Miami Files – Proven Guilty 10

Oder genauer gesagt, Joseph Adlene stand im Heck des vordersten Schiffes. Die segelten nämlich rückwärts. Wie man es ja muss, um überhaupt zur Insel des Sommers gelangen zu können. Links von ihm stand der Dämon Jack (brrrrrr!), rechts von ihm… wie beschreibe ich das. Eine Gestalt. Soviel ist unbestritten. Weiblich, auch das war mir irgendwie klar, auch wenn ich keine Ahnung habe, wie ich das wusste. Ihr Äußeres war nämlich ständig im Wandel begriffen, ein wenig wie die Ober-Oneirophaga damals, aber doch wieder ganz anders. Waren da Arme? Und wieviele waren es? Ein Gesicht? Oder eine leere, schwarze Fläche?

Pan sah irritiert auf das Meer hinaus. „Was ist das jetzt schon wieder?“

Ich hatte eben den Mund geöffnet, um ihm zu erklären, was das jetzt schon wieder war, und vor allem, um die ganze Bande auf den Ernst der Situation aufmerksam zu machen, da brüllte Totilas los. „Wir brauchen Verstärkung! Attacke!“

Die Satyre, die auf dem Festplatz um uns herumstanden, brauchten keine zweite Aufforderung. Sofort rasten sie los – dummerweise völlig planlos und unkoordiniert. Ich pfiff gellend auf zwei Fingern und schrie „STOP!“, so laut ich konnte, während auch Pan bereits „Stop!“ rief.
Die Satyre hielten an, und Pan drehte sich wütend zu unserem White Court-Kumpel. Ob der vorhabe, ihn – Pan – um das Amt als Sommerherzog herauszufordern? Nein? Was sollte das dann eben?!
Totilas machte einen Rückzieher, das sei bei weitem nicht seine Absicht gewesen, während ich nun doch noch dazu kam, Pan in Sachen Exkremente und Ventilator auf den neuesten Stand zu bringen. Dass der Typ auf dem Schiff nämlich an den Jungbrunnen wolle. Und außerdem, dass seine Sommerritter mit den Wyld einen Kampf begonnen hätten, dass Lady Fire gerade ein Ritual durchziehe, um die Insel der Jugend an sich zu binden und dass Colin die Insel massiv verletzt habe, indem er Wasser aus dem Brunnen stahl.

Catalina Snow schien von den Neuigkeiten tatsächlich so etwas wie amüsiert. „Die werden sich wundern“, sagte sie zu Edward und Roberto. „Wenn das Hohe Gericht gestört wird, dann bekommen wir Richter in dem Moment gewisse… Fähigkeiten übertragen. Das wird spaßig.“ Sie grinste, und tatsächlich konnte man beinahe sehen, wie ein Ruck durch Edward und Roberto ging, als diese von neuer Macht des Sommers bzw. des Wyld durchflossen wurden.

Pan wiederum wirkte mehr genervt denn verärgert, Marke: ‚was denn noch alles?‘ Wegen seines Verrats enthob er Colin seines Amtes als Ritter, und mit der Aussprache dieser Absetzung erschien mit einem Mal das Schwert des Sommerherzogs in dessen Hand. Es wirkte matt, die Klinge angelaufen. Da hatte Colins Verrat offensichtlich ganz physische Auswirkungen auf die Waffe gehabt. Ich frage mich nur, warum das Schwert nicht auch automatisch in Pans Hand materialisierte, als er damals den cabrón seines Amtes enthoben hatte. Vielleicht, weil Ruiz damals nicht per se offen gegen Pan gehandelt hatte, sondern zwar seine eigene Agenda verfolgte, ihm dies aber nach den Feengesetzen noch nicht als Verrat ausgelegt werden konnte. Oder warum auch immer. Versteh einer die Feen-Regeln.

Pan sah sich um. „Ohne Ersten Ritter wird das hier schwer.“ Sein Blick wanderte von Fee zu Fee, über die Richter, über Totilas, den White Court, über Alex, von Eleggua gezeichnet – und blieb auf mir hängen. Es war kein anderer unmagischer Mensch da, verdammt.
Es. War. Kein. Anderer. Unmagischer. Mensch. Da.
Und vor uns Adlene und Jack und diese komische schattenhafte Gestalt und Lady Fires Ritual und die rebellierenden Ritter und Colin. Das Wort „mierda“ trifft nicht einmal ansatzweise, was mir in dem Moment durch den Kopf ging. Aaaaaaaah!

„Nimmst du das Schwert an?“, fragte Pan, und, Padre en el cielo, perdoname, ich sagte ja. Der Sommerherzog überreichte mir die Klinge mit der Bemerkung „die Formalitäten machen wir später“ – und wieder spürte ich, wie diese fremdartige Kraft, die Feenmagie des Sommers, in mich hineinströmte. Sobald ich es in der Hand hatte, veränderte das Schwert auch sein Aussehen: Nicht nur war es jetzt nicht mehr matt angelaufen und etwas schmaler in der Form als zuvor, sondern es hatte auch einen grünlich-goldenen Schimmer.

Ich wog die Waffe prüfend in der Hand. Ich habe zwar keinerlei Ahnung von Schwertern, aber sie fühlte sich leicht und perfekt ausgewogen an. Und in meiner neuen Funktion kam ich jetzt doch noch dazu, die – haha – anfeuernde Rede zu halten, die ich eigentlich vorher schon hatte halten wollen.

Wobei, Rede ist das falsche Wort. Ich fand einfach, es war in diesem Moment völlig egal, ob Sommer, Winter oder Wyld, gegen diesen Gegner mussten wir alle zusammenhalten – und das sagte ich auch so. Es schien als Kampfruf sogar einigermaßen zu funktionieren, denn Pan nickte zustimmend, rief etwas von „Los!“, und der ganze Haufen setzte sich Richtung Strand in Bewegung.

Die Schiffe waren indessen nahe genug herangekommen, dass Adlene, seine zwei dämonischen Begleiter und seine Armee von Geistern an Land hatten gehen können. Nun kam es zwischen dem Sommerherzog und dem Nekromanten zu einem höhnischen Schlagabtausch, in dem Adlene Pan aufforderte, ihn zum Brunnen durchzulassen, dann müsse hier niemand zu Schaden kommen. Natürlich lehnte Pan das ab, woraufhin Adlene beinahe milde den Kopf schüttelte. „Nein? Das habe ich mir gedacht. Auf sie!“
Und damit stürmten die Untoten in einem Sog auf die wartenden Kräfte des Sommers und des Wyld los.

Adlene und die Dämonin zogen sich hinter die Masse der Kämpfenden zurück und machten Anstalten, sich abzusetzen. Jack war erstaunlicherweise gar nicht mehr zu sehen, aber ich hatte überhaupt nicht mitbekommen, wann der Dämon verschwunden war.

Die Frage war, ob wir Adlene durch das Gedränge folgen oder uns lieber in Richtung Brunnen auf die Lauer legen sollten, um den Nekromanten dort abzufangen. Roberto und Alex taten genau letzteres, aber Edward und Totilas stürzten sich ins Getümmel. Ich überlegte kurz, dass ich mit meinen mangelnden Talenten im Kampf vermutlich bei Roberto und Alex besser aufgehoben wäre, aber ich konnte Edward doch nicht im Stich lassen – und außerdem überkam mich plötzlich das starke Gefühl, ich könne vor allem meinen Herzog nicht im Stich lassen. Ho-boy.

Unten am Strand standen uns da einige Untote im Weg, mit denen wir uns herumschlagen mussten, während Adlene sich absetzte. Totilas hatte seinen Gegner sehr schnell beseitigt und konnte so dicht hinter Adlene bleiben, während Edward und ich es mit unseren Gegnern deutlich schwerer hatten.

Oder genauer gesagt, Edward hatte es schwerer. Denn ich merkte sehr schnell, dass ich mit meinem schimmernden neuen Schwert so gar nicht umgehen konnte – oder jedenfalls nicht im herkömmlichen Sinne. Aber es war ja das Schwert des Sommers, und wofür steht Sommer? Genau.

Ich überließ meinen Gegner also erst einmal Edward, während ich mich auf dieses neue Gefühl in mir konzentrierte, versuchte, die Magie meines neuen Amtes hervorzurufen. Und erstaunlicherweise gelang es: Ich habe keinerlei Ahnung, wie, aber mit einem Mal erstrahlte die Klinge in gleißend hellem Licht, dem Licht der Sonne am wärmsten Tag des Jahres, und während das Edward und mich überhaupt nicht störte – hatte ich das so geplant? Offensichtlich… entweder das, oder die Magie hatte für mich erkannt, wer Freund und wer Feind war – lenkte es die beiden Zombies genug ab, dass wir schließlich doch mit ihnen fertig wurden.

Zu diesem Zeitpunkt waren Totilas und die beiden von ihm Verfolgten nicht mehr zu sehen. Seltsam – hatte unser Teil des Kampfes wirklich so lange gedauert? Oder hatte Adlene – oder die Dämonin – irgendwelche Magie eingesetzt, um schneller wegzukommen? Irgendwas hatte ich mal über eine ähnliche Gestalt gelesen, fiel mir da wieder ein. Es war bei der Recherche gewesen, und ich war dabei auf einer dieser grellbunten und abstrusen Verschwörungswebseiten gelandet, bei denen man nie weiß, ob man nun lachen oder weinen soll. Ich hatte dieses Surferlebnis sehr schnell wieder verdrängt… bis jetzt. Denn jetzt fiel mir ein, dass ich da etwas von einer „Lady of the Tangled Ways“ gelesen hatte – einem Geisterwesen oder einem Dämon oder etwas in der Art, das so ähnlich beschrieben worden war, wie ich das hier gerade gesehen hatte, und das Wege aller Art finden und öffnen kann. Ein bisschen wie Alex, wenn ich mir das so überlege, nur… böse.

Wir waren nicht so dicht an ihr dran wie Totilas, deswegen bekamen wir das volle Ausmaß davon nicht mit, aber wir konnten hören, wie die Dämonin in unserem Geist zu sprechen versuchte. Wir konnten nicht genau ausmachen, was sie sagte, aber es war beinahe verständlich – und wir wussten genau, wir wollten gar nicht verstehen, was sie da sagte. Irgendwie war uns klar, dass das für unsere geistige Gesundheit gar nicht gut wäre. Ich will auch gar nicht wissen, wie stark Totilas in der Nähe, in der sich zu der Gestalt befand, ihren geistigen Angriffen ausgesetzt war. Glücklicherweise hat der durch seinen eigenen Dämon ja ziemlich viel Erfahrung darin, solchen Einflüsterungen zu widerstehen.

Jedenfalls dauerte es eine Weile, bis Edward und ich Totilas eingeholt hatten. Adlene und die Herrin der Verschlungenen (oder Verschlingenden?) Wege hatten sich tatsächlich immer weiter auf den Brunnen zubewegt, und als wir sie eingeholt hatten, trafen wir dort auch auf Alex und Roberto. Die beiden hatten, während wir mit Kämpfen beschäftigt waren, den Zugang zum Brunnen mit Fallen vermint. Und die Taktik hatte gewirkt: Als wir angerannt kamen, hing Joseph Adlene kopfüber in einem Fallstrick an einem Baum. Dummerweise nur war er gerade dabei, sich schon wieder aufzurichten und sich an dem Seil nach oben auf den Ast zu ziehen, an dem das Seil befestigt war. Der alte Mann sah alles andere als gesund aus und seine Bewegungen alles andere als natürlich – augenscheinlich hatte er soeben einen jüngeren, sportlicheren Geist in sich hineingerufen, der die Turnübung für ihn ausführte. Ob diese unnatürlichen Anstrengungen so gut für den Nekromanten waren, wage ich zu bezweifeln, denn sein dunkles Gesicht hatte einen gräulichen Ton angenommen, und er wirkte ziemlich mitgenommen. Offensichtlich hatte unser White Court ihm bereits schwer zugesetzt, ehe er in die Falle geraten war.

Aber sagte ich eben, Alex und Roberto hätten die Fallen ausgelegt? Auf mich wirkte es so, als hätte Alex die Arbeit alleine vollbracht. Nicht, weil er der handwerklich Begabte von uns ist, sondern weil Roberto ziemlich abwesend wirkte. Er stand einfach da und blickte nach innen, schien in einem ernsthaften Konflikt mit sich selbst gefangen – oder vielleicht genauer: mit einem Konflikt, der in ihm tobte. Nichts so nach außen hin Drastisches und Sichtbares, aber vielleicht ein klein wenig wie diese Szenen in Peter Jacksons Herr der Ringe, wo die zwei Persönlichkeiten von Gollum miteinander streiten. Nur dass es hier nicht die zwei Persönlichkeiten von Roberto waren, sondern die beiden Mächte, die Anspruch auf ihn erhoben: seine Santería-Orisha, Oshun, und Königin Titania des Sommers.

Roberto war also fürs Erste nicht in der Lage, in die Situation einzugreifen. Ich selbst verschaffte mir auch erstmal einen raschen Überblick über die Lage. Aber Edward war schnell – und unberechenbar – wie immer. Er sprang auf die Lady der Verschlingenden Wege los, und mit seinem magisch aufgeladenen Handschuh gelang es ihm tatsächlich, die
Dämonin zu verletzen. Richtig schwer zu verletzen. Mit einem lauten Kampfschrei riss unser Freund ihr einfach einen Arm ab.

Das Problem war nur: Schwerwiegend, wie die Verletzung war, schien sie die Dämonin dennoch gar nicht groß zu beeinträchtigen. Und das viel größere Problem war: Jetzt hatte Edward sie ernsthaft, ernsthaft wütend gemacht.

Einen Moment lang schien die Lady gar nicht zu verstehen, was ihr da geschehen war. Sie stand still und schien die neuen Eindrücke zu verarbeiten, ehe sie sich niederbeugte und den Arm aufhob, ihn durch die wabernden Schatten irgendwie wieder an sich befestigte. Durch ihre wabernden Schatten, ihre sich ständig wandelnde Gestalt, konnten wir dennoch sehen, wie ihre Augen sich glühend in Edward bohrten und sie ihn sich ganz genau einprägte. Er hatte sie wütend gemacht, er hatte ihre Aufmerksamkeit geweckt, und wo sie bislang nur in amüsierter Spielstimmung gewesen war, ging sie jetzt in den ungezügelten Hulk-Modus. Um sie herum begann sich Dunkelheit zu sammeln, schien die Realität zu verschwimmen – das konnte nicht gut gehen.

Ich brüllte „Weg hier!“ und schnappte Edward am Arm, während Totilas den noch immer in seinem inneren Zwiespalt befindlichen Roberto mit sich zog und Alex den alten Nekromanten beinahe trug. Der ließ das eine Weile mit sich machen, ehe er einen weiteren Geist in sich rief und nun wieder in der Lage war, selbständig zu rennen – zumindest kurzfristig. Ich konnte mir sehr gut vorstellen, dass sich die Überanstrengung, die geistige ebenso wie die körperliche, später bemerkbar machen würde.

Am Strand rief Adlene laut nach seinem Helfer Jack. „Wo bist du, verdammt! Komm‘ und hilf mir, wie du es versprochen hast!“
Wir hätten uns nicht beschwert, wenn der Dämon nicht aufgetaucht wäre, aber natürlich tat er es doch, langsam schlendernd und mit einem arroganten Grinsen im Gesicht. „Na, was sagt ihr? Lasst ihr uns in Ruhe? Dann nehme ich euch die Lady ab, und ihr könnt in Ruhe euren Kram erledigen.“

Und, santísima Madre, es ging nicht anders. Dieser Lady waren wir nicht gewachsen, keiner von uns. Und hinten im Wald war noch immer Lady Fire dabei, dieses Ritual durchzuführen… Mehr als nur wiederwillig ließen wir Adlene und seine beiden Dämonen ziehen, während wir selbst uns schleunigst auf den Weg machten.

Wir waren nicht zu spät: Auf der Lichtung war das Ritual immer noch im Gange. Aber es war knapp, verdammt knapp – sogar ich konnte erkennen, dass Lady Fire und Edelia Calderón kurz vor dessen Abschluss stehen mussten. Jugend, den Marie Parsen noch immer in den Armen hielt, sah inzwischen sehr, sehr schwach aus, als halte ihn kaum noch etwas am Leben. Er war wieder kleiner geworden und wirkte deutlich gealtert. Ganz offensichtlich zog Lady Fire mit dem Ritual die Lebenskraft des Insel-Avatars in sich selbst hinein.

Es war nicht genug Zeit, als dass Edward in Ruhe ein Gegenritual hätte vorbereiten können. Es musste schnell gehen, und ziemlich improvisiert, und alleine würde er es nicht schaffen. Roberto war noch immer mit sich selbst am Hadern, aber Alex stellte sich zur Verfügung, damit Edward die Kraft, die ihm wegen der Störung des Hohen Gerichts vom Wyld her zugeflossen war, durch ihn hindurch in Jugend weiterleiten konnte, um das Baumkind wieder zu stärken.

Und ich? Mit dieser neuen Rittermagie, die ich in mir hatte, konnte ich das Wirken von Lady Fires Teil des Rituals regelrecht spüren, wie ein Kribbeln in der Luft oder das beinahe unhörbare Summen einer Überlandleitung.
Ich wusste – nein, ich hatte eine instinktive Ahnung davon – was sie tat und wie sie es tat, auch wenn ich es in Worten niemals hätte erklären können, und ebenso instinktiv wusste ich, wie ich ihr Tun unterbrechen konnte. Wenn ich es denn konnte. Denn wie gesagt, Zeit hatten wir keine mehr, und ein vergleichsweise einfacher Zauber wie das Rufen des Sonnenlichts vorhin am Strand würde hier nicht ausreichen.

Ich richtete meinen Sinn also wieder nach innen, suchte die Magie in mir, rief sie nach oben und sammelte sie. Und sammelte sie. Und sammelte sie. Ich sammelte so viel davon, wie ich nur irgendwie konnte, und dann, in exakt dem Moment, als Lady Fire ihr Ritual beendete und die Hand hob, um den letzten Rest von Jugends Essenz in einem letzten, großen Schwung in sich hineinzuziehen, im selben Moment wie Edward seine Wyld-Kraft durch Alex in Jugend hineinleitete, ließ ich die Magie auf einen Schlag aus mir hinaus und auf Lady Fire zufließen, wo die Macht des Sommers einen Schild um sie bildete, eine Barriere, an der die von ihr gesogene Essenz abprallte – und mangels Erreichbarkeit des eigentlich vorgesehenen Ziels unkontrolliert explodierte.

Die Schockwelle warf uns nach hinten. Das Feuer, mit dem der Ritualkreis gezogen worden war, loderte wild hoch. Lady Fire schrie auf wie eine wütende Furie und verschwand. Marie Parson kam, Jugend noch immer eng an sich gedrückt, stolpernd aus dem Kreis gerannt. Beide waren ein wenig angesengt, schienen aber keine schlimmen Verbrennungen zu haben, dem Himmel sei Dank, und Jugend sah auch schon wieder etwas besser aus.

Und mir dröhnte der Kopf. Dios, hatte ich Kopfschmerzen. Vermutlich hätte ich für den zweiten von mir in meinem Leben jemals gewirkten Zauber nicht gleich den Leistungssport-Level auffahren sollen, und das war jetzt das magische Äquivalent von einem Muskelkater, der sich gewaschen hatte. Aua. Aber was hätte ich denn machen sollen. Anders hätten wir das Ritual nicht gestoppt bekommen. Aber trotzdem. Au. Au au au.

Wir stolperten – oder zumindest ich stolperte – alle irgendwie wieder zurück zum Strand. Von den drei Schiffen, mit denen Adlene hier angekommen war, war eines abgebrannt und lag als Wrack im flachen Wasser; von den anderen beiden war nichts mehr zu sehen. Auch vom ehemaligen Ersten Ritter war keine Spur mehr zu finden, aber man sagte uns, der Colin sei dabei gesehen worden, wie er mit dem Nekromanten und dessen zwei Dämonen eines der Schiffe bestiegen habe und weggesegelt sei.

Die Kämpfer aller Seiten – Sommer wie Winter wie Wyld – waren dabei, ihre Verwundeten zu versorgen und ihre Toten – denn auch davon hatte es einige gegeben, aber niemand, den wir näher kannten – zu bergen. Jetzt, wo wieder Ruhe eingekehrt war, schickte Pan seine Ritter, allen voran Sir Kieran als den treibenden Kopf hinter dem Putschversuch, allesamt in die Verbannung. Oder besser, er hätte sie allesamt verbannt, wenn ich nicht für Sir Anders ein gutes Wort eingelegt hätte. Der arme Kerl wirkte so beschämt – und er war ja wirklich nicht glücklich mit Kierans Plan gewesen – dass ich es einfach nicht über mich brachte, ihn ohne wenigstens den Versuch eines Eingreifens ziehen zu lassen.

Tatsächlich ließ Pan ziemlich problemlos mit sich reden, und die Dankbarkeit mir gegenüber stand dem armen Anders förmlich ins Gesicht geschrieben.
Was Lady Fire hingegen betraf, hatte der Sommerherzog die Faxen endgültig dicke. Jugend gegen dessen Willen zu dem Ritual zu zwingen, war nun ihr drittes Vergehen gewesen, und jetzt erklärte Pan sie hochoffiziell zur Brecherin des Gastrechts.

Roberto war inzwischen wieder beieinander – der Krieg in seinem Kopf war offensichtlich zu Gunsten Oshuns und zu Lasten Titanias ausgegangen. Er trat zu Pan und erklärte dem Herzog, er könne nicht länger der Richter des Sommers sein. Mit diesen Worten zog er auch die Kette vom Hals, die er zum Zeichen seines Amtes bis dahin getragen hatte – und tatsächlich sah deren Anhänger nun aus wie billiger Talmi, vollkommen unecht.

Damit gab es nur zwei amtierende Richter, also konnte auch die Verhandlung nicht fortgesetzt werden. Sie wurde vertagt, bis die Sommerkönigin einen neuen Richter ernannt hätte, und dann war es Zeit, endlich von der Insel zu verschwinden. Nur Marie und Antoine wollten fürs Erste hierbleiben, um sich um Jugend zu kümmern, bis der Avatar wieder genesen wäre.

Dummerweise war das mit der Heimkehr aber gar nicht so einfach. Die fliegenden Schiffe der Faurelier waren nämlich inzwischen alle verschwunden – und der Fliegende Holländer gleich mit. Von dem war weit und breit nichts mehr zu sehen, was den Rückweg für den ganzen Haufen etwas… sagen wir kuschelig gestaltete, weil sich alle Besucher für den Rückweg auf deutlich weniger Schiffen zusammendrängen mussten. Uns kümmerte das glücklicherweise relativ wenig, da in der Bucht auf der Rückseite der Insel ja noch immer George auf uns wartete, der uns über die Traumstraßen zurück zu unserem Raddampfer brachte.

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