Projekt ABC: O wie …

Beim „Projekt ABC“ handelt es sich um die Neuauflage einer Mitmachaktion, die jetzt, zum 10-jährigen Jubiläum, von dem Buchblogger Wortmann organisiert wird, nachdem das Original 2009 von dem Blog „Kerkis Farbkleckse“ ins Leben gerufen wurde. Bei dem Projekt sollen die teilnehmenden Blogs jede Woche ein Foto zum gerade aktuellen Buchstaben des Alphabets posten, und während ich auf meinem Zweitblog  Timber’s Travels für das Projekt Bilder von meinen Reisen und Ausflügen heraussuche, stelle ich in diesem Zusammenhang hier auf ‚Timber’s Diaries‘ passende Regelwerke aus unserer Rollenspiel-Sammlung vor.

Angesichts der Tatsache, dass auch die Umlaute zum Projekt gehören werden, sind wir erst jetzt in der zweiten Hälfte der Aktion angekommen, aber nun lässt die „Abwärtskurve“ sich nicht mehr hinauszögern. Wie die Zeit vergeht! Un-fass-bar. Aber jedenfalls geht es heute um:

O wie…

Mit Orkworld wollte dessen Autor einen Gegenentwurf zu den Orks aus J.R.R. Tolkiens „Herrn der Ringe“ und all seiner Fantasy-Abkömmlinge im Rollenspielbereich schaffen. Zu oft, fand er, waren Orks in Romanen wie Rollenspielen, die in klassischen Fantasy-Welten, in denen es Menschen, Elfen, Zwerge und Orks gibt, nur Kanonenfutter, nur böse, nur eindimensional dargestellt, und als Charakter in einem Rollenspiel übernehmen konnte man sie schon gleich gar nicht – zumindest, wie gesagt, in der Wahrnehmung des Autors. Ich bin mir selbst gar nicht sicher, wann auch andere Rollenspiele begannen, Orks als Spielercharaktere zu erlauben, aber heute jedenfalls gibt es Orks als Spielercharaktere in vielen Systemen, und gerade bei World of Warcraft zum Beispiel ist es ja genauso möglich, auf Horde-Seite Orks wie auf Allianz-Seite Menschen zu spielen. Wie dem auch sei, das im Jahr 2000 herausgekommene Orkworld erlaubt nicht nur Orks als Spielercharaktere, sondern es konzentriert sich ganz und gar auf sie. Der Autor gibt den Orks eine detailliert ausgearbeitete Stammeskultur mit eigener Sprache, eigenen Legenden und einem interessanten Kulturkonzept, und er liefert zahlreiche Ansätze für Abenteuer, die man in diesem Setting spielen könnte. Menschen, Zwerge und Elfen kommen vor, aber die Menschen und Zwerge haben eher eine untergeordnete Bedeutung, bzw. die Menschen, deren Kultur römisch angehaucht ist, breiten sich immer weiter aus und treffen allmählich immer häufiger auf das Territorium der Orks, und die Elfen sind grausam und angsteinflößend, ja regelrecht böse. Ich habe das Spiel lange nicht angefasst, aber ich glaube, jetzt, wo ich darüber schreibe, habe ich mal wieder Lust, in dieser Welt zu spielen, und sei es nur für einen kurzen One-Shot. 

Das kleine Indie-RPG One Last Job ist dafür gedacht, eine ganz bestimmte Art von Filmstory nachzuempfinden. Es geht um eine Crew von Leuten, die vor Jahren mal die unbestritten Besten auf ihrem Gebiet waren. Dann aber ging irgendetwas ganz fürchterlich schiefgegangen ist, und seit dieser Katastrophe haben die Charaktere sich nie wiedergesehen. Jetzt kommen sie für den oft bemühten sprichwörtlichen „letzten Auftrag“ noch einmal zusammen und müssen zeigen, ob sie es immer noch draufhaben. Dabei kann man alle möglichen Settings bedienen – ein Heist-Movie oder Action-Krimi mit Verbrechern als Charakteren bietet sich zwar an, aber genauso gut könnte man alternde Abenteurer in einer Fantasy-Welt spielen, die vor Jahren einen Drachen erschlagen haben und jetzt erneut das Königreich retten müssen; genauso vorstellbar wäre auch eine Truppe aus alternden Söldnern/Soldaten à la „The Expendables“ oder aus Westernhelden, die noch einmal den Revolver umschnallen müssen wie in Clint Eastwoods „Unforgiven“ – oder auch jedes andere Setting, in dem eine Gruppe nochmal zusammenkommt.

Das Besondere an dem Spiel ist, dass man die Charaktere nicht vor dem Spiel erstellt, sondern sie reihum in den ersten Szenen der Sitzung erspielt. Der Spielleiter fängt an* und gibt ganz grob einen Spezialisten für ein bestimmtes Gebiet vor, und wenn einer der Mitspieler sagt „Au ja, der interessiert mich“, dann wird die Rekrutierung und das erste Wiedertreffen (oder Wiederhören am Telefon) zwischen den beiden ausgespielt. Dabei können sie sich in die Haare bekommen, streiten, der Charakter androhen, den Auftrag abzulehnen – aber DASS der Charakter am Ende den Auftrag annehmen wird, das ist gesetzt. Das ist im Film ja auch immer so. Sobald der erste Charakter an Bord gekommen ist, wirft dessen Spieler einen zweiten Charakter in den Raum, und Charakter Nr. 1 führt das Rekrutierungsgespräch mit Charakter Nr. 2, und so weiter reihum, bis alle Charaktere definiert sind.

Bei den Rekrutierungsszenen und auch im Spiel hinterher wird absichtlich viel mit Rückblenden gearbeitet: Anfangs haben alle Charaktere exakt dieselben Werte auf dem Charakterbogen stehen, und erst, wenn im Spiel eine Würfelprobe schiefgeht, kann durch eine Rückblende definiert werden, warum der Charakter in einer Fertigkeit einen besseren Wert hat, worin er legendär gut ist und worin seine ganz besondere Ausrüstung besteht. So soll die Filmmechanik nachempfunden werden, bei der mit Rückblenden der Zuschauer (in diesem Falle die Gruppe gemeinsam) erfährt, was diese große Katastrophe damals eigentlich war. Ob die Crew am Ende in Frieden oder in Streit auseinandergeht oder der letzte Job gar in Mord und Totschlag endet, das hängt natürlich ganz an der Spielgruppe und daran, wie sich die Handlung im Verlauf des Abends so entwickelt.

*man kann das Ganze auch spielleiterlos angehen, wie wir das schon einmal gemacht haben. Dann überlegt man sich gemeinsam das Setting, wer der erste Charakter sein soll und wer ihn spielt, und der wird dann eben selbst nicht rekrutiert, sondern tätigt den ersten Rekrutierungsanruf oder -besuch bei Charakter Nr. 2.

6 Kommentare

Eingeordnet unter Pen & Paper, Projekte, Rollenspiel-Sonstiges

6 Antworten zu “Projekt ABC: O wie …

  1. Bin echt gespannt, ob ich mal welche lese, die ich auch kenne :)

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  2. One last job klingt wirklich interessant! Orks hingegen sind ja gar nicht so meine Baustelle… wobei ich die Herr der Ringe Filme ja liebe! :D

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  3. Pingback: [RPG-Blog-O-Quest] Mai 2019: „Regelwerke“ | Timber's Diaries

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