Miami Files – Proven Guilty 4

Geschlafen habe ich nicht mehr. Nur gewartet und gegen 10 Uhr bei Dee angerufen. Zuerst ging sie nicht ans Telefon, aber ein paar Minuten später rief sie dann zurück. Nach dem „Hallo“, noch ehe ich meine Bitte nach einem Treffen vorbringen konnte, meinte Dee schon „wir müssen reden“. Und dann verabredeten wir uns für mittags im Dora’s.

Mierda. Sie muss schon von der Sache mit der Nymphe erfahren haben. Verdammt, verdammt, verdammt, und dabei wollte ich doch, dass sie es von mir hört. Verdammt.

12:35 Uhr

O… kay. Das… puh.

Schluck Kaffee.

Dee war pünktlich. Überpünktlich beinahe, und nervös. Ich wollte eigentlich mit meinem Geständnis herausrücken, aber Dee bat mich, erst sie erzählen zu lassen, was sie auf dem Herzen habe, dann könne ich ihr sagen, was ich ihr sagen wolle. Okay…

Und dann gestand sie mir, sie habe letzte Nacht mit Roberto geschlafen. Es tue ihr leid, ich sei wohl nicht derjenige, mit dem sie über die Sache mit Ruiz wegkommen könne, auch wenn sie das lange gedacht habe.

Und es stimmt ja. Ich habe gewartet, wollte sie absichtlich nie bedrängen, das Ganze von ihr ausgehen lassen, wenn sie eben über die Sache weggewesen wäre. Ja, meinte Dee, irgendwie habe sich das so eingeschliffen, und… Sie tat sich ebenso schwer mit den Worten wie ich auch. Es tat ihr leid, das konnte ich sehen.

Ich gestand ihr dann auch die Sache mit der Nymphe. Und Dee gab mir einen Kuss auf die Wange und ging.

Und jetzt sitze ich hier und… Puh.

12:55 Uhr

Dora hat mir unaufgefordert Kaffee nachgeschenkt und noch einen Donut gebracht. Sie hat mir wohl angesehen, dass das gerade ein Schlussmach-Gespräch (oder eher ein gar-nicht-richtig-angefangen-Gespräch) war. Eben habe ich mich zusammengerissen und bei Edward angerufen. Er scheint heute morgen mit Alex surfen geübt zu haben, wie es klang. Jedenfalls kommt er jetzt her.

Totilas und Alex kamen vor Edward ins Dora’s. Diesmal allerdings hätte ich mir gewünscht, Edward wäre als erster angekommen. Dann hätte ich nämlich ausführlicher mit ihm reden können als nur die kurze Darstellung der Sachlage, die ich den Jungs ablieferte. Roberto tauchte dann nämlich kurze Zeit später auch schon auf. Und das war vielleicht seltsam, Römer und Patrioten. Wobei ich Roberto noch nicht mal einen Vorwurf machen kann. Aber leichter machte das die Sache trotzdem nicht. Die Jungs taten ihr Bestes, um Roberto und mich abzulenken, indem sie das Gespräch auf die Fakten lenkten, die wir in dem Fall bereits gesammelt haben.

Tatsache war: Wir wussten noch viel zu wenig über dieses Hohe Gericht, das Book da eingefordert hat. Also fuhren wir als nächstes zu Hurricane, weil der uns vielleicht sagen könnte, wer der Richter des Winters sein wird. Dort angekommen, gingen die drei anderen voraus, während ich draußen endlich etwas ausführlicher mit Edward redete.

Dass jeder Hof, oder jede Abteilung, der Fae je einen Richter stellt, wussten wir ja schon. Außerdem konnte Hurricane den Jungs aber noch folgendes sagen: Neben den drei Richtern gibt es noch einen Ankläger, immer vom Winter gestellt, und einen Verteidiger, immer vom Sommer. Wenn das Gericht einmal einberufen ist, hat jeder das Recht, dem Ankläger einen Beschwerdepunkt vorzutragen. So kann es vorkommen, dass mehr als ein Fall besprochen wird und dass solche Gerichtsverfahren sich relativ lange hinziehen.

Dass Roberto der Richter des Sommers ist, wussten wir ja bereits. Die Richterin des Winters ist eine gewisse Catalina Snow, die wohl morgen im Laufe des Tages noch in die Stadt gereist kommt. Während diese beiden ihr Amt langfristig bekleiden, wird der Richter des Wyld immer vom ranghöchsten Wyldfae bestimmt, der sich jeweils gerade an dem Ort befindet, wo das Gericht einberufen wird. Und der ranghöchste Wyldfae hier in Miami ist wohl gerade Samuel Book.
Der Ankläger ist Hurricane selbst, und den Verteidiger gibt – war ja so klar – unser Freund Colin. Das Verfahren würde auch stattfinden, wenn der Angeklagte nicht anwesend sei, sagte Hurricane, wobei es für den Angeklagten sehr schlecht aussehe, wenn er nicht zum Gerichtstermin erscheine. So gut wie ein Schuldeingeständnis sei das.

Roberto fuhr zu Pans Palast, um mit Colin zu reden, während Edward im SID Bericht erstatten ging. Hinterher trafen wir uns wieder. Colin habe in bezug auf seine Rolle als Verteidiger nicht sonderlich motiviert geklungen, sagte Roberto. Was nicht dazu beitrug, den Jungen irgendwie unverdächtiger aussehen zu lassen.

Edward hingegen wurde – wie wir das fast schon vermutet hatten – von seinem Chef zum Richter des Wyld ernannt. Eine andere Wahl hätte der Sergeant wohl auch kaum gehabt: Falls Edward abgelehnt hätte, hätte das Los auf Henry fallen müssen. Suki Sasamoto und Salvador Herero wären jedenfalls ausgeschieden, weil die Richter jeweils Menschen sein müssen, die beiden SIDler aber Changelings sind – Kinder eines menschlichen Elternteils und eines, oder einer, Fae.

Wir hatten ja noch das Scarlet, das wir von der Nymphe bekommen hatten. Das verfolgte Edward über einen Verbindungszauber zurück zum Rest davon. Wobei das nicht unbedingt das tatsächliche mit Sommermagie aufgepeppte Scarlet sein musste, räumte Edward ein. Falls von dem nichts mehr übrig wäre, dann würde die Magie sich an das Nächstbeste hängen, und das wäre dann der auf rein chemischen Wege hergestellte Grundstoff. Diese chemische Droge an sich ist bei der Polizei übrigens anscheinend noch nicht bekannt, das muss wohl ein neues, Meth-ähnliches Zeug sein.

Die magische Spur führte uns jedenfalls direkt zum „Whispers“, einer in den übernatürlichen Kreisen als Treffpunkt des Red Court bekannte Bar. Wir gingen nicht hinein, aber Roberto rief bei seiner Bekannten Lucia an. Die wusste nichts von Colin oder einer Verbindung zum Sommerhof der Fae, aber sie erwähnte einen Priester, der in letzter Zeit öfter mal in der Bar gewesen und auch unbeschadet wieder herausgekommen sei. Und den Namen des Priesters kannten wir sogar. Es war niemand anderes als Father Donovan Reilly, den wir bei der Sache mit Ciélo und Ocean kennengelernt hatten und bei dem ich anschließend zur Beichte gegangen war.

Das war interessant genug, dass wir den guten Pater mal aufsuchen gingen. Wir fanden ihn in dem Seelsorgerzelt am Strand, das die Gemeinde dort aufgebaut hat.
Auf unsere Fragen erklärte Father Donovan, ja, er wisse um das Übernatürliche, und ja, er wisse um den Red Court. In der Bar sei er gewesen, weil die menschlichen Diener der Vampire seine Hilfe benötigten. Er sei dabei, für die Leute eine Art Seelsorge aufzubauen.
Als wir ihn nach Colin fragten, erklärte der Pater, den kenne er auch, der komme öfter mal zur Beichte hier ins Zelt.

Weil Edward noch immer Hurricanes Worte im Ohr hatte, dass das Nichterscheinen des Angeklagten wie ein Schuldeingeständnis sei, rief er bei seiner Mutter an, um sie und Antoine zur Rückkehr zu bewegen. Doch Marie ging nicht ans Telefon. Es klingelte nicht einmal; es war sofort die Mailbox dran.

Danach trennten wir uns. Edward sagte, er wolle sich einen Trank brauen, mit dem er besser surfen könne, und Alex wollte ihm ein Surfbrett besorgen. Und ich habe auch noch zu tun. Wir haben ja immer noch, und immer stärker, den Verdacht, dass Colin in der Sache mit drinhängt. Wenn dem so ist, dann habe ich morgen vielleicht die Gelegenheit, ihn zum Zucken zu bringen… wenn ich es nur richtig anstelle.

Der Tag des Turniers. Oh Mann. Tjosten auf Surfboards.

Es war so ziemlich jeder anwesend, der im Dunstkreis der Feenhöfe irgendwie Rang und Namen hat. Pan selbst natürlich. Colin als sein Ritter. Die anderen hohen Sidhe des Sommerhofs, wie Sir Anders und Sir Kieran – letzterer zusammen mit Edelia Calderón. Hans Vandermeer. Father Donovan, überraschenderweise. Hurricane und die frisch angekommene Richterin Catalina Snow als Vertreter des Winters. Suki Sasamoto als Rettungsschwimmerin für die tjostenden Streiter, Salvador Herero. Lady Fire, el señor nos socorre, und Christine Wick.

Außerdem hing an meinem Arm plötzlich kichernd eine Nymphe. Die Nymphe. Sie strahlte mich an und fragte, ob ich nicht vielleicht wieder irgendwelche Hilfe von ihr wolle. Haha. Aber diesmal dachte ich an meine Manieren und fragte sie, wie ich sie denn nennen solle, und erhielt zur Antwort „Saltanda“.

Ich versuchte, mich so schnell wie möglich von Saltanda loszueisen, und unterhielt mich stattdessen kurz mit Father Donovan. Der bewegte sich erstaunlich souverän unter all den Feen; offensichtlich weiß er nicht nur über das Übernatürliche bescheid, sondern ist durchaus involviert. Jedenfalls wusste er, dass der Siegespreis ein goldenes Füllhorn sein würde, das immer genau das zum Essen oder Trinken enthielte, das man sich in dem Moment gerade wünschte. Auch dass dieses Frühlingsturnier anscheinend schon eine lange Tradition hat, nur dass es wohl bislang immer zu Pferd ausgetragen worden sei. Ich fragte ihn noch, wie er mit dem Übernatürlichen in Kontakt gekommen sei. Doch darüber wollte der Pater sichtlich nicht reden. Es sei „eine lange Geschichte“, und seinem Ton war anzumerken, dass er damit nicht meinte, diese mal bei einem guten Bier ausbreiten zu wollen.

Bei der Tjosterei schlug Edward, seinem selbstgebrauten Trank und dem von Alex besorgten und getunten Surfboard sei Dank, sich gar nicht schlecht. Er gewann ziemlich souverän gegen Sir Anders, unterlag dann aber denkbar knapp sowohl gegen Colin als auch gegen Hurricane (der unseren Edward ebenfalls nochmals gefordert hatte. „Ein Schneeball hat mehr Würde als Pan!“). Den Gesamtsieg trug Colin davon, der sich im Finale gegen Hurricane durchsetzte. Die beiden schienen sich übrigens recht gut zu verstehen und planten für die nächsten Tage irgendwann einen gemeinsamen Surfausflug im Cayo Huracán. Pan überreichte seinem Ritter das Füllhorn, und Colin feierte seinen Sieg prompt, indem er sich gnadenlos betrank.

Im Zuge dessen gratulierte ich Colin zu seinem Sieg und brachte ihn im dann folgenden Gespräch dann tatsächlich dazu, ertappt auszusehen. Er hängt in der Sache mit drin, da bin ich mir jetzt sicher, auch wenn er keinen ganz und gar glücklichen Eindruck damit machte.

Später sah ich dann, dass Lady Fire sehr ernsthaft mit Colin und Hurricane sprach. Beide wirkten respektvoll und der Feuerfee gegenüber durchaus positiv eingestellt. Überhaupt sprach Lady Fire mit den meisten Feenrittern vor Ort: sehr huldvoll und verständnisinnig, reines Balsam für die gedemütigten Seelen der Sidhe. Plant die Lady etwa einen Putsch und nimmt Pans Untergebene – die ja, wie wir von Sir Anders und Sir Kieran wissen, ohnehin nicht sonderlich gut auf die satyrhaften Umtriebe des Sommerherzogs zu sprechen sind – bereits jetzt für sich ein?

Edward wurde von Pan höchstselbst auch zu seinem guten Abschneiden im Turnier gratuliert. Und dann gab der Sommerherzog Edward unvermittelt einen Kuss. „Und? Findest du jetzt immer noch, dass ich kalt bin wie ein Schneeball?“, fragte er dann. Und Edward – war Edward. „Ich hatte schon bessere Küsse“, erwiderte er trocken. Was Pan – er ist immerhin ein Satyr! – natürlich nicht auf sich sitzen lassen konnte. Er warf nun seinen nicht unbeträchtlichen Satyr-Charme an und küsste Edward erneut. Lang. Hingebungsvoll. Grinste ihn hinterher breit an. „Und jetzt?“ Edward atmete schwer, hatte sich aber unter Kontrolle. „Besser“, schnaufte er. „Wenn du eine Frau wärst…“ „Das lässt sich arrangieren“, schoss Pan zurück, schnippte mit den Fingern, und ein paar Sekunden später hing eine Nymphe an Edwards Arm. „Es ist das Frühlingsfest. Es muss gefeiert werden“, erklärte Pan, und Edward schien nach dem Kuss, den er da gerade bekommen hatte, nicht geneigt zu widersprechen. Ohne weitere Worte verschwand er für eine Weile mit der Nymphe.

Christine Wick war auf der Suche nach Hans Vandermeer. Totilas bemerkte ihren suchenden Blick und ging den Holländer warnen. Der wich Christine auf Totilas‘ Hinweis hin aus, aber seinem Gesicht war eine gewisse Faszination anzusehen, als ob er die Feuerkünstlerin trotzdem gerne gesprochen hätte. Roberto hingegen ging direkt auf Christine zu und sprach sie darauf an, ob sie jemanden suche und ob er helfen könne. „Nein“, spuckte Lady Fires Assistentin zurück, „von euch Typen will ich keine Hilfe!“ Roberto zuckte mit den Schultern. „Na gut, dann gehe ich eben zu Hans Vandermeer.“ Das ließ Christine stutzen. „Hans Vandermeer? Was, wo, wie?“ „Da drüben“, antwortete Roberto ruhig und ging tatsächlich gleich zu dem Holländer hin.

Christine zögerte noch einen Moment, machte sich dann aber auch auf in Richtung Vandermeer. Ehe sie aber bei ihm ankam, sah sie den Holländer am Arm einer jungen Studentin hängen. Ihr Gesicht nahm einen beleidigten Ausdruck an, und sie wandte sich ab. Dann drehte sie sich noch einmal um, voller… Erwartung? Hoffnung? Auch Vandermeer sah auf, sah sie kommen und sich wegdrehen, und er verzog das Gesicht, löste sich von der Studentin. Doch Christine hatte sich schon wieder abgewandt, und ihre Blicke verpassten sich.

Der Holländer fragte Roberto nach Christines Nummer, die Roberto ihm auch gab. Das gab der Studentin Anlass zum Beleidigtsein, und das wiederum brachte Hans gegen Roberto auf, dass der mit dem ganzen Thema überhaupt bei ihm aufgeschlagen war. Aber die Nummern waren ausgetauscht.

Als nächstes sprach Totilas den Holländer nochmals an, wegen der Halskette, die Vandermeer suchte. Aber unser White Court-Freund tanzte im Gespräch derart um den heißen Brei herum, dass es Edward – der inzwischen vom Frühlingsfest-Feiern zurück war – reichte. Er kam dazu und sprach Klartext. Ja, er kenne die Frau, die Vandermeer suche. Und ja, er, Edward, habe die Kette, um die es gehe, in seinem Besitz. Er schloss ein Geschäft mit dem Holländer ab: Vandermeer sagt ihm, wenn ihm am Feenhof etwas auffällt, dafür wird Edward die Kette an Titanias Richter Roberto weitergeben.

Außerdem schubste Edward Vandermeer noch ein wenig in Christines Richtung, indem er beinahe beiläufig einwarf, dass man die wahre Liebe irgendwie immer erst erkenne, wenn es zu spät sei. Daraufhin fluchte Hans vehement los und stapfte davon, noch immer laut schimpfend. Und natürlich… Wenn er der Fliegende Holländer ist, wie wir ja vermuten, dann ist es sein Fluch, die Meere besegeln zu müssen, bis er seine wahre Liebe gefunden hat. Und wenn Christine diese wahre Liebe ist… dann können die beiden nicht zusammenkommen, weil Christine ja Lady Fire verschworen ist. Mierda. Da sieht man seine eigenen Beziehungsprobleme irgendwie gleich in einem anderen Licht.

Edelia Calderón und Sir Kieran sprachen indessen mit Hurricane. Was sie sagten, war aus der Entfernung nicht zu verstehen, aber die beiden sahen nach dem Gespräch aus wie die sprichwörtliche Katze, die den Kanarienvogel gefressen hat.

Mit Catalina Snow sprachen wir auch. Die Richterin des Winters kommt aus Calgary und hat indianische Wurzeln. Sie wirkte erst kühl, taute aber, als das Thema auf Eishockey zu sprechen kam, merklich auf.

Als die Feier dann langsam immer mehr in ein reines Gelage überging, machten wir uns aus dem Staub. Denn immerhin wollte Alex ja noch einmal mit Jeff sprechen. Den fand er allerdings erst nach einigem Suchen – oder besser, Jeff fand Alex. Denn Jeff war zunächst nirgendwo zu sehen, und erst, als wir ein wenig verloren außerhalb des Nevernever am Strand herumstanden, tauchte der Junge plötzlich auf. Er wirkte sehr nervös auf Alex, hatte sich versteckt. Alex ließ ihn in sich, wie er das immer so macht, und nahm ihn mit, sehr zu Jeffs Erleichterung.

Dass Jeffs Geist jetzt zumindest kurzfristig in Alex war, erlaubte es auch uns anderen, ganz direkt mit ihm zu sprechen. Er war so nervös gewesen, weil zwei beängstigte Gestalten an den Strand gekommen waren, vor denen er sich lieber versteckt hatte – niemand anderes als Joseph Adlene und „Jack“, soviel wurde sehr schnell klar. Adlene habe Jack an einer Kette geführt, aber eigentlich, sagte Jeff, habe es genau andersherum ausgesehen. Und Adlene habe auch keinen sonderlich gesunden Eindruck gemacht. Die beiden hätten nicht so gewirkt, als seien sie zufällig an den Strand gekommen, sondern sie schienen etwas zu erwarten, das dann aber nicht da war. Beide hätten sie daraufhin ziemlich enttäuscht und vor allem wütend ausgesehen.

Hatte Adlene etwa die ganzen Geister der Getöteten einsammeln und versklaven wollen? Nur dass keiner mehr da gewesen war, weil Alex ja alle bis auf Jeff weitergeschickt hatte? Und wenn Adlene gezielt an den Strand gekommen war, um die Geister einzusammeln, hängt er etwa in der ganzen Sache mit drin? Tío. Was für ein erschreckender Gedanke.

Jeff hatte aber noch mehr zu erzählen. Ich weiß gar nicht mehr, wer das Thema aufbrachte, aber die Sprache kam auf Father Donovan, und Jeff meinte, der Priester mache ihn nervös, sei ihm unheimlich. Er erklärte auch, er glaube den Priester von irgendwo her zu kennen, aber er konnte beim besten Willen nicht sagen, woher.

Bei Jeffs Worten kam Totilas der Gedanke, bei Father Donovan könne es sich um den Mittelsmann zwischen Colin und dem Red Court handeln, der Pans erstem Ritter das unbehandelte Scarlet aus dem „Whispers“-Club beschafft haben könnte. Immerhin hat der Pater nachweislich mit beiden Seiten zu tun. Der Gedanke gefällt mir zwar ganz und gar nicht, weil der gute Father mir eigentlich sehr sympathisch ist, aber ausschließen lässt sich die Theorie natürlich nicht, solange wir nicht Näheres über ihn wissen. Gut, Roberto könnte ihn sich mit der Sight anschauen, aber das Risiko ist ihm viel zu groß, falls sich hinter der Fassade des Priesters doch ein Dämon verbergen sollte oder ähnliches.

Als Jeff uns soweit alles erzählt hatte, verabschiedete er sich noch von Snowball. Zu diesem Zweck ließ Edward ihn mit Alex‘ Hilfe kurzfristig in sich, da Edward ja mit Hunden sprechen kann und sich somit auch Jeff mit seinem Hund würde verständigen können. Es war ein trauriger, sehr rührender Moment, als Snowball verstand, dass Jeff nicht wiederkommen würde, dass ihm dasselbe widerfahren sei wie der Katze der Nachbarin und dem Eichhörnchen damals. Und dann bat Jeff Edward, dass er sich doch in Zukunft um Snowball kümmern möge. Eigentlich wären ja Lila oder Danny die näherliegende Option, aber Lila hat eine Hundehaarallergie, und da sich zwischen den beiden gerade etwas anbahnt, fällt dann wohl auch Danny aus. Ergo blieb Edward, und natürlich sagte er zu. Grummelnd zwar, aber er sagte zu. Und so ist unser Edward jetzt auf den Hund gekommen…

Das hinderte uns aber alles nicht daran, erst einmal weiter planen zu müssen. Denn morgen findet die Verhandlung statt, und Antoine sollte wirklich, wirklich, wirklich anwesend sein. Aber Mrs. Parsen war nicht an ihr Handy gegangen, hatte auch auf Edwards Spruch auf ihrem Anrufbeantworter bislang nicht zurückgerufen. Aber, fiel uns ein, konnte Edward seine Mutter aufgrund ihres Verwandtschaftsverhältnisses nicht auf magischem Wege finden? Das war natürlich eine Möglichkeit – aber das Ritual, das Edward zu dem Zweck durchführte, sagte ihm erst einmal auch nicht mehr, als dass seine Mutter sich im Nevernever befand. Mierda. Was natürlich auch erklärte, warum sie nicht zurückgerufen hatte. Wenn sie schon die ganze Zeit im Nevernever war, hatte sie den Anruf gar nicht bekommen können.

Jedenfalls… die Gerichtsverhandlung beginnt morgen um 12 Uhr mittags. Das ist zu knapp, um ins Nevernever zu gehen, Marie und Antoine zu suchen und garantiert rechtzeitig zurück zu sein. Dann lieber erst pünktlich um Mittag zur Verhandlung erscheinen, anhören, was vorgetragen wird, und dann den Prozess vertagen, damit wir auf die Suche gehen können. Das ist laut Statuten nämlich anscheinend möglich.

So, alles aufgeschrieben. Schlafen gehen. Wenn ich denn kann. Ha.

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