[RPG-Blog-O-Quest] Oktober 2018: „No-Gos“

Die RPG-Blog-O-Quest gibt es inzwischen seit bereits drei Jahren: Im Oktober 2015 wurde diese Blogaktion von Greifenklaue und Würfelheld mit der Absicht ins Leben gerufen, der deutschsprachigen Rollenspielblogszene jeden Monat fünf Fragen zu ganz unterschiedlichen RPG-Themen zu stellen. Nachdem die Questfragen anfangs ausschließlich von den Gründervätern gestellt wurden, kamen spätere Questen dann zunehmend auch von anderen Ausrichtern. Zum 3-jährigen Jubiläum stellt Michael von Jaegers.net die Fragen, die sich diesen Monat mit No-Gos oder Tabus beim Rollenspiel befassen.

DIE FRAGEN

  1. Gibt es Menschen, mit denen Du nicht gemeinsam an einem Spieltisch (egal ob physisch oder virtuell) sitzen möchtest? Welche sind das und wie gehst Du damit um? (Keine Namensnennung …)
  2. Was geht für Dich am Spieltisch (out-game) nicht? Alkohol, fettige Pommes, lautstarkes Rülpsen oder Körperkontakt? Wie ist das vereinbart?
  3. Was geht für Dich in-game nicht? Gibt es Tabus zu Themen oder Handlungen? Und wie kommunizierst Du das?
  4. Wie reagierst Du, wenn ein Spieler sich in- oder out-game in deine persönliche No-Go-Area begibt, vielleicht sogar nachhaltig oder gezielt?
  5. Als dezenter, die Immersion nicht störenden Hinweis auf das Überschreiten einer roten Linie wird gerne auf das Konzept der X-Card verwiesen. Nutzt Du dies? Wie sind Deine Erfahrungen damit, oder warum verwendest Du sie nicht?

Auch die Bonusfrage ist ein wenig komplex, gegebenenfalls auch politisch brisant und daher wirklich nur als Bonusfrage zu verstehen. Die vielen integrierten Fragen sollen einfach nur Denkanstöße für eine – gerne auch – ausgiebige Antwort ermöglichen, auch – und vor allem weil – die Fragen auch etwas tendenziell gestellt sind.

Bonusfrage(nkomplex): Auf einer zunehmenden Zahl an Veranstaltungen werden klare Regeln hinsichtlich des No-Gos von sexueller Belästigung und dem Umgang damit aufgestellt und propagiert. Wie ist Deine Meinung dazu, brauchen wir das explizit oder sollte das nicht in der Gesellschaft verankert sein? Ist das nur eine “modische” Folge des #meetoo-Hypes? Ist das im Rollenspielumfeld 2018 wirklich nötig? Fühlt ihr euch damit wirklich besser oder verkrampft das die Situation nur?

TIMBERS ANTWORTEN

1. Gibt es Menschen, mit denen Du nicht gemeinsam an einem Spieltisch (egal ob physisch oder virtuell) sitzen möchtest? Welche sind das und wie gehst Du damit um? (Keine Namensnennung …)?
Spontan fällt mir niemand ein, mit dem ich überhaupt niemals wieder™ spielen möchte. Es gibt allerdings die eine oder andere Person, bei der ich festgestellt habe, dass ich mit ihnen in bezug auf bestimmte Systeme oder Szenarien nicht ganz kompatibel bin oder dass ich selbst nicht locker bin, wenn in bestimmten Kontexten diese Personen dabei sind. Da versuche ich dann, bei diesen Systemen oder Szenarien den Spielkontakt ein wenig zu begrenzen. Aber bisher habe ich noch nie gesagt, mit dem oder der spiele ich grundsätzlich gar nicht mehr, Punk– halt. Stop. Gab es doch. Oder hätte es gegeben, wenn der Typ nicht von sich aus die Gruppe verlassen hätte. Ich hatte mich per Aushang im örtlichen Rollenspielladen für eine neu zu gründende Runde gemeldet, von der ich noch niemanden kannte und wo ich nicht wusste, wie es mit dem Kennen der anderen untereinander aussah. Einige hatten auf den Aushang reagiert wie ich auch, aber ein oder zwei schienen schon von vorher befreundet zu sein. Und einer der Mitspieler hat derart offen mehr als nur einen antisemitischen Spruch gebracht, dass ich nach kurzer Zeit drauf und dran war zu sagen: ‚alles klar, wenn das hier so läuft, bin ich raus, viel Spaß noch‘. Aber – und darüber war ich sehr froh – meine anderen Mitspieler kamen mir zuvor und machten dem Typen sehr deutlich, dass seine Sprüche in der Gruppe nicht erwünscht waren, und er selbst auch nicht.

2. Was geht für Dich am Spieltisch (out-game) nicht? Alkohol, fettige Pommes, lautstarkes Rülpsen oder Körperkontakt? Wie ist das vereinbart?
Als hochgradig olfaktorisch ausgerichteter Mensch tue ich mich mit starkem Körpergeruch von Mitspielern etwas schwer, auch wenn ich es nicht unbedingt als No-Go bezeichnen würde. Glücklicherweise ist mir das bisher noch nicht sehr häufig untergekommen, und dann hat es bisher eigentlich immer geholfen, die fragliche/n Person/en vorsichtig darauf anzusprechen. Ansonsten (siehe oben) – und das sind echte No-Gos – rassistische, antisemitische, sexistische oder sonstwie herabwürdigende Sprüche.

3. Was geht für Dich in-game nicht? Gibt es Tabus zu Themen oder Handlungen? Und wie kommunizierst Du das?
Im Besprechungs-Forum unserer Supernatural-Poolgruppe haben wir einen Thread, in dem es um Tabus geht, weil es sich beim Supernatural-Setting ja doch immer noch um Horror handelt. Dort habe ich nichts eingetragen, weil mir eigentlich nie etwas eingefallen ist, das für mich so richtig ein in-game-No-Go wäre. Aufgrund eines Trauerfalls in der Familie reagiere ich allerdings derzeit etwas empfindlich auf Spielelemente, die direkt mit den Umständen dieses Trauerfalls zusammenhängen. Ich vermute aber, das wird sich im Laufe der Zeit auch wieder geben.
Allzu übermäßige und explizite Gewaltdarstellungen mag ich auch nicht – das ist zwar vielleicht kein Tabu per se, aber ich ziehe angedeutete Beschreibungen deutlich vor.

4. Wie reagierst Du, wenn ein Spieler sich in- oder out-game in deine persönliche No-Go-Area begibt, vielleicht sogar nachhaltig oder gezielt?
Noch vor ein paar Wochen hätte ich völlig selbstverständlich gesagt, das spreche ich an. Das habe ich tatsächlich auch schon gelegentlich, wenn etwas Derartiges vorkam (zum Glück sehr selten), und dann haben wir das auch immer problemlos klären können, soweit ich mich entsinne.

Aber gerade vor kurzem ist mir bewusst geworden, dass es in einer Session vor einigen Monaten eine Situation gab, in der ich nichts sagte. Das lag daran, dass ich während der Session selbst gar nicht so sehr bemerkte, was genau nicht stimmte – die Runde an sich war eigentlich spannend und dramatisch, aber mit einem Element daran fühlte ich mich ganz und gar nicht wohl, dachte aber, ich müsse mich darauf einlassen, um nicht als Spielverderberin dazustehen. Es handelte sich auch gar nicht um eines der ‚klassischen No-Gos‘, es hatte rein gar nichts mit Sex oder Gewalt zu tun, sondern es war ein unerwartet eingeschobenes Element, mit dem ich so im Leben nicht gerechnet hatte und das mir tatsächlich ziemlich den Boden unter den Füßen wegzog. Und im Endeffekt führte dieses Gefühl des unter-Druck-Stehens bei mir zu (auch erst im Nachhinein erkannter) Kopflosigkeit und einer sehr unschönen Charakter-Aktion meinerseits, die ich in einer anderen Situation so mit ziemlicher Sicherheit so nicht gespielt hätte und die auch heute noch, Monate später, in-game einen unangenehmen Nachhall hat und mir tatsächlich auch out-game immer noch ziemlich nachgeht.

Jetzt, im Nachhinein, bedauere ich sehr, dass ich in der Session nicht besser den Finger darauf legen konnte, was daran eigentlich so schrecklich für mich war, oder dass ich nicht gedacht hätte, ich müsse da jetzt halt durch, denn dann hätte ich das Thema ansprechen können, und dann wäre das Ganze vielleicht besser abgelaufen.

5. Als dezenter, die Immersion nicht störenden Hinweis auf das Überschreiten einer roten Linie wird gerne auf das Konzept der X-Card verwiesen. Nutzt Du dies? Wie sind Deine Erfahrungen damit, oder warum verwendest Du sie nicht?
Verwendet habe ich noch keine, aber wenn ich jetzt so im Nachhinein auf die in der vorigen Frage beschriebene Situation zurückblicke, dann wäre es vielleicht ganz gut gewesen, ich hätte in dem Moment eine X-Card bzw. deren Online-Äquivalent gehabt, die ich hätte verwenden können.

Bonusfrage(nkomplex): Auf einer zunehmenden Zahl an Veranstaltungen werden klare Regeln hinsichtlich des No-Gos von sexueller Belästigung und dem Umgang damit aufgestellt und propagiert. Wie ist Deine Meinung dazu, brauchen wir das explizit oder sollte das nicht in der Gesellschaft verankert sein? Ist das nur eine “modische” Folge des #meetoo-Hypes? Ist das im Rollenspielumfeld 2018 wirklich nötig? Fühlt ihr euch damit wirklich besser oder verkrampft das die Situation nur?
Ohne jetzt zu politisch werden zu wollen: Schaden kann es auf keinen Fall etwas, solche Regeln in die Veranstaltungshinweise aufzunehmen. Passiert auf einer Veranstaltung nichts dergleichen, na um so besser. Aber wenn es eben doch akut werden sollte, haben Betroffene etwas, auf das sie verweisen können. Und die Organisationsteams zeigen, dass sie das Thema im Blick haben. Klar, grundsätzlich sollte es eigentlich schon in der Gesellschaft verankert sein, aber das ist es eben leider doch nicht immer, und deswegen: Schaden kann es auf keinen Fall.

Die Regeln der RPG-Blog-O-Quest:

  • An jedem Monatsersten stellt, in abwechselnder Reihenfolge, entweder Greifenklaue oder Würfelheld dem deutschsprachigen Rollenspielvolk fünf Fragen/Lückentexte. Die Veranstalter bitten darum, diese Fragen auf Blogs, in Podcasts, Vlogs oder in Foren zu beantworten (bzw. die Lückentexte auszufüllen).
  • Jeder Monat widmet sich einem Hauptthema, um das sich die Fragen drehen.
  • Über die Zusendung der Links, per Mail, Kommentar, usw. freuen die Organisatoren sich.
  • Jeder, der sich die Zeit nimmt, die fünf Fragen zu beantworten, ist herzlich willkommen.
  • Die verschiedenen “RPG-Blog-O-Quest” Logos dürfen in den Beiträgen benutzt werden.

Eine Auflistung aller RPG-Blog-O-Quests, an denen ich bisher teilgenommen habe, findet sich hier.

3 Kommentare

Eingeordnet unter Rollenspiel-Sonstiges, RPG-Blog-O-Quest

3 Antworten zu “[RPG-Blog-O-Quest] Oktober 2018: „No-Gos“

  1. Danke für Deine Einblicke in der Sache, vor allem, dass Du zeigst, dass bei etwas längerem Sinnieren dann doch das ein oder andere No-Go auftaucht und dass es in eben jener Situation der Überraschung dann nicht so einfach ist den schützenden Seitwärtsschritt zu machen.

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    • Irgendwie habe ich hier noch gar nicht geantwortet, sorry, komplett verpeilt. Ja, das war für mich tatsächlich auch überraschend, festzustellen, dass ich ja doch schon eine solche Erfahrung gemacht hatte. Und dass es eben nicht immer nur die „Standards“ sind, an die man bei dem Thema zuerst denkt.

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  2. Pingback: RPG-Blog-O-Quest #37: No-Gos – GREIFENKLAUE – BLOG

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