Projekt ABC: X wie …

Das „Projekt ABC„, eine Aktion, die 2009 schon einmal von dem Blog „Kerkis Farbkleckse„, durchgeführt wurde und jetzt, zum 10-jährigen Jubiläum, von dem Buchblogger Wortmann organisiert wird, neigt sich langsam dem Ende zu. Schon seit Jahresbeginn sind die teilnehmenden Blogger aufgerufen, jede Woche ein Foto zum gerade fälligen Buchstaben des Alphabets zu posten, was ich auf meinem Zweitblog Timber’s Travels mit Bildern von meinen Reisen und Ausflügen tue. Hier auf Timber’s Diaries hingegen mache ich Fotos mit Rollenspielbezug. Nur noch sechs Wochen vor dem Ende sind wir heute bei:


X wie…


Rollenspiele mit X gäbe es zwar ein paar (25 derzeit laut RPGGeek.com), aber wir besitzen keines davon. Also muss ich diese Woche wieder einmal ausweichen, und zwar auf ein Konzept, das seit einiger Zeit im Hobby aufgekommen ist: das der X-Card.

Die X-Card wurde von John Stavropoulos entwickelt und soll während des Spiels als Sicherheitsmechanismus dienen. Denn auch wenn man gerade, wenn man härtere Szenarien wie zum Beispiel Horror-Plots spielen möchte, vorher absprechen sollte, ob es für irgendwen am Tisch irgendwelche Tabus gibt bzw. wo die Grenzen liegen sollen, kann es trotzdem immer mal passieren, dass im Spiel Situationen entstehen, die dem einen oder der anderen am Tisch unangenehm sind, persönliche Ängste berühren oder sogar an traumatische Erlebnisse erinnern. Das muss gar nicht mal etwas sein, an das man von vorneherein denken würde, weil man es gar nicht für erwähnenswert hält. Aber angenommen, es kommt dann im Spiel eben doch etwas vor, was irgendwem aus der Gruppe – ganz gleich, ob MitspielerIn oder Spielleitung – zu viel ist, dann kann der- oder diejenige die X-Karte hochhalten oder darauf zeigen, und das Thema wird dann entweder ganz aus dem Spiel genommen oder die zu drastische Beschreibung abgemildert. Ein Beispiel wäre es etwa, wenn ich als Spielleiterin ein eigentlich völlig harmloses Fantasy-Abenteuer vorbereitet habe und dabei, weil ich eine düster-atmosphärische Stimmung aufbauen will, beschreibe, wie die Gruppe durch einen dunklen Wald wandert, in dem sich dichte Spinnweben zu beiden Seiten des Weges durch die Bäume ziehen und teilweise auch über den Weg spannen. Und wenn ich dann beschreibe, wie die Charaktere sich einen Weg durch die Spinnweben bahnen müssen und die Spinnweben den Charakteren durch das Gesicht streifen und sich Spinnen in deren Haare fallen lassen – wenn dann jemand in der Gruppe unter Arachnophobie leidet, ich das aber vorher nicht wusste, dann wäre das eben zum Beispiel ein Fall für die X-Karte. Idealerweise und in der überwiegenden Mehrzahl der Fälle braucht man sie gar nicht, aber falls es eben doch einmal zu einer entsprechenden Situation kommen sollte, kann es meiner Meinung nach nichts schaden, wenn man sowas auf dem Tisch liegen hat.

Das zweite Symbol auf der Karte neben dem X ist übrigens eine Pause-Taste, wie man sie von DVD-Spielern oder Audio-Playern kennt, und stellt ebenfalls eine Sicherheitstechnik dar. Wenn jemand aus der Gruppe, weil die gespielte Situation ihm oder ihr gerade zu nahe geht, oder weil er oder sie sonst ein Problem hat und eine kurze Pause braucht, in der das Problem besprochen werden kann, oder weil er oder sie aus welchem Grund auch immer eine kurze Pause im Spiel einlegen möchte, dann kann er oder sie die Karte mit der Pause-Taste nach oben hochhalten oder darauf deuten, um zu zeigen, dass er oder sie eben eine Pause braucht.

Diese hübsche Version der X-Karte samt Pausen-Symbol wurde übrigens von Torsten Panknin und dem Team des Erzählspiel-Zine eigens für den Gratisrollenspieltag 2019 designt – mein ganz herzlicher Dank geht nochmal an Torsten, dass ich ein Exemplar der Karte haben durfte!

9 Kommentare

Eingeordnet unter Pen & Paper, Projekte, Rollenspiel-Sonstiges

9 Antworten zu “Projekt ABC: X wie …

  1. Das mit dieser Karte höre ich auch das erste Mal.

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  2. Also so eine Art „Reißleine“ finde ich sehr sinnvoll. Meine Tochter würde schon schauern wenn sie das hier nur lesen würde mit Spinnweben und Spinnen im Haar ;-)
    Lieben Gruß
    Kirsi

    Gefällt 1 Person

    • Im Prinzip geht es auch ohne eine solche Karte – das Hobby ist 40 Jahre lang ohne ausgekommen, und wenn jemandem eine Situation unangenehm ist, dann kann er oder sie das auch ohne Karte ansprechen und um Abmildern oder Editieren der Szene bitten. Aber ich finde, wenn die Karte auf dem Tisch liegt, dann bleibt es der ganzen Gruppe in Erinnerung, dass man die Reißleine ziehen kann, falls nötig, und das gefällt mir daran.

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  3. Scheint praktisch und sinnvoll zu sein, so eine X-card! Bisher hatte ich davon noch nie etwas gehört. Ich kenne nur den guten alten „Joker“! ;-)
    Guten Wochenstart und lieben Gruß
    moni

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    • Es gibt innerhalb des Hobbys tatsächlich gerade so etwas wie eine Diskussion darum, ob man so eine Karte überhaupt braucht, Marke: „man kann ja auch ohne Karte jederzeit ansprechen, falls man mit irgendwas ein Problem hat.“ Aber ich finde, es kann nichts schaden, sie auf dem Tisch liegen zu haben. Wenn man sie nicht braucht, um so besser, und wenn eben doch mal eine schwierige Situation aufkommt, dann ist die Karte in meinen Augen eben doch praktisch.

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  4. Kenn ich leider nicht, aber es passt zum Projekt.

    Viele Grüße Anett

    P.S. Ich weiß noch nicht, was ich mit den Buchstaben mache.

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