52. MuRoCo: Kurzbericht

Nachdem wir ja letzten November nach langer Pause wieder einmal auf dem MuRoCo, dem „Mutterstädter Rollenspiel-Convent“, waren und dort sehr viel Spaß hatten, war die Frühjahrsausgabe der zweimal im Jahr abgehaltenen Veranstaltung letztes Wochenende auch wieder fällig. Diesmal gab es auch keine Verwirrung beim Eingang-Finden am Samstag abend – aber dafür verfuhr ich mich unterwegs, weil ich dachte, diesmal brauche ich kein Navi und kenne den Weg wieder, dann aber doch einmal falsch abbog und einen Umweg machen musste. Aber alles halb so wild – um ca. 20 Uhr war ich vor Ort.

Samstag: Quatschen und Charakterbau

Knörzbot und die anderen hatten sich schon nachmittags getroffen und Brettspiele gespielt – jetzt überlegten wir, was wir spielen sollten. Ursprünglich hatte sich ein Bekannter eine Runde Hellfrost gewünscht, und Knörzbot hatte dafür auch etwas vorbereitet, aber dieser Bekannte wurde dann kurzfristig krank und konnte nicht teilnehmen, und das Abenteuer gerade ohne ihn zu spielen, wäre auch doof gewesen, auch wenn unter den Com-Besuchern schnell Ersatz für den Erkrankten gefunden war. Ein anderer Bekannter bot aber spontan an, selbst etwas leiten zu können, am liebsten ebenfalls mit Savage Worlds, und warf diverse Settings – Necropolis, Rifts oder Rippers – in den Raum. Vom Rifts als Multi-Genre-Setting hatte ich schon viel gehört, unter anderem allerdings auch, dass die Originalregeln von Palladium ziemlich sperrig seien. Aber das Setting an sich hörte sich sehr spaßig an, und mit Savage Worlds, das ja ohnehin eines meiner Leib- und Magensysteme ist, wollten wir das durchaus alle gerne mal ausprobieren.

Der Samstag abend verging also damit, dass nach etwas Zeit mit allgemeinem Smalltalk der SL ein bisschen mehr über das Setting erzählte und wir dann die Charaktere bauten.
Savage Rifts bildet alle im Original vorhandenen Charaktergruppen und -klassen ebenfalls ab und spiegelt auch sonst die Originalregeln ziemlich gut wider, soweit ich das vom reinen Hörensagen beurteilen kann, ohne das Original zu kennen. So wird beispielsweise die für Rifts typische „Mega Damage“ durch die in Savage Worlds ohnehin bereits vorhandenen Regeln für „Heavy Damage“ dargestellt.

Die gewöhnliche Savage Worlds-Charaktererschaffung, bei der man 5 Attributspunkte und 15 Skillpunkte verteilt sowie Talente und Handicaps wählt, wird bei Savage Rifts um zwei Schritte ergänzt – oder besser, werden der gewöhnlichen SaWo-Charaktererschaffung diese zwei Schritte vorangestellt. So wählt man zuerst eine der Charakterklassen aus (in meinem Falle ein Juicer aus der Charaktergruppe „Men of Arms“), die bereits einige Werte und Talente, aber auch klassenbasierte Handicaps besitzen. Falls der Charakter kein Mensch ist, kommen (wie bei Savage Worlds ohnehin üblich) dann auch noch eigene Rassen-Modifikatoren hinzu.

Der zweite zusätzliche Schritt ist das Auswürfeln einer Vorgeschichte – wie ist der Charakter zu der Organisation gekommen, für die man arbeitet? – sowie einiger Vorkenntnisse, für die es unterschiedliche Tabellen gibt. So durfte ich für meinen Juicer beispielsweise 5x würfeln – 2 Würfe waren auf beliebige Tabellen, die drei anderen Würfe mussten aus einer enger gefassten Auswahl von kampfbezogenen Tabellen stattfinden.
Für all diese Würfe verwendet man einen W20, und dabei kommen dann ganz unterschiedliche Ausrüstungsgegenstände, Fertigkeiten oder Vorteile heraus, die der Charakter in seiner Vergangenheit erworben hat.

Interessant ist, dass im Vergleich zum Original-Rifts auch die „M.A.R.S.“-Charaktere, also „Mercenaries  (oder Medics?), Adventurers, Rogues and Scholars“, die im ursprünglichen Palladium-System deutlich schwächer dastehen als die Kämpfer oder die Magierklassen, bei Savage Worlds aufgewertet werden und mithalten können. Denn bei Savage Rifts werden die M.A.R.S.-Charaktere als „Seasoned“ gebaut, haben also also im Vergleich zu den anderen Archetypen 4 Erfahrungsaufstiege zusätzlich zur Verfügung, was sie in ihrer Kompetenz an die anderen Klassen heranbringt.

Mit der Settingbeschreibung, der Auswahl der gewünschten Charakterklassen (neben meinem menschlichen Juicer hatten wir noch einen menschlichen Techno Wizard, einen menschlichen Mind Melter sowie einen Psi Stalker-Wilderness Scout), dem Auswürfeln der Vorgeschichte und dem eigentlichen Charakterbau wurde es so spät, dass es sich nicht mehr lohnte, am Samstag abend noch mit dem Spielen zu beginnen, und so verabredeten wir uns für Sonntag mittag und brachen gegen 01:45 aus Mutterstadt auf.

Sonntag: Spielspaß und Kauffrust

Am nächsten Tag schliefen wir gemütlich aus und trafen uns dann wie geplant um 12:00 Uhr. Bevor es losging, stöberten wir noch ein bisschen am Verkaufsstand des örtlichen Rollenspielladens, wo ich einen Miniaturen-Halter sah, der mich sehr reizte. Da der Stand aber gerade nicht besetzt war und wir losspielen wollten, beschloss ich, später nochmal wiederzukommen und mir den Miniaturenhalter dann zu kaufen.

Kurzfristig stieß noch ein weiterer Mitspieler zu uns, der uns da sitzen sah und merkte, dass wir gerade dabei waren, anfangen zu wollen. Er durfte gerne noch mitmachen, wählte aber aus einer Reihe vorgefertigter Charaktere einen Cyborg, da keine Zeit für einen komplett neuen Charakterbau mehr war.

Das Szenario selbst war sehr witzig. Ziemlich un-riftsig, wenn ich den Mitspielern, die das Setting schon kannten, glauben darf, aber das störte mich nicht; ich fand es riftsig genug. Bei Savage Rifts arbeiten alle Charaktere für eine vergleichsweise neue Fraktion, die „Tomorrow Legion“, die unabhängige Teams (sprich: die Spielgruppen) losschickt, um in der kaputten Welt von Rifts unabhängig von irgendwelchen rigiden militärischen Strukturen Gutes zu tun. In diesem Fall kam unsere Gruppe in einen Ort, wo einige Leute an unbekannten Symptomen erkrankt bzw. gestorben sind – nach dem Genuss eines überbackenen Fischauflaufs, wie es schien – , und wir nachforschen wollten. Da je ein Angehöriger unterschiedlicher Fraktionen betroffen war (ein Vertreter unserer eigenen ‚Tomorrow Legion‘, der das unabhängige Städtchen dazu bringen sollte, sich der Legion anzuschließen; die Bibliothekarin, ein Mitglied des Ältestenrates der Stadt, die viel mit dem Verbrechersyndikat ‚Black Market‘ zu tun hatte, sowie ein Vertreter der faschistischen ‚Coalition States‘, der die Stadt enger an die CS bzw. eine ihrer Forschungsstationen binden wollte), vermuten die Charaktere falsches Spiel bzw. dass hier irgendjemand nicht will, dass der Status Quo sich ändert, und forschen nach. Sie folgen diversen Spuren, reden mit Leuten, und es stellt sich heraus, dass die im vorigen Satz erwähnte Forschungsstation illegal – oder was heißt ‚illegal‘, immerhin redden wir von der Coalition, und nach den Gesetzen der Coalition war das vermutlich gar nicht illegal – an so genannten Dog Boys (das sind intelligente, aus Hunden und Menschen gezüchtete Hyridwesen) forscht, und zwar züchten sie mit weiblichen Dog Boys (Dog Girls?), die normalerweise steril gehalten werden, weil eben keine natürliche Fortpflanzung von Dog Boys gewünscht ist.

Wir hatten vorher gesagt, dass wir gerne das Setting kennenlernen würden, aber gerne keinen völlig albernen Klamauk hätten, und das Abenteuer bildete diese Wünsche unsererseits wirklich prima ab. Trotzdem kann man ein derart abgedrehtes Setting wie Rifts nicht völlig ernsthaft spielen, und natürlich kam es zu jeder Menge Wortspielerei und Situationskomik.

So fanden wir irgendwann Unterlagen, die zum ersten Mal auf diese CS-Forschungsstation hindeuteten, und darauf, dass vor kurzem daraus… etwas… verschwunden war. Bei diesem ‚Etwas‘ suchte der SL aber nach einem Wort, als wir fragten, ob aus dem Dokument hervorginge, ob das Verschwundene Gegenstände oder Leute gewesen seien, und daraufhin entspann sich der folgende Dialog:
SL: „Weiß jemand einen schönen englischen Begriff, der erstens halbwegs militärisch klingt und sich zweitens in bezug auf das, was da genau verschwunden ist, möglichst vieldeutig interpretieren lässt?“
Timber: „»Assets« vielleicht?“
SL: „»Assets« ist gut – damit halte ich mir ein paar mögliche red herrings offen… oder sind es vielleicht gar keine red herrings?“
Launiger Kommentar der Gruppe: „Fischauflauf aus roten Heringen?“

Etwas später dann durchsuchen die Charaktere, um Informationen über die ja ebenfalls vergiftete Bibliothekarin zu finden, die Bibliothek. Dort findet sich neben Büchern auch eine Sammlung von Micro-Fiches.
Launiger Kommentar der Gruppe: „Überbackene Mikrofische?“

Und überhaupt launige Kommentare: ‚Refraktion‘. Das war irgendwie der Running Gag dieser Runde. Den Begriff ‚Refraktionsstrahlung‘ (oder sonst irgendwas mit ‚Refraktion‘) hatte der SL am Samstag abend bei seiner Setting-Beschreibung spontan als Besipiel für riftsigen Technobabble in den Raum geworfen. Und dieses Wort griffen wir dann auf und würzten schon den Charakterbau, aber auch die sonntägliche Session, mit der unterschiedlichsten Refraktionstechnik. Was hatten wir da nicht alles… Ich bekomme garantiert nicht mehr alles zusammen. Aber ich meine, mindestens einmal wurde ‚Refraktionsband‘ (vieeeel stärker als Panzertape) angewendet, spähte unser Mind Melter häufiger mal durch seine Refraktionsbrille (er hatte beim Festlegen der Vorgeschichte eine magietechnische Brille erwürfelt, die er natürlich gleich so benannte) und knackte mein dank Vorgeschichte in Diebesdingen bewanderter Juicer einen Safe mit seinen Refraktionsdietrichen.

Das Spielen machte so viel Spaß, dass ich gar nicht mehr an den Miniaturenhalter dachte, den ich hatte kaufen wollen. Und wie sagt man so schön: Wer zu spät kommt, den bestraft das Leben. Als er mir gegen 15:30 doch wieder einfiel und ich zum Verkaufsstand eilte, war das letzte der drei vom Verkäufer mitgebrachten Exemplare gerade vor einer Minute an jemand anderen verkauft worden. Oh noes! So ein Ärger! Immerhin sagte der Verkäufer mir zu, dass im Laden selbst noch ca. 10 von den Dingern vorrätig seien – ich müsste also einfach nur vorbeikommen und könnte noch eines haben. Ja… schon… aber ich habe doch so wenig Zeit und sah mich da in nächster Zeit noch nicht so bald hingehen. Entsprechend war ich ein klein bisschen geknickt, als ich an den Spieltisch zurückkehrte, aber das gab sich bald wieder, einfach weil die Session eben so viel Spaß machte.

Um 17:00 Uhr waren wir mit dem Abenteuer noch nicht durch, unterbrachen aber kurz für die Tombola. Dort werden traditionell immer ganz unterschiedliche Dinge verlost, darunter auch immer ein paar Gutscheine für den örtlichen Spieleladen. Und diesmal wurde tatsächlich Knörzbots Nummer gezogen: nicht für den Hauptgewinn, aber immerhin für einen 10 €-Gutschein. Und dann zog er doch tatsächlich ein paar Tage später los und löste den gewonnenen Gutschein nicht nur gegen Würfel für sich selbst, sondern vor allem gegen den Miniaturen-Halter für mich ein. Hach. Ich schmolz gelinde gesagt ein bisschen dahin.

Aber erst einmal spielten wir auf der Con selbst nach Beendigung der Tombola noch ein bisschen weiter, bis die Pforten des Jugendtreffs um 18:00 Uhr dicht machen sollten. Bis dahin hatten wir die Hintergründe der großen Fischvergiftung aufgedeckt und ein paar Leute konfrontiert, zum großen Endkampf™ kamen wir aber nicht mehr, sondern wickelten den dann nur noch schnell erzählerisch ab, weil wir die Organisatoren und Aufräumer der Con nicht übermäßig aufhalten wollten. Aber trotz des gehandwedelten Endes war das Abenteuer sehr spaßig – Savage Rifts spiele ich bei Gelegenheit sicherlich gerne nochmal.

Oh – und wie das von mir in meinem letzten Bericht über die Con gezeigte MuRoCo-Maskottchen heißt, weiß ich jetzt auch. Das ist der Murockl.

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