Projekt ABC: C wie …

Seit Anfang des Jahres hat der Buchblogger Wortman das „Projekt ABC“ wiederbelebt, das 2009 erstmals von „Kerkis Farbkleckse“ ausgerufen wurde. Die Aufgabe für die teilnehmenden Blogger ist es, jede Woche ein Foto zum jeweils fälligen Buchstaben des Alphabets zu posten, ganz egal, was für eines, solange der Buchstabe stimmt. In diesem Zusammenhang habe ich mir vorgenommen, eben Fotos von passenden Rollenspielen zu posten und vielleicht auch ein bisschen was zu ihnen zu schreiben.

Beim „A“ war ich eine Woche zu spät, das „B“ kam auf den letzten Drücker, weil ich erst kurz vor Ende der zweiten Projektwoche überhaupt von der Blogaktion erfuhr, aber jetzt bin ich auf dem neuesten Stand. Kommen wir also zu:

C wie…


Chill: Das eine der beiden Rollenspiele, mit dem ich vor vielen Jahren in unser schönes Hobby eingestiegen bin. „Chill“ bildet die klassischen Grusel- und Horrorfilme ab; in den Abenteuern müssen die Charaktere also auf die Spur von Geistern, Vampiren und dergleichen kommen. Dabei kann man die Handlung entweder in der heutigen Zeit oder auch in der Vergangenheit ansetzen: Während ich in späteren Jahren meist die zeitgenössische Variante spielte und auch selbst leitete, war das erste Szenario, das ich als Teenager erlebte, in den frühen 1930er Jahren auf einem Ozeandampfer angesiedelt. Wegen der ähnlich gelagerten Prämisse, der zeitlichen Parallelen und wegen der ähnlichen Regeln (beide Spiele verwenden ein Prozentsystem), aber ohne das Konzept des langsamen, unausweichlichen Wahnsinnigwerdens, kam mir „Chill“ immer ein bisschen vor wie das bessere und zu mehr Aktivität einladende

Call of Cthulhu, auch wenn dieser Vergleich hinkt und „Call of Cthulhu“ gegenüber eigentlich ziemlich unfair ist. Aber das war eben der Eindruck, den ich lange hatte und der in meinem Kopf auch irgendwie immer noch vorherrscht. Tatsache ist, auch CoC hat ein Prozentsystem, und auch bei CoC ist ein Horror-Rollenspiel, das man entweder in der heutigen Zeit oder in den 1920ern/1939ern ansiedeln kann… aber wie der Name ‚Cthulhu‘ schon sagt, dreht sich hier alles um die Geschichten von H.P. Lovecraft, den Cthulhu-Mythos, Kultisten und die Großen Alten. Das Problem bei „Call of Cthulhu“ ist in meinen Augen, dass das Spiel den Wert der „geistigen Stabilität“ kennt – wenn ein Charakter schreckliche Dinge sieht und erlebt oder tiefer in das Geheimnis des Cthulhu-Mythos vordringt, wird er nach und nach wahnsinnig. Und das wiederum bedeutet, dass die Charaktere oftmals vor der Wahl stehen, ob sie überhaupt wissen wollen, was hinter den Vorfällen steckt, die sie in den Abenteuern erforschen, oder den Hintergründen einfach den Rücken drehen. Viele der vorgefertigten Abenteuer, gerade der früheren, lassen die Charaktere auch oftmals als nicht viel mehr als Zuschauer zurück, die herausfinden können, was passiert ist – wirklich aufhalten oder ändern konnten sie die Geschehnisse häufig nicht. Dennoch habe ich auch schon sehr coole und stimmungsvolle Cthulhu-Abenteuer erlebt, gerade solche aus jüngerer Zeit, und auch und gerade solche in LIRP*-Form wie „Gatsby und das große Rennen„, „Die Fahrt des Graf Zeppelin“ oder das Surrealisten-Café.

Coriolis: Ein neues Science Fiction-Rollenspiel aus Schweden mit wunderschönem Artwork und der Prämisse „1001 Nacht im All“. Diese Beschreibung rührt daher, dass das Setting gewisse orientalisch angehauchte Elemente aufweist, so zum Beispiel bestimmte in der Spielwelt verankerte Begriffe aus dem Arabischen stammen. Ob und inwieweit man dieses orientalische Flair im Spiel aufgreift, ist natürlich jeder Gruppe selbst überlassen, aber ohne wäre es auch nur ein relativ standardmäßiges Sci Fi-RPG wie viele andere, deswegen versuchen zumindest wir in unserer neuen Spielrunde, die wir vor einiger Zeit begonnen haben, dieses Element nicht zu vernachlässigen. So haben wir unseren Charakteren und unserem Raumschiff orientalisch angehauchte Namen gegeben, und wir versuchen auch, im Spiel den einen oder anderen arabischen Begriff einzustreuen. Bisher hatten wir erst drei Spielsitzungen, wobei eine zur Charaktererschaffung und der Ausgestaltung unseres Raumschiffs diente, aber bisher macht die Runde viel Spaß, und ich hoffe, wir finden bald einen Termin für den nächsten Spielabend.

*LIRP = Live Indoor Role Playing, bisweilen auch „Mini-LARP“ genannt. Hier sitzt man nicht um den Tisch, erzählt gemeinsam die Geschichte und würfelt, um den Erfolg von Aktionen zu bestimmen, wie das bei Pen&Paper-RPGs zumeist der Fall ist, sondern hier kostümiert man sich mehr oder weniger ausgiebig und spielt das meist kurze und knackige Szenario in einem begrenzten räumlichen Umfeld (ein Raum oder eine Wohnung) im Stehen bzw. mit Herumlaufen. Die Charaktere denkt man sich meist nicht selbst aus, sondern bekommt sie samt Verknüpfungen zu den anderen Charakteren sowie geheimen, meist widersprüchlichen Zielen und Identitäten von der Spielleitung vorgegeben. Ziel des Spiels – neben dem Spaß – ist es hier, möglichst auch seine Ziele ganz oder zumindest teilweise zu erreichen, und ein Teil des Spiels ist es, sich hinterher nochmal zusammenzusetzen und aufzulösen, wer denn jetzt eigentlich genau was war und wer denn jetzt eigentlich genau was wollte, falls das während des Spiels selbst noch nicht abschließend herausgekommen ist.

13 Kommentare

Eingeordnet unter Pen & Paper, Projekte, Rollenspiel-Sonstiges

13 Antworten zu “Projekt ABC: C wie …

  1. Ich sehe schon, dir gehen die Titel nicht aus :)

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  2. Schon interessant, was Du da zusammengetragen hast. Ich bin auf D gespannt 🙂

    LG Babsi

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  3. Und gleich 3 C-Titel.
    Interessant, bisher hab ich mich nicht mit Rollenspeil befasst.
    Aber natürlich drüber gelesen schon.
    LG, Elke

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  4. Spannend — aber das ist eine Welt, die ich überhaupt noch nicht kenne .. ich habe zuerst gedacht – das wäre auch was zu B = Bücher, ist aber wohl nicht so!!

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    • Korrekt, das ist nicht so. Ich habe zwar schon vor, weiterhin jede Woche Fotos von Büchern zu posten, aber eben von solchen Rollenspielbüchern, deren Titel zur jeweiligen Woche passt. Ich hoffe, ich finde für alle Buchstaben etwas bei uns im Schrank, aber ich glaube schon.

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  5. Chill hat was mit Horror zu tun?? Irgendwie hatte ich eher an Entspannung gedacht… so kann Frau sich irren! :D
    Liebe Grüße
    Nicole

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    • Naja, das englische Wort „chill“ kann mehrere Dinge bedeuten. Als Substantiv „Frösteln“, „Kühle“, „Abkühlung“ oder eine Frostigkeit im Verhalten. Als Adjektiv sowohl „kühl“ oder „entspannt“, was die Bedeutung war, die du im Kopf hattest. Als Verb „abkühlen“, „herunterkühlen“, auch hier „entspannen“, „sich „beruhigen“; aber eben auch „erschrecken“, „Angst einjagen“ – und das ist die Bedeutung, auf die der Name des Rollenspiels abzielt. So ist ein „Chiller“ zum Beispiel ein besonders verstörender Psycho-Thriller.

      Du hast dich also nicht geirrt, sondern nur an eine andere Bedeutung gedacht! :)

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  6. Wow, während ich denke, dass chill Entspannung bedeutet, kann es sogar in Richtung Psycho gehen… Nee, von der Seite kannte ich das englische Wort überhaupt noch nicht – danke für Deine Erklärung! :D

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  7. Pingback: Projekt ABC: M wie … | Timber's Diaries

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