Miami Files – Dead Beat 5

Nach der Sache in den Everglades war an Schlaf natürlich erstmal nicht zu denken. Aber irgendwann waren dann unsere Aussagen aufgenommen, der Tatort gesichert, Henry und Alison ins Krankenhaus transportiert, und so kamen wir doch noch zu ein paar wenigen Stunden Nachtruhe. Theoretisch jedenfalls. Einschlafen konnte ich lange nicht, und als ich es dann tat, wurde ich von ziemlich beunruhigenden Träumen heimgesucht. Dass es nicht schlimmer war, habe ich dabei auch nur George zu verdanken, glaube ich, der schon vorher alles auffraß, was auch nur im Entferntesten danach aussah, als wolle es sich zu einem Alptraum auswachsen.

Das ist jetzt einige Tage her. Edward wurde inzwischen tatsächlich wieder in den Dienst berufen – und er hat auch zwei neue Kollegen. Suki Sasamoto und Salvador Herrero heißen die beiden, und sie scheinen ähnlich begeistert zu sein wie alle anderen, zum SID mehr oder weniger zwangsversetzt worden zu sein. Was die Gründe dafür sind, hat Edward noch nicht herausbekommen, aber so gut kennt er die beiden ja auch noch nicht.

Gestern dann rief Totilas uns mit einem Notruf ins Biltmore. Da waren nämlich sehr seltsame Dinge am Laufen.
In der Empfangshalle des Hotels wankte eine derangierte, mehr als nur leicht bekleidete Frau herum, die sich so ziemlich an jedes männliche Wesen heranwarf, das nur irgendwie in Reichweite war. Und dabei machte sie auch mit ihren Worten sehr deutlich, was sie von den so Angesprochenen genau wollte.

Als wir im Biltmore ankamen, war Totilas gerade dabei, die Dame unter den leicht verzweifelten Blicken des Rezeptionschefs in einen Nebenraum zu verfrachten. Der Notarzt war wohl auch schon bestellt. Das war aber bei weitem nicht der einzige Gast, der sich seltsam verhielt. Oben im von den Raiths angemieteten Flügel war Totilas zuvor schon auf einen anderen Gast gestoßen, einen gesetzten älteren Herrn, der mit einer Axt in der Hand gerade die Tür von Totilas‘ Cousin Vin öffnen wollte. Was dann geschah, erzählte Totilas nicht so genau, nur dass Cherie „da gewesen sei“. Seufz. Da wollte dann vor allem Edward nichts Genaueres wissen.

Da außerdem noch jede Menge andere Leute mit seltsamem Benehmen im Biltmore herumstreiften und sich tatsächlich jemand vom Dach gestürzt hatte, dauerte es nicht lange, bis jemand die Polizei alarmierte. Und es tauchten nicht nur gewöhnliche Streifenpolizisten auf, sondern nein, Beamte vom Drogendezernat, um Gerald Raith zu den Parties zu befragen, die im Raith-Flügel ja jede Nacht gefeiert werden. Was vielleicht nicht ganz ohne Grund geschah: Immerhin hat Antoine vom Sommerhof sein Geschäft mit den Feendrogen nicht komplett aufgegeben, auch wenn er von den Traumfresser-induzierenden Substanzen inzwischen glücklicherweise absieht, und Mrs. Parsen hat auf den Raith-Parties diese „Bonbons“ wohl eifrig unter die Leute gebracht.

Was mich daran erinnert, dass Edward erzählt, seine Mutter sehe wirklich jedesmal, wenn er sie trifft, jünger und strahlender aus. Mittlerweile wirkt sie anscheinend wie eine Mitt-Zwanzigerin. Ich kann mir vorstellen, dass Edward das gelinde gesagt … irritierend findet und seiner Mutter so weit als möglich aus dem Weg geht.

Jedenfalls.

Es war ganz gehörig etwas faul im Biltmore Hotel, und es gehörte nicht sehr viel dazu, um zu dem Schluss zu kommen, dass all diese Leute von irgendwelchen Geistern besessen waren. Nun hatte Gerald Raith ja eigentlich eine ganze Menge Geld ausgegeben, damit Spencer Declan genau gegen solche Vorkommnisse einen Schutzzauber um das Biltmore legen sollte, also hatte entweder Declan geschlampt (unwahrscheinlich), oder da war irgendetwas anderes schiefgegangen.

Wir fanden Declans Vorrichtung im Keller hinter einer offensichtlich von ihm mit einem geistigen Ward gesicherten Tür – wer das Schild „Betreten Verboten“ sah, wollte wirklich, wirklich, wirklich nicht in diesen Raum. Also ich jedenfalls nicht. Ich war mir mit einem Mal vollkommen sicher, dass dahinter etwas unaussprechlich Schreckliches lauern musste. Ich konnte Edward da nicht reingehen lassen; er stürzte sich immer ohne Ansinnen der Gefahr in jedes noch so selbstmörderische Risiko, fand ich plötzlich. Und dort hineinzugehen, wäre der sichere Selbstmord, davon war ich überzeugt. Also versuchte ich ihn zurückzuhalten, und zwar mit aller Kraft. Natürlich ist Edward stärker als ich, also machte er sich vergleichsweise mühefrei los. Ich baute mich trotzdem wieder vor ihm auf, und wer weiß, wie die Sache noch weitergegangen wäre, wenn Alex sich nicht überwunden und die Tür geöffnet hätte. Sobald das Schild zur Wand zeigte, so dass wir es nicht mehr ständig ansehen mussten, war das Gefühl nämlich weg.

In dem Raum stellte Edward jedenfalls fest, dass an dem dort aufgebauten Ritual herumgespielt worden war. Er konnte auch analysieren, was es jetzt tat, nämlich das genaue Gegenteil von dem, was es eigentlich sollte: Geister anziehen, anstatt sie abzuhalten. Wenn nicht Declan selbst die Sabotage an seinem eigenen Ritual vorgenommen hatte (extrem unwahrscheinlich), konnten das nicht allzuviele Leute gewesen sein. Adlene mit seiner Spezialisierung auf Geister fiel uns ein – ansonsten gibt es in der Stadt nämlich nicht allzuviele Praktizierer, die so etwas überhaupt beherrschen.

Edwards Fähigkeiten reichen jedenfalls nicht aus, um die Pfuscherei einfach wieder rückgängig zu machen, sagte er. Und auch Jack White Eagle, den wir um Hilfe baten und der freundlicherweise trotz seines eigenen Halloween-Stresses eigens zum Biltmore kam, um sich das Ganze anzusehen, war der Ansicht, dass da nicht sonderlich viel auszurichten sei. Mierda.

Und heute abend soll eigentlich hier die traditionelle Raith’sche Halloweenparty steigen. Mit jeder Menge neuem Futter für die besetzungswütigen Geister… Und natürlich können die Raiths auch nicht einfach mal eben so ausziehen. Und die Party ausfallen lassen schon gleich gar nicht. Das ist immerhin eine Raith-Party. Denn Gerald Raith hat ja gerade ziemlich viel Ruf zu verlieren und könnte sich eine solche Blamage keinesfalls leisten. Doppel-Mierda.

Aber das Motto der Party soll ja „Gruselwestern“ sein. Was, wenn sich die Party auf eine Ranch verlegen ließe, um das Western-Flair zu unterstützen? Dann müsste niemand merken, dass der Umzug eigentlich aus der Not geboren wurde…
Alex ließ also schon mal seine Kontakte spielen, um ein passendes Ranchgelände aufzutun, während Totilas, Roberto und ich uns Adalind schnappten, die Partyplanerin der White Courts (und selbst keine Vampirin). Die ist schon seit einem halben Jahr mit den Vorbereitungen für die Feier beschäftigt und war entsprechend unkooperativ. Eine Verlegung der gesamten Party sei logistisch völlig unmöglich, befand sie.

Es ging nicht anders, wir mussten Adalind gegenüber mit der Wahrheit herausrücken, warum die Verlegung dennoch absolut notwendig war. Totilas brachte ihr das also bei, und nach einigem Nachdenken erklärte Adalind, wenn es einen guten Grund gäbe, warum die Party nicht im Biltmore stattfinden könne, dann könne auch niemand Gerald einen Strick daraus drehen. Und eine Soiree auf der Ranch für einen verkleinerten Gästekreis von nur den wichtigsten Personen bekäme sie hin.

Einen guten Grund… also einen, der nicht nur auf die Raiths zeigen würde, sondern das ganze Hotel beträfe… eine vollständige Evakuierung also, oder zumindest eine von einem größeren Teil des Gebäudes als nur des Raith-Flügels. Aus höherer Gewalt, den man weder auf die Raiths noch auf uns würde zurückführen können. Hm. Da musste sich doch was machen lassen…

Während wir anderen mit Adalind redeten, war Edward übrigens bei Gerald. Ich weiß gar nicht genau, was eigentlich der Grund war, und was sie besprochen haben, darüber verlor Edward hinterher auch kein Wort. Geht mich auch nichts an.

Aber als wir dann wieder alle beisammen waren, hatte irgendwer, ich weiß gar nicht mehr, wer genau, die brilliante Idee für Geruchsbelästigung. Oder sagen wir, in der Theorie brilliant. In der Praxis war der Plan gar nicht so leicht umzusetzen. Immerhin war es inzwischen spät am Abend, das Hotel also auf Nachtbetrieb umgestiegen. Aber ein Haus wie das Biltmore ist auch in der Nacht nie vollständig ruhig, und wir durften uns auf keinen Fall erwischen lassen.

Also teilten wir uns auf. Einige Konstruktionszeichungen des Gebäudes ließen sich irgendwie auftreiben, anhand derer Alex sein Vorhaben besser planen konnte. Und dann lenkte Totilas alle Aufmerksamkeit auf sich und von uns weg, indem er in der Lobby eine betrunkene, exzentrische Szene aufführte, während Edward mit seiner technik-tötenden Aura die Kameraanlage des Hotels verhexte, damit es keine Aufzeichnungen für unser Tun gäbe. Roberto und ich wiederum gingen Alex zur Hand, als dieser – wie auch immer er das machte; manchmal glaube ich fast, sein handwerkliches Geschick ist auch eine Art Magie, oder wenigstens eine Art übernatürliches Talent – hier ein bisschen schraubte, da ein bisschen schweißte und auf diese Weise irgendwie die Abwasserleitungen mit der Klimaanlage verband.

Als er fertig war, merkte man die Veränderung nicht sofort, aber gegen Morgen durchzog ein absolut widerwärtiger Gestank das gesamte Hotel. Beschwerden der Gäste, helle Aufregung bei Personal und Management, und das Ende vom Lied: die Evakuierung des Biltmore. Ohne dass irgendjemand auf die herummarodierenden Geister aufmerksam geworden wäre oder uns mit der Sabotage in Verbindung gebracht hätte. Ha.

Dummerweise nur war dieser Vorfall der letzte Tropfen, der das Fass zum Überlaufen brachte. Mit dem Gestank konnte man die Raiths zwar nicht in Verbindung bringen, aber die Direktion hielt die exzentrischen Dauermieter für schuldig an dem überspannten Verhalten der Gäste in letzter Zeit, die ständigen wilden Parties belästigten die anderen Gäste, und dass jetzt auch noch die Drogenfahndung im Hotel erschienen war, sei gar nicht mehr haltbar. Daher wurden die Raiths überaus höflich und respektvoll gebeten, nach der Evakuierung ihren Flügel nicht wieder zu beziehen, sondern eine andere Unterkunft zu nehmen.

Nicht gut. Denn Totilas‘ Mutter hat ja ihre Rachepläne noch immer nicht aufgegeben, und im Biltmore hatte Totilas zumindest den Schutz seiner übrigen Verwandtschaft. Natürlich ist der Wiederaufbau des Raith-Anwesens in den zwei Jahren seit seiner Zerstörung schon sehr weit vorangeschritten, aber fertig ist es eben noch nicht, und so lange wird Totilas irgendwo eine eigene, einzelne Wohnung finden müssen, es sei denn, Gerald gelingt es, mit einem anderen Hotel einen ähnliche Langzeitvereinbarung zu treffen wie mit dem Biltmore.

Achso. Jack. Der bat uns vor seiner Rückkehr in die Kommune noch, uns um das jährliche Día de los Muertos-Ritual am Coral Castle zu kümmern. Denn eigentlich waren bisher immer die Orunmila dafür verantwortlich, beim Coral Castle aufzupassen und dafür zu sorgen, dass alles in geordneten Bahnen abläuft, dass die Geister der Toten um Mitternacht wieder zurückkehren und dass irgendwelche eventuell gefährlichen Geister erst überhaupt nicht herausgelassen werden. Dieses Jahr allerdings haben die Santo Shango das Privileg erhalten. Das war Cicerón Linares‘ Preis für die Rückgabe der Yansa-Maske. Und das ist Jack irgendwie … nicht so recht geheuer. Und außerdem ist er ja extra ins Biltmore gekommen, obwohl er eigentlich anderes zu tun hatte, also können wir ihm auch einmal einen Gefallen tun.

Allerdings war es eine lange Nacht, und wenn wir heute Abend dieses Ritual am Coral Castle überwachen sollen, dann sollten wir besser fit sein. Deswegen habe ich das hier gerade schnell aufgeschrieben und werde mich jetzt noch ein paar Stunden aufs Ohr hauen. Die anderen wohl auch, ehe wir uns nachher im Dora’s wieder treffen.

Später. Wieder mal würde ich nur im Weg stehen, während Edward und Jack White Eagle ein Ritual vorbereiten, also habe ich mir mein Tagebuch geschnappt und schreibe. So habe ich wenigstens keine Zeit, irgendwas Blödes zu machen. Oder drüber nachzudenken, was für ein elender Idiot ich schon wieder war, dass ich diesen verdammten verfluchten Luftballon angenommen habe.

Aber der Reihe nach. Wir trafen uns im Dora’s, wie geplant. Dort erzählte uns Totilas, dass er nicht wie wir anderen den Vormittag verschlafen hatte. Statt dessen war er alleine zum Coral Castle hinausgefahren, weil er ja nicht so viel Schlaf braucht, weil er ohnehin nur Alpträume gehabt hätte und weil er mit dem Letten Leedskalnin reden wollte. Das gelang ihm allerdings nicht. Denn mit einem Mal wurde ihm der Weg von einer Art Ritter versperrt – in einer Rüstung, die ganz und gar aus roter Koralle bestand.

Als diese Gestalt das Wort ergriff, sprach sie mit vielen verschiedenen Stimmen zugleich, wobei eine davon den Ton angab und auch von Totilas erkannt wurde: Es war die Stimme von Natalya, dem russischen Mädchen, das wir zur Sommersonnenwende nicht hatten retten können. Oh Dios. Natalya bezichtigte Totilas des Verrats und weigerte sich, ihn zum Letten durchzulassen. Aber immerhin bekam er heraus, dass sie durch das Ritual der Sommerfeen zu einem „Coral Guardian“ geworden war – sie ebenso wie die anderen geopferten Mädchen. Das waren dann wohl die drei anderen Wächter des Coral Castle, die, in schwarze, weiße und blaue Rüstungen gewandet hinter ihrem roten Kollegen warteten. Und die für die drei anderen Elemente standen, offensichtlich, denn Natalya war ja im Feuer gestorben.

Totilas gelang es dann noch, mit den Guardians auszumachen, dass er am Abend wiederkommen würde, weil er da gegen die bösen Geister kämpfen müsse. Das hörten die Schutzgeister des Coral Castle zwar alles andere als gerne, erklärten aber, in dieser Ausnahmesituation würden sie mit ihm kämpfen – sollte er allerdings ein andermal zurückkehren, würden sie sich gegen ihn wenden. Mit diesem Kompromiss musste er sich dann wohl oder übel zufrieden geben und trat den Rückzug an, um sich mit uns zu treffen.

Im Dora’s hatte unser Freund uns gerade seine Erlebnisse erzählt, und wir waren gerade am Überlegen und Planen für den Abend, da wurde die Straße draußen plötzlich von einer Explosion erschüttert. Und durch das Fenster konnten wir sehen, dass es Alex‘ Auto war, das er ganz in der Nähe des Donut-Ladens geparkt hatte. Natürlich war es ein Schock, natürlich kam es völlig unerwartet, aber seltsamerweise war ich tief im Innersten trotzdem nicht wirklich überrascht.

Draußen bot sich uns ein Bild der Verwüstung.
Trümmer überall. Schreie. Rufe. Panisch rennende Menschen. Leichtverletzte. Schwerverletzte. Um einen davon kümmerte sich Totilas, aber da waren so viele. An einer Wand lehnte ein Mann. Er lachte und lachte und lachte, und es schien ihn gar nicht zu kümmern, dass seine Hände völlig verbrannt waren.

Da ging definitiv etwas nicht mit rechten Dingen zu, also befragten wir den Mann, während wir erste Hilfe leisteten und auf den Krankenwagen warteten. Ja, er sei es gewesen, der das Auto gesprengt habe, gestand er kichernd. Starrte seine schwarzgekohlten Hände an und lachte wieder sein gruseliges, irres Lachen. Warum? Na, weil Jack es ihm gesagt habe.

Bei dem Namen „Jack“ blieb uns erst einmal die Sprache weg. Aber er meinte natürlich nicht unseren Freund White Eagle, soviel war sicher. Stattdessen hatte ich vor meinem geistigen Auge sofort Jack Skellington aus Tim Burtons „Nightmare before Christmas“ vor Augen. Muss an Halloween liegen.

Wenn Alex‘ Auto in die Luft gejagt worden war, hatte irgendwer vielleicht auch unsere anderen sabotiert? Und tatsächlich: An Totilas‘ Motorrad machte sich ein junges Mädchen zu schaffen. Ich rannte hin, die Kleine davon. Sie tanzte regelrecht vor mir her, und ich hatte das deutliche Gefühl, sie erlaube es mir, sie einzuholen.
Das Mädchen hielt einen Luftballon an einer langen Schnur fest, und als ich sie erreicht hatte, hielt sie an, drehte sich zu mir um und hielt mir mit einem strahlenden Lächeln ihren Luftballon hin. Und ich war so perplex, dass ich den Ballon annahm.

Als ich das tat, hüpfte das Mädchen von einem Bein auf das andere und lachte. Und es war dasselbe irre Lachen, das auch der Mann mit den verbrannten Händen gehabt hatte. Ich hatte „Jack“ vor mir, ganz eindeutig. Aber ehe ich noch groß reagieren konnte, drehte die Kleine sich um und hüpfte davon, und diesmal gelang es mir nicht, sie einzuholen.

Bei Totilas‘ Motorrad hatten die Jungs inzwischen herausgefunden, dass das von Jack besessene Mädchen tatsächlich etwas damit angestellt hatte: Eine in buntes Geschenkpapier eingewickelte Box war mit verdächtig aussehenden Kabeln an der Maschine befestigt worden. Dummerweise stellte sich eines der „Kabel“ als Schlange heraus, die Alex (denn er war es natürlich, der sich um das Entschärfen der Bombe kümmern musste) in den Unterarm biss. Dabei sprang der Kasten auf – gracias a Dios war es aber doch keine Bombe, sondern „nur“ eine mit Konfetti in allen Farben des Regenbogens gefüllte Schachtel, das jetzt von einem Schachtelteufel (einem Jack-in-the-Box, ahahaha) heraus- und Edward voll ins Gesicht geschleudert wurde.

Meinem und Edwards Autos war glücklicherweise nichts passiert, also kamen wir einigermaßen von dort weg, als die ganze Aufregung sich etwas gelegt hatte. Und stellten fest, dass nicht nur Alex‘ Schlangenbiss ziemlich übel war, obgleich unser Kumpel die Wunde gleich aufgeschnitten und das Gift hatte herausbluten lassen, sondern dass auch das Konfetti und der Luftballon viel mehr waren, als es den ersten Anschein gehabt haben mochte. Denn von Alex‘ Arm aus wandern inzwischen dunkle Linien langsam seinen Arm hinauf. Und Edwards Gesicht ist von einem Ausschlag befallen, der leicht anfing, aber zusehends schwerer wird, und der inzwischen auch schon seinen Hals hinabgewandert ist. Es juckt höllisch, sagt er, und wer weiß, was dieses Teufelszeug sonst noch alles mit ihm anrichten wird? Oder das Gift mit Alex? Oder der Luftballon mit mir?

Das ist nämlich kein normaler Luftballon, Römer und Patrioten. Als ob ich mir das nicht sowieso schon gedacht hätte. In der ganzen Aufregung um die Konfettibombe hatte ich den blöden Luftballon irgendwann einfach losgelassen, und er war davongeschwebt. Aber nicht weit. Als ich irgendwann hochschaute, schwebte er da über meinem Kopf, etwa zwei Meter über mir, und folgte mir auf Schritt und Tritt. Auch, als wir ins Auto stiegen und davonfuhren, flog er mir nach. Also haben wir nochmal angehalten. Wir fingen den Luftballon wieder ein und banden ihn irgendwo fest, sogar innerhalb eines Gebäudes, aber als wir dann bei Edward ankamen, schwebte der verdammte Ballon wieder über mir, als sei er nie weggewesen. Na gut, wirklich getan hat er mir bisher nichts, nicht so wie Alex‘ Schlangengift oder Edwards Konfettiausschlag, aber das Ding kam aus derselben Quelle, und es ist mir sowas von nicht geheuer. Dieser „Jack“, wer auch immer er sein mag, will uns nichts Gutes. Oh nein.

Wir riefen dann unseren eigenen Jack an, und als wir dem die Symptome beschrieben, zitierte er uns sofort in die Kommune. Das klänge ihm schwer nach einem Fluch oder etwas in der Art, meinte er, und da sei eine Reinigungszeremonie vonnöten. Na toll. Wieder mal nackig in die Schwitzhütte. Aber jedenfalls sind wir da jetzt. Und da ich momentan nichts mehr zu schreiben weiß, White Eagle und Edward aber immer noch an den Vorbereitungen für dieses Reinigungsritual sind, werde ich, glaube ich, ein kleines Nickerchen machen. Vielleicht kann ich George treffen, und vielleicht weiß der mehr über diesen ominösen „Jack“.

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