Tanelorn-Wintertreffen 2018: Kurzbericht

Zuletzt war ich im Sommer 2016 zum Tanelorn-Treffen auf der Burg Hessenstein, weil diese letztes Jahr umgebaut wurde. Nachdem das Wintertreffen 2017 also alternativ auf Gut Dankerode stattfand und wir zum Sommertreffen verhindert waren, war ich jetzt sehr gespannt auf die Veränderungen durch den Umbau.

Donnerstag Abend: Umsehen und Unterhalten

Wie so oft, kamen wir gegen 17 Uhr an unserem Ziel an, so dass mit Auspacken, Bettenbeziehen und Hallosagen gar nicht viel Zeit bis zum Abendessen war. Den Abend danach verbrachte ich mit einem kurzen Rundgang durch die umgebaute Burg und anschließend mit entspanntem Unterhalten.

An den Jugendherbergszimmern hat sich in Sachen Größe und Einrichtung nichts verändert, aber die Gemeinschaftswaschräume, die es auf jedem Flur gab, wurden in Zimmer umgewandelt und dafür jedem Zimmer ein eigenes Bad gegönnt. Ein früherer kleiner Tagungsraum im Erdgeschoss beherbergt jetzt das Büro, und auch im ersten Stock wurden die Tagungsräume etwas umorganisiert. Dabei ist leider das Kaminzimmer mit seinen Sofas und Sesseln, das uns früher zwischendrin und abends als hauptsächlicher Aufenthaltsraum diente, zu einem ganz normalen und ziemlich ungemütlichen Gruppenzimmer mit vielen Vierertischen mutiert, und das einzige Sofa steht inzwischen im Teezimmer, das jetzt offiziell „Bücherstube“ heißt. Stattdessen dienen jetzt die drei Sessel in der Lobby, zusammen mit zahlreichen Stühlen aus der ehemaligen „Drachengruft“, jetzt „Wappenstube“, gewissermaßen als Kaminzimmerersatz und neuer Ort zum Sitzen und Labern nach dem Spielen.

Freitag Mittag: Blind Date-RPG

Bei der DZ-Con 2017 gab es zum ersten Mal eine Blind-Date-RPG-Aktion, und die Idee, eine Reihe von Spielleitern etwas vorbereiten zu lassen, von dem niemand wusste, was es sein würde, und dann die Spieler in die Gruppen zu losen, verpflanzte Niniane letzten Sommer gleich auf das Tanelorn-Treffen. Da war ich zwar, wie oben erwähnt, nicht dabei, aber jetzt wollte ich auf jeden Fall mitmachen. Anders als beim Blind Date auf der DZ-Con, wo es 10 Runden gab, wurden hier nur drei Runden gespielt (eine vierte musste wegen Krankheit des dafür angemeldeten Spielleiters ausfallen). Wie ich später erfuhr, gab es neben der Gruppe, in der ich war, außerdem eine Runde „Tails of Equestria“ und eine Runde mit einem vom SL der Session selbst ausgearbeiteten Apocalypse-Hack für Star Trek. Die Gruppe, in die ich hineingelost wurde, spielte ausgerechnet bei meinem eigenen Freund – aber der hatte sich wegen genau dieser Möglichkeit beim Vorbereiten absichtlich bedeckt gehalten, so dass ich ganz unbeschwert und ungespoilert mitspielen konnte.

Es gab eine sehr coole Runde mit Through the Breach. Dieses Rollenspiel, das in derselben Welt angesiedelt ist wie der Tabletop-Skirmisher Malifaux, vereint Steampunk mit einem viktorianischen Setting, Weird West-Elementen à la Deadlands und Magie. Wir spielten einen kleinen, knackigen One-Shot, bei dem die Charaktere einen aus einem Irrenhaus verschwundenen Insassen finden mussten. Die Regeln nutzen Karten statt Würfel, indem der Wert einer gezogenen Karte auf die jeweilige Fertigkeit gerechnet wird, was ungefähr der Verwendung eines W12 entspricht und ausgezeichnet funktioniert. Die Zeichnungen im Regelwerk sind auch wunderhübsch, und ich könnte mir durchaus vorstellen, Through the Breach noch öfter zu spielen, weil es mir richtig gut gefallen hat.

Freitag Abend: Candlewick Manor

Für den Freitag Abend hatte ich mich zu „The Dreadful Secrets of Candlewick Manor“ bei Hotzenplot eingetragen. Bei diesem Spiel verkörpert man etwas seltsame und durchaus gruselige Waisenkinder, die im ländlichen England der 1920er Jahre in ein neues Waisenhaus kommen und dort sowie im angrenzenden Städtchen eine große und sehr liebevoll und detailliert ausgearbeitete Sandbox erforschen können. Da ich die One Roll Engine, die in dem Spiel zum Einsatz kommt, ohnehin schon immer mal ausprobieren wollte und außerdem die Gruppenzusammensetzung mit Nocturama und Sashael ganz großartig fand, freute ich mich sehr auf die Runde. Und tatsächlich machte die Session, bei der wir im Waisenhaus umherstreiften und ein paar der Seltsamkeiten in der Stadt auf die Spur kamen, sehr, sehr großen Spaß.

Samstag Mittag: Coriolis

Am Samstag Mittag hätte eigentlich eine Spaßrunde namens „Mean Disney Girls vs. Disney Princesses – die Abrechnung“ stattfinden sollen, bei der wir, ebenfalls von Hotzenplot geleitet, alle Disney-Schurkinnen gespielt hätten. Ich selbst hätte für die Runde mit Lieutenant Helga Sinclair aus Disneys Atlantis geliebäugelt, und Meara wäre sicherlich eine unglaublich tolle böse Königin geworden, aber die beiden potentiellen anderen Mitspieler mussten das Treffen absagen, und somit fiel die Runde ins Wasser.

Also musste ich mir Ersatz suchen und fand glücklicherweise noch ein Plätzchen in der Coriolis-Runde, die YY in diesem Slot anbot. Mit Science Fiction bzw. Space Opera kriegt man mich ja immer, und die Prämisse von „1001 Nacht in Space“, sprich orientalisch angehauchter Space Opera, gefiel mir auch sehr gut. Das Abenteuer, bei dem es darum ging, dass unsere unabhängige Schiffsbesatzung Marke Firefly einen verschwundenen Archäologen finden sollte, war ein klassischer One-Shot und gefiel mir sehr gut, aber am Ende entschieden wir uns, den zweiten Akt in der uns verbleibenden Stunde nicht noch schnell hintendran zu flanschen, sondern die Sitzung mit einem epischen Cliffhanger zu beenden und beim nächsten bzw. übernächsten Treffen fertigzuspielen. Das System mit einem großen Pool aus W6 funktioniert auch ziemlich gut und ist leicht eingängig. Interessant ist, dass nur 6er als Erfolg gelten, man aber jederzeit nachwürfeln darf, um weitere Erfolge zu sammeln – dafür bekommt allerdings der Spielleiter Gummipunkte, die dann für bestimmte Aktionen (z.B. Initiative an sich reißen, Verstärkung rufen, etc. pp.) gegen die Spieler verwendet werden können. Das ist tatsächlich auch so einkalkuliert, dass die Spieler oft und gerne ihre Würfe aufbessern und der SL auf diese Weise an Dark Points kommt, denn ohne den freien Fluss dieser Punkte würde doch ein gewisser Pep durchaus fehlen und würden die Kämpfe sich vermutlich länger und uninspirierter hinziehen.

Samstag Abend: Itras By

Üblicherweise bereite ich für Itras By ja nie so übermäßig viel vor, sondern nehme meist einen relativ groben Plot Hook, lasse den auf meine Spieler los und schaue mal, was sich so entwickelt; mit anderen Worten: Ich improvisiere, was das Zeug hält. In das Abenteuer, das ich am Samstag abend leitete, steckte ich aber etwas mehr Gehirnschmalz als sonst, vor allem, weil ich diesmal einen etwas anderen Ansatz verfolgte.

Wenn ich nicht gerade das Einführungsabenteuer „Nummer 13“ mit seinen vorgefertigten Charakteren leite, frage ich eigentlich immer meine Spieler, nach was ihnen denn so ist bzw. was das verbindende Element für ihre Charaktere sein soll, und stricke daraus dann ein Abenteuer. Bisher waren diese Abenteuer eher auf das verbindende Element („Künstlersalon“, „am Filmset“, „Nachrichtencrew“) abgestimmt und weniger auf die Charaktere, die die Spieler sich daraufhin ausdachten, selbst. Diesmal allerdings luden die Charakterkonzepte, die meine Spieler im Vorfeld posteten, auf geradezu perfekte Weise dazu ein, die Charaktere alle miteinander zu verknüpfen und das Abenteuer ganz gezielt auf genau diese Charaktere abzustimmen statt nur auf den Ort.

Schon beim ersten Lesen kamen mir Ideen, wie bestimmte Elemente des einen Charakters zu Elementen eines anderen Charakters passten, und nach tatkräftiger Hilfe durch Bob Morane als Plotdoktor standen am Ende wirklich alle Charaktere mit dem zu lösenden Fall (die Spieler hatten sich eine stürmische Nacht, eine verrauchte Jazzkneipe und generelles Noir-Feeling gewünscht) in Verbindung. Die Session selbst machte viel Spaß, auch wenn ich zwischendrin eine kurze Pause benötigte, weil ich ein Element eines Charakters anders verstanden hatte, als es von Seiten der Spielerin gemeint war, und ich kurzfristig umdisponieren musste, nach kurzer Denkpause auf der Toilette aber auf eine zufriedenstellende Lösung für das Dilemma kam. Das Ende war insofern interessant, als dass die Oneshot-Handlung zwar abgeschlossen und zur Zufriedenheit aller gelöst war, es sich aber trotzdem so anfühlte, als könnte das jetzt der Beginn einer längeren Kampagne sein: gewissermaßen das in sich abgeschlossene Ende eines Pilotfilms, dem jetzt aber eine Serie folgen kann. Diesen Effekt hatte ich bei Itras By bisher noch nicht: So sehr ich das Setting liebe und so gerne ich die unterschiedlichsten One-Shots darin leite, so schwer fiel es mir doch bisher, mir ein wirkliches Kampagnenspiel in dieser Welt vorzustellen.

Aus der gestrigen Session wird jetzt keine regelmäßige Runde werden – das war und bleibt ein reiner One-Shot, aber ich finde es doch sehr schön, dass ich jetzt zumindest eine Idee habe, wie eine Kampagne in Itras By vielleicht irgendwann einmal laufen könnte.

Und es freut mich sehr, dass gerade Saffron, die vor dem Treffen etwas zum Mitspielen überredet werden musste, weil das surrealistische Setting ihr suspekt war, zufrieden mit der Session war – ebenso, wie es mich generell natürlich extrem freut, das die Runde auch bei den anderen Mitspielern gut ankam.

Fazit

Es war wieder mal ein tolles Treffen, und ich habe in vier Slots tatsächlich mit einigen komplett neuen Leuten, mit denen ich noch nie zuvor eine Runde hatte, und vor allem drei Systeme gespielt, die ich noch gar nicht kannte. Oder zumindest dachte ich das – bei Candlewick Manor fiel mir auf, dass ich doch schon mal irgendwas mit der One Roll Engine gespielt haben muss, denn beim Würfeln des  W10-Würfelpools mit der Zusammenstellung von „hohen“ und „breiten“ Würfen hatte ich ein massives Déjà Vu. Da ich aber keinerlei Ahnung mehr habe, wann und wo das gewesen sein könnte, werte ich das jetzt einfach trotzdem als ’neu‘. So.

Jedenfalls hatte ich sehr viel Spaß und freue mich schon sehr auf die nächsten Treffen, auch wenn wir im Sommer leider nicht dabei sein können, weil der Termin ungünstig liegt. Aber dafür gibt es ja schon im Mai die nächste DZ-Con.

9 Kommentare

Eingeordnet unter Pen & Paper, Rollenspiel-Sonstiges, Tanelorn-Treffen

9 Antworten zu “Tanelorn-Wintertreffen 2018: Kurzbericht

  1. Hi Timber, dieser Kommentar soll dir mitteilen, dass du von mir mit dem Mystery Blogger Award (einer von diesen Kettenbrief-Blogbeiträgen) ausgezeichnet wurdest! Wenn du magst, darfst du gerne mitmachen. Alle Infos findest du auf meinem Beitrag dazu: https://michaelaschreibt.wordpress.com/2018/03/02/mystery-blogger-award/
    Viele Grüße
    Michaela

    Gefällt 1 Person

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