Miami Files – Small Favors 5

18. November

Mierda y cólera, das ist ja mal so richtig schön schiefgelaufen. Ich habe es versemmelt, Römer und Patrioten. Ach seufz.

Aber gut, es ist jetzt so gelaufen, jetzt kann ich es auch nicht ändern, sondern muss einfach versuchen, das Beste daraus zu machen.

Edward kam wie gesagt nicht mit zu dem Treffen mit Enrique, sondern blieb in Miami, um aus der Ferne auf Alejandra aufzupassen. Totilas kam zwar mit uns in die Waystation, setzte sich aber mit guter Sichtlinie an einen anderen Tisch, während Alex im Auto ebenfalls in Reichweite blieb. Das wusste ich natürlich in dem Moment noch nicht, aber er kundschaftete schon einmal die Gegend aus, wo sich die Highway Patrol heute stationiert hatte, um sie im Notfall aufscheuchen zu können.

Selva Elder war heute auch nicht glücklicher, uns zu sehen, als gestern. Ich weiß auch nicht, warum sie glaubt, jedesmal, wenn wir kämen, gebe es Ärger. Nicht jedes Mal. Wir waren auch schon hier, ohne dass irgendwas passiert ist. Siehe gestern. Aber okay, ich verstehe schon, dass die Male, wo die Situation eskaliert ist, die anderen Gelegenheiten ein bisschen überschatten. Aber jedenfalls servierte Selva uns Getränke und Gumbo: Geschäft ist immerhin Geschäft.

Enrique – muskelbepackt und fit, aber klar, er hatte im Gefängnis vermutlich nicht viel anderes zu tun als Sport zu machen – tauchte mit seinen drei Mitflüchtigen auf, dazu Carlos Alveira, der sich seinen Freunden partout hatte anschließen wollen.

Anfangs freute Enrique sich ehrlich, mich zu sehen. Ich freute mich ja auch, so war es ja nun nicht, aber ich wusste eben, was das Thema dieser Besprechung sein würde, und war entsprechend angespannt. Mit einem erfreuten „Hey, du hast trainiert!“ zog Enrique mich in eine Umarmung, was ich mit einem „Schon. Ein bisschen“ quittierte und dann erstmal zusammenzuckte, weil das natürlich voll auf den Verband über der Schwertwunde in meiner Seite drückte.
„Hey! Hat dir etwa einer was getan?!“ fragte Enrique empört, aber ich winkte ab. „Es geht schon.“ „Hey, keiner tut meinem kleinen Bruder was!“ „Es war halt Supermond“, beschwichtigte ich, „die Kacke war am Dampfen. Es geht schon, ehrlich.“

Nach diesem erfreulichen Anfang kippte das Gespräch aber relativ schnell in eine unangenehme Konfrontation, weil Enrique gar nicht lange brauchte, bis er das Thema auf Alejandra brachte. Er erklärte, er wolle sie jetzt natürlich haben, und ich argumentierte nach Kräften dagegen. Dass Enrique ein gesuchter Verbrecher sei, dass ihm, wenn er sich nicht freiwillig stellen würde (was er natürlich vehement ablehnte), ein Leben auf der Flucht bevorstände, und ob er seine Tochter da wirklich mit hineinziehen wolle. Dass Stabilität und ein geordnetes Leben doch besser für sie seien. Enrique allerdings war keinen Argumenten zugänglich. Ein ums andere Mal wiederholte er: „Aber sie ist meine Tochter!“, und er wurde dabei immer ärgerlicher. Mein daraufhin vorsichtig angebrachtes Argument, er habe sich vielleicht auch nicht immer so perfekt unter Kontrolle, war allerdings der völlig falsche Ansatz, denn darauf reagierte er überhaupt nicht gut. „Ich könnte Alejandra nie etwas tun!“ tobte Enrique los, und einerseits glaubte ich ihm ja, dass er das glaubte – ich weiß sehr wohl, wieviel ihm an ‘Jandra liegt -, aber andererseits bin ich mir eben nicht sicher, ob er sich in voller Vollmondrage nicht vielleicht doch mal vergessen könnte.

So ging es noch ein paarmal hin und her, wobei Enrique immer hitziger wurde und ich versuchte, ruhig zu bleiben, bis er mir irgendwann wütend entgegenschleuderte: “Sie ist meine Tochter, und du hast kein Recht, sie mir vorzuenthalten!”
Und dann reagierte ich… unklug, um es mal vorsichtig auszudrücken. Ich bemühte mich nämlich eigens um einen sachlichen Tonfall und entgegnete: „Naja, was das betrifft… Wenn man es ganz genau nimmt, schon. Ich habe nämlich das Sorgerecht.“

Das war zu viel. Übergangslos holte Enrique aus und jagte mir seine Faust ins Gesicht, ehe ich auch nur daran denken konnte, auszuweichen – und hinter seinem Schlag steckte eine solche Wucht, dass er mich mit diesem einen Hieb auf die Bretter schickte.

Von einem Schütteln an der Schulter und ein paar strategisch platzierten Ohrfeigen Klapsen auf die Wange kam ich wieder zu mir. Mit dröhnendem Kopf und ziemlich groggy sah ich auf: Wir befanden uns außerhalb der Waystation; offenbar hatte Selva die Jungs wütend aus ihrem Etablissement herauskomplimentiert. Totilas hatte mich geweckt, Roberto hingegen war gerade am Telefonieren, reichte mir dann das Handy. Am anderen Ende der Leitung war Alex, der ohne Vorrede fragte: „Soll ich eher dafür sorgen, dass sie einkassiert werden, oder lieber, dass sie wegkommen?“
Wie gesagt, ich war groggy. Im ersten Moment wusste ich gar nicht, was Alex von mir wollte. „Enrique und seine Leute“, wiederholte er. „Ich kann dafür sorgen, dass sie verhaftet werden, oder ich kann ihnen zur Flucht verhelfen. Was soll es sein?“ Ehe ich antwortete, musste ich einfach die Gegenfrage stellen. „Alejandra?“ „Ist außen vor. Wenn sie abhauen, dann ohne sie. Also?“
Mir dröhnte höllisch der Kopf, und es war nicht viel Zeit, also konnte ich nicht groß nachdenken, sondern entschied aus dem Bauch heraus. „Ich weiß, ich werde das irgendwann bereuen, aber: hilf ihnen wegkommen.“

Das, was jetzt kommt, nämlich das, was während meines K.O.s alles geschehen war, bzw. das, was bei Alex im Auto passierte, habe ich erst hinterher erfahren. Aber es passt von der Chronologie her einfach besser, wenn ich es hier schon einfüge.

Nachdem Enrique mich niedergeschlagen hatte, zischte er seinen Leuten zu: „Los, wir gehen meine Tochter holen. Jetzt!“
Als sie fort waren, rief Roberto zuerst bei Edward an, um dem bescheid zu geben, dann Alex. Der ließ sich die Beschreibung und das Kennzeichen von Enriques Auto geben, dann fuhr er absichtlich in überhöhtem Tempo der Highway Patrol in den Weg, und sobald die ihm folgten, lenkte er sie auf die Strecke der Flüchtigen.
Der Plan ging auf: Als das Patrol Car mit Blaulicht und Sirene hinter ihnen auftauchte, wurden Enrique & Co. nervös und rasten los, obwohl ja eigentlich Alex derjenige war, der von den Gesetzeshütern verfolgt wurde. Aber das verdächtige Verhalten im Zusammenhang damit, dass deren Nummernschild schon als Fluchtfahrzeug bekannt war, führte dazu, dass die Patrolmen von Alex abließen – der würde sein Ticket schon bekommen – und sich mit der interessanteren Beute eine wilde Verfolgungsjagd in Richtung Stadt lieferten.

Das war der Moment, in dem Alex Roberto zurückrief und Bericht erstattete und mich dann fragte, wie er weiter vorgehen solle. Als ich sagte, er solle die Flucht der Kojanthropen unterstützen, legte Alex los. Auf die Schnelle organisierte er jede Menge Leute, die in der Stadt die Verfolgung behinderten. Flash Mob auf Speed, sozusagen. Hier ein defekter Laster, da ein fingierter Autounfall, sogar eine Herde Ziegen, wo auch immer die hergekommen sein mochte.

Während die Verfolgungsjagd lief, rief ich bei Ximena an, die ja ohnehin gerade schon die Flucht nach Kuba organisierte. Das Gespräch war der Hektik entsprechend kurz und knapp.
Dass die Exkremente im Ventilator seien und die Aktion sofort laufen müsse; das hatte Ximena aber schon gehört, und sie war schon an der Sache dran. Alex müsse wissen, wohin, sagte ich ihr noch, und bekam den Treffpunkt genannt – wieder ein Pier am Hafen, aber nicht dasselbe wie das, von dem aus wir ins Nevernever aufgebrochen waren. Im Auflegen hörte ich Ximena noch erfreut murmeln: „Wow. Ein ganzes Schiff unsichtbar machen!“, dann gab ich Alex die Nummer des Piers durch, und der organisierte seinen Flash Mob entsprechend und fuhr den Gangern dann nach.

Es klappte: Irgendwann mussten die Polizeikräfte aufgeben, und Enrique & Co kamen unbehelligt am Treffpunkt an. Dort gab Alex sich durch Vorbeifahren, Hupen (seit dem Dia de los Muertos und seiner Verbindung zum Kojotenzorngeist hat Alex als kleinen Insiderwitz seine Hupe zu dem „meep meep“ aus den Road Runner-Cartoons umgebaut) und Winken noch als Helfer zu erkennen, und während er vorbeifuhr, konnte er sehen, wie Enrique von Carlos beruhigt wurde. Alex konnte zwar nicht hören, um was es genau ging, aber ich vermute mal, das wird eine Aktion gewesen sein von wegen: „Wir können nicht weg, wir müssen meine Tochter holen!“ und von Carlos dann ein „lass erstmal verschwinden, deine Tochter holen wir später.“

Wir anderen waren indessen immer noch an der Waystation; ich fühlte mich immer noch nicht so richtig fit, und wütend auf mich selbst und bedrückt über die Entwicklung der Dinge war ich auch. „Hätte ich das irgendwie noch schlechter machen können? Ich glaube nicht.“
Aber Yolanda stärkte mir den Rücken: Alejandra sei bei mir definitiv besser aufgehoben als bei Enrique, und auch Roberto erklärte: „Ja. Du hättest derjenige sein können, der auf neutralem Boden zuerst zuschlägt.“

19. November

Ich habe mich einigermaßen ausgeschlafen. Über Nacht habe ich ein astreines Veilchen entwickelt, aber dank Eispack geht es einigermaßen.

Edward hat bei Cassius angerufen – bis heute hatten wir zu viel um die Ohren, aber bei der Konfrontation vor Edwards Haus war Cassius ja abgehauen, und seither hatte Edward nichts mehr von seinem Bruder gehört. Jetzt hat er erreicht, und zwar auf einem Transportschiff, das gerade nach Kuba unterwegs ist. Eigentlich wollte er sich nur für eine Weile auf dem Schiff verstecken, aber dann fuhr es los, und dann wurde Cassius als blinder Passagier entdeckt. Eigentlich wollen die Seeleute ihn in Kuba in Gewahrsam nehmen und dann in die USA zurückbringen lassen, aber Edward konnte sie davon überzeugen, dass er als nächster Angehöriger des Jungen dessen Kontaktperson sei und Cassius in seine Obhut gegeben werden solle. Da Ximena ja auch bald in Kuba ankommen durfte, wird sie den Jungen mit zurück nach Miami bringen, sobald sie Enrique und seine Leute abgesetzt hat. Edward hat seinem Bruder angeboten, dass er bei ihm wohnen könne – Edward hat zwar kein richtiges Rudel, aber er ist immerhin Cassius‘ Familie. Und vielleicht können die beiden ja zusammen eines bilden.

20. November

Edwards Vater hat sich bei ihm gemeldet. Was sie genau beredet haben, weiß ich nicht im Detail; Edward hat nicht alles brühwarm erzählt, aber doch so die Grundzüge. Sie haben sich wohl über Cassius ebenso unterhalten wie darüber, dass Marie Parsen jetzt eine Fee ist – und Lewis Parsen hat sich anscheinend tatsächlich sowas ähnliches wie entschuldigt. Oder zumindest angedeutet, dass ihm klar ist, dass sein Verhalten früher nicht tragbar war. Und er scheint eingesehen zu haben, dass Cassius nicht bei ihm und seiner Mutter leben will, sondern bei Edward bleiben wird. Und Edward und sein Vater haben tatsächlich Telefonnummern ausgetauscht, man höre und staune.

28. November

Heute habe ich den Nicht-mehr-Eidbrecher-Sidhe-Ritter verhört. Hurricane hatte ihn nach der Sache mit Enrique an den Sommerhof übergeben, aber ich hatte bis heute gewartet, weil ich nicht mit einem blauen Auge in Pans Kerker auftauchen wollte. Außerdem durfte der Sidhe – Sir Diarmuid heißt er – ruhig ein bisschen schmoren, dachte ich mir.
Bei dem Verhör kam nicht sonderlich viel heraus – aber das, was herauskam, war zutiefst beunruhigend.

Zuerst fragte ich Sir Diarmuid, warum er seinen Eid gegenüber Pan gebrochen habe. Das jedoch stritt der Ritter schlichtweg ab: Seinen Worten zufolge habe er Pan nie einen Eid geschworen, also habe er ihn auch nicht brechen können. Pan habe es einfach versäumt, ihm einen Eid abzuverlangen.
Na gut, das hätte ich ihm ja beinahe glauben können. Dass Pan einen Eidschwur völlig vergisst, das wäre nicht völlig abwegig. Aber auf meine nächste Frage log er ganz eindeutig, nämlich als ich wissen wollte, wie es komme, dass Lady Fire kein Eidbrecher-Zeichen mehr trage. Darauf erwiderte Sir Diarmuid nämlich, es sei ihm gar nicht aufgefallen, dass sie keines mehr habe, und das nahm ich ihm nicht ab.
Was Lady Fire und ihre Ritter so alles unternommen hätten, nachdem sie von Pan verbannt worden sei, das wollte er nicht sagen, da berief er sich darauf, dass ich Lady Fires Feind sei und er einem Feind seiner Herrin keine Auskunft geben werde. Dass ich nicht Lady Fires Feind sei, war von meiner Seite aus nicht gelogen, immerhin haben wir uns in ihren letzten Momenten versöhnt, aber das ließ der Sidhe nicht gelten. Als sie diese Aktivitäten unternommen hätten, sei ich noch ihr Feind gewesen, also werde er nichts sagen. Er habe seiner Herrin gedient, mehr werde er nicht sagen, und wenn ich ihn dafür umbringe.
„Ich finde eine Strafe für Euch, die schlimmer ist als der Tod“, spuckte ich, dann ließ ich ihn erst einmal wieder alleine im Kerker zurück.

Danach folgte natürlich die Diskussion mit den Jungs, was das alles zu bedeuten hatte. Sidhe können nicht lügen. Also warum konnte es  Lady Fire? Warum kann es Sir Diarmuid?
Sollte etwa ein dämonischer Einfluss dahinter stecken? Oder schlimmer, ein Einfluss von noch weiter draußen, von den Outsidern? Und mir kam ein schrecklicher Gedanke: Was, wenn Sir Diarmuid mit dem ‚ich diente der Herrin‘ gar nicht Lady Fire gemeint hatte, sondern die Herrin der Verschlungenen Wege?

Deren Namen sprechen wir übrigens schon seit der Insel tunlichst nicht mehr aus. Dabei kommen mir natürlich Harry-Potter-und-Voldemort-Assoziationen, „He Who Must Not Be Named“ und so, aber tatsächlich ruft es die Aufmerksamkeit des Benannten auf den Nennenden, wenn ein Name ausgesprochen wird. Also vermeiden wir es, die Aufmerksamkeit der Dame auf uns zu lenken, wenn wir nur irgend können. Da „Die Tante mit den Wegen“ auf Dauer etwas ermüdend wurde – und weil es bei uns zwangsläufig irgendwie immer zu sowas kommt –, fanden wir einen Codenamen für die Dame. Ich weiß gar nicht mehr genau, über welche Assoziationskette – natürlich war „Voldemort“ auch dabei und wurde verworfen –, aber am Ende landeten wir bei „Fräulein Rottenmeier“, nach der strengen Gouvernante aus dem schweizerischen Kinderbuch „Heidi“, das Alejandra gerade mit Begeisterung liest. Es klingt aber auch einfach so schön dämonisch.

Einen Codenamen für die Tante mit den Wegen zu haben, half uns aber auch nicht bei dem Problem mit plötzlich des Lügens mächtigen Feen. Also trafen wir uns heute nachmittag mit Jack White Eagle, um den um Rat zu fragen. Er wusste zwar auch nichts über Feen, die lügen können aber er war definitiv der Ansicht, irgendetwas Großes sei im Gange. Und ja, auch Jack denkt dabei als erstes an die Outsider.

Wo wir schon einmal bei White Eagle waren, sprachen wir mit dem auch über die Insel der Jugend und wie man ihr am besten helfen könne.
Am besten sollte so schnell niemand mehr hinkommen, aber den Weg auf die Insel ganz abzuschneiden, ist keine Option, weil sie ja ein wichtiger Anker für die Realität ist, und ein Anker muss eine Verbindung zu dem haben, was er verankern soll, anders geht es schlecht.
Den Weg dorthin komplizierter zu machen, taugt auch nichts, denn ein komplizierter Weg wäre ein verschlungener Weg, und für wen wäre ein verschlungener Weg besonders einfach zu finden Richtig.
Aber wie wäre es mit Türen? Immerhin ist Fräulen Rottenmeier ja die Herrin über Wege, nicht über Türen. Man könnte mehrere Türen aneinanderreihen und diese auf verschiedenen Inseln aufstellen und dann noch bestimmte Bedingungen an deren Öffnen knüpfen. So schwer, dass kaum jemand überhaupt herausfindet, was denn nun alles benötigt wird, aber trotzdem nicht unmöglich, damit die Verbindung zur Realität erhalten bleibt und hinkommen kann, wer muss.
Diese Idee fand Jack unterstützenswert, mahnte aber auch, ein solches Unterfangen sollten wir besser nicht ohne Tanits Einverständnis durchführen. Immerhin ist sie die Herrin über die Inseln draußen im Cayo Huracan, und soweit Jack wisse, gebe es außer der Insel der Jugend noch weitere Inseln, die einen Anker für die Realität darstellen.

Tío. Wenn die Kollateralschadeninsel eine davon wäre, dann würde ich einen hysterischen Lachkrampf bekommen, glaube ich.

Aber gut. Tanit hätten wir mit ziemlicher Sicherheit auch ohne Jacks mahnende Worte kontaktiert, aber es war schon nicht schlecht, diese Information von den weiteren Ankerinseln bekommen zu haben. Und Totilas will bei Tanit ja ohnehin noch um Verzeihung für seinen Eidbruch bitten.

02. Dezember

Wir haben um eine offizielle Audienz bei Tanit angehalten und sie auch gewährt bekommen. Hurricane fuhr uns auf ihre Insel, wo uns die beiden Sturmriesen Juan und Pepe sowie einige Stormsprites in Spiralen den felsigen Pfad hinaufführten. Oben auf den Klippen befindet sich der größte Teil von Tanits Palast vermutlich auch im Nevernever, aber dorthin lud die Herzogin des Winters uns nicht ein, sondern empfing uns draußen im Freien in einer Art Amphitheater, die eigens diesem Zweck zu dienen schien.

Tanit verhielt sich kühl und höflich, während ich selbst meinen Sommermantel strikt unter Kontrolle hielt und eisern diplomatisch blieb. Immerhin habe ich nichts gegen Tanit.
Unseren Vorschlag, einen neuen Zugang zur Insel der Jugend zu schaffen, und zwar mit mehreren Toren auf mehreren Inseln, fand die Herrin der Stürme grundsätzlich gut und schlug zusätzlich noch vor, dass jedes Tor von einem der Höfe gestellt werden solle. Das klingt tatsächlich sinnvoll, das werden wir im Hinterkopf behalten.

Wir fragten sie nach den übrigen Ankerinseln neben der Insel der Jugend, um sicherzustellen, dass die Kollateralschadeninsel keine davon ist. Das ist sie nicht, zum Glück, aber Tanit fand den Gedanken etwas beunruhigend, dass wir der Insel einen Namen gegeben haben, wie scherzhaft der auch gemeint gewesen sein mag. Denn wenn etwas einen Namen hat, dann verändert es sich, und wer weiß, wie diese Veränderungen bei einem Namen wie ‘Kollateralschadeninsel’ wohl aussehen?
Also will sie jemanden hinschicken, der sich das Ganze einmal ansieht; das kann ja sicherlich nichts schaden.

Die drei Ankerinseln gehören jeweils einem der Höfe: Die Insel der Jugend dem Wyld, die Insel der Trauer dem Winter und die Insel der Stürme dem Sommer. Wobei das noch nicht so ganz geklärt sei, ob die Insel der Stürme nun dem Sommer oder dem Winter gehöre, sagte Tanit, aber das sei eine andere Geschichte. Auf meine Nachfrage bestand sie aber darauf, dass ich diese Geschichte von Pan hören solle, es sei nicht an ihr, davon dem Ritter des Sommers zu erzählen.
Natürlich, erklärte ich sofort: Alles habe ja immer zwei Seiten, und ich würde gerne beide Seiten der Medaille hören, also irgendwann später dann vielleicht?
Eigentlich hatte ich es nur höflich-diplomatisch gemeint, aber Tanit starrte mich finster an. “Das hier ist meine Insel, Ritter des Sommers, also wäre es gut, du würdest mich das letzte Wort haben lassen.”
Seufz. Feen. In einer kapitulierenden Geste hob ich beide Hände und sagte nichts weiter.

Am Ende, als alles andere bereits besprochen war, trat Totilas vor. Er hielt den Kopf gesenkt, und sein Haar wirkte viel stumpfer als sonst – er hatte tatsächlich Asche auf seinem Haupt verteilt. Dazu die einfache, graue Kleidung, die er trug, und er gab wirklich ganz das Bild eines reuigen Büßers ab. Tanits Ritter zückten bereits ihre Schwerter und wollten Totilas entgegentreten, aber die Herzogin hielt sie zurück und bedeutete unserem White Court-Freund, näherzutreten.
Von dem, was sie besprachen, bekamen wir nichts mit, weil Tanit einen schützenden Schirm aus Wind um sie herum wirkte, der alle Geräusche drinnen hielt, aber es sah sehr bedeutsam aus und nicht so, als wolle die Winterherrin ihm gleich den Kopf abreißen. Dann nickte Totilas ernsthaft, verneigte sich und trat zurück, und wir wurden wieder den Felsen hinuntergeführt.

Zurück in Miami besprachen wir ausgiebig, wie der neue Zugang zur Insel der Jugend genau aussehen könnte. Dabei kamen alle möglichen Vorschläge auf und wurden wieder verworfen, aber nach längerem Hin und Her einigten wir uns schließlich auf folgende Lösung:
Das erste Tor wird das des Sommers. Wir platzieren es auf einer sommerlichen, palmenbewachsenen Insel mit Urlaubsflair; das Tor selbst wird ein Kreis aus Muscheln, die in einen flachen Felsen eingelassen sind. Um durch das Tor zum nächsten Ort zu kommen, muss man eine bestimmte Tonfolge in ein Muschelhorn blasen und ein Sommergedicht aufsagen. Nur zwei Zeilen davon sollen das Tor wirklich aktivieren, aber zur Tarnung will ich diese beiden Zeilen in einem etwas längeren Gedicht verstecken.

Das Wintertor wird sich im Überhang eines Felsens befinden, auf einer entsprechend kalten und sturmumtosten arktischen Insel. Sowas haben wir vor Miami zwar nicht, aber spätestens im Nevernever sollte sich so etwas auftun lassen. Um das Tor aufzuschließen, muss man einen aus Eis geformten Schlüssel aus einem Teich mit Eiswasser fischen. Wenn man weiß, was man tut, ist das zwar alles andere als angenehm, aber möglich. Nur wenn man nicht ganz genau weiß, wo in dem Becken man den Schlüssel zu suchen hat, dann friert man sich die Hand ab, weil das Wasser einfach so kalt ist. Wärmt man sich vorher die Hand auf, um das zu vermeiden, schmilzt der Schlüssel, trägt man Handschuhe, kann man den Schlüssel gar nicht erst ertasten, also muss man mit der bloßen Hand hinein. Auf diese Idee bin übrigens nicht ich gekommen, wie man sich vorstellen kann; das war Hurricane, der unserer kleinen Runde als Vertreter des Winters beiwohnte.

Für das Wyld war George bei der Besprechung dabei, und er dachte sich mit unserer Unterstützung folgendes aus: Nach Durchqueren des Wintertors landet man in einer sehr traumartigen Struktur aus grauen Gängen, einem richtiggehenden Labyrinth, an dessen Ende ein von einer Bürolampe beleuchteter Schreibtisch steht. Hier muss man ein Antragsformular ausfüllen und über eine altmodische Gegensprechstelle Sergeant Book kontaktieren – bzw. den jeweiligen Hüter der Insel der Jugend, nicht notwendigerweise Sergeant Book. Wenn der Hüter damit einverstanden ist, den Ankömmling zu treffen, dann öffnet sich eine Tür, und derjenige kann einfach hindurchgehen und landet auf der Insel der Jugend. Ist Book nicht bereit, den Besucher zu empfangen, dann geht die Tür gar nicht erst auf, aber dafür öffnet sich am rückwärtigen Ende des Ganges eine andere Tür, durch die man zurück zum Startpunkt auf der Sommerinsel gelangt.

Soweit die Planung. Jetzt müssen wir sie nur noch in die Tat umsetzen. Wir müssen zwar alles selbst machen, denn je weniger Leute von dem neuen Weg auf die Insel wissen, umso besser, aber das geht schon. Es muss ja nicht alles innerhalb eines Tages geschafft sein.

03. Dezember

Ich muss dringend über Sir Diarmuid nachdenken, den Feenritter, der plötzlich kein Eidbrechermal mehr trägt. In den letzten Tagen war zu viel zu tun, aber jetzt kann ich das nicht mehr auf die lange Bank schieben. Ihm hatte ich ja eine Strafe angedroht, die „schlimmer als der Tod“ sei, aber bisher ist mir dazu noch nichts eingefallen. Es geht mir auch gar nicht so sehr um „schlimmer als der Tod“ – diese Drohung habe ich einfach im Affekt ausgesprochen – sondern eben darum, den Mann angemessen zu bestrafen. Aber was ist ‚angemessen‘? Und vor allem um eines mache ich mir Sorgen: Wenn er wirklich unter dem Einfluss der Outsider steht, kann er dann vielleicht von dort im Gefängnis wiederum auch andere beeinflussen? Es bringen ihm Leute sein Essen; es haben Leute dort Wachdienst… werde ich schon paranoid oder sind das alles potentielle Kontaktpunkte und Gefahrenherde?

Ich muss mit den Jungs darüber reden. Vielleicht haben wir gemeinsam eine Idee.

04. Dezember

Oh Dios. Auf eine angemessene Strafe kam ich auch mit Hilfe der Jungs nicht. Aber dafür zu der Entscheidung, dass Sir Diarmuid hingerichtet werden muss. Die Gefahr, dass er unbemerkt irgendeinen Outsider-Einfluss ausweitet und so Pans Palast korrumpiert, ist einfach zu groß. Die anderen hielten diese Sorge nämlich für überhaupt nicht paranoid, sondern für durchaus angebracht.

Die Frage war nur, ob – auch wenn die Sorge darum berechtigt war – er auch wirklich einem dämonischen Einfluss unterlag. Aber wie das herausfinden? Roberto weigerte sich, den Ritter mit dem zweiten Gesicht zu betrachten, weil er sich nicht dem aussetzen wollte, was er dabei sehen – und dann nie wieder vergessen – könnte, und das waren völlig legitime Bedenken. Also nicht über die Sight. Aber ich fragte George, der inzwischen als offizieller Anführer des Wyld in Miami auch außerhalb des Nevernever materialisieren kann und den ich zu diesem Zweck kontaktierte, ob Sir Diarmuid träume. Das tut er nicht – das tut keine Fee, wie George mir erklärte – aber es schwebe irgendetwas um ihn herum, das derart unangenehm sei, dass George ihn nicht anrühren wollte, selbst wenn er träumen könnte. Das war mir Bestätigung genug für den befürchteten Outsider-Einfluss. Mierda.

Mich betrachtete Roberto übrigens auch in der Sight. Immerhin hatte ich bei den Verhören einige Zeit mit Sir Diarmuid verbracht, und wenn dieser Einfluss so perfide unauffällig ist, wer weiß, ob ich nicht auch schon was davon an mir hatte? Da war aber nichts, zum Glück, und ich gebe zu, ich war schwer erleichtert. Ja, paranoid, ich weiß, aber sicher ist sicher. Vielleicht war das ein bisschen so wie bei einem AIDS-Test: Nein, man rechnet nicht wirklich damit, dass der Test positiv ausfällt, aber wenn man dann die Bestätigung hat, dass nichts ist, fällt einem doch ein Stein vom Herzen.

Totilas war derjenige, der mir den entscheidenden Punkt wieder ins Gedächtnis brachte. „Was ist dir wichtiger? Dass er keine Gefahr mehr darstellt oder dass er bestraft wird?“
Und natürlich hatte er recht. Dieses ganze Suchen nach einer ‚angemessenen Strafe‘ war im Endeffekt eigentlich nichts als egoistisch. Nach meiner Drohung von wegen ’schlimmer als der Tod‘ wollte ich mich einfach nur nicht lächerlich machen, nicht das Gesicht verlieren dadurch, dass mir keine Strafe einfiel, die wirklich schlimmer war als der Tod. Aber das ist albern. Hier geht es um Wichtigeres als darum, ob ich vor einem korrumpierten Feenritter das Gesicht verliere oder nicht. Die Gefahr, die Sir Diarmuid darstellt, ist viel zu groß für solche kleinlichen Bedenken. Ich werde ihn hinrichten müssen.

Erst überlegten wir eine ganze Weile hin und her, mit welcher Berechtigung: Ob es vielleicht eine Gerichtsverhandlung geben sollte, bei der wir Sir Diarmuids Veränderung vielleicht offenlegen könnten, beweisen könnten, dass er gelogen hat, oder ihn gar während der Tat bei einer Lüge ertappen? Aber das wird kaum möglich sein, fürchte ich. Feen können sich dieses Konzept einfach nicht vorstellen; es geht beim besten Willen nicht in ihren Kopf.
Als wir Sir Anders danach fragten, ob er sich an Sir Diarmuids Eid Pan gegenüber erinnern könne und daran, ob er den abgelegt habe, war er völlig verwirrt und misstraute eher seiner eigenen Erinnerung als in Betracht zu ziehen, dass Sir Diarmuid zu einer Lüge fähig gewesen sein könnte. Ihm die Lüge nachweisen wird also nicht gehen; bei einer Gerichtsverhandlung würde er sich einfach weiter darauf herausreden, dass er nie einen Eid abgelegt habe, und niemand könnte ihm das Gegenteil beweisen.

Aber dann fiel uns ein, dass es eine solche Gerichtsverhandlung ja gar nicht braucht. Eidbrecher ja oder nein, das Mal losgeworden hin oder her, Sir Diarmuid hat Pans Bann missachtet, und das ist bereits Legitimation genug für ein Todesurteil.
Aber bevor wir – bevor ich – das vollstrecke, habe ich noch eine andere Sorge. Und ja, auch das mag wieder paranoid sein, aber: Ist denn sichergestellt, dass der Outsider-Einfluss im Moment der Hinrichtung nicht durch die Gegend explodiert und sich schön gleichmäßig auf alle Anwesenden verteilt?
Wir wissen einfach zu wenig über diesen ganzen Outsider-Kram, und sich zu viel damit zu beschäftigen, stellt ja auch schon einen Bruch der magischen Gesetze dar. Nur: Wieviel ist zu viel? Woher ¿por demonios soll man solche Dinge wissen und beachten, wenn man sie nicht herausfinden darf?

Wir wissen zu wenig darüber. Und es gibt kaum jemanden, dem wir in einer solchen Angelegenheit vertrauen können. Aber vielleicht kann Jack White Eagle uns weiterhelfen.

Zurück aus der Kommune. Jack war gerade dabei, mit einem Ritual den Threshold um das Gelände hochzuziehen, danach aber gerne bereit, mit uns zu reden. Und tatsächlich fand er, die Gefahr bestehe durchaus, dass der Einfluss sich mit Sir Diarmuids Tod ausbreiten könnte. Na gut, dann müssen wir eben Vorkehrungen treffen. Jack sagte auch noch, diese ganze Sache mit den Outsidern mache ihm Sorgen. Bis vor ein paar Jahren hätte kaum jemand gewusst, dass sie überhaupt existieren, und jetzt hätten sie keine Scheu, ganz offen zu operieren. Er bat uns, die Augen offenzuhalten, und versprach, sich ebenfalls zu melden, wenn er etwas herausfinden sollte.

14. Dezember

Es ist getan, Dios perdoname. Nachdem Pan das Todesurteil noch einmal hochoffiziell verkündet hatte, vollstreckte ich es. Ich weiß nicht so richtig, was das über mich aussagt – dass ich dazu imstande war, meine ich. Und dass ich jetzt gar keine so starken Schuldgefühle habe, wie ich dachte, dass ich sie haben würde. Beim Ritual der Elemente letztes Jahr im Sommer anwesend zu sein, ging ja schon in diese Richtung, aber das waren Freiwillige. Und da war ich nicht selbst derjenige. Aber ich hätte mir auch nicht mehr in die Augen sehen können, wenn ich dieses Urteil jetzt nicht selbst vollstreckt hätte. Ich will mich auch nicht darauf hinausreden zu sagen, Sir Diarmuid war ’nur eine Fee, und Feen haben ja keine Seele‘. Fee oder nicht, Seele oder nicht, er war ein denkendes, fühlendes Wesen, und ich wünschte von Herzen, es hätte eine andere Lösung gegeben. Vielleicht hätte es das sogar, aber ich habe beim besten Willen keine gesehen. Also habe ich getan, was ich glaubte, dass getan werden musste. Ob es mir leichter fiel, diese Entscheidung zu treffen, weil ich den Mantel des Sommerritters trage? Ich weiß es nicht. Vielleicht. Aber nein, ich glaube, das war tatsächlich einfach Ricardo Esteban Alcazár, der diese Entscheidung getroffen hat und – glaube ich – auch ohne Sommerrittermantel so getroffen hätte.

Jedenfalls, philosophische Selbstbetrachtungen beiseite: Sir Diarmuid wurde in einem Schutzkreis platziert, damit der Einfluss an dessen Wänden abprallen sollte, statt sich im Raum zu verteilen; ich selbst blieb außerhalb des Kreises und vollführte die Hinrichtung mittels Pfeilschuss. Auf die geringe Entfernung war das zielgenaue Setzen des Schusses zum Glück kein großes Problem, aber ich habe in den letzten Tagen auch eigens geübt. Ich wollte den Ritter ja nicht unnötig leiden lassen.
Wie erwartet, höhnte Sir Diarmuid, dass es ja wohl nun nichts sei mit der Strafe „schlimmer als der Tod“, aber ich ließ ihn reden. Ich will nicht behaupten, dass der Hohn völlig an mir abprallte, aber das war etwas, das ich ertragen musste. Wie gesagt: Ich wünschte, es hätte eine andere Lösung gegeben – oder mir wäre eine andere Lösung eingefallen – , aber da dem nun einmal nicht der Fall war, musste es sein.

Anschließend untersuchten wir Pans Hof. Den gesamten Hof und alle Höflinge. Also Roberto, genauer gesagt: Er musste die Untersuchung durchführen, weil er ja derjenige mit dem Zweiten Gesicht ist. Dabei stellte sich heraus, dass tatsächlich jemand beeinflusst worden war, und zwar die Nymphe Saltanda. Zum Glück war sie die einzige von allen Leuten Pans – sie hatte wohl ziemlich viel Zeit mit Sir Diarmuid verbracht; sie meinte, und er sei so eine tragische Figur gewesen, der edle Ritter, den man zu Unrecht eingekerkert habe, und er habe ihr so leid getan.

Roberto sagte, in der Sight habe Saltanda ausgesehen wie eine Weizengarbe, die aber von Mutterkorn befallen sei. Die Nymphe musste also mittels eines Rituals gereinigt werden – und was für ein Ritual eignet sich am besten bei einer Nymphe? Richtig, Römer und Patrioten: ein tantrisches.
Edward sollte die eigentliche Magie wirken, Roberto ihn – wie ja inzwischen schon mehrfach erprobt – durch ihre immer noch bestehende magische Verbindung dabei unterstützen. Und Totilas sollte die Nymphe, die eigentlich gar keine Lust darauf hatte, gereinigt zu werden, weil sie fand, das habe sie gar nicht nötig, derweil entsprechend „ablenken“.

Da mussten Alex und ich aber nicht dabei sein, herzlichen Dank. Wir hielten lieber draußen vor der Tür Wache, um sicherzustellen, dass niemand kam, um die Ritualwirker zu stören. Und stellten auf taube Ohren, oder besser, das Ritual sollte in einem Kreis stattfinden, aus dem auch keine Geräusche dringen sollten, wofür zumindest ich nicht undankbar war. Ja, nennt mich prüde, Römer und Patrioten, aber ich erinnerte – erinnere – mich nur allzu gut an meinen Fehler mit Saltanda.

15. Dezember

Lidia hat eben angerufen. Sie meinte, Monica hätte gesagt, ich hätte so bedrückt gewirkt, als sie heute bei ‚Jandra zum Spielen war. Demonios, und ich hatte gedacht, ich hätte mir nichts anmerken lassen. Aber ich fand es sehr nett, dass Lidia angerufen hat, und wir haben uns fast eine Stunde lang unterhalten. Ich habe ihr natürlich nichts von Sir Diarmuid erzählt, aber trotzdem hat mich das Gespräch ziemlich aufgemuntert.

Vielleicht gehen wir am Wochenende ins Kino.

16. Dezember

Totilas hatte die Idee, dass wir uns mit Cleo duMorne unterhalten könnten. Sie weiß immerhin auch einiges über die Outsider und kann uns vielleicht mit Informationen weiterhelfen. Wir haben ihr über Oliver Feinstein die Nachricht zukommen lassen, dass Richards Sohn sie gerne sprechen möchte. Treffen im Buchladen.

Abends. Oh Mann. Das war… aufschlussreich. Und übel, irgendwie. Falls ich noch irgendwelche Zweifel daran gehabt haben sollte, dass Totilas in seiner neuen Aufgabe als Anführer des White Court von Miami gelernt hat, seine Karten sehr eng an der Brust zu spielen, dann wären sie spätestens jetzt ausgeräumt.

Wir trafen Cleo wie geplant im Buchladen. Sie war scheu wie immer, beantwortete unsere Fragen aber vergleichsweise bereitwillig. Ich sage ‚vergleichsweise‘, weil sie über die Outsider eigentlich am liebsten überhaupt nicht sprechen wollte. Sie erklärte, sich auch nur mit dem Thema zu beschäftigen, könnte selbst schon einen Einfluss auf jemanden haben, was auch der Grund für das strikte Verbot durch die Gesetze der Magie sei. Ach seufz. Ich habe es ja vor ein paar Seiten schon mal geschrieben: Wie zum Nether soll man sich zu schützen wissen, wenn man nichts darüber herausfinden darf?

Als wir in den Laden kamen, las Cleo gerade in Faerie Storm. Von sich aus hätte sie sich natürlich niemals getraut, mich zu fragen, aber als ich ihr anbot, ob ich ihr das Buch vielleicht signieren solle, leuchteten ihre Augen richtiggehend auf.

Und dann waren wir mit unserem Gespräch fertig, und Cleo wollte aufbrechen. Aber ehe sie gehen konnte, sagte Totilas: „Cleo, warte“, und fuhr fort: „Ich muss dir von Tanit etwas ausrichten.“ Die junge Magierin hatte es plötzlich sehr eilig, sprang auf und wollte richtiggehend flüchten, aber Totilas sprach eilig weiter. „Ich muss dir von Tanit sagen: Die Zeit ist gekommen.“
Diese Worte ließen Cleo in sich zusammensacken wie eine zum Tode Verurteilte. Unter ihrer braunen Haut wurde sie kreidebleich, und ihre großen Rehaugen traten noch stärker hervor. Aus ihnen sah sie Totilas an, als habe der ihr höchstpersönlich ein Messer zwischen die Rippen gestochen. „Von allen hätte ich das erwartet… aber nicht von Richards Sohn…“

Ihr Gesicht nahm einen Ausdruck der Entschlossenheit an, und sie straffte sich, als müsse sie jetzt sofort den Gang zum Henker antreten. „Ich habe so darauf geachtet, mich nicht rufen zu lassen… Aber jetzt muss ich gehen… Lady Tanit wartet…“
Ohne ein weiteres Wort stolperte sie aus dem Buchladen. Sogar das signierte Faerie Storm ließ sie liegen. Oh Mann. Mierda.
Alex, der Gute, reagierte als erster. „Ich bleibe bei ihr“, sagte er, griff sich das Buch und ging Cleo nach.

Und da stehen wir jetzt. Alex ist schon etliche Stunden fort, und ich hoffe, es geht ihm gut. Und Cleo natürlich auch. Oh, Mierda.

17. Dezember, mittags

Alex hat sich eben erst wieder gemeldet, aber Cleo und ihm geht es gut. Also soweit es ihr bei der Herrin der Stürme gutgehen kann, aber ausführlicher konnte er am Telefon erst einmal nicht werden. Aber wir treffen uns gleich, dann wird er hoffentlich erzählen.

Also. Cleo wollte eigentlich sofort los, aber Alex konnte die junge Magierin überzeugen, dass genug Zeit war, um einige Sachen zu packen und sich zu sammeln. Währenddessen erzählte sie ihm, was es mit Tanits Ruf eigentlich auf sich hatte, das schien ihr ein Anliegen zu sein. Tanit hatte ihr geholfen und ihr längere Zeit lang Zuflucht gewährt, als Lafayette duMornes Sohn Justin ihre Mutter und sie gejagt hatte, und sich zur Gegenleistung bei Cleos magischer Kraft versprechen lassen, dass Cleo ihr dienen werde, wenn Tanit sie rufe. Cleo sei sich dessen bewusst gewesen, dass die Winterherzogin sie schon seit einer ganzen Weile rufen wolle, aber bisher sei es ihr immer gelungen, die Nachricht nicht entgegennehmen zu müssen. Bis gestern eben. Stimmt, das hatte Richard damals erzählt. Justin duMorne hatte sich mit einem Outsider eingelassen und seine Tochter nur gezeugt, damit er irgendwelche Experimente mit ihr machen konnte, deswegen war Cleos Mutter ja mit ihr geflohen und deswegen war Cleo ja auch so gut im Verstecken und Untertauchen.

Jetzt jedenfalls war es also an der Zeit für Cleo, ihr Versprechen einzuhalten, wenn sie ihre Magie nicht verlieren wollte. Alex begleitete sie nach Hause, damit sie einige Dinge zusammensuchen konnte, dann brachte er sie auf den Cayo Huracán. Tanit empfing Cleo mehr als kühl, weil die ihr so lange ausgewichen war, und schickte sie ziemlich sofort in den Nevernever-Teil ihres Palastes, ohne ihr Zeit für lange Verabschiedungen zu lassen. Aber immerhin gelang es Alex noch, Cleo das vergessene Exemplar von Faerie Storm zurückzugeben, was ihr wohl ziemlich viel bedeutete.
Er versuchte auch, Tanit zu fragen, wie lange Cleo ihre Schuld würde abarbeiten müssen, aber darauf war Tanit nicht bereit zu antworten.

Mierda. Ich hoffe, der Kleinen wird es dort einigermaßen gehen. Ich denke – ich hoffe! – nicht, dass Tanit sie misshandeln wird, aber es ist eine Gefangenschaft, ganz gleich, wie gut man Cleo dort behandelt.

Ach ja, und sagte ich schon, dass das Eidbrechermal bei Totilas in dem Moment verschwand, als Cleo Tanits Botschaft überbrachte? Konnte man sich vermutlich schon denken, aber ja, die Übergabe der Nachricht war ganz klar das, was die Winterherzogin von unserem White Court-Freund verlangt hatte. Als wir ihn hinterher darauf ansprachen, erklärte er, er habe uns nichts sagen können, weil Tanit ja diesen Schweigeschirm um sie gezogen habe und er sich ja beim letzten Mal schon bei ihr in die Nesseln gesetzt habe, weil er etwas verriet, das sie im Vertrauen erzählt habe. Nun ja. Beim letzten Mal hatte er sein Wort gegeben, niemandem etwas zu sagen, und dieses Wort eben gebrochen. Da gibt es schon einen deutlichen Unterschied, es sei denn, Tanit hätte ihm auch diesmal ein ähnliches Versprechen abgenommen. Aber gut. Jetzt ist es so gelaufen, und Tatsache ist tatsächlich, um die Eidbrecheraura loszuwerden, musste Totilas Cleo diese Nachricht überbringen. Dass Totilas‘ Rehabilitation die arme Cleo in diese Zwangslage bringen würde, das war natürlich vorher nicht vorherzusehen. Oder vielleicht konnte Totilas sich auch etwas in der Art denken, zog seine Aufgabe aber trotzdem durch. Demonios. Ich kann der Kleinen nur von ganzem Herzen alles Gute und viel Kraft wünschen.

Eigentlich habe ich nach all dem nicht viel Lust, heute abend wie geplant mit Lidia ins Kino zu gehen. Aber ich kann sie jetzt nicht hängen lassen. Verabredet ist verabredet. Okay, Alcazár. Gute Miene machen. Du willst Lidia nicht auch herunterziehen.

Abends.

Wir waren in La La Land, und es war tatsächlich richtig schön. Wir hatten noch überlegt, ob wir lieber La La Land oder den neuen Star Wars-Spinoff schauen sollten, aber ich glaube, das Musical war die richtige Entscheidung. Lidia sagte mir auf den Kopf zu, dass etwas nicht in Ordnung sei, und sie ist ja genug über die Magie und dergleichen im Bilde, dass ich ihr ungefähr erzählen konnte, um was es ging. Nicht in allen Details, aber genug über das grundlegende Dilemma.
Und der Film war tatsächlich sehr nett. Einfach rundum erfreulich, und das, obwohl ich mit Musicals normalerweise nicht so viel anfangen kann.

Und ich habe mit Lidia verabredet, dass Monica und sie an Weihnachten zu uns kommen. Jandra und Monica hätten sich ohnehin zum Spielen getroffen, da können wir auch gleich gemeinsam feiern.

19. Dezember

Ich habe Pan nach den Ankerinseln gefragt. Wie er es erzählte, gehörten die Ankerinseln einst alle drei dem Sommer, aber die Insel der Tränen schenkte Pan dem Winter, weil er fand, Trauer und Sommer passten nicht zusammen, und die Insel der Jugend habe er vor einigen Jahren bei einem Kartenspiel an Sergeant Book verloren. Was nun die Insel der Stürme angehe, so sei das ein strittiger Punkt mit Tanit. Die Winterherzogin habe behauptet, sie sei ja die Herrin der Stürme, also sollte die Insel viel eher ihr – und damit dem Winter – gehören. Und in diesem Streit habe er ihr versprochen, er werde ihr die Insel schenken, wenn sie sie so gerne haben wolle – als Hochzeitsgeschenk. Aber da Tanit sich ja weigere, ihn zu heiraten, war es das eben bisher mit der Inselübergabe. Wenn sie denn doch mal irgendwann heiraten würden, dann gerne. Tanit allerdings behaupte, er habe ihr die Insel ohne Heiratsbedingung, sondern einfach so zum Geschenk gemacht, und damit gehöre sie schon dem Winter.

Ooookay. Das ist, glaube ich, ein Thema, bei dem ich mich heraushalte. Sollen das die beiden mal schön untereinander klären, dazu brauchen sie ihre Ritter nicht. Wobei ich persönlich ja der Ansicht bin, eine Insel pro Feenfraktion ist nur fair. Der Gedanke, die Insel der Stürme an den Winter abzugeben, gefällt mir also nicht so recht. Aber das ist ziemlich sicher der Sommermantel, der da spricht, glaube ich.

24. Dezember, morgens

Heute werde ich nicht viel zum Schreiben kommen – Baum schmücken, kochen, Alejandra beschäftigen… Aber ich freue mich auf die Feiertage, muss ich sagen.

25. Dezember, morgens

¡Feliz Navidad, allerseits! Das war schön gestern. Gut zu Abend gegessen, Alejandra und Monica durften mit in die Christmette – das ist für sie immer wieder etwas Besonderes, um kurz vor Mitternacht noch raus zu dürfen – und haben dann Pyjamaparty halten dürfen. Lidia hat im Gästezimmer übernachtet, bevor hier Ideen aufkommen, Römer und Patrioten. Aber ja. Es gab einen Kuss. Jetzt zufrieden?

Außer mir schläft alles noch. ich habe gerade aufgeräumt und klar Schiff gemacht, und vielleicht habe ich gleich noch ein bisschen Zeit, bevor es hier wieder rund geht. Ich muss – möchte, vor allem, aber muss auch, wenn ich ehrlich bin – endlich mal anfangen, meine Outline-Gedanken in erste Romanseiten zu gießen. Und, wenn ich noch einmal ehrlich bin, mich auch ein bisschen ablenken. Da ist dieser Kuss, der mir die ganze Zeit im Kopf herumschwirrt.

25. Dezember, abends

Natürlich hatte ich keine Zeit. Nicht viel später wachten alle auf, und dann begann die übliche Weihnachtshektik. Die Mädchen, die am liebsten den ganzen Tag miteinander verbracht hätten, waren ein bisschen traurig, dass sie sich mittags trennen mussten, weil wir zu unseren jeweiligen Familien fuhren, aber das gemeinsame Spielen läuft ja nicht weg.
Und Lidia und ich haben beschlossen, auch Silvester gemeinsam zu feiern.

28. Dezember

Irgendwer hat gepetzt. Entweder war es Alejandra, oder Yolanda hat sich einen Spaß daraus gemacht, mich reinzureiten. Mamá wollte heute wissen, wann ich ihnen denn meine neue Freundin vorstellen würde. Ach seufz. Da ist doch noch gar nichts spruchreif. Wir waren auf einigen Dates, zugegeben. Wir haben uns geküsst, auch zugegeben. Aber ich würde die weitere Entwicklung gerne ohne die neugierigen Augen meiner Eltern geschehen lassen, wenn das irgendwie möglich ist, herzlichen Dank.

01. Januar, abends

¡Feliz Año Nuevo, Römer und Patrioten!

Das Eltern-Vorstell-Problem haben wir gelöst, weil Mamá und Papá so nett waren, nicht nur auf Alejandra, sondern auch auf Monica aufzupassen, damit Lidia und ich ausgehen konnten. Yolanda war für Silvester ohnehin nicht verfügbar – ich tippe auf Marshall Raith, so sehr, wie mein Schwesterchen herumgedruckst hat und nicht mit der Sprache herausrücken wollte, wo ich doch eigentlich überhaupt nicht in sie gedrungen war. Oder zumindest finde ich, mein „Viel Spaß an Silvester; was machst du eigentlich?“ war eine ganz gewöhnliche Frage, wie man sie auch einem Arbeitskollegen hätte stellen können. Dass ich darauf ein „Also, ähhm, also, weißt du, ja…“ bekommen würde, was eigentlich sonst überhaupt nicht Yolandas Art ist, lässt mich zwei Dinge vermuten. Entweder ich habe sie wirklich auf dem falschen Fuß erwischt, oder das war reine Absicht, um mich aus dem Konzept zu bringen. Also wirklich.

Jedenfalls brachten wir die Mädchen bei meinen Eltern vorbei, und ich möchte schwören, die stubsten einander in die Seiten wie Teenager, als sie Lidia erklärten, es sei eine großeFreude, sie kennenzulernen, und uns dann einen schönen Abend und eine schöne Party wünschten. Und nein, nein, es sei gar kein Problem, auf die Kinder aufzupassen, sie hätten ohnehin nicht groß etwas geplant, vielleicht mit den Nachbarn anstoßen, alles gar kein Ding, und natürlich würden die Mädchen bei ihnen übernachten, es sei uns und ihnen doch nicht zuzumuten, sie nachts wieder abzuholen… Aha. Verstehe schon. Es war mir gelinde peinlich, aber Lidia nahm es mit Humor.

Und ja, nach der Party blieb sie tatsächlich über Nacht. Und zwar nicht im Gästezimmer. Und dann auch noch den Rest des Tages. Wir haben die Mädchen erst am frühen Nachmittag abgeholt und waren dann noch eislaufen mit ihnen. Seltsam, wie ich das hier so aufschreibe, klingt es ganz fürchterlich bieder und langweilig, aber es hat sehr viel Spaß gemacht. Bis auf die kleine Tatsache, dass es das erste Mal war, dass ich mich im Schlittschuhlaufen versucht habe, seit ich Pans Ritter bin – und dass mir diese große Eisfläche diesmal deutlich unsympathischer war als früher immer. Aber da musste der Sommerrittermantel jetzt durch – hier ging es um Spaß mit der, traue ich es mich zu sagen? Familie.

[es folgen diverse weitere Einträge privater Natur]

18. März

Heute hat mich Saltanda, die Nymphe, angesprochen, als ich bei Pan im Palast war. Sie war ganz aufgeregt, denn sie ist schwanger. Das ist bei ihr nun nichts Neues; sie erklärte, von Satyren sei sie schon sehr oft schwanger gewesen, aber diesmal fühle es sich anders an, und es gehe auch viel langsamer und alles.
Langer Rede kurzer Sinn: Das dürfte wohl das Ergebnis von Totilas‘ ‚Ablenkung‘ bei dem Reinigungsritual im Dezember gewesen sein. Sieh an, unser White Court-Kumpel wird Vater.

18. März, später.

Jahaaa. Denkste. Als ich Totilas die Mitteilung machen wollte, stellte sich heraus, dass er tatsächlich nicht der einzige ist, der als Vater in Frage kommt. Es war ein tantrisches Reinigungsritual, Römer und Patrioten, und wie es sich herausstellte, haben weder Edward und Roberto sich mit Ritualwirken begnügt. Oder besser gesagt, das Ritualwirken nahm eben entsprechende Formen an.

Natürlich wollten die drei nun Gewissheit haben, wer von ihnen denn nun der Vater sei, also führte Edward ein Ritual zur Bestimmung heraus. Natürlich – Edward nutzt ja jede Gelegenheit, die er nur bekommen kann, um irgendwelche Rituale zu ziehen. Aber zugegeben: Es ist ja auch die Frage, ob und inwieweit ein schnöder Gentest bei einer Nymphe überhaupt von Erfolg gekrönt wäre.

Ein Ergebnis jedenfalls hatten sie relativ schnell: Roberto ist der Vater des Kindes. Oh-hah. Ich kann mir nicht vorstellen, dass Dee das gefallen wird. Falls sie es erfährt, versteht sich. Von mir aber jedenfalls nicht. Das würde, auch wenn ich dank Lidia über Dee endlich hinweg bin, viel zu sehr wie billiges Rachenehmen an Roberto wirken, auch und gerade, weil wieder Saltanda involviert ist.

22. März

Von mir hat Dee es zwar nicht erfahren, aber erfahren hat sie es. Roberto selbst hat es ihr erzählt – und so dreckig, wie es ihm jetzt geht, hat es ihr genausowenig gefallen, wie ich dachte, dass es das würde.

Ich habe nicht so ganz in jedem letzten Detail mitbekommen, wie das genau ablief, aber aus dem, was Alex, der seine Schwester besänftigen musste, angedeutet hat, reime ich mir folgendes zusammen:
Roberto war tatsächlich sehr glücklich darüber, dass er Vater werden würde, und er muss in dieser Stimmung und völlig aufgeräumt wohl Dee diese Eröffnung gemacht haben. Bei einem romantischen Abendessen zur Feier des Anlasses, wohlgemerkt. Das hat Dee wohl gar nicht gut aufgenommen, und entweder, sie hat gleich mit ihm Schluss gemach, oder sie hat ihm das Ultimatum gestellt, falls er wirklich bisher nicht verstanden habe, dass sie monogam veranlagt sei, dann solle er es bitte jetzt verstehen und sich jetzt darauf einlassen. Das konnte oder wollte Roberto aber nicht, also war es das.
Mit Edward hat Roberto sich deswegen auch auf’s Heftigste gestritten, nachdem er sich betrunken hatte und dann mit Edward reden wollte. Edward wurde so wütend, dass er Roberto aus seinem Haus warf, aber er sagte wenigstens noch Totilas bescheid, dass der ihn einsammeln und auf ihn aufpassen sollte.

Tío.

23. März

Heute habe ich auch mit Roberto geredet; das war mir wichtig. Nicht, um schadenfroh zu sein, sondern weil ich ihm einfach etwas sagen wollte. Und zwar, dass es mir wirklich leid täte und dass ich es ihm wirklich gewünscht hätte, dass das mit ihm und Dee hält. Ich gab auch zu, dass das vor einem Jahr noch anders gewesen wäre, aber jetzt eben nicht mehr.
Und das war die reine Wahrheit. Vor einem Jahr war ich über Dee noch nicht hinweg. Nein, vielleicht war ich sogar vor einem halben Jahr noch nicht komplett über Dee hinweg. Vor einem Jahr oder einem halben Jahr hätte ich vermutlich versucht, Dee zurückzugewinnen, nachdem sie mit Roberto Schluss gemacht hätte. Aber inzwischen sind die Dinge tatsächlich anders, und deswegen hätte ich mir tatsächlich gewünscht, dass das zwischen Dee und Roberto geklappt hätte, denn Roberto ist mein Freund, und Dee hat mir nie etwas vorgemacht, und beiden wünsche ich, dass sie glücklich werden.

Roberto dankte mir mit ernster Miene, und ich konnte ihm ansehen, dass er erkennen konnte, dass ich es ehrlich meinte. Aber ich glaube, Roberto ist tatsächlich nicht der Typ für eine monogame Beziehung, oder zumindest jetzt nicht. Wenn er sich binden soll, dann muss das jemand sein, der oder die ähnlich offen denkt wie er. Ich weiß nicht, ob er jemals so jemanden finden wird. Aber wünschen würde ich es ihm.

Hinterlasse einen Kommentar

Eingeordnet unter FATE, Miami Files, Pen & Paper

Kommentar hinterlassen:

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s

This site uses Akismet to reduce spam. Learn how your comment data is processed.