[RPG-Blog-O-Quest] April 2019: „Spiele im Spiel“

Im April findet die nunmehr 43. RPG-Blog-O-Quest statt, eine Blogaktion, die im Oktober 2015 von Greifenklaue und Würfelheld ins Leben gerufen wurde, um der deutschsprachigen Rollenspielblogszene jeden Monat fünf Fragen zu ganz unterschiedlichen RPG-Themen zu stellen. Nach längerer Zeit übernimmt Gründervater Würfelheld wieder einmal die Federführung bei der Quest und stellt seine Fragen des Monats unter das Thema „Spiel im Spiel„.

DIE FRAGEN

1. Welche Spiele spielt Dein Charakter?
2. Wieso zockt Dein Charakter?
3. Hat sich bei so einer InGame-InGame-Spielerei schon einmal etwas für das normale InGame-Spiel ergeben?
4. Wo ziehst Du da die Grenzen des Machbaren?
5. Könntest Du Dir vorstellen mal ein InGame zu entwickeln und dieses dem Spielevolk zur Verfügung zu stellen?

TIMBERS ANTWORTEN

1. Welche Spiele spielt Dein Charakter?
Der eine meiner beiden Hauptcharaktere, der bestsellende Fantasy-Autor unserer Dresden Files-Runde, spielt – ganz meta – seit einer Weile das settingeigene Rollenspiel Arcanos. Dazu kam es in-game, als die Gruppe eine NSC kontaktieren wollte und es zu einer Verwechslung kam, anlässlich derer er kurzerhand als neuer Mitspieler rekrutiert wurde. Am College hatte er aber schon erste RPG-Erfahrungen gesammelt, legte ich in dieser Situation kurzerhand fest.
Und der Charakter hat die Vormundschaft für seine inzwischen ca. 7-jährige Nichte, die Tochter seines Bruders – mit der Kleinen sowie der gleichaltrigen Tochter seiner Freundin spielt er off-screen natürlich auch ständig irgendwelche – allerdings bisher nicht näher definierten oder plotrelevanten – Spiele.

Mein anderer Hauptcharakter, der Monsterjäger aus unserer Supernatural-Runde, hatte meiner Erinnerung nach in-game noch nicht so viel mit Spielen zu tun; für seinen Hintergrund hat sich aber irgendwann in einer relativ frühen Session der Kampagne spontan im Spiel ergeben, dass er in der High School im Schulteam Basketball gespielt hat, und bei einer anderen Rückblende habe ich festgelegt, dass seine erste große Liebe leidenschaftlich gern Backgammon spielte, sie ihm das beibrachte und sie es dann sehr viel gemeinsam spielten. Seit ihrem Tod hat er kein Backgammon-Brett mehr angerührt.

Meine Monsterhearts-Hollow ist ein Roboter-Mädchen, das Dinge wie Freizeitgestaltung vor Beginn der Kampagne (sprich bevor sie die anderen Charaktere kennenlernte) noch gar nicht kannte. Entsprechend neugierig ist sie auch auf Spiele und dergleichen und kann von vergleichsweise simplen Mechanismen wie „Mensch ärgere dich nicht“ (bzw. Parcheesi; wir spielen immerhin in den USA) völlig fasziniert sein. Mein Deadlands-Cowgirl hingegen versuchte sich zur Entspannung gelegentlich beim Pokern im Saloon, war aber nie sonderlich gut darin und sah das Ganze auch eher als belanglosen Zeitvertreib, nicht um das große Geld damit zu machen oder zu verzocken.

Für meine anderen Charaktere kamen Spiele irgendwelcher Art bisher noch nicht größer vor bzw. wurden nicht thematisiert, oder zumindest nicht so, dass ich mich jetzt gerade daran erinnern würde.

2. Wieso zockt Dein Charakter?
Die Beweggründe meiner Charaktere habe ich ja in der vorigen Frage schon angedeutet. Mein Dresden Files-Autor spielt RPGs aus Spaß daran und die Kinderspiele ebenfalls aus Spaß bzw. weil er ein guter Vater sein und Zeit mit seiner Tochter verbringen will. Dass mein Supernatural-Jäger hingegen kein Backgammon mehr spielt, liegt an dem tiefen Trauma, das die Umstände des Todes seiner Freundin bei ihm hinterlassen haben. Heute, über 10 Jahre später, würde es vielleicht sogar wieder gehen, aber bisher kam das Thema in-game noch nicht auf. (Hmmm… aber das wäre sicherlich nicht uninteressant, dieses alte Trauma auch on-screen zu verarbeiten. Mal sehen, ob eine/r der Spielleiter/innen unserer Poolrunde das vielleicht irgendwann mal aufgreift.) Ansonsten kommt er in meiner Vorstellung heutzutage relativ wenig bis gar nicht zum Spielen, weil er in seiner Freizeit eher Filme schaut. Aber das war bislang alles hinter den Kulissen; im Spiel selbst hat er nur irgendwann mal in einer Session, als es die Charaktere alle in ihr Teenager-Selbst verschlagen hatte, aus für ihn sonst eher ungewöhnlichem Übermut einen Basketball gegriffen und ein paar Körbe geworfen. Bei meinem Roboter-Mädchen ist es der Wunsch, mehr über die Menschen und das Menschsein zu lernen, und bei meinem Cowgirl war es Entspannung und Amüsement – und wenn sie beim Pokern ein paar Dollar gewonnen hat, hat sie sich auch nicht beschwert.

3. Hat sich bei so einer InGame-InGame-Spielerei schon einmal etwas für das normale InGame-Spiel ergeben?
Jaaain. Die Tatsache, dass mein Dresden Files-Charakter der Arcanos-RPG-Gruppe beigetreten ist, ergab sich aus dem normalen Spiel heraus, und während einer IC-RPG-Session haben die Charaktere (also nicht ihre in-game-Arcanos-Figuren, sondern mein Autor und eine NSC, die ebenfalls in der Arcanos-Runde mitspielt, schon mal einen plötzlichen Geistesblitz in bezug auf unser zu dem Zeitpunkt gerade gespieltes Abenteuer gehabt. (Alterle, ist das gerade Meta… :P)

Bei meinem Monsterjäger ist sein Backgammon-Trauma bisher noch nicht im Spiel thematisiert worden, aber wie oben schon angedeutet, fände ich es tatsächlich durchaus spannend, wenn das irgendwann mal aufgegriffen und er mit diesem Dämon seiner Vergangenheit konfrontiert würde.

Für das Cowgirl hatte ihr gelegentliches Pokerspiel nie eine in-game-Auswirkung, wenn ich mich recht entsinne (ist lange her, dass wir die Kampagne gespielt haben), und bei meiner Hollow hat sich in-game auch noch nichts in der Richtung ergeben. Aber auch bei ihr fände ich es sehr lustig, wenn es das mal täte.

4. Wo ziehst Du da die Grenzen des Machbaren?
Diese Frage verstehe ich nicht so richtig, muss ich gestehen. So von wegen Spiel-im-Spiel-im-Spiel, wenn die Arcanos-Charaktere in der IC-Spielrunde meines Dresden Files-Charakters jetzt ebenfalls anfangen würden, in ihrem eigenen IC-Spiel Spiele zu spielen? Ich glaube, das wäre mir zu viel des Guten – wir sind in bezug auf diese IC-Arcanos-Runde nie ins Detail gegangen, und das ist auch gut so, das wäre etwas arg, wenn wir da jetzt noch groß anfangen würden zu definieren, was in der IC-Fantasy-Runde genau passiert. Sowas könnte ich mir allerhöchstens in ganz dünnen nebensächlichen Pinselstrichen vorstellen: Mein Charakter spielt einen Zwerg; die benamste NSC spielt eine Elfin, die dem Zwerg schon mal das Leben gerettet hat, was die NSC meinen Charakter jetzt nicht vergessen lässt; sowas in der Art vielleicht. Dergleichen hatten wir bisher noch nicht, aber so auf der Ebene wäre es für mich noch okay, denke ich. Oder wenn mein Monsterjäger eine Partie Backgammon spielen müsste, weil aus irgendeinem Grund sein Leben davon abhinge, und auf diese Partie dann auch ein bisschen detaillierter eingegangen würde. Aber wenn ein Charakter jeden Abend ins Casino geht oder Team-Shooter zockt, dann reicht es in meinen Augen völlig, das vielleicht einmal genauer zu beschreiben und ansonsten nur grob anzureißen: „Alexej verbringt den Abend am Lagerfeuer beim Würfeln mit Nadeshda.“

5. Könntest Du Dir vorstellen mal ein InGame zu entwickeln und dieses dem Spielevolk zur Verfügung zu stellen?
Da die meisten Runden, die ich spiele, in modernen Settings angesiedelt sind, ist da nicht so viel mit InGame entwickeln. Aber für ein SciFi-Setting vielleicht mal oder so. Falls ich es je täte (ich habe mal überlegt, ob ich das Spiel ‚Triade‘ aus dem Kampfstern Galactica-Setting irgendwie in Regeln fassen kann, aber da wurde nie was draus), würde ich die durchaus der Allgemeinheit zur Verfügung stellen, klar. Aber ich fürchte, das werden rein akademische Überlegungen bleiben, denn ich denke nicht, dass es je dazu kommen wird.

 

Die Regeln der RPG-Blog-O-Quest

  • An jedem Monatsersten stellt entweder Greifenklaue, Würfelheld oder ein von ihnen beauftragter Blog dem deutschsprachigen Rollenspielvolk fünf Fragen/Lückentexte zu einem frei gewählten RPG-Thema. Die Veranstalter bitten darum, diese Fragen auf Blogs, in Podcasts, Vlogs oder in Foren zu beantworten (bzw. die Lückentexte auszufüllen).
  • Jeder Monat widmet sich einem Hauptthema, um das sich die Fragen drehen.
  • Über die Zusendung der Links, per Mail, Kommentar, usw. freuen die Organisatoren sich.
  • Jeder, der sich die Zeit nimmt, die fünf Fragen zu beantworten, ist herzlich willkommen.
  • Die verschiedenen “RPG-Blog-O-Quest” Logos dürfen in den Beiträgen benutzt werden.

Eine Auflistung aller RPG-Blog-O-Quests, an denen ich bisher teilgenommen habe, findet sich hier.

2 Kommentare

Eingeordnet unter Rollenspiel-Sonstiges, RPG-Blog-O-Quest

2 Antworten zu “[RPG-Blog-O-Quest] April 2019: „Spiele im Spiel“

  1. wuerfelheld

    Hi, danke für deine Teilnahme. Schöne Einblicke, gut beschrieben…

    Bei Frage 4 „Grenzen“, meine ich, wenn Du einen z.B. Spielsüchtigen Charakter darstellst, ob Du bei der Spielsitzung in mit Karten rumspielst, oder wenn Dein Char Daddelsüchtig ist, die Playstation anmachst und losspielst. Also alles wo man erst einmal überlegt ob das ggf geht.

    Aber vllt etwas „doof“ formuliert :-)

    Gruß
    Der Gründervater // Würfelheld

    Gefällt 1 Person

    • Immer wieder gerne doch, ich fand die Fragen spannend.

      Bezüglich Frage 4 und den Grenzen: Ah, okay, so meinst du das. Hm, doch, das könnte ich mir sogar vorstellen. Die Playstation anmachen nun nicht gerade, aber vielleicht das Handy in der Hand halten (muss nicht mal angeschaltet sein) zum Beispiel. Ich glaube, an Karten habe ich sogar schon mal herumgefingert, als ich einen professionellen Gambler gespielt habe. Und – das hat jetzt nichts mit Spielen zu tun, aber mit Props am Spieltisch – mein Dresden Files-Autor schreibt in-game Tagebuch (das werden dann auch meine Diaries zu der Runde). Out-game schreibe ich während des Spielens immer Stichpunkte mit, um hinterher eine Grundlage für die Diaries zu haben, und dieses Notizbuch, in dem ich herumkritzele, hat in-game schon mal als Prop für Ricardos Tagebuch hergehalten, und ich hantierte damit herum, als das im Spiel mal relevant wurde und das Tagebuch zu einem zentralen Element des gerade gespielten Abenteuers wurde.
      Also ja, das könnte ich mir tatsächlich durchaus vorstellen.

      Liken

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