Miami Files – Turn Coat 4

07. September

Mierda. Was für ein einziges, langes Ablenkungsmanöver. Jemand plant etwas und will uns nicht dabei haben. Nur hat die Tatsache, dass wir das Ablenkungsmanöver als solches erkannt haben, uns leider kein Stück dabei geholfen, es zu vermeiden.

Bei mir fing es heute früh damit an, dass Pan mich zu sich rief. Wir hatten uns eigentlich gerade getroffen, um die nächsten Schritte zu planen, aber einem Ruf meines Herzogs konnte ich mich natürlich nicht widersetzen. Pan war sehr besorgt wegen dieses Sturms, weil es ein Hurrikan ist, der nicht von ihm und Tanit ausgelöst wurde. Natürlich stehe es ihr frei zu tun, was sie wolle, aber wenn von einer Seite wirklich Tanit involviert war, dann musste auf der anderen Seite eine Sommerfee von ähnlicher Macht wie, oder noch größerer Macht als Pan stehen.
All meine Versuche, ihm zu erklären, dass solche Stürme ja nicht immer von einem Stelldichein zwischen Sommer und Winter ausgelöst werden müssten, wollte er nicht so recht glauben.
Mit anderen Worten, ich hatte alle Hände voll zu tun, Pan zu beruhigen, und es dauerte den ganzen Tag, bevor ich wegkam.

Den anderen war es aber auch nicht viel besser ergangen: Alex hatte den Tag über ebenfalls Beruhigungsarbeit geleistet, und zwar bei den kleineren Machtnutzern der Stadt, die durch die Morde in ihren Reihen zutiefst verängstigt sind.

Roberto wollte ein Ritual abhalten, um nach Enid zu suchen, wurde aber in seinen Anstrengungen davon behindert, dass sein Pendel um einen bestimmten Bereich herumschwenkte, als werde es von seinem eigentlichen Ziel abgelenkt. Spencer Declans Haus, vermuteten die Jungs, und vermutlich wusste Declan auch, dass da ein Suchzauber gewirkt worden war.

Und natürlich gingen die Ablenkungsmanöver lustig weiter: Auf dem Weg zu Declan, wo Roberto das Haus des Wardens überwachen wollte, wurde er von Angehörigen der Santo Shango auf Motorrädern verfolgt, was zu jeder Menge Zeitverzögerung und einem Autounfall führte. Und als er seine Verfolger dann doch endlich los war, hatte er große Schwierigkeiten, in Declans Straße zu kommen – ganz so, als sei diese verschleiert worden.

Totilas hatte indessen seine eigenen Probleme: Vor dem Hotel Marbella war die Polizei mit einem Großaufgebot angerückt, um die Räumlichkeiten der Raiths zu durchsuchen. Vin Raith wurde verhaftet, Totilas zur Vernehmung auf das Revier geladen, wollte aber ohne seinen Anwalt Marshal nichts aussagen. Auf dem Revier war es für Marshal viel zu einfach, Vin freizubekommen, aber das Verhör gegen Totilas wurde überdeutlich einzig und allein auf Zeit geführt. Sobald die beiden Raiths das erkannten beschlossen sie in einer kurzen Pause, in der sie für einen Moment alleine gelassen wurden, die beiden Beamten zu verführen und das Verhör auf diese Weise zu beenden – ließen es aber so aussehen, als seien sie umgekehrt von den Polizisten verführt worden. Sobald Marshal mit einer Klage wegen sexueller Nötigung drohte, wurden die beiden sehr schnell entlassen.

Das Ablenkungsmanöver, das auf Edward wartete, war das bösartigste. Er bekam einen Anruf von Henry Smith, dass die Evakuierungsmaßnahmen im Hafen von Windgeistern oder etwas in der Art angegriffen würden. Natürlich fuhr Edward hin, aber als er gerade am Hafen eintraf, rief Henry wieder an und warnte ihn mit einem „Ich kann das nicht. Hau ab! Verschwinde! Ich kann das nicht!“, während aus den umliegenden Gebäuden bereits eine ganze Meute an Rotvampiren strömte. Auch eine Gestalt mit überlangen Armen, Händen und Hals war dabei, und vor allem hatte die Gestalt zwei Augenpaare, war also auch einer von diesen Denariern! In diesem Moment hatte Edward keine Zeit, darüber nachzudenken, aber als er uns erzählte, was passiert war, fiel ihm auf, dass der Denarier ein bisschen Ähnlichkeit mit Pater Donovan gehabt hatte.
Das war zugegebenermaßen ein gewisser Schock für mich – nicht, weil wir nicht vorher schon misstrauisch gegenüber dem Pater gewesen waren, denn das waren wir ja. Aber die Verbindung eines Kirchenmannes zu einem Dämon, auch und gerade im Zusammenhang mit den 30 Silbermünzen, mit denen Jesus verraten worden war, erschien mir irgendwie besonders perfide.
Edward erkannte, dass er gegen die Vampire und den Denarier in der Unterzahl war, und trat den Rückzug an, musste sich aber während der Fahrt eine wilde Prügelei mit zweien der Vampire liefern, die ihm auf die Kühlerhaube gesprungen waren. Sobald er die beiden Red Courts losgeworden war, versuchte er, Henry anzurufen, konnte ihn aber nicht erreichen. Also fuhr er zu seinem Untergebenen nach Hause und fand den beim hektischen Beladen seines Autos. Von Edward zur Rede gestellt, gestand Henry, dass er schon vor langer Zeit ein Abkommen mit den Rotvampiren geschlossen hatte: Er belieferte sie mit Informationen, dafür halfen sie ihm, zum Beispiel auch, indem sie die Beweise gegen Edward verschwinden ließen, als Internal Affairs gegen ihn ermittelte. Diesmal allerdings hätte der Rote Hof Edward endgültig loswerden wollen und ihn deswegen durch Henry in eine Falle locken lassen. Nachdem er ihn wütend verprügelt hatte, ließ Edward Henry daraufhin laufen.

Die Jungs hatten sich gerade wieder getroffen – ich selbst hing immer noch bei Pan fest – da bekamen sie einen Anruf von Bob dem Troll, der aufgeregt erzählte, dass in der Kommune etwas explodiert sei und es bei Byron brenne.
Als sie bei der Kommune ankamen, war der Kampf zwischen einigen Angehörigen der Kommune, allen voran Bob, und den Rotvampiren mitten im Gange. Byrons Wohnwagen brannte lichterloh. Natürlich griffen die Jungs ein, und gemeinsam gelang es ihnen, die Rotvampire und die letzte Warden-Padawan, die mit Feuermagie um sich warf, auszuschalten. Die Feuer-Magierin explodierte in einem Feuerschwall, als Totilas sie schwer verletzte, und er sagte zu uns, er frage sich jetzt, ob sie ihn vielleicht mit ihrem Todesfluch belegt hat. Puuuh. Hoffen wir es mal nicht.
Byrons Wohnwagen war abgebrannt, aber er selbst war zum Glück gar nicht da. Er war wohl vor Ausbruch des Kampfes losgefahren, um Scarlet von einem Baum in dem Industriegebiet zu retten, wo damals die Frostgnome Joelles Hochzeitspost gefunden und ihr Hauptquartier in dem alten Kühlhaus aufgeschlagen hatten.

Als die Jungs dort ankamen, fanden sie Scarlet verängstigt auf dem Baum sitzend, Byron erschöpft und verletzt darunter, um ihn herum eine ganze Reihe von toten Rotvampiren. Byrons Wunden waren ihm von dem Raben-Denarier beigebracht worden; das Wesen sei aber weggeflogen, als Byron alle Vampire erledigt hatte.

Indessen kam ich auch wieder zu den Jungs, und wir brachten uns gegenseitig auf Stand.

Aber als ob das noch nicht genug Ärger gewesen wäre, bekam Edward einen Anruf, in dem man ihm mitteilte, dass in der Ermita de la Caridad deren Kirchenorgel gestohlen worden sei – spurlos, ohne jedes Anzeichen von Schleif- oder Tragespuren oder dergleichen. Magie, mit anderen Worten, auch wenn das Wort in dem Telefonat natürlich nicht fiel. Mierda. Aber jetzt wissen wir wenigstens, was die ganzen Ablenkungen sollten.

Nachdem Edward diesen Anruf bekommen hatte, fuhren wir zu den Orunmila, um mit Macaria Grijalva über die Situation zu reden. Wir erzählten ihr davon, dass zwei Denarier in die Situation verwickelt sind und dass Spencer Declan jede Sekunde losschlagen kann, jetzt wo es ihm gelungen ist, die Orgel aus der Ermita zu entwenden.
Macaria erklärte, sie – also die Orunmila – müssten trotzdem zuerst mit Thutmoses Elder sprechen, bevor sie sich um irgendetwas anderes kümmern könnten. Nun gut, wir haben auch keinerlei Ahnung, wo Declan und die Orgel gerade sind, und bei diesem Gespräch zwischen Orunmila und Elders sollten wir vielleicht besser anwesend sein.

Mit den Orunmila vor Ort war die Stimmung in der Waystation entsprechend angespannt. Wir setzten uns in die Mitte des Raumes auf einen neutralen Platz, um dort genau wie die Orunmila auf Thutmoses zu warten.
Und da sitzen wir jetzt, denn Thutmoses Elder lässt sich Zeit. Aber das ist gar nicht so schlecht, so hatte ich Zeit, das alles aufzuschreiben.

Unterwegs bekam Alex übrigens per SMS einen Hinweis von seinem Kontakt bei den Santo Shango, dass die ebenfalls etwas planen und bald losschlagen wollen. Natürlich planen sie auch etwas und schlagen bald los. Es muss ja immer gleich alles auf einmal passieren.

Apropos alles auf einmal passieren. Da fahren Autos vor. Das sieht mir endlich nach Thutmoses Elder aus.

08. September

Gestern kam ich beim besten Willen nicht mehr zum Schreiben. Ich war einfach zu erledigt, als ich endlich nach Hause kam. Die wichtigste Neuigkeit: Wir sind alle noch am Leben und alle größtenteils unverletzt. Aber der Reihe nach.

Es war tatsächlich Thutmoses Elder, der seinen Auftritt mit einem größeren Gefolge aus Elders garnierte. Wie nicht anders zu erwarten, ging es zwischen den beiden Parteien unter gehörigen Spannungen eine ganze Weile hin und her. Thutmoses Elder beharrte darauf, nichts von einem Angriff auf die vorige Abordnung der Orunmila in den Sümpfen zu wissen; die Orunmila machten den Elders Vorwürfe und umgekehrt, und die Stimmung wurde immer gereizter – bis Oswaldo urplötzlich einen der Elders angriff. Er wollte es so aussehen lassen, als sei er provoziert worden, aber irgendwie war uns – vielleicht weil wir das Ganze aus neutralem Abstand beobachteten – klar, dass er nur auf die Gelegenheit gelauert hatte.

Die Atmosphäre in der Waystation war aufgeheizt genug, dass sofort ein heftiger Kampf ausbrach. Die Elders verwandelten sich in Krokodile, und die Orunmila packten ihre Magie aus, aber die Santerios waren deutlich in der Minderheit und traten die Flucht an. Wir hatten keinerlei Interesse daran, uns in diesen Konflikt einzumischen, und zogen uns ebenfalls zurück. Weil die Eingangstür einen viel zu engen Flaschenhals darstellte, schlug Totilas einfach die Rückwand ein, in deren Nähe wir saßen – dünn genug waren die Bretter, die als Sturmschutz dienten, allemal dafür. Sobald sie sahen, dass da ein breiterer Ausgang geöffnet worden war, folgten die meisten Orunmila uns durch diese größere Öffnung ins Freie.

Draußen war die Situation aber auch nicht viel besser, denn plötzlich tauchte da auch eine ganze Rotte Rotvampire auf, und es entbrannte jetzt ein wilder Kampf zwischen den drei Fraktionen.
Aber dieser Angriff sollte doch bestimmt auch eine Ablenkung sein, weil Declan und seine Leute jetzt das Tranquilidad-Ritual beginnen wollten. Ganz abgesehen davon, dass wir in dieser Auseinandersetzung ohnehin nicht groß etwas hätten ausrichten können, war das der viel wichtigere Grund, warum wir uns unauffällig in einem Boot absetzten, um nach dem Ort des Rituals zu suchen. Ein paar Rotvampire folgten uns, aber wir konnten sie abhängen.

Wir wussten ja noch immer Enids wahren Namen, also führte Edward sein eigenes kleines Ritual durch, um sie darüber zu finden. Das klappte auch tatsächlich, und Edward wurde in eine bestimmte Richtung gezogen. Zur Sicherheit legte ich Jade ab, die ich ja meistens in Füllerform bei mir trage – denn wenn wir in den Bereich kämen, wo die Sinfonia de la Tranquilidad alle Magie unterdrückte, würde auch der Verwandlungszauber auf Jade enden, und ich wollte sie nur ungern in der Hemdtasche tragen, wenn sie wieder zu einem Schwert würde. Aber wenn sie wieder zu einem Schwert würde, wäre das auch auf der Hinweis darauf, dass wir in den Einflussbereich der Sinfonia kommen würden.

Als Edwards Verbindung zu Enid mit einem Mal abbrach, wussten wir, dass das Ritual begonnen hatte. Aber sie hatte sich längere Zeit nicht bewegt, und das würde sie auch nicht, solange Enid spielte, also wussten wir immer noch ungefähr, wo unser Ziel lag. Irgendwann hörten wir dann auch die Musik selbst und konnten der folgen. Das war auch der Moment, in dem wir dem magieunterdrückenden Feld ausgesetzt waren und Jade sich von einem Füllfederhalter zurück in ein Schwert verwandelte – allerdings nicht in die grünlich-goldene Klinge, als die ich sie normalerweise kenne, sondern als ein gewöhnliches, sehr deutlich unmagisches Katana. Und ich konnte spüren, wie mit einem Mal die Sommermagie fort war – mir war gar nicht so recht bewusst gewesen, wie stark sie mich üblicherweise durchdringt. Ich bilde mir ja ein, ich habe inzwischen meinen Frieden mit ihr gemacht: Ich versuche, ein stetiges Auge darauf zu halten, ob sie nicht vielleicht meine Entscheidungen und Gefühle beeinflusst, bzw. in welchem Umfang, und eigentlich dachte ich, ich spüre gar nicht, dass sie da ist, solange ich sie nicht in mir nach oben rufe… aber ein winzigkleiner, eigentlich unmerklicher, warmer Funke davon liegt tatsächlich in jeder Zelle, jedem Blutkörperchen, jeder Faser meines Seins. Oder so fühlte es sich jedenfalls an, als diese Myriaden winzigkleiner, eigentlich unmerklicher, warmer Funken plötzlich nicht mehr da waren. Keine große Veränderung, nichts, das mich lähmte oder wie aus einem Traum erwachen oder plötzlich wieder klar sehen ließ oder wie dergleichen Beschreibungen ähnlicher Phänomene häufig lauten, aber trotzdem eben spürbar und für mich in diesem Ausmaß überraschend.

Unsere Fahrt endete an einer ziemlich großen Landmasse mitten in den Sümpfen, die von hohem, düster und irgendwie unheimlich aussehendem Schilf umgeben war. An einer Stelle befand sich vor dieser Landmasse und vor dieser Schilfmauer wie angeflanscht ein deutlich kleineres, halbkreisförmiges Anhängsel, und auf dieser Halbinsel konnten wir die Kirchenorgel sehen, an der Enid saß und spielte. Neben ihr stand jemand, den wir kannten – und zwar Stefania Steinbach, Kirchenfunktionärin und Lehrling von Spencer Declan, die da stand und Enid beim Spielen bewachte. Am Rand des Halbinsel-Anhängsels patrouillierten fünf zäh aussehende Söldnertypen entlang, vier Männer und eine Frau, während Spencer Declan und eine Person, die von hinten verdächtig nach Pater Donovan aussah – gerade in das Schilf eindrangen.

Noch hatten sie uns nicht bemerkt. Alex blieb im Boot und hielt es in der Dunkelheit, während Totilas und Edward sich durch das Wasser frontal an die Leute auf der Halbinsel anschleichen wollten. Roberto und ich folgten in größerem Bogen von der Seite. Während Edward untertauchte und unentdeckt blieb, hatte Totilas nicht so viel Glück. Einer der Söldner sah seinen Kopf im Wasser und fing an, auf ihn zu feuern, traf aber zum Glück nicht. Totilas stürzte sich auf ihn, während ich den Aufruhr nutzte, um unbemerkt an Land zu kommen und unerwartet vor einem der anderen Söldner aufzutauchen. Der wirkte tatsächlich einen Moment lang perplex, als ich ihn anzischte. Jade mochte zwar gerade nicht magisch sein, aber eine kunstvoll gefertigte Klinge aus japanischer Schmiedekunst war sie dennoch, und gerade die Anwesenheit des Schwerts, wo sie selbst doch alle mit Schusswaffen ausgerüstet waren, schien den Mann ziemlich aus dem Konzept zu bringen. Roberto wandte indessen seine eigenen bewährten Verwirrungstaktiken bei der Söldnerin an, auch wenn sie nicht ganz so funktionierten wie sonst, sondern die Frau vor allem verblüfft auf seinen Liberace-Mantel starrte, der in dieser Aura der Magielosigkeit ja ebenfalls alle besonderen Eigenschaften verloren hatte und einfach nur ein leicht schäbiger Überzieher aus den 1970ern war.

Von seinem Versteck am Ufer aus schoss Edward eine Leuchtfackel auf die Orgel ab – zum Glück hatten die Dinger wasserdicht verpackt im Boot gelegen und seinen Tauchgang somit unbeschadet überstanden. Die Leuchtkugel traf ihr Ziel perfekt, und schon im nächsten Moment endete die Musik, als das Instrument zu brennen begann, und Enid sackte ohnmächtig in sich zusammen. Dass Jade mit der Rückkehr der Magie ihr gewöhnliches Aussehen wieder annahm, war für den Söldner, dem ich gegenüberstand, schon erschreckend genug. Dass Stefania Steinbach sich mit einem wütenden Ruf in die Raben-Denarierin verwandelte, gab ihm und seinen beiden Kollegen den Rest. Anscheinend hatten sie keine Ahnung gehabt, mit was sie es hier genau zu tun hatten, und für Übernatürliches und Monster wurden sie offenbar nicht bezahlt, denn jetzt traten alle fünf den Rückzug an.
Während Alex jetzt an die Insel heranfuhr, packte Edward die bewusstlose Enid und bugsierte sie ins Boot, und wir anderen sahen zu, dass wir folgten.
Stefania Steinbach sandte uns noch einen Rabenschrei hinterher, der uns die Ohren bluten ließ, aber abgesehen davon kamen wir einigermaßen ungehindert weg.

Zurück auf dem Festland kümmerten wir uns um die inzwischen aufgewachte, aber noch immer sehr mitgenommene Enid und kehrten dann in die Waystation zurück, wo das Kämpfen langsam aufhörte – die Santo Shango waren inzwischen auch angekommen und hatten sich gegen die Vampire gewandt – um endlich selbst mit Thutmoses zu reden. Erst wollte auch er uns nicht sagen, um was es eigentlich da draußen wirklich ging, aber Alex wandte ganz richtig ein, dass wir vielleicht mehr Schaden anrichten als helfen würden, wenn wir weiter so halbwissend im Dunkeln herumtappten. Daraufhin nahm Thutmoses uns den feierlichen Schwur ab, das Thema zu niemandem, wirklich niemandem zu erwähnen, und auch untereinander bzw. mit anderen Eingeweihten nur darüber zu sprechen, wenn wir uns in einem gesicherten Schutzkreis befänden. Einen solchen zog er auch und nahm uns mit hinein, um uns den Sachverhalt zu erklären. Ich werde jetzt auch nichts davon schreiben – ich weiß im übrigen gar nicht, ob ich es überhaupt könnte, oder ob der Schwur mich daran hindern würde, wenn ich es versuchte, und stattdessen nur irgendwelcher Nonsens herauskäme. Es fühlte sich nämlich an wie ein Schwur, den man nicht einfach nur abgibt, sondern der aktiv reagiert, wenn man ihm zuwider handelt. Aber jedenfalls kann ich jetzt zumindest einigermaßen nachvollziehen, wenn schon nicht gutheißen, warum dieser schottische Warden uns die Erinnerung an die Mordor-Ents gelöscht hat.

Am Ende waren wir uns einig, dass wir mit Cicerón Linares sprechen mussten. Wir mussten zumindest versuchen herauszufinden, warum er mit Spencer Declan gemeinsame Sache gemacht hatte. Aber apropos Spencer Declan. Als Thutmoses hörte, dass Declan und Donovan während der kurzen magiefreien Phase in dem Schilfgebiet gewesen waren, wurde er etwas ungehalten, dass wir ihm das nicht sofort erzählt hatten, aber noch viel ungehaltener, dass sie das überhaupt hatten schaffen können, und dass ihr Eindringen sowie das Ende der Magie die Schutzzone um das Gebiet vielleicht empfindlich geschwächt hatte.
Mit diesem Wissen war es Thutmoses sogar noch wichtiger, Cicerón auch ins Boot zu holen, denn immerhin sind seine Santo Shango und er ja schon seit einer Weile in den Schutz der Zone mit eingebunden.

Cicerón sagte, er habe vor allem deswegen mit Declan gemeinsame Sache gemacht, um ihn im Auge zu behalten, und er habe uns ja immerhin über seinen Kontaktmann auf Schritt und Tritt informiert gehalten, eben nach der Prämisse, wenn er nah an Declan dran ist, kann er herausfinden, was er plant, und, sobald es akut wird, entsprechend eingreifen. Ich bin nicht ganz sicher, wie ehrlich er dabei war, aber er wirkte doch ziemlich glaubhaft.
Nach dieser Aussage weihte Thutmoses auch Cicerón ein; anschließend fuhren wir zu dem Gebiet hinaus. Der rituelle Schutz war tatsächlich durch das Ende der Magie geschwächt worden, aber nicht so, dass sofort etwas herauskommen könnte – sehr lange warten sollten wir mit dem Stärken allerdings auch nicht. Wie genau sich das anstellen lässt, wollen unsere Ritualwirker in den nächsten Tagen überlegen. Außerdem müssen wir zu Macaria Grijalva und sie wegen Oswaldo warnen. Mit Enid besprechen, wie es mit ihr weitergehen kann. Überlegen, ob wir gegen Declan genug in der Hand haben, um offiziell gegen ihn vorzugehen. (Vermutlich eher nicht. Aber mal brainstormen.) Oh, und Alex will dafür sorgen, dass die Orgel zurück in die Ermita kommt.

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