Faurelia – Auf der Suche nach dem Tabestan (5)

„Walzer durch die Wand“

Cher journal,

wir sind tatsächlich zum Vulkan geflogen! Die Windelementare brachten uns gut voran, und bald konnten wir auch die Lavastraße sehen. Die Feuerelementare im Vulkan reagierten ebenfalls auf die Gitarre und Joaquins Gesang.
Am Vulkankrater angekommen, landete unser Matrose das Boot, und wir machten aus auf zu der Hütte, die am Rand des Kratest stand. Der Bewohner hatte uns wohl schon erwartet, denn ein alter Felide in einer verrussten Robe kam heraus. Ohne einen Ton zu sagen, hat er sich vor seine Hütte gestellt und auf seinem Stab ebenfalls Musik gemacht. Anscheinend wollte er die Elementare gegen uns aufbringen, Joaquin hörte jedenfalls auf, zu spielen. Der Alte machte ständig irgendwelche obskuren Gesten in unsere Richtung, ich weiss nicht, was er wollte, aber eingedenk der Worte von Sir Colton scheint es sich bei ihm wohl um den Hohepriester des Vulkans zu handeln.

Am Horizont konnten wir derweil beobachten, dass alle Schiffe inzwischen abgehoben haben, auch unsere Wolkenkuh, aber sie war natürlich nicht besonders schnell.

Der Priester kam auf uns zu, und er entpuppte sich bei näherem Hinsehen als ein grantiger alter Mann. Natürlich wollte er uns nicht sagen, was der Tabestan ist, obwohl er zugegeben hatte, dass er es weiss. Dann hat er sich beschwert, dass andauernd Leute vorbeikommen, und ihn danach fragen, und er sei das leid, seine Arbeit sei ihm zu müssig, er sei die ganze Zeit allein, ein Lehrling weit und breit nicht in Sicht, und überhaupt, wenn es hier eine Stadt gebe, würde er doch sicher da wohnen und nicht in einer verfallenen Hütte, mutterseelenallein an einem Vulkankrater!
Esmeralda und ich wussten plötzlich, was zu tun war: Wir haben uns zu dem alten Mann gestellt und ihn wie eine Schoßkatze gekrault. Das hat ihm gefallen! Er hat angefangen zu schnurren und uns verraten, dass es nicht ausreicht, zu singen, man müsse auch tanzen, um in die Stadt zu gelangen. Unser Angebot, uns zu begleiten, hat er dann aber doch dankend abgelehnt, er meinte, er würde sich dann sicher nur furchtbar ärgern, dass er nicht längst selbst den Versuch unternommen hat, die Stadt zu betreten.

In diesem Moment hielt nicht weit von uns das Schiff von Dottore Rappacini, und im Schlepptau hatte sie auch gleich noch die Piraten. Die Vaca indes konnten wir nur als brennenden Punkt am Horizont ausmachen.. I
Mit unserem Beiboot und einem improvisierten Kompass haben wir uns schnell zu einer Steilwand abgesetzt, hinter der einer der Felsen so merkwürdig waberte. Als wir näherkamen, sahen wir, dass dieses Wabern von Erd-und Feuerelementaren stammte, die miteinander tanzten, sehr hübsch und sehr koordiniert, aber so eng, dass wir selbst mit dem besten Elementarsänger nicht hindurch gekommen wären. Aber zum Glück hatte der alte Priester uns ja gesagt, dass wir tanzen mussten.

Patti: „Dann erfinden wir mal den Walzer.“

Im Menuettschritt tanzten wir paarweise durch die Wand, während neben uns bereits die ersten Musketen- und Kanonenkugeln einschlugen.
Als wir durch die Wand gelangten, mussten wir uns erst einen Moment orientieren, aber dann stellten wir fest, dass wir einer Höhle waren, einem schmalen Canyon mitten im Fels, in dem sich auf seiner ganzen Länge eine silberne Stadt befand. Irgendwann muss diese Stadt einmal grosser Hitze ausgesetzt gewesen sein, denn alle Gebäude sind geschmolzen. Daher konnten wir davon ausgehen, dass die Stadt definitiv unbewohnt war. Am Ende des Canyons konnten wir einen weitgehend intakten Palast sehen, dessen Aussenmauern reich verziert waren mit Glyphen, Symbolen und Totenschädeln. Lange konnten wir diese Ruinenstadt nicht bestaunen, denn es gab einen fürchterlichen Krach im Elementargefüge, und kurz darauf hörten wir, dass die Wand, die die Stadt bisher verborgen gehalten hatte, von einer Kanonenkugel gesprengt worden war.

Wir verloren keine Zeit und machten uns im Laufschritt auf in Richtung des silbernen Palasts. Hinter uns hörten wir, dass jemand die Höhle betrat, doch aus den Augenwinkeln war es mir nicht möglich, zu erkennen, ob es sich nun um die Piraten oder die Mannschaft von Dottore Rappacini handelte.
In aller Eile entzifferten wir die Symbole auf der Tür des Palasts, und da stand doch tatsächlich, dass man zur Öffnung Blut bräuchte – vielleicht könnte es aber auch heissen, dass man trommeln muss, so sicher war ich mir da nicht mehr. Joaquin hat einfach angefangen, auf seiner Gitarre zu trommeln, und Esmeralda hat ihn dabei unterstützt.
Während sich die Tore des Palastes quälend langsam öffneten, tauchten hinter uns Dottore Rappacine und Felice auf. Aha, sobald es um Forschungsergebnisse geht, interessiert er sich also wieder für seine Kinder. Wissenschaftler! Aber nicht mit uns, sollen sich die beiden doch mit El Sangrado und seinen Männern herumschlagen!

Nachdem wir durch die Tür geschlüpft waren, fanden wir uns in einem grossen Raum mit verschiedenfarbigen Platten auf dem Boden wieder, in dem ein Stein auf einem Sockel lag. Maurice, mein pragmatischer Bruder, nahm den Stein einfach hoch und… löste damit eine Falle aus! Aus einer der Wände kam jäh eine überlebensgroße Sichel geschossen, haarscharf verfehlte ihre Klinge Maurice. Aber Esmeralda erinnerte sich daran, dass im Knotenmuster des Teppichs, den wir aus Sir Coltons Haus mitgenommen hatten, das richtige Verzeichnis der Platten dargestellt ist.
Felice und seine Frau Doktor hatten doch tatsächlich in der gleichen Zeit nichts besseres zu tun, als sich darüber zu streiten, nach wem sie denn jetzt die Stadt und den Stein, den wir vom Sockel genommen haben benennen. Deren Probleme wollte ich haben.

Nocturama: „Du weisst doch, wie sowas läuft. Wir müssen das Ding zerstören und dann stürzt der Tempel ein.“

Am Altar fanden wir eine Rinne, die so aussah, als müsste in sie etwas eingefüllt werden. Ich sah mir das ganze näher an und stellte fest, dass dort kleine Auslässe gab, die mit irgendwas verstopft werden mussten. Aber wir hatten beim besten Willen nichts dabei, womit wir diese Auslässe verstopfen konnten, bis Esmeralda auf die Idee kam, sich die Haare abzuschneiden und sie in diese Auslässe zu stopfen. Derweil dachte sich Dottore Rappacini einen äusserst perfiden Plan aus, um uns dazu zu bringen, ihr zu verraten, wie sie den Raum durchquert: Sie schickte einfach den armen Felice vor! Aber Felice wäre nicht Felice, der wagemutige Forscher, wenn er nicht dabei weiter mit ihr äußerst heftig diskutiert hätte. Wahrscheinlich wird er noch seinen Enkeln davon erzählen, wie er dereinst die iralische Forscherin ausgetrickst hat, auch wenn es im Moment so aussah, als würde er seine Enkel vielleicht nicht kennenlernen.

Ich betrachtete den Stein näher, und siehe da – meine Elementarwaage schlug aus, und zwar sehr heftig. Wenn aber in diesem Stein nur ein Elementar wohnt, dann musste es ein sehr großer und mächtiger Elementar sein. Aber dort hatte ich einfach nicht das richtige Werkzeug, und so beschloß Maurice, den Stein einfach mitzunehmen.
In diesem Moment betraten die Piraten den Raum, und gleichzeitig – zunächst dachte ich, es sei die Schuld der Piraten, aber das war es nicht – begann alles um uns herum zu vibrieren. Die Wand hinter uns begann, herunterzufahren, und um uns herum schien alles einzustürzen. Hinter der Wand wurde eine grüne Oase sichtbar, und wir beschlossen, zu springen, auch wenn das bedeutete, dass wir alle anderen in der einstürzenden Halle zurücklassen mussten.

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