Die Hellfrost-Nachwuchsrunde (11)

Wir sind ja immer noch in der Burg, und es folgt als allererstes eine heftige Diskussion über die Aktionen von Katelar und Carimus. Katelar bringt zu ihrer Verteidigung vor, sie habe mit dem Beseitigen des Dämons zum Besten der Gruppe handeln wollen… na gut, natürlich auch zu ihrem eigenen, aber eben auch zum Besten der Gruppe. Carimus hingegen gibt sich zerknirscht und seinem Jähzorn die Schuld, den er nicht unterdrücken könne.

In der Debatte zwischen Diebin und Zwerg kommen auch ihre Diebstähle der Krone und von Grômans Silberbarren zur Sprache; Katelar meint, sie hätte den Magier ja noch nicht gekannt, als sie ihm das Silber stahl, und sie habe damals auch nicht damit gerechnet, länger mit ihm zu reisen.
Sie verspricht ihm aber, ihm alles zurückzuzahlen, und sie entschuldigt sich schließlich dafür, Gerid angegriffen zu haben. Yuka meint noch, sie solle sich nicht bei der Gruppe entschuldigen, sondern bei Gerid selbst, aber die Jarlstochter ist derart verwirrt und weggetreten, dass die überhaupt keine Ahnung davon hat, was geschehen ist.

Das Ende vom Lied ist, dass Anari wie Elf bei der Gruppe bleiben dürfen. Grôman erklärt noch, er wolle beide lieber im Auge behalten, als dass sie alleine losziehen und weitere Verbrechen begehen, und Carimus verspricht Yuka (dem der Elementarist die Entscheidung darüber überlassen hatte, ob der Bogenschütze bleiben dürfe), seinen Jähzorn zukünftig im Zaum zu halten.

Als das also geklärt ist, besprechen wir, wie wir weiter vorgehen sollen. Gerid muss gepflegt werden, soviel ist sicher. Aber in wessen Obhut sollen wir sie geben? Des Kynings, findet Grôman, denn immerhin sei Gerid die Tochter eines Jarls. Yuka hingegen vertritt die Ansicht, man solle sie zurück zum Frostriesen-Jarl bringen (der jetzt auch endlich einen Namen hat: Eofric Wiclafsunu). Denn Eofric Jarl kennt uns und würde uns vermutlich sofort eine Audienz gewähren, während das beim Kyning, der noch nie von uns gehört hat und uns für eine Bande hergelaufener Abenteurer halten würde, alles andere als sicher ist. Die Meinung des Finnar setzt sich durch, zumal der Weg zurück nach Deorstad auch deutlich kürzer ist als an den Kyningshof, und so machen wir uns mit Gerid im Schlepptau auf den Weg.

Wir haben einen Weg von drei Tagesreisen vor uns. Gleich in der ersten Nacht sieht Grôman (zumindest glaube ich, dass es der Zwerg war, aber es könnte auch einer der anderen gewesen sein) bei seiner Wache den Schein eines Lagerfeuers in einiger Entfernung. Die anderen werden aufgeweckt, und Katelar und Grôman schleichen sich hin. Es sieht aus wie das Lager eines einzelnen Reisenden: ein Einpersonenzelt, ein Feuer, das langsam niederbrennt, alles friedlich. Die Diebin und der Zwerg beschließen, dass er in der Nähe des fremden Lagers bleiben und dort aufpassen wird, während sie zum Rest der Gruppe zurückkehrt und dem Finnar und dem Taigaelfen bescheid sagt.

Gesagt, getan, und am nächsten Morgen nähern wir uns dem fremden Zelt gerade rechtzeitig, um zu sehen, wie eine nicht alte, aber auch nicht mehr ganz junge Frau herausgekrabbelt kommt. Wir machen uns bemerkbar, und es kommt natürlich zum Gespräch. Wir nennen unsere Namen, und die  Reisende stellt sich als Aud Hauksdohtor, Heilerin und Kräuterfrau, vor. Ja, sie sei alleine unterwegs, in unsere Richtung, bzw. nach Deorstad, und für Gesellschaft sehr dankbar, also tun wir uns zusammen. Ehe wir losreiten, fragt Grôman, ob sie in der Lage sei, etwas für seine und Carimus‘ Verwundungen zu tun, und die Kräuterfrau sieht sich den Brustkorb des Zwerges an, erklärt aber bedauernd, eine so alte und schwere Verletzung sei jenseits ihrer Fähigkeiten. Der Tag auf Reisen vergeht ereignislos mit Unterhaltungen: Aud scheint nett und harmlos, nur einmal zuckt sie relativ auffällig zusammen, als das Gespräch auf die Götter kommt.

Für die zweite Nacht finden wir die verlassene Ruine eines Gehöftes, was uns als willkommene Lagerstätte dient. Die Nacht vergeht ohne weitere Vorkommnisse – aber als wir am nächsten Morgen aus dem ehemaligen Wohnhaus kommen, erscheinen draußen plötzlich aus dem Nichts knapp ein Dutzend weibliche Gestalten: menschenartig, aber mit Flügeln, und außerdem bewehrt mit bösartigen Klauen und Zähnen. Der Magier erkennt die Wesen als Furien, Abgesandte der Götter, die besonders widerstandsfähig gegenüber Magie sind – aber ehe er uns anderen diese Informationen groß weitergeben kann, haben sich die Bestien schon auf uns gestürzt.

Relativ schnell wird klar, dass die Furien es auf Aud abgesehen haben. Zwar müssen auch die SCs sich jeder zweier Kreaturen erwehren, aber das eigentliche Ziel des Angriffs ist die Kräuterfrau, die in diesem Kampf von Carimus‘ Spieler geführt wird und sich so gut es geht verteidigt. Es dauert eine ganze Weile, die Kreaturen zu besiegen: zwar kann vor allem der Finnar seine Kampfstärke ausspielen, aber die Bestien haben hohe Robustheitswerte, und so kommt bei etlichen der „zweites Shaken gibt eine Wunde“-Effekt ins Spiel. Als nur noch drei oder vier Furien übrig sind (die anderen haben sich mit einem überirdischen Kreischen in Luft aufgelöst, wenn sie getroffen wurden), gehen diese verbleibenden Monster zielstrebig auf die Saxa los. Aud wird angeschlagen, kann sich also nicht mehr aktiv verteidigen und daher in einem der nächsten Angriffe von den Krallen eines der Ungetüme so schwer getroffen, dass sie verblutend zu Boden geht. Die verbleibenden Furien setzen zum Todesstoß auf die Kräuterfrau an, aber glücklicherweise schafft es die Gruppe, auch die letzten Bestien zu besiegen, ehe sie Aud töten können, und auch die Stabilisierung der Saxa gelingt.

Wieder bei Bewusstsein, gesteht Aud uns auf unsere drängenden Fragen hin niedergeschlagen, dass sie eben keine einfache Kräuterfrau sei (Überraschung). Sie habe geschwiegen, weil sie uns in all das nicht mit hineinziehen wollte, aber sie sei in Wahrheit eine Priesterin der Eira. Allerdings habe sie vor einiger Zeit den Zorn der Göttin auf sich gezogen: Vor einigen Tagen seien sie und ihre Begleiter in einen Hinterhalt von Orks geraten. Als bei diesem Angriff ihr Liebster niedergemetzelt worden sei, habe Aud in ihrer Wut einem verletzten, aber noch lebenden Ork den Todesstoß versetzt. Es war zwar nur ein Orc, aber auch das sei nicht eiragefällig, zumal Aud im Nachhinein auch keinerlei Reue gezeigt hatte. Und so habe die Göttin ihr seither ihre Gunst und die Gabe des Heilens verwehrt. So etwas wie den Angriff der Furien habe sie allerdings seit dem Vorfall auch noch nicht erlebt, dies sei das erste Mal, dass so etwas geschehe. Was uns ein wenig nachdenklich macht, wir aber fürs erste nicht weiter verfolgen.

Die Weiterreise nach Deorstad vergeht ereignislos. Am Jarlshof sind unsere Namen noch bekannt, und so erhalten wir schnell eine Audienz. Schnell wird Eofric Jarl über Gerids Schicksal informiert, und dieser übergibt Eisenfausts Tochter sogleich seinen Heilern. Katelars Versuch, von Wiclafsunu nachträglich ihren Lohn für den Frostriesen zu bekommen, scheitert (vermutlich nicht zuletzt deswegen, weil sie ihre Forderung mit einer wenig verhüllten Beleidigung stellt), und Yukas eigentlich harmlos gemeinte Frage, wie es dem Zweihändigen Engel gehe, würdigt der Jarl einfach keiner Antwort.

Aud Hauksdohtor hat indessen beschlossen, sich zu einem Eira-Haus wenige Tagesreisen von hier, zwischen Deorstadt und Norvold gelegen, zu begeben. Das Eira-Haus ist kleiner als ein Tempel, aber größer als ein Schrein: Ein einzelner Novize tut dort Dienst, und die Priesterin möchte diesen Novizen unterstützen und Buße tun und auf diese Weise vielleicht Eiras Gunst wiedererlangen.
Wir begleiten sie bis zu diesem Schrein und setzen dann unsere Reise nach Norvold fort.

Schon in Deorstad hatten wir gehört, dass in Norvold ein Fest stattfinde: Das ganze Wochenende lang gebe es einen Jahrmarkt und von den dortigen Brauereien gestiftetes Freibier. Das wollen wir uns natürlich nicht entgehen lassen, aber zunächst haben wir drängendere Aufgaben. Wir suchen den Händler Angus auf, erstatten Bericht über die Vorfälle auf Eisenfausts Burg und streichen den vereinbarten Lohn ein. Dann suchen wir den großen Tempel der Eira auf und ersuchen um ein Gespräch mit dem dortigen Hohepriester. Dieser gewährt uns zwar eine Audienz und hört sich Grômans und Carimus‘ Anliegen an, erklärt aber, dass er wegen des Festes zu sehr in Anspruch genommen sei, und wir mögen uns nach dem Fest wieder an ihn wenden.

Nun gut, also haben wir zwei Tage der Festlichkeiten vor uns, das ist ja vielleicht auch nicht das Schlechteste. Nur in diesen Tagen in der überfüllten Stadt ein Zimmer zu finden, das wird schwer. Nach langem Suchen finden wir ein Gasthaus, in dem uns auffällt, dass an dem ansonsten leergefegten Schlüsselbrett noch ein einziger Schlüssel hängt. Darauf angesprochen, will die Schankmaid uns das Zimmer erst nicht geben, weil der Besitzer es nicht wolle; aber weil die Gaststube völlig überfüllt und die Schankmaid völlig überarbeitet ist und sie keine Zeit hat, mit uns herumzudiskutieren, rückt sie den Schlüssel dann schließlich doch heraus.

Den Abend verbringen wir feuchtfröhlich in der Schankstube, trinken unterschiedlich viel und vertragen es unterschiedlich gut. Unser Zwerg zum Beispiel hat gar keine Probleme mit dem Trinken; die Diebin wird nur ein wenig angesäuselt. Carimus hingegen hält sich zurück und bleibt nüchtern, während Yuka viel trinkt, viel aushält und lange keinerlei Anzeichen von Trunkenheit zeigt, dann ganz am Ende des Abends aber doch zu singen anfängt. [Die Auslegung von mehrfach explodierendem Wild Die, aber einer 1 auf dem Attributswürfel]

Immerhin verschafft Katelar – mehr oder weniger tatkräftig unterstützt von den anderen – uns mit ihrer Erzählung von unseren Heldentaten unsere ersten Rufpunkte. Die Anwesenden in der Gaststube unterhält sie jedenfalls ziemlich gut mit unseren Abenteuern; alle hören gespannt zu und applaudieren und heben die Bierkrüge auf unser Wohl an genau den richtigen Stellen.
Aber irgendwann (spätestens, als der Finnar trunken schunkelnd „Daisy, Daisy, die schönste Engro der Weeeelt“ zu grölen beginnt) ist es genug, und wir ziehen uns auf unser Zimmer zurück, wo wir schon bald (je nach Grad der Alkoholisierung mehr oder weniger laut schnarchend) eingeschlafen sind.

Carimus erwacht davon, dass ihm jemand am Bart zieht (Bart? Der Elf hat doch gar keinen Bart!) und ihm etwas Weiches aufs Gesicht drückt. Weil sein Gesicht bedeckt ist, kann er nicht sehen, wer es genau ist, aber es scheinen mehrere zu sein, und diejenigen sind unglaublich stark, und keiner von des Bogenschützen Versuchen, sich zu befreien, will gelingen. Die anderen drei schlafen friedlich weiter, keiner wacht auf. Carimus wehrt sich mehrere Runden lang, doch er bekommt keine Luft, er wird festgehalten, und schließlich wird alles schwarz um ihn, und er erstickt kläglich – nur um mit einem lauten Schrei des Entsetzens schweißgebadet aus seinem Alptraum zu erwachen.
Dieser Schrei reißt nun auch die anderen hoch: gerade rechtzeitig, um zu sehen, wie an der Tür eine Art Licht erscheint. Dieses Licht nimmt die Form von zwei bewaffneten Zwergen an, die uns zornig anstarren. Sie werden immer stofflicher, bis sie schließlich vollständig körperlich geworden sind und uns wutentbrannt angreifen…

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