Igniculus-in-Arden: 23. Dezember 2020

Nachdem sie zum Ende des Herbstes hin aus Gladius Draconis zurückgekehrt sind, verbringen die Igniculi den verschneiten Winter ruhig mit Gelehrsamkeit im Bund. So nutzt Guri beispielsweise das in Porta Caledonia neu erstandene Buch, um ihre Terram-Kenntnisse zu vertiefen, während Rosa Nocturna sich Imaginem-Forschungen widmet. Barde Cedric hält sich des öfteren im nahegelegenen Warwick auf, um bei Lautenspiel nicht nur etwas Geld zu verdienen (das hat er als Consors im Bund ja eigentlich gar nicht mehr nötig), sondern während des langen Winters auch mal andere Gesichter zu sehen.

Zu Beginn des Frühlings, sobald der Schnee einigermaßen anfängt zu tauen, zieht Principa Gudrid mit den Consortes Evelyn und Knut sowie einigen Bewaffneten in Richtung Süden los, um den Steinkreis aus der Geschichte zu suchen. Gegen Abend des zweiten Reisetages ist die Gruppe ungefähr in der Gegend angekommen, wo sich die „Whispering Knights“ befinden sollen. Der Weg führt durch ein verlassenes Dorf, und da sie den eigentlichen Ort wohl kaum vor Einbruch der Dunkelheit finden werden, beschließen die Igniculi, hier zu übernachten. Die Häuser sind zwar allesamt eingefallen und seit Jahren, wenn nicht seit Jahrzehnten oder gar Jahrhunderten, nicht mehr bewohnt, aber ein Gebäude ist aus Stein errichtet und hat ein in Teilen noch existierendes Dach und eine gemauerte Feuerstelle, so dass es eine bessere Unterkunft bietet als ein Lagerfeuer unter freiem Himmel.

Bevor sie sich zum Schlafen niederlegen, sehen die Igniculi sich in dem Haus um. Evelyn Streonas feine Ohren vermeinen aus dem Keller kommende Stimmen zu hören, allerdings in einer Sprache, die sie nicht zuordnen kann. Die Adlige zieht Guri hinzu, aber die Magistra hört die Stimmen nicht einmal, ganz zu schweigen davon, dass sie die Sprache verstehen würde. Ein Intellego Vim sagt der Maga, dass hier durchaus latente Magie zu finden ist (es herrscht auch eine leichte magische Aura vor), aber der Zauber enthüllt nichts Genaues. Mit Creo Ignem zaubert Guri daraufhin etwas Licht herbei, damit sie in den Keller hinunterleuchten können, aber da unten ist nichts, nur Staub und ein paar Ratten, die im Lichtschein davonhuschen. Also herrscht offenbar keine Gefahr.
Während die Grogs sich beim Wachehalten abwechseln, legen die Principa und ihre beiden nichtmagischen Gefährten sich zum Schlaf nieder – oder besser: Die beiden Frauen schlafen im Haus, und Knut wurzelt sich in Baumform draußen in die Erde.

Kurz vor dem Morgengrauen spürt Knut draußen in seinen Wurzeln ein Erzittern der Erde, und drinnen in der Hausruine wacht Guri von einem knarzenden Geräusch auf. Es klingt ein bisschen so, wie es klingt, wenn alte Häuser ‚arbeiten‘, aber dieses Geräusch hier ist eher so, als würde das Arbeiten von Jahrzehnten in einem einzigen Moment passieren. Aus dem offenen Kellerloch zieht Staub nach oben. Alarmiert weckt die Halb-Huldra Evelyn und die Grogs – auch der Wachehabende war gerade weggenickt – und sie verlassen schleunigst das Haus.
Draußen vor dem leeren Türrahmen stehend und misstrauisch hineinspähend, beobachten sie, wie sich das Innere des Hauses zu verändern beginnt, bis ihnen plötzlich eine Tür – eine neue, feste, in keinster Weise vergammelte Tür – die Sicht versperrt. Die Igniculae schauen sich um und bemerken, dass gerade die Sonne aufgeht und dass auch die übrigen Häuser im Dorf alle wieder intakt sind. Guri versucht sich erneut an einem Intellego Vim, um festzustellen, ob sie vielleicht in einem der ‚Reiche‘ gelandet sind oder dergleichen, aber es fühlt sich alles ganz normal an.

Aus dem Inneren des Gebäudes, in dem sie geschlafen haben, sind Geräusche zu hören. Evelyn, nicht faul, klopft an, und als ein Mann öffnet, späht sie an ihm vorbei, sieht eine Gaststube und fragt ihn kurzerhand nach einem Frühstück für die ‚Durchreisenden‘.
Der Mann ist etwas überrascht, so früh am Morgen schon Reisende im Dorf zu sehen, und erklärt, das Feuer sei noch nicht entzündet, aber wenn die Herrschaften ein wenig warten wollten, seien sie willkommen.

Drinnen beim Frühstück ergibt vorsichtiges Befragen des Mannes seitens der Gefährten, dass er von den „Whispering Knights“ noch nie gehört hat, dass das Jahr A.D. 725 sei (hier tut sich Evelyn hervor, die erklärt, dass dort, wo die Gruppe herkomme, nach einem anderen Kalender gerechnet werde und sie daher Verwirrung vermeiden wolle) und dass in der Nähe im Wald eine ‚weise Frau‘ wohne, die sich gut mit Kräutern auskenne und den Dorfbewohnung bei allen möglichen Leiden helfe, da man ansonsten ja auf durchreisende Bader angewiesen sei. Sie lebe zurückgezogen und wolle möglichst nicht gestört werden, sondern nur, wenn es wirklich dringend sei, aber der Mann – Richard – beschreibt den Igniculi bereitwillig den Weg. Den Namen der weisen Frau kennt er nicht – alle hier nennten sie immer nur ‚Großmutter‘, sagt er.

Das muss die Hexe sein, von der in der Legende berichtet wurde. Allein unter sich am Tisch theoretisieren die Igniculi eine ganze Weile darüber, was hier wohl passiert sein mag. Guri erzählt Knut von den Ereignissen vor einigen Jahren, als es sie in Begleitung von Evelyn Streona, Kräuterfrau Ethelred sowie der Magi Rosa Nocturna, Crispinus Comis und Wolfram in die Vergangenheit verschlug, wo die Gruppe verhinderte, dass die riesige Wildschweinmutter entstand und die Geister der römischen Soldaten an den Ort des damaligen Römerlagers gebunden wurden. Damals war die Gruppe auf magischem Wege wirklich in die Vergangenheit gelangt – vermutlich ist hier etwas Ähnliches geschehen. Nur wie, und warum?

Die Igniculi beschließen, die ‚weise Frau‘ aufsuchen zu wollen, und beratschlagen, ob man ihr die Wahrheit sagen oder es eher mit einer Ausrede versuchen solle. Evelyn gibt zu bedenken, dass Hexen häufig recht gut im Erkennen von Lügen seien, und rät zur Wahrheit. Gudrid stimmt grundsätzlich mit ihrer Gefährtin überein, will sich aber erst einmal ein Bild von der Frau machen, bevor sie entscheidet, ob Wahrheit oder Lüge angebracht sei. Immerhin könnte die Hexe gute oder böse Beweggründe gehabt haben, um den Heerführer und seine Leute in Stein zu verwandeln, oder vielleicht sei die Sache auch komplett anders, als die Legende sie überliefere. Die Igniculi wüssten noch zu wenig, um einfach blindlings gleich mit der Wahrheit herauszuplatzen.
Evelyn schlägt vor, dass die Principa doch einfach das Wort „Tannenzapfen“ ins Gespräch mit der Hexe einfließen lassen solle, wenn sie wolle, dass die Igniculi lögen. Aber Guri dreht den Plan um: Falls sie sage, es sei an der Zeit, die Würfel auf den Tisch zu werfen, dann sei die Wahrheit angesagt.

An der Waldhütte der alten Frau lässt die ‚Großmutter‘ die Igniculi bereitwillig ein und sagt ihnen auf den Kopf zu, dass sie an ihnen etwas ‚Seltsames‘ spüren könne. Nach einigem Hin- und Hergeeiere, während welchem Guri versucht, die Frau und ihre Beweggründe einzuschätzen und hierzu mehr oder minder seltsam anmutende Fragen stellt, beschließt sie, dass es nichts bringt, weiter um den heißen Brei zu tanzen, und bringt den vorher vereinbarten Spruch von den Würfeln.
Gemeinsam berichten die Igniculi nun der alten Frau von der Legende um die „Whispering Knights“ und ihrer Vermutung, dass in diesem Jetzt, also 725, das Ereignis, die Versteinerung, noch nicht eingetreten sei, aber vermutlich bald eintreten werde, und sie fragen die Hexe offen nach ihren Beweggründen.

Die Hexe berichtet, dass sie dem besagten Heerführer mit der Königswette ein so verführerisches Angebot gemacht habe, weil der Mann ein Unmensch gewesen sei, der schreckliche Grausamkeiten begangen habe. Sie habe nur die Bewohner des Dorfes, ja die Bevölkerung von ganz Mercia, schützen wollen und ihm deswegen diese Falle gestellt bzw. ihn betrogen, als es so aussah, als könne er wider aller Wahrscheinlichkeit doch gewinnen.
Leider habe sie bei ihrem Zauber eine Sache nicht bedacht, und so sei der Zauber an sich zwar erfolgreich gewesen, habe aber dazu geführt, dass die Bewohner des Dorfes seither immer wieder denselben Tag durchlebten – sie sei die einzige hier in der Gegend, die das wisse und merke. Außerdem habe es dazu geführt, dass gelegentlich Leute durch die Zeit fielen, also aus der Zukunft hier landeten – so wie das den Igniculi auch geschehen sei.

Und noch ein Problem gibt es: Der Erste, der auf diese Weise aus der Zeit gefallen sei, sei ein Gelehrter gewesen, ein Magier, jemand, der ebenfalls genau um die Legende der Whispering Knights wusste. Er habe den Heerführer aufgesucht und ihm von der Falle berichtet, woraufhin der Tyrann sich nicht auf die Wette eingelassen, sondern stattdessen das ganze Dorf niedergemacht habe. Die Igniculi sehen sich jetzt also vor der Aufgabe, dafür zu sorgen, dass die Versteinerung geschieht, wie sie eigentlich geschehen sollte, den Mord an der Dorfbevölkerung zu verhindern und dafür, den Teufelskreis aus dem sich immer wiederholendem Tag zu durchbrechen.

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Eingeordnet unter Ars Magica, Dienstagsrunde, Pen & Paper

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