Igniculus-in-Arden: 06. Januar 2021

Noch am selben Vormittag machen die Igniculi sich auf zum Hof des besagten Heerführers, eines gewissen Baron Humphrey, wo sich auch der ‚Gelehrte‘ aufhalten soll, der ihn gewarnt habe. Welchem Haus dieser andere Magus angehören mag, ist so aus der Ferne nicht zu sagen (die Hexe hat auch kein Hauszeichen an ihm gesehen), und genausowenig wissen die drei Sodales, was der Magus sich wohl von der Warnung versprochen hat. Sucht er Macht hier in der Vergangenheit, weil er die Zukunft kennt? Will er Vis? Schätze und Reichtümer? Die Gefährten diskutieren das zwar, aber zu einem schlüssigen Ergebnis kommen sie nicht.

Die Burg des Barons befindet sich nur einige Stunden entfernt von dem in der Zeit gefangenen Dorf. Ganz in deren Nähe kommt die Gruppe durch ein weiteres Dorf, das zwar nicht verlassen daliegt, aber sehr ärmlich und heruntergekommen wirkt, und auch die Bewohner machen einen abgerissenen und niedergeschlagenen Eindruck. Die Burg hingegen ist, ganz im Gegensatz zu dem Dorf, in sehr gutem Zustand, ohne sichtbare Baufälligkeiten und gut bewehrt. Es patrouillieren Wachen auf den Zinnen, und die Zugbrücke ist hochgezogen. Alles in allem macht die Burg einen finsteren, bedrohlichen Eindruck, auch und vor allem durch das Torhaus, das von seiner Bauweise her ein bisschen wirkt wie das Maul eines Wolfs oder Drachen.

Evelyn Streona fühlt sich sichtlich unwohl und fragt, ob sie die Festung wirklich betreten müssten.  Gudrid zögert, weil sie selbst nicht sicher ist – je nachdem, was der fremde Magus dem Baron gesagt hat, ist es nicht undenkbar, dass sie direkt in den Kerker geworfen werden, wenn sie auf der Burg vorsprechen. Vielleicht, überlegt Evelyn, wäre es besser, die Burg gar nicht zu betreten, sondern um ein Gespräch draußen zu bitten? Aber mit wem, fragt Guri: mit dem Baron oder gleich direkt mit dem Magus?
Als Adelige kennt Evelyn sich aus und weiß, dass es unhöflich wäre, nicht zuerst nach dem Herrn zu fragen, auch wenn man eigentlich mit dessen Gast sprechen möchte. Aber als Herr wird der wiederum nicht einfach so vor sein Tor treten, wenn irgendwelche dahergelaufenen Reisenden das verlangen. Also müssen die Igniculi wohl doch in den sauren Apfel beißen. Gudrid ruft die Wache an, und nach kurzem Gespräch, bei dem natürlich der fremde Akzent sowie der ungewohnte Name der Nordländerin auffallen, sowie einer gewissen Wartezeit, den Guri mit nervös peitschendem Kuhschweif verbringt, auch wenn das zum Glück unter dem Rock niemand sieht, werden die Fremden durch den unheimlichen Schlund in die Burg hineingebeten.

Im Audienzsaal werden die Igniculi von Baron Humphrey erwartet. Der Burgherr ist ein schon etwas älterer Mann, wirkt aber noch sehr gut beisammen. Als Umhang trägt er einen Wolfspelz inklusive des Kopfes des Tieres. Er macht einen etwas misstrauischen, oder eher wachsamen, Eindruck. „Was für Neuigkeiten bringt Ihr mir denn?“  Guri redet sich damit heraus, dass sie als Fremde von hiesigen Neuigkeiten gar nicht so viel weiß, sondern ihm nur Dinge aus ihrem Heimatland Norge berichten könnte, was den Baron aber nicht sonderlich interessiert.
Nach einigem Smalltalk erwählt die Principa, dass sie von einem Gast des Barons gehört hätte, einem Gelehrten, den sie auch gerne sprechen wollten. Natürlich will Humphrey wissen, woher die Nordländerin das habe und was sie von ihm wolle, aber wieder weicht Gudrid aus, das hätte sie unterwegs gehört, und sie habe selbst ein Interesse an Gelehrsamkeit und wolle sich gerne mit dem Mann austauschen. Worüber, kann sie noch gar nicht genau sagen, da sie den Gelehrten und somit seine Interessensgebiete ja noch nicht kenne. Der Baron scheint nicht völlig ablehnend gegenüber dem Ansinnen der Merinita, erklärt aber, das sei jetzt nicht möglich, sie seien beschäftigt, auch der Gast. Aber wenn die Reisenden wollten, könnten sie Zimmer bekommen und dann abends mit dem Gast sprechen. Tatsächlich hatten die Igniculi beim Hereinkommen gesehen, dass im Hof Pferde fertig gemacht wurden und generelle Aufbruchstimmung herrscht, also nehmen sie das Angebot an.

Tatsächlich werden den drei Reisenden nebeneinanderliegende Kammern zugewiesen, aber auch Wachen in dem entsprechenden Gang postiert, die offenbar dafür sorgen sollen, dass die neuen Gäste nicht in der Burg herumschnüffelnlaufen, aber die Igniculi nicht daran hindern, einander in ihren jeweiligen Zimmern aufzusuchen. Als eine Magd Wasser bringt, spricht Evelyn die Frau auf das ärmliche Dorf in der Nähe an, kann aus deren neutral formulierter Antwort – „der Herr tut, was er kann, aber es ist eben wenig Geld da“ – nur schlecht einschätzen, ob das der einzige Grund ist, oder ob die Dienerin mit einem anderen Grund hinter dem Berg hält.
Danach fängt die junge Adelige, die ja immer für ein Schwätzchen zu haben ist, noch ein kleines allgemeines Gespräch mit der Magd an. So erfährt sie zum Beispiel, dass der Burgherr unverheiratet ist, was der kleinen Klatschbase ein „ach, die Magistra auch!“ entlockt und ihr einen sehr bösen Blick von Gudrid einbringt (zumal Evelyn ja selbst nicht verheiratet ist, woran diese aber in dem Moment wohl nicht gedacht hat). Außerdem erzählt die Dienerin von dem neuen Gast auf der Burg, der ihr unheimlich ist und Angst macht – selbst der Herr habe ein bisschen Angst vor ihm. Es sei auch etwas seltsam, dass der Herr ihn überhaupt aufgenommen habe, weil der Baron eigentlich normalerweise nicht viel von Gästen halte. Man sehe aber von dem Mann nicht viel, weil er sich meist in seinen Gemächern im Keller auf halte. Die Magd kann gar nicht so genau sagen, wie lange der Fremde schon zu Gast sei – eigentlich nicht sonderlich lange, aber irgendwie fühle es sich an, als sei er schon immer hier gewesen.

Dann erwähnt Evelyn noch den Umhang des Barons, der sie sehr beeindruckt habe, und ob es viele Wölfe hier gebe. Nicht übermäßig viele, erwidert die Magd, aber der Herr habe sie schon selbst gejagt, und jeder seiner Ritter habe einen Wolf töten müssen, um ein Ritter zu werden.
Der Baron will König werden, weiß die Magd, aber das hat sie nur gehört, Näheres weiß sie nicht. Das wundert Evelyn, wenn er doch keine Gäste mag und wo Könige doch ständig Gäste empfangen müssten, aber dazu kann die Magd sich nicht näher äußern, sie kenne ja die Beweggründe des Herrn nicht. Aber er glaube wohl, er könne dem Land nützlich sein oder so.
Evelyn fragt noch einmal nach, ob es in der Gegend keine passende Frau für den Baron gäbe. Doch, bestimmt würde es irgendwo auch eine Frau geben, aber das Thema scheine den Herrn nicht zu interessieren. Das wundert Evelyn: Aber er brauche doch einen Nachfolger?
Die Dienerin beugt sich verschwörerisch vor: Es gebe Gerüchte, dass der Baron einen Sohn habe, den er aber nicht anerkannt habe. „Das habt Ihr aber nicht von mir.“ Da zwinkert Evelyn der Frau zu: „Ich habe auch nicht von Euch, wer die Mutter des Jungen ist.“ Das sei die Müllerstochter aus dem nahegelegenen Dorf hier, erfährt die junge Adlige.
„Ach wie gut, dass Ihr mir sowas nicht erzählt.“
„Nein, das würde ich nie tun – ich tratsche nicht.“
„Ich auch nicht, aber habt vielen Dank für das Wasser.“

Wieder unter sich, besprechen die drei Igniculi das Gehörte. Evelyn wundert sich erneut über Humphreys Ambitionen – in ihren Augen bedeute Königsein vor allem, Gäste bewirten und Audienzen halten zu müssen, und das wolle er ja nicht. Principa Gudrid widerspricht, dass in ihren Augen Königsein mehr bedeute.
Die junge Adlige schlägt dann vor, dass man mit dem Baron gut über das Thema Jagd sprechen könne, was Guri befürwortet – immerhin haben die Igniculi ja einige Erfahrung mit Wölfen.
Oh ja, begeistert sich Evelyn, sie könnten dem Baron eine Wette vorschlagen: dass es ihm nämlich nicht gelingen werde, einen Feuerwolf zu jagen. Dem hingegen schiebt die Principa vehement einen Riegel vor: Es werde keine Erwähnung von Feuerwölfen geben – und genausowenig von Feenwölfen oder sonstigen übernatürlichen Wölfen in irgendeiner Form. Schließlich wollen sie den Mann nicht auf dumme Gedanken bringen.
„Apropos: Gibt es eigentlich Feenfeuer?“
„Ja, aber auch das wirst du nicht ansprechen.“
„Schade.“

Nachdem das geklärt ist, beschließt die kleine Gruppe, das Dorf zu besuchen und nach dem unehelichen Sohn der Müllerstochter zu suchen.
Wie sie schon bei der Anreise gesehen haben, ist das Dorf sehr ärmlich. Es gibt aber eine Taverne, in der die Igniculi, nachdem der Wirt für eine Münze, bei der ihm völlig egal ist, dass es sich um eine fremde Prägung handelt, etwas Brot und Käse bringt, ein Gespräch beginnen.
Zunächst kommen die üblichen Bemerkungen seitens des Wirts, dass sie hier wenig Gäste hätten, und Guri erklärt, dass sie auf der Durchreise seien, dann bringen die drei das Thema auf die trutzige Burg. Zunächst sieht es so aus, als wolle der Wirt ihnen sein Leid klagen, aber dann bremst er sich doch in letzter Sekunde, als ihm klar wird, dass er gerade dabei ist, sich um Kopf und Kragen zu reden, und auch die beruhigenden Worte seiner Gäste helfen da nicht weiter. Aber immerhin ist er bereit, über andere Themen zu sprechen, so beispielsweise über Wölfe – auch er weiß, dass eine Wolfsjagd die Aufnahmeprüfung für die Ritter des Barons darstellt – oder darüber, dass der Baron Ambitionen hat, König zu werden, und dass er und seine Leute heute mittag durch das Dorf geritten sind. Auch die Geschichte von der Müllerstochter und ihrem Sohn gibt er zum Besten, mit etwas mehr Einzelheiten als die Magd auf der Burg. So habe die Müllerstochter die Aufmerksamkeit des Barons erregt, und so habe er sein Recht eingefordert, ihr beizuwohnen, und dann sei sie schwanger geworden, woraufhin kein Mann sie mehr habe zur Frau nehmen wollen. Ihr Sohn sei inzwischen beinahe ein Mann und lebe mit seiner Mutter und deren Eltern auf der Mühle.
Na dann sei es wohl an der Zeit, sich für die Rückreise mit ein wenig Mehl zu versorgen, befindet Guri. Zum Dank für die Auskünfte gibt die Principa dem Mann ein weiteres kleines Geldstück, was aber genug ist, um bei den Leuten begehrliche Blicke zu wecken.

Auf dem Weg zur Mühle bemerkt der wachsame Knut, dass die kleine Gruppe von einem Mann verfolgt wird. Der magische Baum warnt seine beiden Gefährtinnen, und sie passen den Verfolger hinter einer Häuserecke ab. Völlig überrumpelt versucht der Mann, sich herauszureden, er habe nur fragen wollen, ob die Reisenden vielleicht einen Führer benötigten, aber den Igniculi ist klar, dass er eigentlich eher auf eine Gelegenheit gewartet hat, die drei zu bestehlen, und sich nur nicht recht getraut hat, weil sie ja auch Bewaffnete bei sich haben.
Die Sodales machen dem Kerl klar, dass sie ihn durchschaut haben, und befragen auch ihn. Viel Neues kommt dabei nicht heraus, aber immerhin will der Mann von einem befreundeten Wachmann gehört haben, dass der Baron und seine Leute zu einem Dorf in einiger Entfernung geritten seien, wo es eine Hexe geben soll, der die Truppe den Garaus machen wolle.
Die Igniculi machen dem Möchtegerndieb klar, dass sie ihn finden werden, falls nötig, und setzen dann ihren Weg zur Mühle fort.

Hinterlasse einen Kommentar

Eingeordnet unter Ars Magica, Dienstagsrunde, Pen & Paper

Kommentar hinterlassen:

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google Foto

Du kommentierst mit Deinem Google-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s

This site uses Akismet to reduce spam. Learn how your comment data is processed.