte Edward davon erzählen. Mit Edward darüber reden. Oder mit Alex. Sogar mit Roberto. Mit Totilas könnte ich reden, aber der war nicht da. Ich will meine Freunde zurück, verdammt.

25. März. San Diego, Kalifornien.

Der letzte Abend. Die letzte Lesung. War gut. Viele Studenten, und ein paar Besucher ließen durchklingen, dass sie gestern in L.A. bei der Premiere waren.

Ich bin froh, dass es vorbei ist. Morgen geht es nachhause. Ich vermisse Alejandra und Yolanda. Und ja, ich vermisse Dee. Ich will sie in die Arme nehmen, aber ich weiß, das würde sie ablehnen. Denken, ich klammere. Und die Jungs. Cólera, ich vermisse die Jungs.

But you are not alone in this

You are not alone in this

As brothers we will stand
and we’ll hold your hand

Hold your hand

Padre en el cielo, ich bitte dich. Nimm diese Feindseligkeit von mir…

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