[RPG-Blog-O-Quest] Mai 2020: „Online-Spiel“

RPG-Blog-O-Quest

Die von Greifenklaue und Würfelheld gegründete RPG-Blog-O-Quest ist seit Oktober 2015 eine feste Konstante der deutschen Rollenspielblogszene. Hierbei werden dem deutschsprachigen Rollenspielvolk entweder durch die Gründer oder durch ein anderes Blog jeden Monat fünf Fragen zu unterschiedlichen Themen gestellt. Diesen Monat kommen die Fragen wieder einmal von mir selbst – das Thema lautet „Online-Rollenspiel„.

Die Fragen:

  1. Welche Online-Plattform/en nutzt du zum Spielen und welche davon ist dir am liebsten?
  2. Welche Features der Online-RPG-Plattformen nutzt du? (z.B. Würfel, Charakterbögen, Notizen, Tokens, Karten, Bilder, Fog of War, etc.)
  3. Was sind für dich die Vor- bzw. Nachteile des Online-Spiels im Vergleich zum Spiel am Tisch?
  4. Spielst du online anders als offline, soll heißen: Stellst du in deiner Spielweise online zu offline Unterschiede fest und wenn ja, welche?
  5. Irgendwann wird die derzeitige Pandemie ja auch mal wieder vorbei sein. Willst du dann weiter Online-Runden haben oder nur noch am Tisch spielen, und in beiden Fällen: warum?

Timbers Antworten:

1. Welche Online-Plattform/en nutzt du zum Spielen und welche davon ist dir am liebsten?
Welche Plattform ich zum Spielen verwende, hängt von der jeweiligen Runde ab und davon, wie crunchy sie jeweils ist. Die meisten meiner Online-Runden habe ich sicherlich auf Roll20 im Verbund mit TeamSpeak, weil das das bevorzugte Setup auf der Drachenzwinge ist und ich das Online-Spiel zuerst über die Drachenzwinge kennenlernte. Aber ich spiele auch regelmäßig eine Online-Kampagne, die seit Jahren mit Google Hangouts zur Kommunikation, Google Docs zur Charakterwertdokumentation und Roll for your Party zum Würfeln auskommt. Zwei Runden in der Kombination aus Roll20 und Skype hatte ich in der Vergangenheit auch schon, aber diese Runden sind inzwischen beide leider eingeschlafen. Jetzt in der Pandemie habe ich neu auch Runden mit Roll20 + Discord sowie Streamyard + Google Docs + Roll for your Party.

Welche Plattform mir dabei am liebsten ist, hängt ebenfalls jeweils von der Runde ab. Ich mag Roll20 sehr gerne, weil man damit schön visualisieren kann, und zwar nicht nur für die regelschwereren Systeme und Elemente, sondern auch für die ganz regelleichten Geschichten, einfach, weil man darin bequem Bilder zeigen und neben dem Sprach-Chat auch Text-chatten kann.

Video hingegen brauche ich beim Online-Spielen gar nicht. Ich weiß, dass es viele Leute gibt, die auch online nicht darauf verzichten möchten, ihre Gegenüber per Kamera zu sehen, aber mir persönlich reichen die Stimmen völlig, und es hilft mir sogar bei der Immersion, wenn ich nur die Stimmen meiner Mitspieler.innen sehe und dabei auf deren Charakterbilder schauen kann. Selbst wenn ich mit Video spiele, z.B. über Hangouts oder Streamyard, habe ich das Video meist im Hintergrund und schaue gar nicht darauf.

2. Welche Features der Online-RPG-Plattformen nutzt du? (z.B. Würfel, Charakterbögen, Notizen, Tokens, Karten, Bilder, Fog of War, etc.?)
Das hängt auch wieder von der jeweiligen Runde ab. So gut wie allen gemein ist, dass auf der gewählten Plattform Charakterbilder gezeigt werden. Teils werden dabei einfach Bilder auf den virtuellen Spieltisch gezogen, teils werden die Bilder mit Hilfe des überaus praktischen kleinen Programms „Token Tool“ oder mit Hilfe von Photoshop in runde oder eckige Tokens gezogen – ganz gleich, ob diese Tokens letztendlich auf einer Battlemap herumgezogen werden oder an ein- und derselben Stelle bleiben. Bei allen Systemen, die Werte verwenden, werden auf die eine oder andere Weise die Charakterbögen auf der Plattform hinterlegt. Bei Fate werden die Aspekte der Charaktere der jeweiligen Situation auf dem virtuellen Spieltisch gezeigt, was sowohl der Spielleitung als auch dem Rest der Spielgruppe dabei hilft, die Aspekte genauso wie Stunts und Konsequenzen etc. im Blick zu behalten und anspielen zu können. Für Systeme, die mit Gummipunkten arbeiten (Fatepunkte bei Fate, Bennies bei Savage Worlds, Team-Pool bei Masks etc.) liegen die Gummipunkte entweder als frei verschiebbare Tokens auf dem Tisch, oder sie werden wie eine Art Karten verteilt. Und auch die Bilder von Orten, Gegenständen und NSCs finden auf dem virtuellen Spieltisch Platz. Bei den Systemen, in denen gewürfelt wird, verwenden wir die Würfelfunktion der gewählten Plattform; bei Systemen mit Spielkarten oder sonstigen Karten werden diese ebenfalls in der Plattform abgebildet. Für meinen Fiasko-Spieltisch in Roll20 verwende ich statt des normalen Roll20-Würfeltools so genannte ‚rollable tokens‚, um die Würfel den unterschiedlichen Gruppenmitgliedern zuschieben zu können, wie die Fiasko-Regeln das verlangen. Bei Fiasko habe ich auch die Playsets, die Tilt-Tables sowie das harte und das harmlose Aftermath als Handouts im Roll20 hinterlegt, damit alle Mitspielenden leichten Zugriff darauf haben. Dasselbe gilt bei unserem Masks- und Monsterhearts-Spieltisch im Roll20 für die Liste der Moves.

Echte Battlemaps kommen bei uns nur gelegentlich zum Einsatz – zum Beispiel, wenn wir Savage Worlds mit Figuren- (bzw. in diesem Falle Token-) Einsatz spielen. Die in Roll20 integrierte Fog of War-Funktion hingegen habe ich noch nie verwendet, genausowenig die Möglichkeit, über die in Roll20 integrierte Jukebox Musik einzuspielen.

Über die Jahre habe ich immer mehr dazugelernt, was die Funktionen von Roll20 betrifft, und ich habe auch in Sachen Verwendung von Bildern viel Neues gelernt. Während der virtuelle Spieltisch für das erste online von mir geleitete Abenteuer noch sehr minimalistisch war, gebe ich mir inzwischen große Mühe, dass meine virtuellen Spieltische möglichst auch ein bisschen hübsch aussehen.

3. Was sind für dich die Vor- bzw. Nachteile des Online-Spiels im Vergleich zum Spiel am Tisch?

Ein großer Vorteil beim Online-Spielen ist sicherlich, dass man für die Spielrunden nirgendwo hinfahren oder den Spieltisch in der eigenen Wohnung größer aufräumen muss. Es ist bequem, einfach den Rechner anzuschalten und nach wenigen Minuten losspielen zu können. Außerdem habe ich den Eindruck, dass online konzentrierter gespielt wird, dass also weniger Zeit mit Smalltalk außerhalb des Spiels verbracht wird, sondern diese Offtopic-Gespräche nur in den offiziellen Pausen stattfinden und während der echten Spielzeit auch ausschließlich gespielt wird. Wie ich oben schon ansprach, mag ich es auch sehr, nur die Stimmen meiner Mitspieler.innen zu hören und mir dazu deren Charakterbilder anzuschauen, was für mich der Immersion durchaus förderlich ist. Beim Online-Spielen kann man auch leichter nebenher etwas für die Runde im Internet recherchieren – offline geht das zwar auch, aber da reißt es mehr raus, habe ich immer den Eindruck. Online geht das mehr so nebenher.
Außerdem klappt es gerade in Roll20 mit seinem Text-Chat wunderbar, dass Charaktere kleinere Fluff-Nebengespräche im Textchat führen, während andere Charaktere gerade das gesprochene Spotlight haben. Wenn ich leite, kann ich mich auf den Textchat zwar nie so konzentrieren und muss das, was dort geschrieben steht, dann ggf. erst kurz nachlesen, aber als Spielerin weiß ich diese Möglichkeit zur Entzerrung sehr zu schätzen.

Was die Vorteile des Spielens am Tisch betrifft, ist es andererseits natürlich auch schön, die Freunde am gemeinsamen Spieltisch zu treffen und bei längeren Runden auch mal gemeinsam zu kochen bzw. zu essen. Und es kann auch großen Charme haben, echte Würfel in der Hand zu halten.

Alles in allem mag ich inzwischen beides und hat beides seine Vorzüge, und beide Spielarten stehen bei mir gleichberechtigt nebeneinander, ebenso wie auch das Rollenspiel in World of Warcraft und in Foren oder über sonstigen geschriebenen Text (auch wenn ich diese letzteren schon eine ganze Weile nicht mehr betrieben habe.)

4. Spielst du online anders als offline, soll heißen: Stellst du in deiner Spielweise online zu offline Unterschiede fest und wenn ja, welche?
Puh, das ist schwer zu sagen. Da man online ja nur die Stimme hört und keine Körpersprache sieht (Video zähle ich mal nicht, weil ich auch bei Video meist nicht in die Kamera schaue), beschreibe ich die Gestik meiner Charaktere mehr, als ich das am Tisch tue, glaube ich, weil ich am Tisch die entsprechende Geste einfach mache. Und ich glaube, ich beschreibe online öfter in der dritten Person als aus der Ego-Perspektive, während ich am Tisch häufiger aus der Ego-Perspektive spiele. Das will ich aber nicht beschwören, das muss ich in nächster Zeit mal beobachten.

5. Irgendwann wird die derzeitige Pandemie ja auch mal wieder vorbei sein. Willst du dann weiter Online-Runden haben oder nur noch am Tisch spielen, und in beiden Fällen: warum?
Ich habe ja nicht erst mit der Pandemie mit dem Online-Spiel begonnen, sondern spiele bereits seit 2015 neben meinen regelmäßigen Runden am Tisch auch online. Entsprechend rechne ich damit, dass meine bisherigen Online-Runden auch nach dem Ende der Pandemie ganz normal weitergehen und nur die vorübergehend auf online umgestellten Runden dann wieder an den Tisch zurückkehren werden.

Die Regeln der RPG-Blog-O-Quest:

  • An jedem Monatsersten stellt jemand – entweder die Questgründer Greifenklaue oder Würfelheld oder ein von ihnen beauftragter Blog – dem deutschsprachigen Rollenspielvolk fünf Fragen/Lückentexte. Die Veranstalter bitten darum, diese Fragen auf Blogs, in Podcasts, Vlogs oder in Foren zu beantworten (bzw. die Lückentexte auszufüllen).
  • Jeder Monat widmet sich einem Hauptthema, um das sich die Fragen drehen.
  • Über die Zusendung der Links, per Mail, Kommentar, usw. freuen die Organisatoren sich.
  • Jeder, der sich die Zeit nimmt, die fünf Fragen zu beantworten, ist herzlich willkommen.
  • Die verschiedenen “RPG-Blog-O-Quest” Logos dürfen in den Beiträgen benutzt werden.

Eine Auflistung aller RPG-Blog-O-Quests, an denen ich bisher teilgenommen habe, findet sich hier.

3 Kommentare

Eingeordnet unter Rollenspiel-Sonstiges, RPG-Blog-O-Quest

3 Antworten zu “[RPG-Blog-O-Quest] Mai 2020: „Online-Spiel“

  1. Danke nochmal für die schöne Blog-O-Quest!!!

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  2. Pingback: [RPG-Blog-O-Quest] Mai 2020: „Online“ – die Antworten | Timber's Diaries

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