Miami Files – Something Borrowed 3

21. August

Heute ist nicht viel passiert. Alex hat tatsächlich einen norwegischen Geist gefunden, einen jungen Bergsteiger namens Ole, der sich bereiterklärte, Alex seine Sprachkenntnisse zu leihen und ihn an den Flughafen zu begleiten. Dort warteten Alex, Ole und Joelle auf Bobs Mutter, Mrs Trinsdatter, die als letzte aus dem Flugzeug ausstieg und beim Anblick von Joelles Schild heftig winkte. Ihr Menschen-Glamour war der einer sehr alten, aber noch immer sehr rüstigen und fidelen Dame, und glücklicherweise stellte sie sich als alles andere als so, hm, langsam heraus wie ihr Sprößling.

Wir trafen uns alle in der Kommune, wo Joelle eifrig am Kartenschreiben war und Mrs Trinsdatter erzählte, dass Bob damals seine Heimat aufgrund von „Problemen mit einem Schießgewehr“ verlassen habe. Als Alex den Troll darauf ansprach, wurde der verlegen. Das sei lange her, das sei gewesen, ehe seine Aura gereinigt wurde, und heute würde sowas ja nicht mehr vorkommen.

21. 22. August, nachts.

Eben hat Edward angerufen. Irgendwas mit Bob und der Kommune. Joelle ist entführt worden? Muss hin.

Joelle ist tatsächlich entführt worden. Bob war völlig außer sich, als er es entdeckte, aber seine Mutter blieb vergleichsweise ruhig. Das sei ein Menschending, und es gälten Menschenregeln, also solle er nach den Menschenregeln die Polizei rufen. Sprich Edward.

In der Kommune fanden wir ein Forderungsschreiben vor. Handschriftlich, in großen, kräftigen Blockbuchstaben: „Wir wollen einen fetten Wohnwagen voller Gold und mit einer mächtigen Klimaanlage. Yo, Bitches!“ In einer anderen Schrift die Ergänzung: „Sonst machen wir die Frau kalt Kühlschrank!“ Das Wort „Kühlschrank“ war in der ersten Handschrift über das durchgestrichene Wort „kalt“ gekritzelt worden. „Übergabe übermorgen am Eiswagen in der Aventura Mall!“

Hmmm. Die Schreibe und vor allem die ganzen Hinweise auf Kälte legen irgendwie den Gedanken nahe, bei den Entführern könnte es sich um die Frostgnome handeln, die wir bei der Verhandlung gesehen haben. Winter und so.

Der arme Bob ist jedenfalls ziemlich neben der Spur. „Meine arme Joelle! Ihr müsst sie wiederfinden!“
Aber ja. Wir werden tun, was wir können. Edward hat Bob jetzt erstmal gebeten, ihm ein Haar oder sowas von Joelle zu besorgen.

22. August. Morgens.

Mit der Unterstützung von Roberto zog Edward ein Ritual durch, um sie zu finden. Die Spur führte zu einem alten, angeblich leerstehenden Kühlhaus am Hafen, das aber anscheinend doch nicht so unbenutzt war, wenn man nach dem blauen Licht ging, das daraus hervorschimmerte. Und an der Kälte, die aus dem Gebäude waberte – offensichtlich liefen die alten Kühlaggregate drinnen auf vollen Touren.

Mit einem Schweißbrenner dichtete Alex die Seitentüren ab, während Totilas auf das Dach hinaufkletterte. Unglücklicherweise merkte unser White Court-Freund nicht, dass das Dach entweder von sich aus instabil war oder es jemand zu genau diesem Zweck angesägt hatte – so oder so jedenfalls krachte er mit einem Mal in die Tiefe. Von drinnen hörten wir es poltern und dann Totilas‘ Stimme: „Einmal Stracciatella und einmal Malaga, bitte.“

Als Totilas sich aufrappelte, sah er sich – das erzählte er uns hinterher – einem ziemlich skurrilen Anblick gegenüber. Und zwar standen vor ihm tatsächlich ein paar Frostgnome, allerdings in Rapperaufmachung, Goldketten und alles. Einer davon hatte etwas blau Leuchtendes in der Hand, einen Zauberstab oder dergleichen. Ein anderer Gnom hielt eine Schleuder, zwei weitere waren mit Knüppeln bewaffnet.
Totilas, nicht auf den Mund gefallen, begrüßte die kleinen Kerle mit „Yo, Mann“, was der Wortführer mit „Yo, du bist unsere Geisel, Mann!“ quittierte.

Edward riss indessen die Schiebetür auf. Etwas machte „Klick“, und ehe er ausweichen konnte, wurde er von der Schrotflintenladung getroffen, die beim Öffnen der Tür auslöste.
Während Edward, der glücklicherweise nicht sonderlich schwer verletzt schien, wieder auf die Beine kam, warnte Alex die für uns in dem Moment noch unsichtbaren Gegner, dies sei ihre letzte Chance und sie sollten herauskommen.

Die Antwort von drinnen war höhnisches Gnomenlachen. Und dieses Gelächter löste irgendetwas in mir aus. Das waren Frostgnome, die uns auslachten, Frostgnome hier! Ich war mir selbst gar nicht bewusst, was ich rufen würde, bis ich den Mund aufmachte und die Worte herauskamen. „Ihr befindet euch auf Sommergebiet und habt die hier geltenden Regeln verletzt! Im Namen von Herzog Pan, kommt heraus oder erleidet die Konsequenzen!“

Mierda. Was für ein Geschwafel! Das hätte Sir Anders auch nicht pompöser hinbekommen. So oder so aber wurde als Reaktion darauf das Lachen von drinnen nur noch lauter. Grrr!

Roberto war es schließlich, der die richtigen Knöpfe bei den Gnomen drückte. „Weiß eigentlich Hurricane davon, was ihr hier treibt?“ Das saß. Schlagartig brach das Gelächter ab.

Während wir uns nun vorsichtig in das Lagerhaus hineinbewegten, warf Totilas drinnen den Anführer der Geiselnehmer durch die Gegend, woraufhin zwei der verbliebenen Gnome davonrannten, die beiden letzten ihn aber angriffen. Bei uns kam das in der leicht bläulichen Dunkelheit nur als Geräuschkulisse an, wirklich zu sehen war nichts. In dem schlechten Licht konnten wir es vergessen, uns in irgendeiner Form sinnvoll fortzubewegen – wir konnten nur Schemen sehen, aber es wurde deutlich, dass hier überall Kram herumstand, und zwar gefährlich wackelig aufgetürmt. Keine Chance.

Mir fiel der Feen-Zauber wieder ein, die ich auf der Insel der Jugend gegen die Untoten gewirkt hatte. Ich horchte nach innen und rief die Magie nach oben, und einen Moment später wurde die Lagerhalle von hellem Sonnenschein erfüllt. Damit hatten Totilas‘ Gegner offensichtlich nicht gerechnet, denn es ertönten Schmerzensrufe und eilige Schritte, als die Winterfeen sich in die Schatten zurückzogen.

Jetzt, wo der Raum hell erleuchtet war, konnten wir sehen, mit was wir es zu tun hatten: mit einem Labyrinth aus zu wackeligen Türmen aufgebautem Kram aller Art. Mit ziemlicher Sicherheit voller Fallen. In einiger Höhe lief oben um die gesamte Wand herum eine Galerie, auf der wir einzelne Gestalten herumhuschen sahen. Die Gnome. Außerdem befand sich oben auf der Galerie in einer Ecke ein Kabuff. Das könnte doch der Ort sein, an dem sie Joelle festhielten…

Totilas sahen wir im Moment nicht, aber wir hörten seine Stimme. Irgendwas von wegen Stracciatella und Malaga. Oh Mann.

Roberto begann, an einem der Kistentürme zu der Galerie hochzuklettern. Er bewegte sich erstaunlich sicher und geschickt – um einiges geschickter als ich jedenfalls. Denn ich erwischte genau den aufgetürmten Einkaufswagen, dem Roberto ausgewichen war, brachte ihn natürlich ins Rutschen, wie die Erbauer das geplant hatten, und landete prompt wieder auf dem Boden. Natürlich auf dem Steißbein. Au. Aber wenigstens war nichts geprellt oder gar gebrochen.

Totilas ließ indessen seine Augen silbern aufleuchten. „Du siehst aus wie Stracciatella!“, sagte er zu dem einen Gnom, der trotz des Sonnenlichts einigermaßen in seiner Nähe geblieben war und ihn weiterhin als Geisel zu bedrohen versuchte. Der Frostgnom bekam es mit der Angst zu tun und huschte davon.

Nun, wo Roberto oben angekommen war, warf Edward ihm ein Seil zu. Nachdem Roberto es – mit Hilfe von Alex, der ihm mit seiner Erfahrung genau sagen konnte, welche Stelle stabil aussah – befestigt hatte, kletterten wir dann auch endlich alle hinauf. Alle bis auf Totilas, versteht sich, der war ja noch immer irgendwo in dem Labyrinth aus Kisten verschwunden.

Unser White Court hatte zwar im Moment keine Gnome direkt bei sich, aber die befanden sich noch immer, wenn auch in einigermaßen sicherer Entfernung, in seiner Nähe. Einer davon – nicht der, der ihn eben noch bedroht hatte – ergriff jetzt das Wort. Friedlich sei doch immer besser, wenn einem die Chakren gereinigt worden seien, und vielleicht könne man ja verhandeln: Die Gnome wollten einen Wohnwagen mit viel Gold und mit einer Klimaanlage.

Aus den Schatten heraus ertönte Gemurmel. Warum denn verhandeln, wenn man die Galerie einstürzen lassen könne?

Auf besagter Galerie waren wir allerdings in dem Moment unterwegs zu dem Bretterschuppen. Alex war es, natürlich, der bemerkte, dass unten einer der Gnome einen Hebel umlegte, woraufhin die ganze Galerie abzustürzen begann. Da Alex rechtzeitig darauf aufmerksam geworden war, gelang es uns, unversehrt auf einem der Türme zu landen und sogar diese eine grüne Kiste zu vermeiden, die laut Alex garantiert eine Falle barg.

In Totilas‘ Nähe kletterten wir hinunter. Dabei löste Roberto dann allerdings doch noch die Falle in der grünen Kiste aus, was dazu führte, dass etliche Metallkugeln herausrollten, die immer größer und eisiger wurden und beim Auftreffen empfindliche Unterkühlungsspuren hinterließen, was aber eher unangenehm war als gefährlich. Vielleicht, wenn uns mehr von den Dingern getroffen hätten, aber glücklicherweise rollten die Kugeln zum größten Teil von uns weg.

Dann jedenfalls hatten wir unseren Vampirfreund erreicht und sahen uns nun alle den Frostgnomen gegenüber. Und wieder meinte der Wortführer von eben, man solle doch friedlich verhandeln. Die Gnome brauchten den Wohnwagen, um hier zu wohnen, sagte er. Warum sie denn überhaupt hier wohnen wollten, war unsere Gegenfrage. Na zuhause gebe es diese fiesen, hungrigen Wölfe, deswegen seien sie hergekommen, aber hier in Miami sei es viel zu warm. Daher der Bedarf an einer Klimaanlage.

„Friedlich“ schien aber dem Anführer der Gruppe überhaupt nicht zu passen. Das war der Gnom, der noch am allermeisten wie ein Rapper aussah, über und über mit Glitzer behängt. Der baute sich provozierend vor uns auf und begann, uns anzurappen. Die Jungs sahen einander verwirrt an; sichtlich aus dem Konzept gebracht. Aber hey, der wollte eine Rap-Battle? Konnte er haben!

Irgendwie fiel es mir überhaupt nicht schwer, auf jeden der etwas bemühten Reime des Frostgnoms eine passende Erwiderung zu finden, während mein Gegenüber sich zunehmend schwertat und es immer deutlicher wurde, dass er keinerlei Erfahrung mit so etwas hatte. Irgendwann gab er es dann auch auf.

Der friedfertige Gnom grinste seinen Boss an. „Du solltest mal deine Chakren reinigen lassen. Dann ginge das besser.“
Der Rappergnom warf die Arme in die Luft. „Ich kann das Wort ‚Chakren’ nicht mehr hören!“
Und das wiederum war natürlich für uns das perfekte Stichwort. „Dann nehmen wir die Dame mit, und ihr seid sie los!“

Joelle war ein wenig verfroren, aber ansonsten wohlauf und ganz gelassen. Sie hatte die Gnome ja offensichtlich schon die ganze Zeit über belabert, und auch jetzt erzählte sie ihnen von Kräutern und Kristallen für das seelische Wohlbefinden. Sie ließ sich sogar von Roberto eine der Geschäftskarten seiner Bótanica geben und steckte sie den Gnomen mit den Worten zu: „Hier, der hat, was ihr braucht.“

Alex unterhielt sich indessen mit dem Gnom, der die ganzen elektrischen Fallen hier aufgebaut hatte. MC Current nannte der Stromgnom sich, und offensichtlich hatte er in Alex eine verwandte Seele gefunden. Von MC Current erfuhr Alex auch, wie die Gnome überhaupt auf die Idee gekommen waren, Joelle zu entführen. Bei einerm ihrer Diebestouren Streifzüge hatten sie eine Menge weggeworfene goldglitzernde Briefumschläge gefunden und aus den Einladungen entnommen, das da wohl jemand sehr Reiches heiraten musste. Also dachten sie, für seine Braut würde der Bräutigam bestimmt ein lohnendes Lösegeld zahlen.

Super.

23. August

Zurück von der Hochzeit. Mierda. Mierda y Cólera.

Ich musste erstmal den Kopf freibekommen und bin laufen gegangen. Eigentlich wollte ich erst einige der Übungen machen, die Eileen mir gezeigt hat, aber… nein. Laufen war besser.

Ja, die Hochzeit hat stattgefunden. Ja, die meisten Gäste hatten trotz der kurzfristigen Einladung noch Zeit. Ja, Joelle ist jetzt Mrs. Bob. Und natürlich ging das mit dem Kelpie-Ei nicht gut. Natürlich hatten wir irgendwann eine wütende Kelpie-Stute auf der Matte stehen. Das ist aber alles nebensächlich.

Nicht nebensächlich ist, was hinterher passierte. Da habe ich mich alles andere als mit Ruhm bekleckert. Und ich muss sehr eingehend darüber nachdenken, was da genau passiert ist, und vor allem, warum.

Nach der Hochzeitsfeier und nachdem wir die Kelpie-Stute samt Ei wieder glücklich losgeworden waren, zeigte Bob uns nämlich den Wohnwagen, den unser Trollfreund und die Leute aus der Kommune bereits für die Frostgnome umzubauen begonnen hatten. Warum auch immer sie das taten; Joelle war doch längst wieder frei.

Edward jedenfalls war überhaupt nicht amüsiert. „Belohnen wir die Kerle jetzt etwa schon für eine Straftat?!“, wetterte er. „Das sind Entführer, und sie klauen wie die Raben!“
Und auch ich sah es überhaupt nicht ein, warum wir der diebischen Bande erlauben sollten, in der Stadt zu bleiben. Nichts als Ärger, jede Wette!

„Ach, lass sie doch“, hielt Roberto Edward entgegen, „die sind doch nicht so schlimm.“
„Das sind Entführer und Diebe!“
„Das sind die Santo Shango auch.“
Und nun kam es zu einem richtig, richtig heftigen Streit zwischen den beiden. Die schlimmsten Spannungen auf der Fahrt nach Oregon waren ein laues Lüftchen dagegen.
Edward tobte los, dass er die Schnauze voll habe. Dass er verdammt nochmal jetzt auch aufhören werde, sich zu kümmern, weil es ja offensichtlich jedem außer ihm völlig egal sei, ob diese Stadt den Bach runterging.
Roberto schrie zurück, dass Edward ja ein schöner Ritter sei, wenn er einfach so die Flinte ins Korn werfe. Die beiden schenkten sich nichts, minutenlang – und Totilas, Alex und ich waren so baff, dass keiner von uns eingriff. Nicht einmal – und dafür schäme ich mich zutiefst – als Edward schließlich ausholte, Roberto einen heftigen Fausthieb mitten ins Gesicht versetzte und dann wütend davonstürmte.

Und dann… dann bekamen auch Roberto und ich uns in die Haare.

Eigentlich wollte ich… nein. Keine Ausreden, Alcazár.

Ich war eben drauf und dran zu schreiben, dass ich eigentlich nur vermitteln wollte. Aber das ist völliger Quatsch, denn Edward war ja schon fort. Und wo bitteschön ist es vermittelnd, Roberto den Vorwurf zu machen, dass er doch wisse, wie Edward drauf sei, und dass er ihn nicht noch hätte provozieren müssen? Warum ich Roberto das an den Kopf warf, weiß ich selbst nicht recht. Aber jedenfalls ging Roberto nun mich an. Dass ich immer nur Edwards Partei ergreifen würde. Woraufhin ich zurückblaffte, mit dem würde ich schon reden, und ich würde dafür sorgen, dass er sich entschuldige. Das müsse er nicht, schnappte Roberto. Das werde er aber, verdammt noch mal, knurrte ich.

Dann gingen wir auseinander, verstimmt und aufgewühlt, alle vier.

Und ich sitze jetzt hier und habe keinerlei Ahnung, was zum Geier in mich gefahren ist. Mierda.

24. August.

Ich habe mit Edward geredet. Auch wenn der sichtlich wenig Lust auf das Thema hatte.
Er sei mein bester Freund, und ich würde potentiell und grundsätzlich schon immer eher ihm beispringen, wie Roberto mir das ja auch vorgeworfen hat. Aber mit der Aktion gestern sei er deutlich zu weit gegangen. Woraufhin Edward nickte und versuchte zu erklären, dass da irgendetwas in ihm durchgebrannt sei, als Roberto das Verhalten der Gnome als „nicht so schlimm“ bezeichnete.
„Wir haben keine Handhabe gegen sie“, erwiderte ich. „Joelle erstattet keine Anzeige.“
Edward warf die Hände in die Luft und legte den Finger auf das eigentliche Problem.
„Ich kann einfach nicht mit Roberto. Es geht nicht. Er macht mich so unglaublich wütend. Ich muss mich von ihm fernhalten, sonst bringe ich ihn irgendwann um.“
Und dann: „Ich glaube, ich muss raus aus Miami. Mir anderswo einen Job suchen.“

Das erschreckte mich beinahe noch mehr als alles andere. So egoistisch das auch sein mag, der Gedanke, meinen besten Freund zu verlieren, machte mir Angst.
„Ich bin nicht mal sicher, ob das überhaupt geht“, wandte ich ein. „Wir hängen doch alle in diesem Kram mit drin. Wir haben unsere Wurzeln hier in der Stadt – und diese Stadt hat ihre Wurzeln in uns. Und ich könnte mir vorstellen, dass, wenn einer von uns weggeht, irgendwas passiert, das uns zurückbringt.“
Und außerdem… „Und außerdem brauche ich euch. Euch beide, dich ebenso wie Roberto. Diesen Ritterjob schaffe ich nicht alleine.“

Wir redeten dann noch eine ganze Weile weiter, aber so richtig zufriedenstellend war das alles nicht. Seufz.

Vor allem, weil ich irgendwie im Hinterkopf auch mit der Frage beschäftigt war, warum ich so negativ auf Roberto reagiert habe. Und jetzt, wo ich wieder zuhause bin und weiterhin darüber nachgrübele – das Ganze will mir einfach nicht aus dem Kopf, was mich aber auch wenig wundert – stelle ich fest, dass da anscheinend ein ganzes Konglomerat an Dingen zusammenkam.

Irgendwo fuchst mich sicherlich noch immer die Sache mit Dee. Und ja, ich weiß, dass Roberto da nichts für kann. Mir ist bewusst, dass ich selbst zu zögerlich war, dass sich da so ein platonisches Bruder-Schwester-Schulter-zum-Ausheulen-Ding entwickelt hat, zumindest auf Dees Seite, auch wenn ich das nicht merkte oder nicht wahrhaben wollte. Aber das ändert nichts an der Tatsache, dass meine Einstellung Roberto gegenüber momentan etwas … angespannt ist.
Vielleicht spielt unterbewusst auch die Geschichte vom Crater Lake noch weiter mit hinein. Von Elenas Fremdbeeinflussung bin ich zwar längst befreit, aber vielleicht ist von der Abscheu, die ich empfand, als Roberto Elena tötete, ja doch etwas hängen geblieben, auch wenn ich eigentlich ja inzwischen weiß, dass er es tun musste. Ich habe keine Ahnung.
Dass die Gnome tatsächlich Bande von Dieben und Entführern sind und wir in dieser Stadt wahrlich schon genug kriminelle Elemente haben, stimmt sicherlich auch. Im Vergleich zu den Santo Shango und den Latin Raiders und den Latin Kings – oder auch im Vergleich zu Gerald Raith‘ White Court-Operationen, wenn ich ehrlich bin – sind die Gnome aber wirklich eher kleine Fische.

Aber – und das ist der Unterschied, und das macht mir gerade so viel Sorgen – es sind Frostgnome. Bis zu dem Tag auf der Insel hätte ich die Kerlchen vermutlich eher amüsant gefunden. Und eigentlich, verdammt nochmal, sind mir bislang die Vertreter des Winters, denen ich so begegnet bin, teilweise echt sympathischer als die Sommerfeen, mit denen ich so zu tun hatte und habe. Ich mag Hurricane. Ich mag Tanit. Ich mag Catalina Snow. Ich mag sogar irgendwie, glaube ich, Yahaira Montero. Zugegeben, ich kenne keinen von denen wirklich gut, und ich habe keine Ahnung, wie die alle drauf sind, wenn sie mal nicht nett drauf sind, aber Tatsache ist, bisher hatte ich keine Probleme mit Winter, und ich hätte eigentlich auf die Gnomenbande nicht so heftig reagieren sollen. Wenn nicht, ja wenn nicht, mein Sommerrittermantel mir Dinge eingeflüstert hat. Dass Winter keinen Platz in der Stadt hat, als das eine. Und dass Roberto ein Verräter an ihrer Majestät, Königin Titania, ist und dass es ihm nur recht geschieht, wenn ihm jemand die Fresse poliert, als das andere.

Während des Streits gestern war mir nicht bewusst, dass ich den Gedanken hatte. Das ist mir erst jetzt beim Nachdenken so richtig klar geworden, und das erschreckt mich. Denn dieser Gedanke kommt nicht von mir. Dieser Gedanke kommt von dem Ritterjob. Und wenn der Ritterjob meine Gedanken derart beeinflusst, dann ist er nicht besser als Elena.

Ich muss dringend mit Roberto reden und mich entschuldigen. Wieder einmal.

Und ich muss auf der Hut sein vor dem, was der Rittermantel mit meinem Kopf anzustellen versucht. Und darf so etwas nicht wieder zulassen.

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Ein Kommentar

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Eine Antwort zu “Miami Files – Something Borrowed 3

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