Miami Files – Something Borrowed (Nachklapp)

27. August

Roberto hat meine Entschuldigung angenommen, auch wenn er sich sichtlich kühl gab. Was ich ihm nicht mal verdenken kann. Ich versuchte jedenfalls, ihm zu erklären, was da alles in meinem Kopf vorgegangen war – naja, das meiste jedenfalls. Das mit Elena ließ ich wohlweislich weg; ich musste nicht noch mehr alte Wunden aufreißen. Das Zucken, das über Robertos Gesicht ging, als ich seine Aufgabe des Richteramtes erwähnte, war schon Hinweis genug, dass ihm das Ganze auch alles nicht in den Kleidern stecken bleibt. Aber dass ich befürchte, dass der Ritterjob mehr Einfluss auf mich hat, als gut ist, das sagte ich ihm sehr wohl.

Ich bat ihn, mir ein bisschen beim Aufpassen zu helfen. Und Roberto sagte dann noch etwas, das mich innehalten ließ. „Du musst so schnell wie möglich einen Nachfolger finden“, erklärte er überzeugt. „Denn momentan bist du ein Ritter, der kein Ritter sein will. Und ein Ritter, der keiner sein will, nützt niemandem was.“

Da hat er nicht ganz unrecht. Das Problem wird es nur sein, den besagten Nachfolger zu finden. Also einen, der a) geeignet und b) willens ist, das Amt zu übernehmen. Keinen zweiten Schnellschuss wie Colin, herzlichen Dank. Also werde ich den Job noch eine Weile weiter machen müssen, fürchte ich. Und ich muss dabei die richtige Balance finden: Akzeptieren einerseits, mich auf die Sache einlassen, mich nicht dagegen wehren, aber andererseits nicht zulassen, dass das Amt mich zu Dingen beeinflusst, hinter denen ich nicht stehe. Oh Freude.

30. August

Alejandra ist endlich im Bett. Was war sie aufgekratzt. Kein Wunder; ich weiß noch ganz genau, wie ich mich auf meinen ersten Schultag gefreut habe. Um sie ein bisschen runterzubringen, haben wir uns gemeinsam Harry Potter and the Sorcerer’s Stone angesehen, frei nach dem Motto: wenn Harry sich an einer Magierschule zurechtfinden muss und kann, dann wird die Grundschule für Jandra ja wohl ein Klacks.

Den Film mit ihr zu schauen, war vielleicht nicht so meine allerbeste Idee, weil Jandra danach natürlich gleich wissen wollte, ob Monica da hin käme, wo sie doch zaubern kann, und als ich das verneinte, wollte sie wissen, ob sie das dann hier in der Schule lernen würden, woraufhin ich auch wieder verneinen musste und erklärte, dass Monica das weiterhin von Ximena beigebracht bekäme. Und dass Alejandra in der Schule doch, wenn es geht, Monicas Fähigkeiten bitte nicht ganz so laut herausposaunen möge. Schauen wir mal, ob die Mahnung was hilft. Ansonsten, naja, Tochter eines Schriftstellers, blühende Fantasie und so.

31. August

Alejandras erster Schultag! Sie und Monica waren stolz wie die Schneeköniginnen. Aber natürlich auch ein bisschen nervös. Und Alex hat vor ein paar Tagen seine Kontakte spielen lassen und sich um eine Sprinkleranlage in der Schule gekümmert. Monica lernt zwar schnell, aber sicher ist sicher.

Jedenfalls war es ein schöner, ein denkwürdiger Tag. Einige Fotos gab es natürlich auch; mal sehen, ob ich dazu komme, eines hier einzukleben.

Eigentlich hatte Edward Schneeball bei uns lassen wollen, weil er (also Edward, nicht Schneeball) nämlich einen Weiterbildungskurs besucht irgendwo. Eigentlich wäre das Sergeant Books Weiterbildungskurs gewesen, aber der ist ja nun im Ruhestand, und der Kurs stand an und war bereits bezahlt. Was lag also näher, als Books Nachfolger an dessen Stelle hinzuschicken? Wen kümmert’s, dass die Fortbildung sich um das Thema „Diversity Awareness“ dreht und Edward daher vielleicht nicht [i]ganz[/i] die richtige Zielgruppe dafür ist? Egal, der Kurs war gebucht. Und Schneeball musste irgendwo hin.

Im Endeffekt wurde aus „irgendwo“ dann „bei Ximena“, weil ich den ganzen Tag lang unterwegs war. Erst mit Alejandra in der Schule selbst zur Begrüßungsfeier und, sobald die Kinder in der Klasse waren, einem Kennenlern-Empfang für die Eltern, und hinterher gingen wir zur Feier des Tages mit der Familie essen, waren tatsächlich bis abends dort. Ohne Enrique, versteht sich. Dem müssen wir beim nächsten Besuch dann die Bilder zeigen. Mamá und Papá waren jedenfalls gehörig stolz auf ihre große Enkelin. Was sie allerdings mit einem betonten Seitenblick auf Yolanda und mich auch zum Ausdruck brachten, war die Enttäuschung darüber, erst ein Enkelkind zu haben. Und das ausgerechnet von dem einen Sprössling, der im Gefängnis sitzt. Naja. Es ist ja nun nicht so, als wäre das Absicht.

2. September. Abends

Edward war gestern schon wieder zurück von seinem Seminar. Es gab da wohl den einen oder anderen kleinen, ähm, Zwischenfall – kein Wunder, wenn die Zielgruppe für die Schulung lauter weiße Cops waren, bei denen es schon einen Grund gab, warum sie hingeschickt wurden, und wenn noch dazu auch noch gerade Vollmond ist. Verletzte gab es wohl nicht, aber anscheinend eine Prügelei, die sich gewaschen hatte, also haben sie Edward heimgeschickt. Um Disziplinarmaßnahmen wird er wohl herumkommen, was einzig und allein seiner Hautfarbe geschuldet sein dürfte.

Nach dem Streit bei der Hochzeit hat Alex ihm gehörig ins Gewissen geredet, hat Edward mir heute erzählt, und er – das vertraute er mir unter dem Siegel absoluter Verschwiegenheit an – hat beschlossen, tatsächlich zu Hilary Elfenbein in Therapie zu gehen. Zumindest fürs Erste. Auf lange Sicht, sagte er beinahe sehnsüchtig, würde er gern eine Lösung finden, um seinen Wutdämon ein für alle Mal loszuwerden. Wünschen würde ich es ihm ja; er wirkt oft so unglücklich in seiner eigenen Haut. Und wenn ich es irgendwie kann, werde ich ihm dabei helfen, gar keine Frage. Falls es denn überhaupt irgendwie geht.

5. September

Schneeball hat mit Ximena anscheinend ein richtiges Abenteuer erlebt, als Edward auf seinem Seminar war. Der Kleine war völlig aufgekratzt, als er zu Edward zurückkam, und erzählte was von bösen Leuten, einem Drachen und lauter Wesen, die sie gerettet hätten. Edward wusste selbst nicht so recht, was er davon halten sollte, nahm die Kapriolen seines Hundes aber gelassen hin. Vermutlich hat der Kleine fürchterlich übertrieben, aber irgendwas wird da schon gewesen sein. Das ist bei Ximena ja jetzt auch nicht so unwahrscheinlich.

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