[RPG-Blog-O-Quest] Februar 2019: „Blut und Stahl“

Die RPG-Blog-O-Quest wurde im Oktober 2015 von Greifenklaue und Würfelheld mit der Absicht ins Leben gerufen, der deutschsprachigen Rollenspielblogszene jeden Monat fünf Fragen zu ganz unterschiedlichen RPG-Themen zu stellen. Zu Beginn wurden die Fragen der Blogaktion ausschließlich von den Gründervätern gestellt, aber spätere Questen kamen dann zunehmend auch von anderen Ausrichtern. Jetzt im Februar stellt Gloria von Nerd-Gedanken die Fragen, die sich diesen Monat um das handfeste Thema „Blut und Stahl“ drehen.

DIE FRAGEN

1. Lieber strahlende Kriegerheldin oder zwielichtiger Söldner?
2. Spielst Du selbst einen Kriegercharakter? Wenn ja, stelle ihn oder sie hier doch einfach mal vor – wenn nein, verrate Deinen Lesern, warum Du keinen Kriegercharakter spielst?
3. Pleiten, Pech und Pannen gibt es immer dann, wenn Spieler kritisch auf Würfel treffen. Teilt eure Erinnerung an den witzigsten, seltsamsten, unpraktischsten oder gefährlichsten Patzer in einer Kampfsituation!
4. Größere Schlachten verkommen im Pen’n’Paper gerne zu einer üblen Würfelorgie. Wie handhabt Ihr das Kampfgeschehen mit vielen beteiligten NPC in eurer Spielrunde und welche Elemente braucht es, damit eine Massenschlacht für Dich spannend bleibt?
5. Kein Kriegerleben ohne Blut und Tod – was war die schlimmste Wunde oder der epischste Tod, den Du im Kampfgeschehen bisher miterlebt hast?
Bonusfrage: Nennt eure kriegerische Lieblingsklasse (gern auch Kombiklasse) und das dazugehörige Rollenspielsystem!

TIMBERS ANTWORTEN

1. Lieber strahlende Kriegerheldin oder zwielichtiger Söldner?
Ein bisschen was von beidem, glaube ich, mit Tendenz zu ersterem. Richtig fiese Charaktere kann ich nur als NSCs oder als SCs in One-Shots spielen; sobald ich vormals böse Charaktere regelmäßiger übernehme, entwickeln sie ganz automatisch irgendwann doch ein Herz. Und ich bin mit meinen Charakteren ziemlich schlecht in PvP-Intrigen, Verrat und Hintergehen oder auch nur ausgeprägtem Egoismus. In einer anderen RPG Blog-O-Quest habe ich das schon mal folgendermaßen formuliert: „Das Finsterste, was Timber an SCs kann, sind knurrige Miesepeter in mehr oder weniger dunklen Grautönen, aber mit letztendlich gutem Kern.“ Aber die zu 100% strahlenden Helden, wie zum Beispiel eine absolut überzeugte Paladin, liegen mir auch nur bedingt. Einer meiner beiden Hauptcharaktere ist zum Beispiel ein netter Kerl, der sich selbst aber für gar nicht so nett hält; der andere – okay, der andere fällt schon eher in das Schema. Der ist in seinem Selbstverständnis und auch in den Augen seiner Umwelt ein Ritter, auch wenn er im Verlauf seiner Erlebnisse durchaus schon so das eine oder andere getan hat, auf das er nicht sonderlich stolz ist. Nennen wir es vielleicht … Heldentum mit einer je nach Charakter mehr oder weniger dicken Schicht Patina über dem Strahlen.

2. Spielst Du selbst einen Kriegercharakter? Wenn ja, stelle ihn oder sie hier doch einfach mal vor – wenn nein, verrate Deinen Lesern, warum Du keinen Kriegercharakter spielst?
Ich spiele ziemlich selten klassische Fantasy, und in letzter Zeit gar nicht kampagnenmäßig, deswegen habe ich momentan gar keine Kriegercharaktere, wenn man von meinem Monsterjäger in unserer Supernatural-Runde einmal absieht. Grundsätzlich neige ich neben Schurken- oder Waldläufer-Typen aber tatsächlich durchaus auch mal zu Kriegern, weil ich mich mit Magiern nur vergleichsweise selten anfreunden kann.
Als wir vor knapp 8 Jahren mit den Kindern zweier befreundeter Paare unsere „Nachwuchsrunde“ spielten, taten wir das anfangs mit Hellfrost, also mit klassischer Fantasy. Hier wollte ich mich absichtlich etwas zurücknehmen und dem Nachwuchs den größten Teil des Spotlights überlassen, und entsprechend baute ich meinen Charakter. Yuka Tallahainen war ein menschlicher Krieger (ein Grey Legionary aus dem Volk der Finnar, wer das Setting kennt), mit einem Herzen aus Gold, der trotz seiner Krieger-Ausbildung eigentlich ein Pazifist war und nur kämpften, wenn er unbedingt musste. Außerdem hatte er den in Savage Worlds niedrigstmöglichen Smarts-Wert, was ich aber so interpretierte, dass der Gute gar nicht so unbedingt dumm war, aber ziemlich laaaangsam. So konnte ich nämlich die meiste Zeit einfach den kampfstarken Support geben, aber wenn die Kids bei einem Rätsel gar nicht weiterkamen, ich als Spielerin jedoch meinte, die Lösung zu kennen, nach einer Weile irgendwann mit einem Spruch wie: „Sagt maaaaal… stand da vorne nicht was von XYZ?“ einspringen. Außerdem hatte Yuka eine etwas einfältig-gutmütige Art, mit der es ihm mindestens zweimal gelang, die von unserer Schurkin an den Tag gelegten Einzelgängeraktionstendenzen etwas abzumildern; durch seine Treudoofheit war er aber auch leichte Beute für Betrugs- oder Täuschungsversuche aller Art.

3. Pleiten, Pech und Pannen gibt es immer dann, wenn Spieler kritisch auf Würfel treffen. Teilt eure Erinnerung an den witzigsten, seltsamsten, unpraktischsten oder gefährlichsten Patzer in einer Kampfsituation!
In fast 30 Jahren Rollenspielkarriere hat es definitiv viel mehr solcher Situationen gegeben. Aber so auf Anhieb fallen mir gerade nur zwei Begebenheiten ein:

  • In meiner allerersten Sitzung mit Deadlands Classic, die ich 1997 in einer Schnupperrunde mit flüchtigen Bekannten spielte, bevor wir auch in unserer Stammgruppe zu Deadlands wechselten und es dort dann ca. 10 Jahre lang als Kampagne spielten, hatten sich Banditen in einer Felsenfestung verschanzt. Als die Spielergruppe, die den Spuren der Banditen bis dahin gefolgt war, auf die Felsen zugeritten kam, fingen die Banditen an, aus der Deckung auf die Posse zu feuern. Bei der daraufhin fälligen Reiten-Probe würfelte ich einen Patzer, was zum Ergebnis hatte, dass das Pferd durchging und seine Reiterin die Kontrolle über das Tier verlor. Der SL bestimmte daraufhin, dass das unkontrollierte Pferd weiter auf die Felsen zuraste, und als die Banditen weiterschossen, wurde mein Cowgirl tödlich getroffen. Ich versuchte zwar zu argumentieren, dass ein scheuendes Pferd eigentlich eher von der Quelle seiner Panik wegrennen würde als weiter darauf zu, aber der SL war nicht zu überzeugen.
  • Bei einem Fewshot mit dem Warhammer Fantasy Sitzung Anfang letzten Jahres lieferte mein Charakter beim Ausweichen vor dem Angriff eines Barbarenkriegers einen kritischen Patzer ab, fiel hin und war dem Axthieb des Gegners hilflos ausgeliefert – nur dass der Barbar bei seinem nächsten Angriff ebenfalls episch patzte und dessen Waffe zerbarst, während sie auf den Kopf meiner Schamanin zuraste. Da hatte sie wohl einen Schutzengel irgendwo ganz oben. (Dass ich in der nächsten Session beim Ausweichen vor den Pfeilen aus einer Falle gleich wieder episch patzte, obwohl der Wahrnehmungswurf zu deren Entdecken sogar noch richtig gut geklappt hatte, verursachte meinem Charakter zwar auch ziemlich üblen Schaden, war aber keine Kampfsituation per se.)

4. Größere Schlachten verkommen im Pen’n’Paper gerne zu einer üblen Würfelorgie. Wie handhabt Ihr das Kampfgeschehen mit vielen beteiligten NPC in eurer Spielrunde und welche Elemente braucht es, damit eine Massenschlacht für Dich spannend bleibt?
Am meisten spiele ich momentan Fate, das mit seiner Regelung für namenlose NSCs, Neben-NSCs und Haupt-NSCs Kämpfe gegen viele Gegner relativ elegant löst. So werden hier Mooks in Gruppen zusammengefasst und sind leichter zu besiegen, während Neben- und Hauptgegner länger stehen.
Aber für Kämpfe mit richtig vielen Beteiligten weiß ich vor allem mein anderes Leib- und Magensystem, Savage Worlds, zu schätzen. Savage Worlds hat Regeln für echte Massenschlachten, aber die braucht es tatsächlich erst ab vielen Dutzenden von Beteiligten. Für größere Kämpfe, die aber noch nicht in den Massenbereich gehen, funktionieren auch die ganz normalen Regeln von Savage Worlds, die ebenfalls zwischen Mooks und Hauptgegnern unterscheiden, wunderbar.
Spannend bleibt eine Massenschlacht für mich, wenn nicht Runde um Runde exakt selben Würfe passieren – oder besser, wenn nicht Runde um Runde dieselben Würfe mit denselben Beschreibungen erfüllt werden (Stichwort: „Ich semmel druff“). Neue Elemente, neue Wendungen, abwechslungsreiche Beschreibungen sind das Salz in der Suppe.

5. Kein Kriegerleben ohne Blut und Tod – was war die schlimmste Wunde oder der epischste Tod, den Du im Kampfgeschehen bisher miterlebt hast?
Auch hier wieder ohne Garantie auf Vollständigkeit: Der dümmste/sinnloseste Charaktertod, den ich in meiner Rollenspielkarriere bisher  so erlebt habe, war sicherlich das oben erwähnte Erschossenwerden beim Zureiten auf die Felsenburg der Banditen. Aber der kritische, gleich 5 Wundstufen auf einmal verursachende Kopftreffer, sprich der Instant-Headshot, den mein Cowgirl dabei kassierte, war sicherlich auch mit die schlimmste Wunde, an die ich mich erinnern kann. Ansonsten hat mein Supernatural-Jäger neben einer um ein Haar tödlichen Schussverletzung auch schon alle möglichen fiesen Wunden kassiert, während sein bester Kumpel einmal beinahe von einem Flammendämon verbrannt worden wäre. Aber wo wir gerade von Flammen reden: Mein Miami Files-Charakter wäre einmal beinahe von einem richtig heftigen Feuerball, den eine feindliche Magierin im Kampf auf ihn schleuderte, beinahe zu Tode gegrillt worden. Und einmal kam es tatsächlich vor, dass einem Charakter im Kampf das Herz aus der Brust gerissen wurde.

Bonusfrage: Nennt eure kriegerische Lieblingsklasse (gern auch Kombiklasse) und das dazugehörige Rollenspielsystem!
Hm. Ich spiele nur selten wirklich klassenbasierte Systeme wie z.B. D&D, deswegen kann ich zu festgelegt-fertigen Klassen nicht so richtig viel sagen. Das einzige D&D-artige System, das ich in letzter Zeit gespielt habe, war 13th Age, aber da hatte ich keinen Kämpfer, sondern, um mal aus meiner üblichen Schublade auszubrechen, eine Chaosmagierin, das hilft also auch nichts. Dungeon World genausowenig, da habe ich deine Druidin probiert – aber stimmt, bei Beyond the Wall war es ein Krieger. Allerdings war das auch nur ein Ein-Abend-Oneshot, und ich kann über die Charakterklasse so gut wie gar nichts mehr sagen. Also muss ich es doch bei allgemeineren Bemerkungen belassen: Ich spiele sehr gerne magielose Nahkampfcharaktere, die aber meist nicht übermäßig schwer gerüstet sind, damit sie ihre Beweglichkeit behalten. Nicht umsonst war/ist mein Hauptcharakter auch bei World of Warcraft von Anfang an ein Schurke.

Die Regeln der RPG-Blog-O-Quest

  • An jedem Monatsersten stellt entweder Greifenklaue, Würfelheld oder ein von ihnen beauftragter Blog dem deutschsprachigen Rollenspielvolk fünf Fragen/Lückentexte zu einem frei gewählten RPG-Thema. Die Veranstalter bitten darum, diese Fragen auf Blogs, in Podcasts, Vlogs oder in Foren zu beantworten (bzw. die Lückentexte auszufüllen).
  • Jeder Monat widmet sich einem Hauptthema, um das sich die Fragen drehen.
  • Über die Zusendung der Links, per Mail, Kommentar, usw. freuen die Organisatoren sich.
  • Jeder, der sich die Zeit nimmt, die fünf Fragen zu beantworten, ist herzlich willkommen.
  • Die verschiedenen “RPG-Blog-O-Quest” Logos dürfen in den Beiträgen benutzt werden.

Eine Auflistung aller RPG-Blog-O-Quests, an denen ich bisher teilgenommen habe, findet sich hier.

3 Kommentare

Eingeordnet unter Rollenspiel-Sonstiges, RPG-Blog-O-Quest

3 Antworten zu “[RPG-Blog-O-Quest] Februar 2019: „Blut und Stahl“

  1. wuerfelheld

    Toll zu lesen.

    Gefällt mir

  2. Pingback: RPG-Blog-O-Quest #041 – Blut und Stahl – GREIFENKLAUE – BLOG

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