Igniculus-in-Arden: 16. Juni 2021


Allmählich neigt der Tag sich dem Ende entgegen. Die Menschen im Dorf beenden ihr Tagewerk, und auch die Igniculi machen sich auf in Richtung Ottos Scheune. Zum einen ist das die einzige Unterkunftsmöglichkeit im Ort, und zum anderen hoffen die Sodales, dort auf diesen Bartholomew zu treffen. Der Teilzeit-Gastwirt, der sich ansonsten auch als Arbeiter auf den Feldern verdingt, wohnt mit seiner Familie in einem kleinen Haus nebenan, aber in der Scheune hat er hölzerne Trennwände eingezogen, Pritschen mit Wolldecken in die so geschaffenen ‚Boxen‘ gestellt und auf diese Weise einige Schlafkabinen geschaffen. Außerdem dient die Scheune auch als Taverne, wo man unter anderem Ottos selbstgebrautes Bier trinken kann. Bessere Leute, denen die Scheune zu primitiv ist, lädt er auch durchaus schon einmal in sein Haus ein, und im Falle von größeren Gruppen übernachtet er samt Frau und Familie auch schon einmal selbst in der Scheune und überlässt das Haus ganz seinen Gästen. 

Otto freut sich sichtlich über Cedrics Besuch, weil das für den Wirt bedeutet, dass er mehr Bier absetzen kann, wenn der Barde bei ihm aufspielt. Das sagt Cedric ihm auch gerne zu, bevor das Gespräch ganz von selbst auf die Vorfälle kommt. Otto ist sich nicht sicher, ob Lord Philip überhaupt schon weiß, dass Baldwin tot ist, aber falls nicht, wird er es wohl spätestens in ein paar Tagen erfahren haben; Baldwin war ja immerhin sein Musiker. In bezug auf Baldwins Tochter erzählt der Wirt, dass im Dorf das Gerücht umgehe, Olivia könnte etwas mit dem Tod ihres Vaters zu tun haben – die beiden hätten sich des öfteren gestritten, weil Olivia die Welt habe sehen wollen: Baldwin sei als Vater einfach zu weich gewesen. Ottos Töchter würden verheiratet, sobald sie alt genug dafür wären, erklärt der Wirt. Das sei so anstrengend mit Töchtern, ständig müsse man auf sie aufpassen, zum Glück habe er auch noch Söhne. Die Töchter sind alle noch längst nicht im heiratsfähigen Alter, aber dennoch ermahnt der Wirt Cedric streng, er werde ihn im Auge behalten. Der Barde ist empört. „Du kennst mich doch!“ . „Ja, eben!“, schießt Otto zurück. Cedric versichert, er sei ein Ehrenmann, und bekommt die Antwort: „Ich verlasse mich darauf!“

Nachdem auch die Maga – mit ihrem bürgerlichen Namen Briar Pugh, nicht als Constantia ex Flambeau – und Knut als Nordländer vorgestellt sind, bekommen die Igniculi die Auswahl, ob sie in Ottos Haus oder in der Scheune übernachten wollen. Da sie ja mit diesem Bartholomew reden wollen und der in der Scheune schläft, wählen auch die drei Sodales die etwas schlechtere Unterkunft, die sie kostenlos mit Logis gegen Cedrics Auffspielen an den Abenden erhalten. Bartholomew sei seit einigen Wochen da, erzählt der Wirt; er sei ein Freund von Baldwin, die sich wohl in Baggington bei Lord Philip kennengelernt und ihr gemeinsames Interesse an der Musik entdeckt haben, woraufhin Baldwin dann Bartholomew einlud. Baggington ist das Dorf, in dem auch Baldwins Witwe Mary zu Besuch war. Es ist etwa genausoweit entfernt wie Igniculus-in-Arden, wobei der Weg zunächst derselbe ist, man dann aber etwas auf halber Strecke abbiegen muss.

Die Sodales suchen sich ein Plätzchen in der Scheune. Nur Bartholomew hat eine ‚Box‘ besetzt, die anderen fünf – insgesamt sind es drei auf jeder Seite eines Ganges, wie bei einem Pferdestall – sind frei; sonst schläft niemand hier. Über dieser Ebene befindet sich ein Heuschober, der mittels einer Leiter erreicht werden kann. Weiter vorne hat Otto zwei Fässer und ein Brett als Theke für den Ausschank hingestellt. Weitere Fässer stehen als „Tische“ herum, während solide gebaute, nicht unbedingt hübsche, Hocker und Schemel als Sitzgelegenheiten dienen. Echte Tische und Stühle gibt es nicht.

Als die Sodales hereinkommen, ist die Scheune ist leer; Bartholomew ist gerade nicht da. Seine Box, die letzte in der hinteren Ecke, ist halb offen, so dass man hineinschauen kann: Da liegt achtlos hingeworfen ein Reisebündel. 
Während Constantia und Knut im Gang zur Ablenkung ausgiebig und laut diskutieren, welche Boxen sie am besten belegen sollen, huscht Cedric in Bartholomews Unterkunft, um kurz dessen Habseligkeiten zu durchsuchen. Außer dem Reisebündel finden sich da einige unachtsam hingeworfene Kleidungsstücke, und in der Tasche selbst einige haltbare Lebensmittel sowie einen Satz besserer Kleidung, die auch für den Besuch bei einem Lord angemessen wäre, aber ziemlich bunt gehalten ist und zu einem Spielmann passen würde.

Nach dieser kurzen Untersuchung wählen die drei Sodales sich je eine Box (Knut gegenüber Bartholomew, Constantia neben Knut und Cedric neben Bartholomew, also gegenüber Constantia) und sind gerade mit dem ‚Einrichten‘, sprich dem Ablegen ihrer Sachen, fertig, da betritt ein Fremder die Scheune. Es ist ein junger Mann von etwa Mitte Zwanzig, mit dunklen Haaren und grünen Augen und durchaus gutaussehend, der robuste Reisekleidung trägt und wohl Bartholomew sein muss. 

Im Gespräch gibt der junge Mann sich als Bekannter und Kollege Baldwins zu erkennen. Ah, also auch ein Musiker? Ja, tatsächlich, gibt Bartholomew zu, er sei Spielmann. Er war nicht direkt mit Baldwin befreundet: Sie hätten sich kennengelernt und viel über Musik unterhalten – Baldwin sei ein sehr interessanter Mann gewesen, der viel über Musik gewusst habe, auch Dinge, die Bartholomew noch gar nicht kannte. Cedric erkundigt sich, was genau das für neue Dinge gewesen seien, was zu einer angeregten Unterhaltung über Musiktheorie führt. Weil Cedric selbst sehr gut in seinem Fach ist, weiß er, wovon Bartholomew redet, und kann einschätzen, dass dieser ein überaus kompetenter Gesprächspartner ist – es handelt sich um ein durchaus komplexes und anspruchsvolles Thema, das nichts für Feld-Wald-Wiesenspielleute ist, die sich lediglich mit ihrer Laute ein paar Kupferstücke verdienen. Cedric erkundigt sich etwas genauer, unter anderem auch, ob Baldwin in letzter Zeit neue und andere Musik gemacht hätte als früher (sprich, nach der unheimlichen Musik, die der Feldarbeiter erwähnt hat), aber davon weiß Bartholomew nichts. Tatsächlich fällt Cedric auf, dass der andere Barde während des Gesprächs etwas abgelenkt wirkt, als habe er einen Gedanken, den er verfolge und der die ganze Zeit im Hintergrund mitlaufe.

Constantia steigt mit der Frage nach Baldwins Tochter in das Gespräch ein, und ob Bartholomew sie kenne. Ja, dem ist so, und der Spielmann weiß auch, dass Olivia verschwunden ist. Er habe den ganzen Tag lang nach ihr gesucht, sie aber nicht finden können – deswegen sei er auch nicht auf der Beerdigung gewesen. Cedric kommt der Verdacht, das könnte vielleicht eine Ausrede sein, damit Bartholomew die Kirche nicht habe betreten müssen, aber das kann er nicht einschätzen. Es klingt jedenfalls ein wenig so, als habe Bartholomew sich Sorgen um Olivia gemacht. Ob er allerdings in das Mädchen verliebt ist, lässt sich nur schwer sagen – vielleicht hat er ein gewisses Interesse an ihr, vielleicht auch nicht, oder vielleicht hatte Baldwin versucht, seine Tochter bei Bartholomew unter die Haube zu bringen?

Getarnt als das normale Interesse eines Musiker-Kollegen, erkundigt Cedric sich nach Bartholomews Instrument und erfährt, dass der Spielmann, wie Cedric ja sicherlich schon gehört hätte, eine Leier besaß, die er aber bei Baldwin gelassen habe und die jetzt zerbrochen sei.

Im Gegenzug fragt Bartholomew nach den Igniculi und dem Grund ihrers Hierseins. Cedric sagt etwas von wegen ‚Besuch beim Köhler‘, erklärt sich aber vor allem mit der Begründung, er sei ebenfalls Spielmann und spiele gelegentlich hier, und heute eben auch wieder einmal. Beim diesem Thema fragt Constantia auch nach Paul, dem toten Spielman aus dem Wald. Bartholomew kannte ihn, sagt er, hielt ihn aber für einen Aufschneider: Paul habe erzählt, er sei im Heiligen Land gewesen und mit Königen gereist – wenn dem so war, warum sei er dann hier gewesen? Ob er denn ein guter Musiker gewesen sei, will Cedric wissen. Schon recht solide, erwidert Bartholomew, aber über die Toten solle man ja nichts Böses sagen.

Als die Maga nach Pauls Laute fragt, bestätigt Bartholomew, die sei mit ihm begraben worden. „Wirklich?“, versichert sich Constantia, und der Spielmann nickt. Ja, und er hätte das nicht. Es war ein gutes Instrument, zwar kein Meisterstück, aber schon sehr solide, und er hätte es eher verkauft, um die Beerdigung zu bezahlen. Aber Baldwin habe darauf bestanden – er sei das Sprachrohr des Ritters hier im Ort gewesen, auch wenn Bartholomew nicht glaubt, dass Ritter Philip Paul überhaupt kannte, er also auch nicht glaubt, dass es die Idee des Ritters war, die Laute zu begraben, sondern dass das von Baldwin selbst gekommen sein muss. Baldwin sei ein sehr anständiger Mensch gewesen – vielleicht habe er nicht gewollt, dass die Leute denken würden, er habe sich an der Laute bereichern wollen.
Irgendetwas an der Erklärung weckt in Cedric einen Verdacht, den er aber in Bartholomews Gegenwart noch nicht mit den beiden anderen Igniculi teilt, sondern den Gedanken für später aufspart: Wenn Baldwin so darauf bestanden hat, die Laute zu vergraben, hatte er dann vielleicht andere Gründe als nur die reine Redlichkeit? War die Laute vielleicht verflucht oder dergleichen? Vielleicht sollten die Igniculi das Instrument ausgraben und untersuchen. Aber das ist eben eine Idee, die der Barde zunächst nur denkt und noch nicht ausspricht.

Mit der Erklärung, dass die Igniculi Olivias Mutter Mary versprochen hätten, nach dem Mädchen zu suchen und es keinen Sinn hat, wenn sie dieselben Stellen ablaufen wie Bartholomew, fragt Constantia den Spielmann, wo er schon alles gesucht habe. Er sei den Weg entlanggegangen bis zur großen Straße, die am Wald entlang führe, habe auch immer mal wieder abseits des Weges im Wald geschaut. Er habe ein wenig die Befürchtung, dass, was auch immer Paul zugestoßen sei, auch Olivia widerfahren sein könne – es sei zwar beruhigend gewesen, keine Leiche zu finden, aber dennoch. Auf die Frage, wie lange er noch im Ort bleiben wolle, erwidert Bartholomew, er wolle noch etwas weiter nach Olivia suchen, er fühle sich irgendwie verpflichtet.

„Olivia hat keine Musik gemacht, oder?“, will Constantia wissen.
„Nicht, dass ich wüsste“, antwortet Bartholomew. „Warum?“
„Nun ja, bisher sind zwei Musiker umgekommen.“
„Ohweh, daran habe ich ja noch gar nicht gedacht!“

Auch Legenden spricht die Flambeau an, ob die beiden Barden da etwas wüssten? Nun, geben tut es viele, aber so ganz direkt fällt weder Cedric noch Bartholomew eine ein, die auf diese spezielle Situation hier passen könnte. „Feen vielleicht?“, schlägt Bartholomew vor, aber das klingt nicht sonderlich überzeugt, sondern mehr, weil man Feen ja gerne mal für alle möglichen Dinge die Schuld gibt.

Zu guter Letzt laden die Igniculi Bartholomew auf ein Bier ein, um Smalltalk betreiben und den Mann unauffällig im Auge behalten zu können. Langsam füllt sich die Scheune mit Gästen, und Cedric beginnt aufzuspielen. Dabei bemerkt er, dass Bartholomew ihn und sein Spiel sehr aufmerksam beobachtet. Die meisten Gäste lassen sich von der Musik berieseln und finden sie zwar schön, aber sie bleibt eher im Hintergrund. Bartholomew hingegen taxiert Cedric regelrecht, als wolle er eifersüchtig abschätzen, ob der Barde genauso gut sei wie er selbst – oder vielleicht gar besser? Auch die Magd Elizabeth, mit der Cedric sich ja für den Abend verabredet hatte, ist tatsächlich in die Scheune gekommen und zeigt sich sehr begeistert von Cedrics Spiel, und so geht der Barde, nachdem er die Spielpausen jeweils mit der jungen Frau verbracht hat, anders als seine beiden Sodales nicht alleine ins Bett.

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Eingeordnet unter Ars Magica, Dienstagsrunde, Pen & Paper

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