Supernatural – Save the Colony

 

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“Cal Fisher? Klar, den hab ich gerade erst letztens gesehen.”
Ethan starrt den anderen Jäger erwartungsvoll an. Wartet. Wartet noch etwas mehr. Spricht erst, als ganz klar ist, dass da nichts weiter kommen wird, wenn er nicht nachhakt. “Und?”
“Immer langsam, Kleiner. Von nichts kommt nichts. Du willst was von mir? Dann musst du auch was für mich machen.”
Herman Shuster ist ein alter Haudegen von vielleicht Mitte, Ende Fünfzig, dessen Namen Ethan zwar schon gehört hatte, mit dem er aber bis heute nie wirklich in Berührung gekommen war. Der Mann wirkt ziemlich knurrig, aber hey. Kann Ethan ihm nicht wirklich verdenken. Fair ist fair. “Was?” fragt er ruhig.

Drecksmist. Was Shuster will, ist nicht einfach nur mal so schnell zu erledigen. Der alte Jäger hat eine erwachsene Tochter – Stieftochter genauer gesagt – , die in Hollywood bei einer TV-Serie arbeitet. Von der hat er schon ewig nichts mehr gehört, und Ethan soll sie dazu bringen, dass sie mit dem Mist aufhört und nach Hause kommt. “Warum ich?”
“Na weil du willst, dass ich dir sage, wo ich Cal Fisher gesehen habe, oder?”
Ethan schnaubt und setzt sein ‘Weich mir nicht aus, Mann’- Gesicht auf. “Nein”, beharrt er. “Warum ich? Nicht du?”
Shuster gibt ein Knurren von sich, antwortet dann aber doch, auch wenn er anfangs noch zögert und erst einen Anlauf finden muss. “Weil ich immer unterwegs war, jagen eben. Aber es wäre zu gefährlich gewesen, meine Familie einzuweihen in das, was ich machte. Also habe ich ihrer Mutter und ihr nie gesagt, warum ich so oft weg war, und jetzt haben wir nicht das beste Verhältnis.” Shuster zieht ein finsteres Gesicht. “Also, machst du’s? Vergiss nicht, du willst die Infos über Fisher.”

Ja. Danke auch. Als ob Ethan das vergessen könnte. Er zieht die Brauen zusammen und überlegt einen Moment lang angestrengt. Hollywood ist verdammt weit weg. Eigentlich passt es ihm gar nicht in den Kram, so viel Zeit zu verlieren. Aber andererseits: warum eigentlich? Klar will, klar muss, er Cal finden. Aber bis Nelson mit dem durch ist, woran er arbeitet, kann Ethan Cal auch nur beim Durchhalten unterstützen. Klar, sobald Nelson damit durch ist, dann braucht Ethan Cals Aufenthaltsort, aber bis dahin ist es nicht so dringend. Und sein Ersatzvater ist echt gründlich untergetaucht. Ethan sucht jetzt ja schon eine ganze Weile, und Shusters Sichtung war bisher so ziemlich die einzige. Wenn der alte Jäger ihn nicht verarscht, aber da steckt Ethan nicht drin. Und den Eindruck macht Shuster auch nicht. Also: die beste Chance, die Ethan momentan hat. Und die paar Tage sind auch nicht die Welt. “Ich mach’s”, bekräftigt er. “Name?”

Ein paar Tage später steht Ethan vor dem Eingang des Filmstudios. Zu seiner Überraschung scheint die Security am Tor gerade anderweitig beschäftigt zu sein, denn niemand hält ihn an oder auf oder will wissen, wer er ist. Mit einem leisen Kopfschütteln betritt Ethan das Gelände, aber er wird sich sicherlich nicht beschweren, wenn das Leben auch mal einen Ticken leichter ist.

Seinen Hund hat er in Burlington gelassen. Melody Burke, Dekan Brimleys persönliche Assistentin, fand Snoopy richtig niedlich und war bereit, sich während Ethans Abwesenheit um ihn zu kümmern. Ethan war einigermaßen erstaunt, dass der schwarze Labrador sich relativ schnell an ihn und seine neuen Lebensumstände gewöhnt hat, aber andererseits ist der Kleine durch ziemlich wenig aus der Ruhe zu bringen. Klar war er anfangs ziemlich verwirrt und unruhig und hat nach McCade gesucht. Aber den Maulkorb hat Ethan schon nach kurzer Zeit weggeräumt, und auch die Unruhe des Hundes hat sich vergleichsweise schnell gegeben. Ein Jägerhund mag er sein, aber Snoopy ist tatsächlich eher ein Teddybär als ein Jagdhund, und ein alter Feigling dazu. Aber Ethan ist ziemlich froh darüber, denn mit einem scharfen Hund würde er mit Sicherheit nicht so gut klarkommen. Eigentlich hat er den Labrador für diesen Trip nur ungern in fremde Hände gegeben, wo er selbst den Hund doch noch gar nicht so lange bei sich hat. Aber es ging nun nicht anders, und vermutlich wird es noch öfter nicht anders gehen. Zumindest nicht, wenn er fliegen muss.

Neugierig betritt Ethan das Studiogebäude. Auch wenn er das zu Herman Shuster nicht gesagt hat, war sicherlich auch mit ein Grund, warum er den Handel nicht ausgeschlagen hat, die Chance, mal auf ein Filmset zu kommen. Also. Reena Blackwell. Nach der wird er wohl herumfragen müssen, weil das Foto, das ihr Stiefvater von der jungen Frau hatte, schon ziemlich alt war und sie als Mädchen an der High School zeigte. Herumfragen, oder vielleicht läuft sie ihm auch so über den Weg.

Reena Blackwell läuft ihm auf Anhieb nicht über den Weg. Aber jemand anderes, den er kennt, ist am Set: Ally Dennings, die Betreiberin des True Believers-Forums. Zuletzt hat er die Studentin vor etwas über einem Jahr getroffen, und zwar tatsächlich auch hier in Hollywood, bei der Gala in dem Hotel, wo Sam und er gemeinsam mit dieser anderen Studentin, Natalie, den Geist von Montgomery Clift zur Ruhe gelegt haben, während Ally sich in Gesellschaft von Barry, Irene und Nelson mit einem Verjüngungsparasiten herumschlug.
Die junge Frau ist gerade dabei, eine Kamera herumzuschieben, als sie Ethan bemerkt, einen erfreuten Ausruf von sich gibt und mit einem breiten Lächeln auf ihn zukommt. “Ethan! Das ist ja schön!” Als sie bei ihm ist, setzt Ally eine verschwörerische Miene auf. “Bist du auch wegen der Vorfälle hier?”
Ethan legt den Kopf schief und bedenkt die junge Frau mit einem fragenden Blick, bevor er den Kopf schüttelt. “Vorfälle? Nein. Reena Blackwell.”
Allys Augen werden kugelrund. “Was? Reena hat was damit zu tun?”
Wieder schüttelt Ethan den Kopf. “Nein. Reenas Vater: Jäger. Will sie sehen.”
“Oooh.” Ally macht ein zutiefst enttäuschtes Gesicht. “Davon, dass ihr Vater Jäger ist, hat sie ja nie was erzählt?”
“Weiß sie ja auch nicht.”
Diese Aussage hellt die Miene der jungen Frau wieder etwas auf, und sie vertraut Ethan an, dass Reena immerhin erzählt habe, dass ihr Stiefvater nie zuhause gewesen sei, sondern immer unterwegs. Ethan nickt und misst die Studentin dann wieder mit einem eingehenden Blick. Wiederholt: “Vorfälle?”
“Es sind ein paar seltsame Sachen passiert”, erzählt Ally. “Aber warte, Natalie ist auch hier.”
Natalie? Natalie Bishop? Die Ethan auch auf dieser besagten Gala kennengelernt hat? Kleine Welt. Was allerdings kein Zufall ist, erfährt er gleich darauf, denn Ally und Natalie sind befreundet, und auch Reena Blackwell ist eine Freundin und Kommilitonin von Ally. So hat die ja überhaupt erfahren, dass hier irgendwas los ist: eben weil Reena, die am Set als Beleuchterin arbeitet, sie um Hilfe gebeten hat.

Natalie scheint auch durchaus erfreut, Ethan wiederzutreffen, und gemeinsam erzählen die beiden Studentinnen, was sie bereits wissen. Die Serie, von der gerade die erste Staffel gedreht wird, heißt Colony, und es handelt sich dabei um SciFi-Horror im Stile von Alien, nämlich um Kolonisten, die sich auf einem neu besiedelten Planeten einem namenlosen Schrecken gegenüber sehen. In letzter Zeit haben sich am Set verschiedene, mehr oder weniger erklärliche, Vorfälle gehäuft: Es gab Unfälle, Kabel wurden angenagt, Lautsprecher haben rückgekoppelt und damit den Dreh von Szenen verdorben, und es wurde sogar ein kleiner Hund von irgendetwas gefressen.
Aufgrund ihres Filmstudiums hat Ally für sich und Natalie tatsächlich Aushilfsjobs am Set auftun können: Für sie selbst einen Job im Kamerateam und für Natalie einen als Kaffeeholerin und Mädchen für alles.

Seltsame Vorfälle? Drecksmist. Klar ist Ethan bereit, sich mit um die Sache zu kümmern, bevor er wegen ihres Stiefvaters mit Reena redet. Oder vielleicht ergibt sich eine Gelegenheit, mit Reena zu reden, auch währenddessen. Wer weiß.
Ally zieht ein paar Strippen, und kurze Zeit später hat auch Ethan einen Job als Hilfsarbeiter am Set. Ohne größeres Nachfragen seitens irgendwem. Okay, klar mögen Hilfsarbeiter bei Fernsehproduktionen einen beschissenen Job haben und deswegen ziemliche Mangelware sein, weswegen die vermutlich froh sind, wenn sie einen kriegen, aber so gar keine Fragen zu stellen? Und da wundern sie sich, wenn hier Kram passiert?

Aber gut. Nicht beschweren. Freuen, dass es so glatt läuft, und sehen, was sich rausfinden lässt.
Der erste Weg führt die drei Jäger zu den angenagten Kabeln, die zwar natürlich ausrangiert wurden, aber noch nicht weggeschafft worden sind. Die Bissspuren daran zeugen von Zähnen, die zu klein und zu spitz sind, als dass sie von einem Menschen hätten stammen können. “Gremlins vielleicht?” schlägt Ally vor, was Natalie zwar nicht ganz einen Quietscher, aber doch ein kurzes Leuchten in den Augen entlockt. “Süß, Gremlins!”
“Vor Mitternacht jedenfalls”, sagt Ethan trocken, aber Ally schüttelt den Kopf. “Ich meine nicht den Film. Ich meine die Biester, die im zweiten Weltkrieg die Flugzeuge kaputtgemacht haben.” “Mmhm”, nickt Ethan, “möglich.” An die Gremlins aus dem Film hat er ja nicht ernsthaft gedacht.

“Hey”, schlägt Natalie vor, “lasst uns ein Foto machen! Wir alle am Film, und es passieren komische Sachen, das muss man doch festhalten!”
Meint sie das jetzt ernst? Erinnerungsfotos von einem Job? Ethan kann sich ja echt schönere Motive für ein Erinnerungsfoto vorstellen als einen Job, herzlichen Dank. Aber die junge Frau grinst fröhlich und hat ihren Vorschlag tatsächlich völlig ernst gemeint, wie es aussieht. “Kay”, brummt Ethan, “ich knips euch.”
Oder auch nicht. Den Plan, die beiden anderen zu fotografieren und sich damit selbst unauffällig im Hintergrund zu halten, kann er schön vergessen, weil beide Jägerinnen vehement darauf bestehen, dass er mit auf das Bild muss.
Seufzend stellt Ethan sich also in die Mitte und bekommt, nachdem Ally ihr Handy im entsprechenden Winkel abgestützt und den Selbstauslöser eingestellt hat, von beiden Seiten je einen Arm um den Rücken gelegt, während Natalie eines der Kabel vor sich hält und mit gewichtiger Miene auf die angenagten Stellen zeigt.
Klick. Na ganz spitzenmäßig. Wobei. Ein bisschen schmunzeln muss Ethan ja irgendwie doch, als er auf dem fertigen Foto den Kontrast aus der fidelen Miene der beiden Mädchen und seinem eigenen grenzgenervten Pokerface zu Gesicht bekommt. Ally grinst auch schon und schickt ihm das Bild sofort weiter.

Aber genug rumgealbert. Umsehen. Umhören. Eindrücke sammeln. Vorher allerdings geben die beiden Jägerinnen noch ein paar Namen weiter, damit Ethan sich hier am Set nicht ganz so verloren vorkommt. Zumindest von den Leuten, die hier was zu sagen haben. Die Regisseurin heißt Valerie Summers; Jordan Griffith ist für die Special Effects der Serie verantwortlich, und der Chef-Kameramann, dem Ally unterstellt ist, heißt Paul Carter.
Alle drei sind an dem Set zu finden, das die Jäger sich als erstes ansehen. Das ist ein echtes Prachtstück: eine Planetenoberfläche in unirdischen Blau- und Lilatönen mitsamt See und einem beeindruckend realistisch wirkenden Gebirge, das für die Tiefenwirkung von einem Matte Painting flankiert wird, hinten dran.

Sie sind gerade dabei, die Aufbauten gebührend zu bewundern und sich nach irgendwelchen Auffälligkeiten umzusehen, da gerät ein Kamerawagen in Bewegung, und bevor irgendjemand auch nur ansatzweise reagieren kann, ist die Kamera in die felsige Pappmaché-Landschaft gekracht.
Laute Rufe vom Filmteam. Helle Aufregung. Versichern, dass niemandem etwas passiert ist, während die drei Jäger sich aufmerksam umsehen, ob irgendwer weniger überrascht ist, als er sein sollte. Jordan Griffith, der Special Effects-Mann, tickt wegen seines ramponierten Gebirgssets schon mal richtig schön aus. Der Mann steht viel zu sehr unter Strom, kocht förmlich vor Wut. Und dabei ist der Schäden eigentlich gar nicht so schlimm. „Geht zu reparieren”, schlägt Ethan vor und deutet auf die Stellen, wo er zu dem Zweck ansetzen würde, aber Griffith schnaubt nur was von wegen “Sie haben ja keine Ahnung, Mann!” und stürmt aufgebracht davon.

Paul Carter indessen sorgt sich um seinen Kamerawagen. Der Mann ist blond, sonnengebräunt und hat ein strahlend weißes Zahnpastalächeln: der Typ Schönling, den Ethan eigentlich eher vor der Kamera erwartet hätte als dahinter. Als sich herausstellt, dass die Apparatur zwar etwas angekratzt, aber im Grunde unversehrt ist, atmet Carter sichtlich auf und wirkt, als wäre er bereit, weiterzumachen, aber die Regisseurin ruft für heute den Drehschluss aus. Eigentlich ungern, wie sie sagt, weil sie ohnehin schon im Verzug sind, aber die Nerven liegen bei allen blank, und die kaputte Kulisse muss ohnehin erst wieder instandgesetzt werden.

Sobald die Jäger das Set für sich haben, besieht Ethan sich den Kamerawagen etwas genauer. Ja, es wurde tatsächlich daran herumgespielt, stellt er fest: Jemand hat das Ding so verkabelt, dass es von selbst losfahren würde. Aber in die richtige Richtung schubsen musste derjenige den Wagen trotzdem immer noch.

“Ich sag’s doch, hier könnten Gremlins am Werk gewesen sein”, wiederholt Ally ihre Vermutung von vorher, und Ethan deutet auf den Kulissensee, ohne eine Miene zu verziehen. “Wasser ist mal da.”
“Nein, ich meine nicht den Film”, erklärt die Studentin wieder, “sondern — oh. Oder sollte das etwa ein Witz sein?”
Ethan nickt. “Sollte.”
“Oh! Haha…” Allys Tonfall zeugt hörbar von ihrer Verlegenheit.
“Sorry”, brummt Ethan. “Grad nicht so ne gute Zeit zum Witzemachen.” Das war nur auch keine so wirklich hilfreiche Antwort, denn sofort betont die junge Jägerin, dass er sich doch nicht entschuldigen müsse, und wird noch verlegener.

Bevor die Peinlichkeit noch ganz überhand nehmen kann, muss Ally an die Arbeit, weil es für das Kamerateam trotz Drehpause Kram zu tun gibt. Natalie und Ethan indessen beschließen, sich aufzuteilen, weil sie auf diese Weise vielleicht schneller etwas herausbekommen. Also geht Ethan, während Natalie die Lagerräume durchsuchen will, mit Valerie Summers reden. Die Worte rauszubekommen, fällt Ethan so schwer wie immer, aber es gelingt ihm immerhin, vorsichtig zu fragen, ob die Regisseurin sich irgendjemanden vorstellen kann, der die Produktion sabotieren möchte. Spontan fallen Summers aber keine Feinde ein; zumindest niemand aus dem direkten Umfeld. Ein anderes Studio kann sie sich nicht so recht vorstellen, denn “Colony” besetze eine eigene Nische, und es gebe keine direkten Konkurrenzprojekte, die einen Nutzen daraus ziehen könnten, wenn es der SciFi-Serie schlecht gehe.
“Aber da ist diese Frau von der Produktionsfirma”, überlegt Ms. Summers dann weiter, “Mia Graves. Sie hat eine Abneigung gegen das Projekt, warum auch immer. Ob die vielleicht jemanden aufgehetzt hat?” Ethan hebt eine interessiert-fragende Augenbraue, und tatsächlich scheint sie Regisseurin sich für die Theorie zu erwärmen, denn sie spricht schon weiter. “Reena Blackwell zum Beispiel. Der würde ich das zutrauen. Die ist seltsam. Die redet so wenig.”
Ethan kann nicht anders. Er prustet los.
“Was haben Sie denn?” erkundigt Ms. Summers sich. “Es stimmt doch, Filmleute reden immer. Ständig. Und total viel. Ich meine: Sehen Sie sich nur mal selbst an!”
Okay. Der Spruch ist selbst für ein Prusten zu schräg. Ethan starrt die Regisseurin nur ungläubig an, aber die nickt eifrig und hat das offenbar völlig ernst gemeint. “Ja, doch! Sie sind noch keine zwei Stunden am Set, und schon plaudern Sie mit mir!”
Hm. Naja. Was muss, das muss, oder so.

Maddie Hasson, eine der Darstellerinnen, fällt Summers noch ein. Vielleicht verspreche die sich davon einen größeren Part in der Serie? Paul Carter sei es aber sicherlich nicht gewesen, der könne ja froh sein, dass er nach dem Skandal mit HBO überhaupt irgendwo wieder einen Job bekommen habe. Was für ein Skandal das allerdings gewesen sein soll, sagt die Regisseurin nicht. Stattdessen fällt ihr ein, dass sie ganz dringend wo sein muss, und sie zieht ab, also geht Ethan nachdenklich die beiden anderen suchen, um ihnen von seinem mäßigen bis nicht vorhandenen Erfolg zu berichten. Wobei. Dass bei Summers wenigstens keine seiner Antennen gezuckt hat, ist vielleicht auch schon mal ein kleiner Erfolg.

Ally ist noch beschäftigt, aber Natalie hat im Requisitenraum was gefunden. Da sind ein paar Kisten aufgebrochen worden, die dort standen, und der Inhalt – Uniformen für die militärischen Charaktere – herausgeholt und zerrissen worden. Allerdings habe das mehr wie Zufall ausgesehen, sagt Natalie. Mehr wie Spielerei und Neugier, nicht wie gezielte Sabotage. Die Kisten hätten auch nur Schnappschlösser gehabt, also nichts, was kompliziert zu öffnen gewesen wäre. Kuchenkrümel und die aufgerissenen Verpackungen von Schokoriegeln seien auch da herumgelegen, und jemand habe die Kostüme der Wissenschaftlercharaktere mit Sicherheitsfarbe getränkt. Dass allerdings habe zielgerichteter gewirkt als das verspielte Zerfetzen der Militäruniformen, und auch das Öffnen der Schlösser an dieser Kiste sei Natalie wie Absicht vorgekommen.

Noch ist Ally mit ihrer Arbeit beschäftigt, also diskutieren Natalie und Ethan zu zweit, was sie mit dem neuen Wissen jetzt anstellen sollen. Erstmal herausfinden, was es mit Paul Carter und diesem HBO-Skandal auf sich hat, beschließen sie. Etwas Netzrecherche seitens Natalie ergibt, dass Paul Carter versucht hat, sich bei HBO mit einer Produzentin namens Corinne Valdés nach oben zu schlafen, was aber nicht so klappte, wie er sich das wohl vorgestellt haben musste. Carter wollte sich dann offenbar an Valdés rächen, indem er ein Sextape von den beiden ins Internet hochlud, aber das hatte eher den gegenteiligen Effekt und machte Carter für eine ganze Weile völlig unmöglich in Hollywood.
Eine Verbindung zwischen Corinne Valdés und der von Ms. Summers erwähnten Mia Graves gibt es auch. Die beiden Frauen seien angeblich beste Freundinnen, hatten sich vor einigen Jahren aber wegen der Rangeleien um Macht und Einfluss im Produktionsgeschäft (und vielleicht auch wegen eines Mannes) gewaltig in den Haaren.
Nach außen hin sind die beiden Frauen noch immer beste Freundinnen; Berichte über den Streit zwischen ihnen waren gar nicht leicht zu finden – aber Natalie hat sehr, sehr tief gegraben.

Es mag zwar Drehpause sein, aber einfach heimgehen konnten die Filmschaffenden natürlich trotzdem nicht einfach so. Sie sind gerade wieder alle zusammengekommen und besprechen die Pläne für den nächsten Tag, da rauscht eine Fremde herein. “Was ist denn hier los? Warum wird nicht gedreht?”
“Ms. Graves”, seufzt Valerie Summers. “Sie auch hier. Wir haben den Dreh unterbrochen, weil es einen… Zwischenfall gab. Er wird gerade behoben.”
“Zwischenfall, Zwischenfall”, beschwert Mia Graves sich. “Immer war es ein Zwischenfall. Ich stelle fest, von gemeinsamem Teamgeist ist hier nicht viel zu spüren. Jeder gegen jeden, wie?” Die Produzentin feixt böse. “Es wäre doch wirklich schlimm, wenn jemand ein Abführmittel in den Kaffee geben würde oder etwas in der Art. Sind Vorkehrungen dagegen getroffen worden?”
Derart aufgestachelt, verlassen ein paar Leute ziemlich überstürzt die Halle: Reena Blackwell, Paul Carter und Maddie Hasson. Verdächtig, verdächtig. Da Ally inzwischen auch wieder zu den anderen Jägern gestoßen ist, werfen sie sich einen schnellen Blick zu und gehen den drei Serienschaffenden nach. Ethan folgt Paul Carter, aber der Mann tut nichts Verfänglicheres, als in seine Garderobe zu gehen und die Tür hinter sich zu schließen. Hmm. Hmm hmm hmm. Aber das ist vielleicht eine Möglichkeit, ein paar Worte mit ihm zu wechseln und einen Blick in seine Kabine zu werfen, also klopft Ethan kurzerhand. Carter öffnet auch sofort, aber gleich darauf verwandelt sich der erwartungsvolle Gesichtsausdruck des Kameramanns in eine genervte Miene, und er wimmelt Ethan mit einem völlig unsubtilen “Nicht jetzt!” ab. Ganz offensichtlich hat er jemand anderen erwartet. Damenbesuch, wie es scheint. Sieh an.

Na hey. Unsubtil kann Ethan auch. Und Carter hat nur was von ’nicht jetzt‘ gesagt, nichts von ‚hau ab’ oder davon, wann denn dann nachher genau sein soll. Sobald Carter ihm die Tür vor der Nase zugeschlagen hat, pflanzt Ethan sich also völlig unsubtil im Flur schräg gegenüber der Tür an die Wand und wartet ab.
Paul Carter kommt zwar nicht heraus. Aber dafür kurze Zeit später Mia Graves in den Flur. Die Produzentin biegt um die Ecke, sieht Ethan da stehen und dreht sofort wieder ab. Na sieh mal einer an. Hallo auch, Damenbesuch.

Ethan bleibt noch eine Weile auf seinem Posten, aber Carter kommt nicht heraus, also geht er irgendwann die beiden anderen suchen und berichtet von Mia Graves’ Auftauchen vor dem Zimmer des Kameramannes. Das deckt sich mit einer SMS, die Natalie Graves hat schreiben sehen, als sie ihr einen Kaffee brachte, was ungefähr direkt danach gewesen sein dürfte. Natalie konnte nur einen flüchtigen Blick auf den Bildschirm werden, aber da stand was in der Art von wegen “Geht jetzt nicht. Heute abend im Smith’s Drinks, 19:30 Uhr” oder so.
Die beiden Studentinnen berichten auch, wo Reena und Maddie nach Mia Graves’ Aufstachelungsaktion so eilig hin verschwunden sind. Reena war am Catering-Tisch, weil sie offenbar darauf achten wollte, dass nicht wirklich irgendwer irgendwas in den Kaffee tut, und Maddie war in der Küche und hat sich dort ganz genau angesehen, wie die Muffins gemacht werden, die das Filmteam anscheinend gerne und am laufenden Band verputzt. Letzteres mag vielleicht verdächtig sein, aber aktiv hat die Schauspielerin erst einmal nichts getan. Also: im Auge behalten.
Graves’ Spruch geht Ethan trotzdem nicht aus dem Kopf. Ihr süffisanter Tonfall dabei. Das war nicht einfach so dahingesagt. Irgendwas weiß die. Und sie wollte sich mit Carter treffen wegen irgendwas, das ihr zu heikel war, als dass sie Ethan den Besuch mitbekommen lassen wollte. Klar könnte man denken ‘kleines Stelldichein in Carters Kabine’, aber wirklich nur das? Irgendwie zweifelt Ethan ja daran.
Etliche der Zwischenfälle hier hatten mit dem elektrischen Anlage des Studios zu tun. Und elektrische Anlagen sind etwas, mit dem Ethan sich auskennt. Also verdrahtet er den Sicherungskasten so, dass man nicht mehr so einfach daran herummanipulieren kann. Sicher ist sicher.

Gedreht wird heute zwar nicht mehr, aber es gibt genug andere Dinge zu tun, für die das Filmeteam auf dem Set zugange ist, und für eine Weile sieht es tatsächlich so aus, als würde der Arbeitstag jetzt ohne weitere Störungen enden. Aber dann kommt plötzlich ein Bündel farbgetränkter Bananenschalen von der Decke geflogen und klatscht einem der Darsteller, Leo Knox, mitten ins Gesicht. Da der schwarz ist und es keinen der anwesenden Weißen trifft, vermutet der Schauspieler erst einmal einen Streich mit rassistischem Hintergrund und stürmt wütend davon, um sich zu säubern. Die drei Jäger hingegen klettern hinauf zum Laufsteg für die Beleuchtung, um sich dort oben mal umzusehen.
Auf dem Gerüst liegt ein aufgekauter Farbbeutel herum. Davon gehen farbklecksende Spuren weg, ganz so, als habe der Unheilstifter sich bei seiner Aktion auch gleich selbst mit eingesaut. Dass sie die Spur verfolgen gehen, ist gar keine Frage. Zur Sicherheit greift Ethan sich allerdings erst noch einen schweren Schraubenschlüssel. Denn wer weiß, mit wem oder was sie es hier genau zu tun haben.

Die schwächer werdenden Farbkleckse führen in Richtung des Alien-Sets, genauer gesagt in Richtung von dem Setteil, wo, wie Natalie und Ally wissen, die Szenen gedreht werden sollen, die im Nest der Aliens angesiedelt sind.
Weil Jordan Griffith noch mit der Reparatur seiner Berglandschaft beschäftigt ist, die drei Jäger aber nicht unbedingt von ihm gesehen werden wollen, nehmen sie den Umweg in Kauf und schleichen sich hinten an der Bergkulisse vorbei.
Hier sollte ja eigentlich so gut wie nie jemand sein. Aber trotzdem liegen hier immer wieder Einwickelpapiere von Süßigkeiten oder Kuchenkrümel. Und es hat jemand die Streben hinter einem besonders aufwendig gearbeiteten und beeindruckenden Kulissenteil angesägt.

Das Aliennest selbst ist aber auch echt beeindruckend. Richtig gut gemacht und, obwohl Ethan weiß, dass es nur eine Kulisse ist, im Schein ihrer Taschenlampen tatsächlich richtig unheimlich. In der fertigen Serie wirkt das später bestimmt mal absolut echt. Und natürlich muss Ethan bei dem Anblick an die Alien-Filme denken. Ally aber auch. Zu Natalies sichtlicher Belustigung kann die Filmstudentin sich einen Spruch von wegen Chest Burster ebensowenig verkneifen wie Ethan einen trockenen Kommentar zum Thema Facehugger.
Plötzlich ertönt Geraschel aus einem der zahlreichen Seitengänge des Nests. Vor Schreck lässt Ally die Tüte mit den Schoko-Donuts fallen, die sie in der Hand hatte, und aus der Dunkelheit kommt eine kleine Gestalt geschossen, um nach dem Beutel zu schnappen. Geistesgegenwärtig greift Ethan zu und bekommt das Geschöpf tatsächlich zu fassen. Hält das kleine Biest – klein, graugrün, kahler Kopf, spindeldürre Gliedmaßen, spitze Zähne; ein Goblin oder sowas – fest, auch wenn es heftig zappelt, und zieht ihm, als aus dem Seitengang mit bösartigem Schnattern noch zwei weitere dieser Gestalten kommen, seinen Schraubenschlüssel über den Schädel.
Das Wesen zuckt zurück. “Au! Au! Garstiges Eisen! Bäh!”
Huch?

“Ihr könnt ja reden!” wundert sich auch Natalie, woraufhin die Viecher eifrig nicken und Ethan seine Waffe vorerst sinken lässt. Wenn sie sprechen können, sind sie ja vielleicht für Argumente oder gute Worte zugänglich.
“Wo kommt ihr her?” will Ally wissen, woraufhin die Kreaturen erzählen, dass ein Mann sie gerufen habe. “Eine Brillenschlange wie du!”
Ally zuckt etwas bei der Beschreibung, fragt aber tapfer weiter. Wie der Mann ausgesehen habe, erkundigt sie sich, aber das stößt nur auf Geschnatter und die nichtssagende Antwort “ein Mann halt“.
“Haare hell? Dunkel?” schaltet Ethan sich ein, aber auch diese Frage verstehen die Goblins nicht. Also zeigt er erst auf seinen eigenen Kopf und dann auf Allys: “Diese Farbe oder diese?” Die Farbe war wie bei Ethan, sind die Goblins sich einig, also dürfte das wohl Griffith gewesen sein. Gerade auch mit der Brille.
Der Wortführer ist indigniert. Sie hätten keine Leute fressen dürfen, das habe ‘er’ verboten!
“Aber den Hund habt ihr gefressen”, sagt Ally anklagend, nur ist das ein Argument, das die kleinen Biester nicht gelten lassen: “Der Hund war kein Leut! Und überhaupt ist der einfach ins Nest gekommen und hat da rumgeschnüffelt!”
Natalie fragt, warum sie überhaupt noch hier wären, wenn hier doch alles so doof sei, aber die Goblins können nicht einfach weg, erklären sie. Das habe ‚er’ auch verboten.

Den Kerl müssen sie dringend fragen, was zum Geier er sich dabei gedacht hat. “Lasst es uns nach dem Prinzip ‚Good Cop, Good Cop, Bad Cop’ machen”, schlägt Natalie vor und entlockt Ethan damit ein Schmunzeln. Bad Cop? Kriegt er hin.
Von den drei Jägern konfrontiert, streitet Griffith erst einmal alles ab. Aber als Ethan ihn grimmig anstarrt und ihm auf den Kopf zusagt, was Sache ist, gibt er schließlich doch zu, dass er die Goblins beschworen hat – spätestens, als Ally in dieselbe Kerbe haut und Griffith ebenso mit finsteren Blicken und heftigen Vorwürfen bedenkt wie Ethan. “Oh, Entschuldigung”, unterbricht sie sich mit einem Mal ganz verlegen, “ich sollte ja der Good Cop sein!”
Griffith ist verblüfft. “Ihr seid Cops?”
“Sowas in der Art”, bekräftigt Natalie, und jetzt packt der Bühnenbildner aus.
Er habe den größten Teil seines Budgets für das Set der Berglandschaft verbraucht, weil es ursprünglich geheißen habe, man werde keine Aliens zeigen. Dann aber sei diese Entscheidung von Produktionsseite über den Haufen geworfen worden, und man habe doch sichtbare Aliens in der Serie auftauchen lassen wollen – nur dass Griffith eben kein Geld mehr übrig hatte, um auch wirklich welche zu bauen. Er sieht die Jäger um Verständnis heischend an. “Und irgendwas musste ich doch machen!”
Das Beschwörungsritual habe er in einem Märchenbuch gefunden – das habe zwischen den ganzen Märchen auch eine ganze Reihe hilfreicher Rituale enthalten, zum Beispiel auch eines, wie man Goblins beschwören könne. Eigentlich habe er ja nicht geglaubt, dass das ein echtes magisches Ritual sein könnte, aber er hatte nichts zu verlieren, also habe er es einfach versucht.
Je mehr Griffith erzählt hat, umso alarmierter hat Natalie aufgehorcht. “Lassen Sie mich raten”, sagt sie, als der Setbauer fertig ist, “das Märchenbuch war von Underhill Press?”
Die beiden anderen Jäger sehen die Studentin erstaunt an, und sie zuckt leicht mit den Schultern. “Die sind mir gerade letztens schon mal ganz ähnlich untergekommen.” Da ist Nat auf einem Job über ein Buch von einer unbekannten Webseite und einem unbekannten Verlag – eben Underhill Press – gestolpert, das sich mit “echten Ritualen” rühmte. Auf den ersten Blick wirkten die Rituale darin wie Unfug, aber sie waren eben kein Unfug, sondern richtiggehend gefährlich. Nicht nur funktionierten sie nicht, sondern sie waren eigens dazu gedacht, schiefzugehen und böse Dinge geschehen zu lassen.
Und mit einem Buch aus diesem Verlag hat Griffith diese Goblins beschworen? Na ganz spitzenmäßig.

Mit vereinten Kräften bekommen sie den Bühnenbildner davon überzeugt, dass die Viecher nicht bleiben können. Dummerweise steht in dem Ritualbuch allerdings nicht drin, wie man sie wieder loswird. Natürlich nicht, wenn dieser Verlag darauf aus ist, soviel Ärger wie möglich zu stiften. Aber der Mangel an Erklärung mag vielleicht einen Normalbürger vor ein unlösbares Problem stellen, sie hingegen sind allesamt Jäger. Eines ist ihnen allen klar: wenn Griffith die Viecher mit einem Ritual hergeholt hat, dann müsste man das Beschwörungsritual irgendwie umdrehen können, um sie wieder wegzuschicken. Befragt, wie die Zeremonie denn eigentlich aussah, erzählt Griffith etwas von einem Bannkreis in seiner Garderobe. Darüber müsste das Zurückschicken doch eigentlich auch funktionieren. Also lassen sie sich Griffith’ Kabine öffnen und begutachten den Kreis. Der Mann hat ihn sorgfältig mit Wachs auf den Boden getropft und noch nicht wieder entfernt, aber funktionstüchtig ist er jetzt natürlich nicht mehr. Den müsste man erst wieder aktivieren.
Ally erinnert sich an eine Diskussion, die vor ein paar Jahren im True Believers-Forum zu einem ähnlichen Thema stattfand, und sucht den entsprechenden Thread noch einmal heraus. Dort stehen gewisse Kräuter beschrieben, die man zu dem Zweck verwenden kann, ebenso ein Text, der in einem bestimmten Singsang vorgetragen werden muss. Eine andere Alternative wäre die Aktivierung durch Blut.
Da Ethan wenig Lust darauf hat zu singen und auch nicht warten möchte, bis sie irgendwo die nötigen Kräuter beschafft haben, schneidet er sich kurz entschlossen in die Handfläche und lässt das Blut auf den Wachskreis tropfen, während Ally die nötigen Worte spricht. Jordan Griffith als der ursprüngliche Beschwörer ruft die Goblins wieder in den Kreis, und als sie darin erschienen sind, bannt er sie.
Aber auch da ist es gut, dass die Jäger anwesend sind, denn Griffith stellt sich selten dämlich dabei an. “Geht dahin zurück, wo ihr hergekommen seid!” weist der Bühnenbildner nämlich die kleinen Mistviecher an, was Ethan zu einem entsetzten “Nein!!” veranlasst. “Dann gehen sie nur ins Nest zurück!”
Zum Glück sind die Goblins nicht, wie Ethan das fast befürchtet hätte, mit der letzten Silbe weggeploppt, sondern es gehört offenbar ein letzter Befehl oder eine Handbewegung oder so etwas dazu, um das Kommando endgültig zu machen, also kann Griffith noch einmal neu und sorgfältig – und frei von Missverständlichkeiten – formulieren, bevor die Biester dann doch endlich verschwinden.

Als die Goblins fort sind, berichten die Jäger Griffith auch davon, dass die von ihm beschworenen Wesen hier zwar einiges an Schaden angerichtet haben, aber längst nicht alles, was hier passiert ist. Dass zum Beispiel der manipulierte Kamerawagen deutlich nach menschlicher Arbeit aussah – und das kunstvolle Ansägen seiner Kulisse ebenso. Darüber, dass jemand absichtlich sein Set sabotieren will, empört den Bühnenbildner sichtlich, aber nach einer Begutachtung des Schadens ist er zumindest wie Ethan der Ansicht, dass nicht alles verloren ist, sondern sich das Ganze bis zum Weiterdreh reparieren lassen müsste.
Zuerst sagen die drei Jäger ihm auch ohne zu zögern ihre Hilfe dabei zu – aber dann fällt ihnen ein, dass sie ja auch Paul Carter und Mia Graves bei ihrem abendlichen Treffen beschatten wollen und dass die Zeit für beides zu knapp wäre.
Griffith ist erst überhaupt nicht begeistert, dass die drei ihr Angebot wieder zurückziehen, aber dann lässt er sich doch von der Tatsache besänftigen, dass sie ja nicht einfach so einen Rückzieher machen, sondern es ihnen darum geht, die Saboteure zu schnappen.

Kurz vor der von Carter und Graves verabredeten Zeit sitzen die Jäger im Smith’s Drinks in einer unauffälligen Ecke. Zu weit weg, um die Verschwörer zu belauschen, als die etwas später in dem Lokal auftauchen. Aber Natalie, Frau ungeahnter nützlicher Talente, kann tatsächlich Lippenlesen. Ihr gelingt es, während Ally Fotos von dem konspirativen Treffen macht, zumindest in groben Stücken zu entziffern, was die beiden miteinander besprechen. “Morgen geht erst das Feuerwerk los, und dann kommt die Kulisse herunter”, sagt Carter. “Komm so gegen vier Uhr, dann sollte maximales Chaos herrschen.” Das ist alles, was die beiden neben ungehemmtem Flirten an wirklich Verfänglichem von sich geben, bevor sie schließlich gemeinsam die Kneipe verlassen, aber das reicht ja auch völlig.
Bevor er ins Bett geht, kehrt Ethan nochmal ins Studio zurück und hilft Griffith bei der Reparatur seines Sets – das Ergebnis ist zwar vielleicht nicht besonders ansehnlich, aber es ist ja auch im wahrsten Sinne des Wortes hinter den Kulissen, wo niemand das Stückwerk bemerkt. Und für’s Erste halten sollte es so auf alle Fälle.

Am nächsten Morgen führt ihr erster Weg zu Valerie Summers. Die Regisseurin ist sehr schnell bereit, die Geschichte von der Sabotage zu glauben, weil sie ohnehin weder von Mia Graves noch von Paul Carter eine sonderlich hohe Meinung hat und sich jetzt Vorwürfe macht, sie hätte gleich wissen müssen, dass Carter sich als Arschloch herausstellen würde.
Im Restaurant gestern abend hat Carter von ‘Feuerwerk’ gesprochen. Das klingt sehr danach, als wolle er am Set einen Kurzschluss verursachen. Und da man einen Kurzschluss man am besten über den Sicherungskasten hinbekommt, ist Ethan sehr froh, dass er den gestern schon so verdrahtet hat, dass so leicht daran manipulieren eben nicht ist. Jetzt bringt Ally zusätzlich noch eine Kamera so an, dass der Sicherungskasten gut zu sehen ist, und verbindet deren Übertragungskanal mit ihrem Laptop. Und dann warten sie.

Es dauert gar nicht so lange, bis Carter auftaucht, erst einmal kräftig über Ethans Sicherungsmaßnahmen flucht – so sieht es zumindest auf dem Bildschirm aus – und dann daran geht, sie rückgängig zu machen, bevor er mit seiner eigenen Manipulation anfängt.
Ethan wartet ab, bis der Kameramann so tief in seiner Arbeit steckt, dass er sie nicht einfach als Versehen abtun kann, dann geht er, gefolgt von den anderen, den Typen konfrontieren.
Carter allerdings lässt sich davon so gar nicht beeindrucken. “Natürlich habe ich mich an der Sicherungsanlage ‚zu schaffen gemacht’!” erklärt er kühl. “Es hatte sie jemand manipuliert, und diese Manipulation musste ich natürlich beheben!”
Anfangs scheint sich Valerie Summers von der dreiste Lüge und dem jungenhaften Zahnpastalächeln des Kameramannes tatsächlich überzeugen zu lassen. Aber es gibt zu viele Beweise für Carters faules Spiel: die Aufzeichnung der Kamera jetzt, die genau zeigt, dass Carter eben nicht nur Ethans Sicherheitsmaßnahmen rückgängig gemacht, sondern eben echte Sabotage betrieben hat, und die Fotos von dem Treffen mit Mia Graves gestern abend. Als er die sieht, knickt Carter dann doch ein.

Gegen vier Uhr nachmittags taucht dann wie erwartet auch Graves auf. Die Produzentin ist sichtlich erstaunt, dass im Studio nicht das versprochene maximale Chaos herrscht, versucht aber nach Kräften, sich das nicht anmerken zu lassen und tut wie die Unschuld in Person.
Paul Carter allerdings hat offenbar wenig Lust, alle Schuld alleine auf sich zu nehmen, denn er reitet die Produzentin gnadenlos mit ins Verderben. Er habe die Sabotageaktionen in Graves’ Auftrag durchgeführt, weil sie ihm große Versprechungen gemacht habe, aber letztendlich habe sie ihn nur ausgenutzt.
Damit ist auch für Graves die Grube gegraben, der Skandal perfekt, und die Regisseurin wirft beide hochkant hinaus. Und jetzt, ohne Mia Graves’ Einmischung, kann Summers die Produktionsfirma auch davon überzeugen, dass eine viel höhere Spannung aufgebaut wird und es für die Serie viel besser ist, wenn die Aliens unsichtbar bleiben oder nur andeutungsweise gezeigt werden.

Bei einer Drehpause tut Ethan dann auch endlich, weswegen er eigentlich nach Hollywood gekommen ist, und richtet Reena Blackwell die Botschaft ihres Stiefvaters aus. Anfangs hat die junge Frau wenig Lust, Ethans Bitte nachzukommen. “Der war nie da”, hält sie Ethan wütend entgegen, “irgendwas war immer wichtiger als wir. Warum sollte ich mich also jetzt bei ihm melden, wo er es bei mir nie getan hat?”
“Mhmm”, macht Ethan. “Schon. Nur… rede trotzdem mit ihm. Ist ihm wichtig.”
“Der sagt ja nie was”, spuckt Reena. “Mhmm”, wiederholt Ethan. “Aber jetzt will er ja. Also. Rede mit ihm, hm?”
“Er muss dir auf alle Fälle erzählen, was Sache ist!” springt Ally ihrer Kommilitonin bei. “Dass er dir das die ganzen Jahre lang nicht gesagt hat, geht gar nicht!”
“Will ja jetzt”, versucht Ethan es nochmal. “Hatte ‘n Grund, die ganze Zeit. Dachte auch, guter Grund, aber jetzt will er dich sprechen. Dringend. Nur ich kann dir den Grund nicht sagen. Nicht meins. Muss er.”
Reena schüttelt den Kopf. “Das sollst du auch nicht. Das will ich dann schon von ihm selbst hören.”
Sagt es und geht telefonieren.

Als Reena von dem Gespräch mit ihrem Vater zurückkommt, sieht sie ziemlich erschüttert aus. “Er hat Krebs”, vertraut sie den drei Jägern an, die gespannt gewartet haben, “und er ist verrückt geworden. Er glaubt, dass Monster existieren… Ob das vielleicht ein Gehirntumor ist, der das verursacht?” Ethan schüttelt den Kopf. “Keiner.”
Aber bis die Filmstudentin auch nur ansatzweise zu glauben bereit ist, dass Monster existieren könnten, müssen Ally und Natalie noch einiges an Mühe aufwenden. Am Ende ist Reena sich immer noch nicht so ganz sicher, was sie von dem Ganzen halten soll, aber sie ist immerhin bereit, die Möglichkeit in Betracht zu ziehen, dass die Jäger recht haben könnten, und will sich auf Allys Anraten hin im True Believers-Forum anmelden.

Ally und Natalie wollen in Hollywood bleiben, um ihren Job bei der Serie noch eine Weile länger zu machen, aber Ethan fährt schon am nächsten Tag zurück. Erstattet Herman Shuster nochmal Bericht, auch wenn der seinen Kontakt mit Reena jetzt ja schon wieder hat, und bekommt von dem die Information, dass er Cal zuletzt in einem Roadhouse bei Albany gesehen hat. Nicht, dass das Ethan so viel hilft, wenn er ehrlich ist. Albany schön und gut, aber von da aus kann sein ehemaliger Ziehvater in alle möglichen anderen Richtungen weitergefahren sein. Aber okay. Es ist ein Anfang. Albany also. Da kann er ansetzen.

Während er Spur um Spur nachgeht und natürlich zwischendrin in Burlington seinen Job macht, hört er von Ally und Natalie. Beide haben wegen ihres Einsatzes bei der gesamten Serienbelegschaft einen dicken Stein im Brett, was sich bei der Arbeit für beide bemerkbar macht, aber vor allem für Ally ist der Job jetzt interessanter als vorher, weil das Kamerateam, bis Paul Carters Nachfolger eingestellt wird, ohne Kamerachef auskommen muss und Ally so mehr Verantwortung übertragen wird.
‘Wir sind in den Credits’, schreibt die Studentin irgendwann, ‘und ich habe meinen ersten IMDb-Eintrag!’
Und tatsächlich. Eine Weile später bekommt Ethan ein Exemplar der ersten Staffel der Serie als DVD geschickt. Sein Name taucht mit Natalies und Allys im Abspann auf, unter “Special Thanks”. Eigentlich enthält Ethans DVD-Sammlung ja vor allem Filme, keine Serien. Aber diese spezielle Scheibe bekommt einen Ehrenplatz.

Ein Kommentar

Eingeordnet unter FATE, Pen & Paper, Supernatural

Eine Antwort zu “Supernatural – Save the Colony

  1. Ein interessanter Beitrag.
    Liebe Gruesse
    Monika

    Gefällt mir

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