Miami Files – Intermezzo

18. November

Ich habe den Jungs die Einträge zu den Mordor-Ents gezeigt. Sie waren ebenso verwirrt wie ich, weil sich auch keiner von den anderen an unheimliche schwarze Baumgestalten erinnern konnte, und natürlich kamen wir ins Diskutieren. Ob ich mir das Ganze nur eingebildet habe. Ob ich es vielleicht nur geträumt habe. Oder ob da jemand tatsächlich an unserem Gedächtnis herumgespielt hat. Totilas hatte die geniale Idee, mal Richard und Gerald zu kontaktieren, ob die irgendwas von Mordor-Ents wissen. Immerhin waren sie am See auch dabei.
George, den ich nachts mal dazu fragte, erklärte, dass ich durchaus von solchen schwarzen Gestalten geträumt hätte, ja, aber dass er die nicht angerührt habe, die hätten ’nicht lecker‘ ausgesehen. Und so, wie mein kleiner Traumfresser-Freund sich bei den Worten ’nicht lecker‘ schüttelte, glaube ich, er meinte mit dem Ausdruck nicht ‚Junk Food statt Gourmetmenü‘, sondern eher ‚Giftcocktail‘.

Wir waren uns alle einig, dass wir in dieser Sache den Ball ganz, ganz flach halten müssen. Wenn wirklich jemand an unserem Gedächtnis herumgeschraubt hat, dann sind die Mordor-Ents, falls es sie gibt, ein richtig heißes Eisen. Der einzige, dem wir genug vertrauen, um es ihm gegenüber anzusprechen, ist Jack White Eagle. Den wollen wir mal zu dem Thema befragen.

Zurück aus der Kommune. Jack hat unsere Bitte um Stillschweigen sehr ernst genommen und uns nicht nur einen ruhigen Ort zum Reden gesucht, sondern sogar einen Ritualkreis um uns herumgezogen, damit auch wirklich niemand lauschen kann. In dem Kreis las ich meine Aufzeichnungen noch einmal vor und beschrieb noch einmal, was es damit auf sich hatte, woraufhin Jack erklärte, er habe eine Vision von den Viechern gehabt: sie seien extrem gefährlich und überhaupt nichts Gutes. Wegen dieser Vision sei Jack überhaupt erst von South Dakota nach Miami gekommen, denn er habe das Gefühl, wegen dieser Viecher müsse er dringend hier sein. Oh. Ob er meine, dass sie aus Schottland herkommen würden? Sie seien schon hier, erklärte er daraufhin grimmig. Mehr wollte er uns darüber aber erst einmal nicht sagen, denn wir seien – ich zitiere – „zwar nett, aber ungestüm“. Aber wenn ‚es‘ denn käme, wenn er etwas erfahre, das wichtig sei, dann würden wir es zuerst erfahren, versprach Jack, oder zumindest mit zuerst.
Alles klar. Und bis dahin halten wir uns in dieser Beziehung komplett bedeckt.

27. November

Gerald und Richard haben sich gemeldet. Es hat ein paar Tage gedauert, aber jetzt haben wir von beiden die Bestätigung: Sie wissen beide noch von den Mordor-Ents am See. Demonios. Es hat wirklich jemand an unserem Gedächtnis herumgespielt. Ich meine, das hatten wir uns ja schon gedacht, aber diese Bestätigung ist schon nochmal… hossa. Sagte ich schon, dass ich es hasse, wenn jemand in meinem Kopf herumschraubt?

01. Dezember

Mierda. Bei all dem Stress, der in letzter Zeit los war, habe ich es komplett vernachlässigt, aber irgendwann muss ich Pan Ersatz für seine desertierten Ritter gefunden haben, denn alleine werden Sir Anders, die Satyre und ich nicht gegen Winter bestehen können, wenn es das nächste Mal rund geht. Es stellt sich nur die Frage, werde ich überhaupt irgendwo Sidhe-Ritter finden, die a) frei sind für einen neuen Einsatzort und b) bereit sind, an Pans unkonventionellen Satyrshof zu kommen? Das könnte schwierig werden, befürchte ich. Aber ich hatte letztens noch eine andere Idee. Vielleicht lassen sich ja einige der Einherjaren aus Heorot dazu überreden, an den Sommerhof zu kommen? Immerhin sind es (okay, bis auf Asleif) ja kultivierte Einherjar, die nicht jede freie Minute mit Saufen und Köpfeeinschlagen verbringen.Vielleicht kann man die für Pans Palast interessieren? Einen Versuch wäre es wert. Ich muss nur bald los, damit noch genug Zeit für andere Optionen ist, falls diese fehlschlägt.

06. Dezember

Ich vermelde: Einherjar in Miami! Okay, in Pans Palast, sprich im Nevernever, das an Miami angrenzt. Es erforderte gar nicht so viel Überredung, sie zur Unterstützung zu gewinnen. Dreizehn neue Streiter hat Pan jetzt insgesamt, Sigthor nicht gerechnet. Der kam zwar auch mit, aber ich habe das Gefühl, der wird nicht lange bleiben, sondern sich hier nur eine Weile umsehen und dann wieder weiterziehen. Asleif ist auch mitgekommen; dem war es in Heorot wohl zu kultiviert, und er hofft hier auf mehr Action. Na, für zwei Gelegenheiten im Jahr konnte ich ihm Action versprechen, aber da müssen wir sehen, ob und inwieweit ihn das hier hält.

09. Dezember

Es war ja so klar. Pan war neugierig und ist im vollen Bewusstsein dessen, was passieren wird, mit Sigthor in seinen Privatgemächern verschwunden. Ich bin schwer begeistert, denn dreimal dürft ihr raten, Römer und Patrioten, wer dann so in ca. einem Dreivierteljahr – wobei, wie lange dauern eigentlich Schwangerschaften bei Satyren bzw. Naturgottheiten? – das Kindermädchen wird spielen dürfen. Pan findet das Ganze fürchterlich lustig und macht schon Pläne.

10. Dezember

Wie zu erwarten war, ist Sigthor wieder aufgebrochen. Oh, wo ich gerade Sigthor erwähne: Sein Feuerkind mit Loki hat jetzt auch einen Namen. Sindri sollen wir sie nennen. Das klingt ziemlich hübsch, wenn ihr mich fragt. Und sehr passend für ein Feuerwesen. Als eine Sarah oder Laurie hätte ich sie mir jedenfalls nicht vorstellen können. Sindri lernt langsam, ihre Feuerstelle zu verlassen und menschliche – oder zumindest humanoide – Gestalt anzunehmen, was auch eine sehr spannende Entwicklung ist. Ich bin mal gespannt, was für Unfug sie damit anstellt. Übernatürlicher Feuer-Teenager. Yay.

22. Februar

Heute ist etwas ziemlich Schräges passiert. Edward, der sich ohnehin nicht auf dem Höhepunkt seiner Stimmungskurve befindet, weil gerade Vollmond ist, bekam Wind von einem Haus, in dem angeblich ein Poltergeist umging. Er fuhr hin und nahm uns mit – seine Kollegen haben sich inzwischen daran gewöhnt, und seit Edward Lieutenant ist, kann er sich die zivilen Berater noch viel problemloser leisten.

In dem Haus flogen im Wohnzimmer wie in einem Miniaturwirbelsturm jedenfalls jede Menge Dinge herum. Im Obergeschoss lag auf dem Bett in einem Teenagerzimmer dessen Bewohnerin, eben ein Mädchen im Teenageralter, in einer Trance. Totilas knockte sie aus, aber daraufhin wurde der Minitornado im Wohnzimmer nur noch schlimmer. Da gingen inzwischen wirklich Dinge zu Bruch. Das konnte so nicht weitergehen, also versuchte ich es einmal damit, dem Mädchen den Anblick einer friedlichen, sommerliche Blumenwiese vor ihr inneres Auge zu projizieren. Nicht ihren Geist zu manipulieren, wie das ja strengstens verboten ist und was mir angesichts meiner eigenen Erfahrungen auch im Leben nicht einfallen würde, sondern ihr einfach das Bild zu zeigen. Die friedliche Szene schien das Mädchen auch tatsächlich etwas zu beruhigen, denn die Gegenstände flogen jetzt langsamer im Wohnzimmer herum, trudelnder. Ich fühlte mich an tanzende Schmetterlinge erinnert, auch wenn die meisten Sachen natürlich viel zu groß und schwer für Schmetterlinge waren.

Mit Ammoniakreiniger als Riechsalzersatz bekamen wir das Mädchen schließlich aufgeweckt, was den Spuk ganz enden ließ, und kontaktierten Ximena, die versprach, sich um das junge Talent zu kümmern.

7. Mai

Roberto erzählt ja gelegentlich mal Geschichten aus seiner Bótanica, und wir haben da ja selbst auch schon Dinge miterlebt. Es hat sich unter den Santerios im Viertel schon länger herumgesprochen, dass Roberto doch kein so oberflächlicher Scheinheiliger ist, wie die Leute das immer gedacht hatten, und gelegentlich kaufen sie nicht nur bei ihm ein, sondern fragen ihn als Vertrauten seiner Schutzheiligen Orisha (mierda, es fällt mir immer noch schwer, dieses Wort in den Mund Stift zu nehmen) um Rat und Hilfe.
Jedenfalls hatte er heute drei Kundinnen: eine junge Frau mit ihrer Mutter und Großmutter. Die Mutter hatte anscheinend die Tochter in die Botánica geschleift und die Großmutter hatte sich angeschlossen. Die drei Damen wollten einen Rat bzw. eine Vorhersage wegen eines Mannes für die Tochter. Die Mutter bevorzugte Juan, aber den hielt die Tochter für unglaublich langweilig. Sie selbst schwärmte für Ernaldo, aber der war wegen Handelns mit Marihuana und diversen Diebstählen gerade im Gefängnis. Die Großmutter hingegen fand beide Männer nicht geeignet, deswegen war sie wohl sehr glücklich mit Robertos Urteil, der riet, Maria solle sich nicht sofort entscheiden, sondern sich Zeit lassen. Sie werde es wissen, wenn der Moment gekommen sei.

Unser Roberto. Wird auf seine alten Tage noch zum Salomo.

5. August

Pan wird immer unleidlicher. Die Schwangerschaft sagt ihm doch nicht so zu. All die Hormone, oh weh. Und wie entbindet man bei einem männlichen Feenwesen überhaupt ein Kind? Nicht auf natürlichem Wege, soviel ist schon mal klar. Pan hat Spencer Declan kontaktiert, der meinte, es gebe magische Möglichkeiten. Dann wird der Warden wohl die Hebamme spielen dürfen. Ich lasse den Arsch ja eigentlich nur ungern in die Nähe meines Herzogs. Aber besser er als ich. Sowas gehört nicht zur Jobbeschreibung des Ersten Ritters. Ich darf Declan eben nicht aus den Augen lassen.

13. September

Das Kind ist da! Declan hat seinen Job ausnahmsweise mal einwandfrei gemacht (er wurde ja auch gut genug dafür bezahlt), und es gab keinerlei Schwierigkeiten. Pan wollte seine Tochter unbedingt nach Edward und mir benennen, also heißt die Kleine Edwina Ricarda. Tío, ist die niedlich. Und das sage ich, der Babies grundsätzlich meistens eher hässlich findet. Klar liebt man sie, aber wirklich hübsch sind direkt nach der Geburt doch die wenigsten, wenn man ehrlich ist. Edwina Ricarda weist jedenfalls schon mal keine Spur von Hörnern und Bocksfüßen auf, zum Glück. Ob und inwieweit sie irgendwann Nymphenzüge entwickelt, werden wir dann wohl in einigen Jahren sehen.

19. September

Aua. Das hat wehgetan. Also nicht mir, gracias a Dios, aber Totilas und Edward hat es ziemlich gebeutelt. Zum Glück heilen die beiden schnell.

Aber der Reihe nach.
Totilas hat da doch von Gerald diese, ähm, Geschäfte geerbt. (Das ist auch so was, an das ich mich nur schwer gewöhne.) Jedenfalls haben die Raiths auch gehörige Anteile an Miamis Filmbusiness. Und es sind Raiths. Was für ein Filmbusiness wird das wohl sein? Kleiner Hinweis: Der Hauptdarsteller firmiert unter ‚Ricardo Longdong‘.
(Ja hahaha. Cue jokes.)

Wie dem auch sei, Totilas wurde alarmiert, weil es auf dem Filmgelände einen heftigen Schusswechsel gab. Ein paar Ganger waren auf dem Gelände eingedrungen und hatten begonnen, wild um sich zu feuern. Cast und Crew waren in Sicherheit gesprungen und begonnen, aus der Deckung heraus das Feuer zu erwidern, und einer hatte den panischen Anruf an Totilas abgesetzt.

Als wir ankamen, war der Schusswechsel noch in vollem Gange. Totilas fackelte nicht lange, stürmte hinein und schaltete gleich zwei der Angreifer aus, wurde selbst aber dabei ziemlich angeknackst und ausgeknockt. Edward stürmte hinterher und schickte zwei weitere Gangmitglieder schlafen, wurde dabei aber ebenfalls außer Gefecht gesetzt. Roberto und ich, die wir ja etwas langsamer auf den Beinen sind als unsere übernatürlichen Freunde, hatten so schnell gar nicht reagieren können. Jetzt ließ ich meinen patentierten Sonnenlichtzauber auf die restlichen beiden Typen los, der ihnen zwar nicht schadete, weil sie Menschen waren, keine Vampire, der sie aber immerhin blendete, was es Roberto und mir erlaubte, sie auch noch festzusetzen.

Als wir sie befragten, sagte der eine was davon, dass sie angeheuert worden seien, um auf diesem speziellen Filmset Ärger zu machen. Totilas meinte auch schon, er könne sich da ein paar Parteien denken, denen an sowas gelegen sein könnte. Unschön jedenfalls, dass, wer auch immer es ist, das an einer Filmcrew auslässt, auch wenn es eine Pornofilmcrew ist und mit den Raiths im Zusammenhang steht.

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