Miami Files – Changes 3

13. Februar

Totilas hat von seinem Vater gehört. Richards Pläne wegen Sancías Heilung haben Formen angenommen. Sie wollen ein Ritual durchführen, um Sancía ihre Seele wiederzugeben. Richard hat ein Treffen mit uns allen vorgeschlagen, weil sie unsere Hilfe bräuchten, wie sie sagten. Übermorgen im Dora’s.

15. Februar

Okay, das wird spannend. Einmal Xibalbá und zurück, Römer und Patrioten. Jedenfalls bete ich dafür, dass es keine Reise ohne Wiederkehr wird.

Aber der Reihe nach. Bei dem Treffen heute gab Richard uns erst noch einmal einen kleinen Grundkurs darin, wie das bei Rotvampiren mit der Seele funktioniert: In dem Moment, wo ein Red Court Infected einen Menschen tötet, übernimmt der Dämon, der seit seiner Infizierung in dem Gebissenen lauert, den Körper des Infizierten, und dessen Seele wird aus seinem Körper gezogen und gelangt nach Xibalbá. Auch Sancías Seele muss noch dort sein, und wir sollen sie herausholen, damit Richard sie in seinem Ritual wieder mit Sancías jetzigem Ich verschmelzen kann. Dann hätte sie den Blutdämon zwar immer noch in sich, aber er wäre von ihrer Seele temperiert und unter Kontrolle und sie wäre kein Monster mehr.

Der Rote König plane irgendwas, das wohl in knapp einer Woche steigen soll, sagte Richard, irgendein großes Ritual, das den Vampiren im Krieg gegen den Rat der Magier helfen soll. Sie wollen wohl offenbar deren Scharfrichter der Magier ausschalten, den Magier mit dem schwarzen Stab.
Uns fror allen das Gesicht ein, als Richard den Magier mit dem schwarzen Stab erwähnte. Ach. Sieh an. Der Arsch. Aber Arsch oder nicht, von den Rotvampiren umgebracht zu werden hat er nicht verdient. Jedenfalls aber, erklärte Richard weiter, solle dieses Ritual in Mexico stattfinden, und zwar in Chichén Itzá. Richard und Sancía können uns ein Tor ins Nevernever öffnen, und zwar wollen sie das ebenfalls in Mexiko machen, in Chichén Viejo, direkt unter der Nase des Roten Königs.

Das wird riskant, Römer und Patrioten. Aber um die Mutter unseres Kumpels zu retten, ist es das Risiko wert.

18. Februar

Römer und Patrioten, wir haben die Musik für unser eigenes Ritual!
Und das kam so: Mamá hatte von diesem Konzert gestern abend gehört, das sie verlockend fand, aber Papá war mit seinen Freunden zu einem Spring Training-Spiel der Miami Marlins verabredet und wollte das nicht sausen lassen. Mamá war schon ganz enttäuscht und wollte ihr Konzert abschreiben, aber ich sagte ihr, ich begleite sie. Das war für sie etwas ganz Neues – eine abendliche Freizeitaktivität getrennt von ihrem Mann unternehmen! – aber ich konnte sie überreden, es doch mal in meiner Begleitung zu versuchen. Und weil ich erzählt hatte, dass ich nach Mexiko müsse – für eine Promotion-Aktion, versteht sich; jeglichen Hinweis auf Rituale und Vampire und dergleichen habe ich natürlich schön unterlassen – freute Mamá sich doppelt, vor meiner Reise noch etwas mit mir unternehmen zu können.

Langer Rede kurzer Sinn: Es spielte Band namens „Los Flamencos“, die Musik im Stil des Buena Vista Social Club machen. Das Konzert machte viel Spaß und die Flamencos waren richtig gut, also suchte ich hinterher kurzerhand den Kontakt und brachte mein Anliegen vor. Die jungen Leute waren sehr angetan von der Idee, beim Calle Ocho-Festival zu Feuerwerk aufzutreten, und versprachen, den Text meiner Ode an Miami mit einer Melodie zu versehen.

Ich war ganz erstaunt, dass das Gespräch mit den Flamencos völlig ungestört verlief – ich hatte schon befürchtet, dass Adlenes Geister uns wie bei unserem vorigen Versuch auf die Nerven fallen würden. Aber vielleicht hatten die mich in dem Moment gar nicht so sehr auf dem Schirm, weil ich nicht mit den Jungs, sondern mit meiner Mutter unterwegs war.

20. Februar

Morgen vormittag soll es losgehen. Wir rechnen etwa 36 Stunden mit dem Boot bis Cancún, und von dort aus mit dem Auto weiter.
Den Rest der Genius Loci-Gruppe haben wir natürlich informiert, dass wir ein paar Tage weg sein werden. Die Reaktion: „Alles klar, aber macht nicht so lange.“ Ja, das versteht sich natürlich von selbst, dass wir uns eilen werden, so gut wir können. Aber noch haben wir ja Zeit.

21. Februar

An Bord. Wenn wir alle nicht so angespannt wären, würde ich vielleicht in Versuchung kommen, das hier als kleine Urlaubstour zu genießen. Aber naja, wir haben ja noch ein bisschen Zeit. Und einfach auf’s Meer zu schauen, ist schon irgendwie beruhigend.

22. Februar

Wir sind in Cancún. Das Navigationsgerät sagt 2 1/2 Stunden bis Chichén Itzá. Ich glaube nicht, dass ich im Auto zum Schreiben kommen werde. Auf dem Rückweg vielleicht. Ansonsten, sobald wir wieder auf dem Meer sind. ¡Que Dios nos proteja en nuestro camino!

23. Februar

Zurück auf dem Boot. Wir sind alle wohlauf, und wir haben Sancía und Canché. Also ihre Seelen, meine ich; ihre Körper hatten wir ja schon vorher.

In Cancún wurden wir von Richard, Sancía und zwei weiteren Rotvampiren in Empfang genommen: Sancías Vorfahrin Canché und einem hiesigen Vampir namens Pedro. Einige Red Court Infected waren auch dabei, allesamt Angehörige des Ordens von St. Giles – das ist dieser Orden der Infizierten, zu dem wir vor ein paar Jahren auch Ciélo und Ocean geschickt haben.
Mit einem Van und zwei Jeeps machten wir uns auf den Weg. Wegen des Tageslichts waren die Vampire im Van; wir anderen teilten uns auf die drei Fahrzeuge auf. Dabei stieg mindestens ein St. Giles-Infizierter in jeden Wagen, und sehr bald wurde auch deutlich, warum das so wichtig war: Man merkte ganz genau, dass die Gegend unter der Kontrolle des Roten Königs stand, und irgendwie war die Stimmung nicht nur in unserem Auto sehr angespannt, sondern auch denen Menschen draußen vor dem Fenster war die Nervosität ganz klar anzusehen.
Trotz der Anspannung, und obwohl wir mehr als einmal angehalten wurden, gelang es unseren Infected, uns mit der Erklärung, wir seien unterwegs zum großen Ritual des Roten Königs, durch die Kontrollen zu bringen.

Wir parkten auf dem großen Touristenparkplatz von Chichén Itzá, wo ein ganzer Bereich mit Schildern in mehreren Sprachen abgesperrt war, die vor „Bauarbeiten“ warnten. Ja klar. Y una leche. Da sollten natürlich die Touristen, die ja weiterhin den Ort besichtigten, von dem Red Court-Ritual ferngehalten werden. Dort ließen wir die beiden Jeeps stehen und fuhren nur mit dem Kastenwagen tiefer in den Wald hinein.

Die angespannte Stimmung, in der wir uns alle befanden, habe ich ja schon erwähnt. Das lag nicht zuletzt an den Patrouillen, die wir beobachten konnten, wie sie ihre Kreise um Chichén Itzá drehten und denen wir tunlichst aus dem Weg gingen. Sie lag daran, dass das Wetter seltsam war, irgendwie elektrisierend. Oder vielleicht war das auch nur Einbildung.
Aber der Trupp teilnahmsloser Gefangener, die gerade in Richtung Chichén Itzá getrieben wurden, war keine Einbildung. Die Menschen waren ebenso wie ihre Bewacher in Maya-Gewänder gekleidet, und es brauchte nicht viel Phantasie, um sich vorzustellen, was sie am Ende ihres Marsches erwarten würde. Aber so sehr wir es hassten und so sehr wir an uns halten mussten, nicht aus den Autos zu springen und einzugreifen – wir hätten nichts tun können, und wir hatten eine andere Aufgabe, von der wir uns nicht abbringen lassen durften.

In Chichén Viejo stellten wir unseren Van an einer unauffälligen Stelle ab und warteten, bis es dunkel wurde. Dann trennte sich Canché von uns und machte sich auf den Weg zurück nach Chichén Itzá, zum Ritual des Roten Königs. Wir hingegen betraten mit Richard und Sancía den Ziggurat, während unsere verbündeten Red Court-Infected draußen und der Rotvampir Pedro drinenn bei den beiden älteren Raiths Wache hielten.
Bevor Totilas‘ Eltern uns das Tor ins Nevernever öffneten, machten sie uns noch klar, dass sie es bis Morgengrauen würden offenhalten könnten. Falls wir bis dahin nicht zurück wären, müssten sie es schließen und Sancía, die Vampirin, den Tag über schlafen. Wenn das passieren sollte, dann müssten wir eben den Tag über in Xibalbá durchhalten, bis sie das Tor wieder für uns öffnen würden.

Wie so oft, war der Schritt ins Nevernever hinein keine große Sache. Aber als wir einmal in Xibalbá waren, ließ sich diese Tatsache nicht übersehen. Da war der sternenlose, auch nicht schwarze, sondern irgendwie einförmig anthrazitgraue Himmel, da waren die Bäume, die so auf unserer Erde nicht existieren. Und da waren die Wege, die zu uns redeten und uns in die Irre führen wollten. Alex aber, der den Weg zum Glück kannte, ließ sich nicht beirren, und so kam irgendwann die Stadt Xibalbá in Sicht und dann auch immer näher.

Am Stadttor (ja, das war vom Aussehen her tatsächlich eine ganz normale Stadt mit Mauer) hielten zwei Männer Wache, die auf mich beinahe wie Abziehbilder wirkten – oder sagen wir vielleicht lieber wie zwei Comic Relief-Charaktere aus einem Animationsfilm. Sie wunderten sich etwas, dass wir als Lebende den Weg nach Xibalbá gefunden hatten, aber als wir ankamen, waren sie gerade dabei, die Vor- und Nachteile von Ballspielen und Autorennen zu diskutieren, und zu dieser Diskussion kehrten sie ziemlich schnell zurück und ließen sich davon noch eine Weile ablenken, bevor sie uns schließlich den Weg in die Stadt freigaben.

In der Stadt selbst war Ähnliches zu hören – kein Aufruhr, aber eben eine gewisse Aufregung und durchaus hitzige Diskussionen pro und kontra Ballspiele vs. Autorennen. Es war wie bei den Wachen am Tor: Manche standen auf dem Standpunkt, Autorennen seien neu und cool und interessant, andere hingegen vertraten die Ansicht, in Xibalbá müsse es Ballspiele geben, das gehöre so, während Autorennen, dieser neumodische Kram, sich nicht gehörten.
Architektonisch war Xibalbá übrigens sehr interessant. Da gab es viele Residenzen, die zwar aus einem einzigen Haus, aber aus zwei klar voneinander abgegrenzten Hälften bestanden – ein Zeichen dafür, dass Xibalbá von zahlreichen Zwillingsgottheiten beherrscht wird, darunter unser – ich will jetzt nicht sagen ‚Freund‘, das trifft es überhaupt nicht, also lieber ‚Bekannter‘ – Bekannter Ahalphu und sein Zwillingsbruder Ahalcana, zwei andere Maya-Götter namens Eintod und Siebentod und etliche andere.

Wir mussten uns etwas durch die Demonstranten drängen, die sich vor Ahalphus Residenzhälfte versammelt hatten, aber als wir erst einmal drin waren, freute die Pestgottheit durchaus, uns zu sehen. Natürlich fragten wir ihn nach der Menschenmenge draußen, und er erzählte, dass das Bewohner Xibalbás seien, die sich nicht mit den Autorennen abfinden, sondern zu den traditionellen Ballspielen zurückkehren wollten. Aber Ahalphu fand, die Diskussionen täten der Stadt gar nicht schlecht, dann sei wenigstens etwas los, und es werde nicht langweilig. Stimmt, Ahalphu war ja auch schon bei unserer ersten Begegnung ein großer Freund der Abwechslung.

Dann erzählten wir Ahalphu, weswegen wir nach Xibalbá gekommen waren: dass wir auf der Suche nach mehreren Seelen waren, die eigentlich nicht hier sein sollten, weil ihre Körper noch auf der Erde waren. Diese Information interessierte Ahalphu sehr – wenn dem so wäre, dann dürfte das eindeutig nicht so sein.
Er sagte uns, dass die Seelen der Verstorbenen, wenn sie nach Xibalbá kommen, zunächst in eines von sechs Häusern kämen und sich selbst daraus befreien müssten als Prüfung, ob sie Xibalbás würdig seien.
Wenn sie nicht schon ihren Weg hinaus gefunden hätten, dann wären die Seelen derer, die wir suchten, also vermutlich in einem dieser Häuser. Alex erklärte sich noch bereit, Ahalphu später noch seine Rennbahn aufzurüsten und zu verbessern, aber erst einmal mussten wir die Seelen suchen gehen.

Seine Verbindung zu Sancía führte Totilas tatsächlich zu einem der sechs… wie nenne ich sie? Seelenhäuser?… Seelengefängnisse, die Ahalphu erwähnt hatte.
Drinnen war es kalt. Eiskalt. Übernatürlich kalt. Niemand war zu sehen, aber es war etwas wie die Gegenwart von … etwas zu spüren, auch für uns, die wir hier niemanden suchen wollten.
Tatsächlich fand Totilas sowohl seine Mutter als auch deren Vorfahrin, dazu auch Pedro, der ebenfalls aus der Linie der Canché stammte. Vorher war jeder von ihnen alleine in seiner eigenen Phase gewesen, aber jetzt, wo sie alle beisammen und bei ihrem Nachfahren waren, konnten sie auch einander sehen und miteinander interagieren. Alle drei Seelen waren auf dem Stand ihrer Vampirwerdung, was bedeutete, dass die Sancía hier gar nicht wusste, dass Totilas inzwischen selbst zum Vampir geworden war – und genausowenig wusste sie, dass sie, bzw. der Dämon in ihrem Körper, ihrem Sohn einmal das Herz herausgerissen hat. Entsprechend schockiert war sie, aber vielleicht, weil sie sich das nicht so recht mit sich selbst in Verbindung bringen konnte, oder vielleicht auch, weil es gerade Dringenderes gab, nahm sie die Nachricht für den Moment vergleichsweise gelassen auf, und wir sahen zu, dass wir hier verschwanden.

Draußen vor dem Haus hatten die Demonstrationen und der Menschenauflauf zugenommen. Direkt als wir herauskamen, wurden wir von einer Gruppe militärisch aussehender Personen aufgehalten, die sich als Soldaten der beiden Blutgötter Chirikimat und Kuchumatkik – ‚vergrindete Wunde‘ und ‚Bluterguss‘, wer es unbedingt wissen will – zu erkennen gaben. Die Soldaten herrschten uns an, weil wir die Herausforderung nicht alleine angegangen wären, hätten wir die Prüfung nicht bestanden, und wollten uns zurück in das Haus drängen.
Wir erwiderten, wir seien ja nicht tot und unterlägen somit nicht den Auflagen Xibalbás, und wir könnten das Ganze ja vor die obersten Götter bringen, wenn die Krieger sich nicht sicher seien, was sie tun sollten.
Die Auseinandersetzung erregte einiges an Aufsehen unter den Umstehenden, die immer näher kamen und die Szene mehr als interessiert beobachtete, und so wagten die Soldaten es nicht, so recht, die Sache weiter zu verfolgen, und ließen uns ziehen.

Aber auch dann kamen wir nicht gänzlich ungehindert zurück zu unserem Ziel, denn auf halbem Weg stellte sich uns eine junge Frau, kaum mehr als ein Mädchen, in den Weg. Sie stellte sich als Maiskorn vor, Tochter des Zwillingsgottes Siebentod, und sie war extrem neugierig. Sie stellte uns eine Menge Fragen: Wer wir seien, was wir hier machten, warum wir gekommen seien. Sie grillte uns regelrecht, auch wenn sie dabei höflich und freundlich blieb. Sie sagte, sie habe das Gefühl, etwas stimme hier nicht, und sie wolle dem auf den Grund gehen.
Wir gaben ihr offen Auskunft, dann kehrten wir endlich zurück zu Ahalphus Residenz. Dort stellten wir dem Seuchengott die drei Seelen vor, die wir aus dem Haus der Prüfungen gerettet hatten, und Ahalphu stellte auf einen Blick fest, dass sie tatsächlich nicht hierher gehörten. Er fragte sich, wie das kommen könne, und wir erzählten ihm von den Rotvampiren und dem Roten König, der nach allem, was wir wussten, schon Jahrhunderte alt war und aus Mesoamerika stammte.
Aus unserer Beschreibung und nach einigen Nachfragen seitens stellte sich heraus, dass der Rote König offenbar Camasotz war, einer der niederen Götter Xibalbás. Der habe auf der Erde nichts zu suchen, erklärte Ahalphu ungehalten; er werde das untersuchen und sich der Sache annehmen.

Was jetzt allerdings unseren Rückweg beträfe, so könne der schwierig werden, weil uns vielleicht die Anti-Autorennen-Protestierer angreifen könnten. Am besten wäre es, so Ahalphu, wenn wir unter so viel Aufsehen wie möglich und in Begleitung einer großen Eskorte die Stadt verlassen würden.
Genauso machten wir es auch: Eine Gruppe von Rennfahrern führte uns bis vor das Tor, wo es sicher war, dann kehrten sie um, und wir setzten unseren Weg alleine fort.
Der Rückweg war auch nicht mehr so verwirrend wie die Gegenrichtung, einfach weil wir die Gegend jetzt schon kannten – aber vor allem, weil die Wege nicht mehr versuchten, uns in die Irre zu leiten. Sie waren nur etwas verwirrt, weil wir uns von der Stadt entfernten und nicht dorthin reisen wollten, aber sobald Alex ihnen klar machte, dass das Absicht war, gaben sie Ruhe.

Das Tor zurück in unsere Welt war noch da – offenbar waren wir entweder nicht so lange fort gewesen, oder es war schon die nächste Nacht. Aber das fühlte sich irgendwie nicht so an.
Auf der anderen Seite war alles ruhig und wie erwartet. Während Canchés Seele losflog, um ihren Körper zu suchen (was natürlich nur Alex sehen, wir anderen uns aber denken konnten), ließ die Wiedervereinigung mit ihren Seelen Sancía und Pedro unter dem emotionalen Ansturm taumeln und ziemlich die Orientierung verlieren, so dass Richard seine Frau stützen musste und Roberto Pedro half.
Eigentlich hatten wir vorgehabt, in der Nähe des Autos in Deckung auf Canché zu warten, deren Vampir-Ich ja das Ritual des Roten Königs hatte ausspionieren gehen wollen und die versprochen hatte, so bald wie möglich zu uns zurückzukommen. Aber vermutlich würde Canché durch die Wiederbeseelung ähnlich desorientiert werden wie die anderen beiden Vampire, also würde sie höchstwahrscheinlich Hilfe benötigen.
Wir hatten gerade beschlossen, nach Chichén Itzá zu schleichen und zu sehen, ob und was wir für sie tun konnten, da ging etwas durch den Wald. Ein metaphysischer Ruck, eine magische Druckwelle, besser kann ich es nicht beschreiben, und Sancía und Pedro kippten davon um wie gefällte Bäume. Aber – und das war seltsam für Rotvampire – sie waren am Leben, und damit meine ich wirklich Leben: Beide hatten einen langsamen und schwachen, aber gleichmäßigen Puls.

Jetzt mussten wir erst recht nach Chichén Itzá. Wir, damit meine ich uns fünf: Richard Raith wollte natürlich seine Frau nicht alleinlassen, und unsere Red Court Infected, die ebenfalls von der übernatürlichen Erschütterung erfasst worden waren und sich erst langsam wieder zu erholen begannen, blieben auch lieber am Auto zurück.

Uns bot sich ein seltsames Bild. Als wir uns der Kultstätte näherten, sahen wir zahlreiche Personen, die völlig verwirrt wirkten und sich kein Stück um uns kümmerten – vermutlich ebensolche Infizierte wie unsere eigenen Verbündeten –, aber keinen echten Rotvampir. Wir fanden Canché auf den Stufen der Pyramide, genauso reglos wie Sancía und Pedro, aber genauso am Leben.
Mit vereinten Kräften schafften wir Canché zurück zum Auto, und dann sahen wir zu, dass wir von dort verschwanden.

Die Fahrt verging erstaunlich ereignislos und ohne Probleme – es gab keinerlei Patrouillen mehr, keinerlei Straßensperren, aber dafür sahen wir erstaunlich viele Menschen, die entweder verwirrt umherstreiften oder beinahe verwundert aus ihren Häusern schauten, als hätten auch sie gemerkt, dass etwas anders war.
Und es war tatsächlich etwas anders: Als sie sich soweit wieder erholt hatten, wurde sehr schnell klar, dass unsere Verbündeten nicht mehr infiziert waren. Sie konnten es spüren, sagten sie – sie hatten keinerlei Verlangen mehr nach menschlichem Blut, und sie hatten auch keine der übernatürlichen Fähigkeiten mehr, die sie als Infizierte schneller und stärker gemacht hatten. Was auch immer da geschehen war, es hatte den Vampir-Anteil in ihnen ausgelöscht.
Wir kamen ungehindert zurück nach Cancún, wo wir uns von den St. Giles-Leuten trennten, die hier etwas Ordnung in das entstehende Chaos bringen wollten. Sie behielten auch Pedro bei sich, der ja ebenfalls hier lebte, der aber wie Sancía und Canché noch immer ohne Bewusstsein war. Wir kamen auch ungehindert zurück auf unser Boot, ungehindert aus dem Hafen… und da sind wir jetzt, unterwegs zurück nach Hause. Richard weicht nicht von Sancias Seite, und auch Totilas ist häufig bei seiner Mutter in der Kabine. Hoffentlich wachen Canché und sie bald auf!

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