Projekt ABC: D wie …

Anfang des Jahres hat der Buchblogger Wortman das 2009 erstmals von dem Blog „Kerkis Farbkleckse“ ausgerufene „Projekt ABC“ wiederbelebt. Hier sind die teilnehmenden Blogger aufgerufen, jede Woche ganz frei nach Schnauze ein Foto zum jeweils fälligen Buchstaben des Alphabets zu posten. In diesem Zusammenhang fotografiere ich passende Rollenspiele, die wir im Schrank stehen haben, und schreibe auch ein paar Worte dazu.

Nachdem ich in meinen ersten drei Beiträgen zum Projekt jeweils eine kleine Auswahl an Systemen vorgestellt habe, beschränke ich mich diese Woche auf ein einziges Rollenspiel, einfach weil es eine so große Bedeutung für mich hat. Und zwar spreche ich von:


D wie…


Deadlands: War das letzte Woche erwähnte Chill eines der beiden Systeme, mit denen ich in das Hobby Rollenspiel eingestiegen bin, ist Deadlands sicherlich das System, das mich in meiner Rollenspielkarriere mit am meisten geprägt hat.

„Deadlands“ ist ein Western-RPG mit übernatürlichem Einschlag – oder „Spaghetti Western with Meat“, wie ein Werbespruch für das Spiel besagt. Neben den übernatürlichen Elementen unterscheidet sich das Setting von der Welt, wie wir sie kennen, auch dadurch, dass die Geschichte einen etwas anderen Verlauf genommen hat und 1876, der Zeit, zu der Deadlands ungefähr spielt, der Bürgerkrieg immer noch nicht beendet ist. Weil Nord- und Südstaaten in ihren eigenen Krieg verwickelt sind, konnten die Ureinwohner sich gegen die Weißen behaupten und zwei eigene Staaten gründen, ebenso wie die Mormonen in Utah einen unabhängigen Staat besitzen. Kalifornien stellt sich seit einem katastrophalen Erdbeben als zerklüftete Fjordlandschaft dar, hat aber weiterhin eine große Anziehungskraft für Goldgräber und Minengesellschaften: vor allem letztere, da in Kalifornien eine Art Superkohle namens „Ghost Rock“ gefunden wurde, die allerhand steampunkartige Gerätschaften möglich macht.

Für mich, die ich von Kindesbeinen an ein großer Western-Fan bin, war es eine wahre Offenbarung, als ich irgendwann 1997 von diesem Western-Rollenspiel erfuhr – bis dahin war ich als Genres für Rollenspiele nämlich vor allem mit Grusel/Horror, klassischer Fantasy, Cyberpunk und Science Fiction in Kontakt gekommen. Natürlich wollte ich das gerne ausprobieren – und nach einem kleinen Fehlstart in einer anderen Gruppe war ich absolut begeistert. Die Spielmechanik, die neben unterschiedlichen Würfeln auch Pokerchips und Pokerkarten mit einschließt, fand ich richtig toll und eingängig und vor allem als perfekt passend zum Western-Genre. Also wurde aus diesem ‚Ausprobieren‘ in meiner Stammgruppe eine Kampagne, die wir mit rotierendem Spielleiter und über die Zeit leicht wechselnder Besetzung knapp 10 Jahre lang spielten. Und meinem Hauptcharakter aus dieser Runde, einem Cowgirl namens Shawna Timberlake, verdanke ich auch meinen Internet-Nicknamen, der mich nun seit über 15 Jahren durch Foren und soziale Medien und auch auf diesem Blog begleitet. Denn als Shawna, die das Spiel als ganz normales Cowgirl begonnen hatte, in unserem zweiten oder dritten Abenteuer von einem Werwolf gebissen wurde und daraufhin selbst zur Werwölfin mutierte, rissen meine Mitspieler lustige Witze von wegen Timberlake → Timberwolf → Timberwerwolf → Timberwere. Und als ich mich dann irgendwann 2001 oder 2002 in meinem ersten Forum registrieren wollte und einen Anmeldenamen suchte, lag „Timberwere“ irgendwie nah.

Das Ursprungs-Deadlands oder „Deadlands Classic“ (auf dem Foto hinten rechts mit dem orangefarbenen Einband) diente dem Verlag einige Jahre später als Grundlage für ihr darauf basierendes, aber stark verschlanktes System „Savage Worlds“, das sie als generisches Rollenspiel für ganz unterschiedliche Settings herausbrachten und auf das sie noch etwas später unter dem Titel „Deadlands Reloaded“ (auf dem Foto das Buch mit dem braunen Einband) auch ihr Western-Setting portierten. So sehr ich Savage Worlds mag, so oft und gerne ich es spiele und so sehr es zu meinen Leib- und Magen-Systemen gehört (mehr dazu vermutlich in knapp 4 Monaten :)) – für das Genre Wilder Westen konnte es mich nie richtig packen. Ja, wir haben Deadlands Reloaded ausprobiert, und ja, auch das hat Spaß gemacht, aber bei Westerns greife ich trotz der klobigeren Regeln und trotz der Designschwächen, die Deadlands Classic bei all meiner Begeisterung für seine Regeln eben doch aufweist, einfach lieber zu Classic.

Umso schöner, dass wir Ende 2018 – nicht ganz zum 20-jährigen Jubiläum der Runde, aber doch so ungefähr – eine Jubiläums-Nostalgiespielsitzung mit der Ursprungsbesetzung und den alten Charakteren hinbekamen. Darüber hatten wir schon eine Weile immer mal wieder nachgedacht, es aber bis zu diesem Zeitpunkt nicht geschafft. Zum 20. Jubiläum des Spiels hatte der Verlag eine ganz leicht überarbeitete Neuauflage und mit einem vollfarbigen Layout versehene Version der Ursprungsregeln herausgegeben, und dass wir für unsere eigene Jubiläumsrunde das darin enthaltene Abenteuer spielten, kam mir besonders passend vor.

Ah. Nein. Ich muss zu „D“ ganz dringend doch noch ein zweites System nennen.


The Dresden Files RPG basiert auf den Dresden Files-Romanen von Jim Butcher (deutsch: „Die dunklen Fälle des Harry Dresden“) um einen Magier, der in Chicago als Privatdetektiv arbeitet, und in dieser Welt (unsere moderne Zeit, aber mit Magie und Übernatürlichem) spielen wir seit ca. 8 Jahren eine Kampagne mit eigenen Charakteren, die riesig viel Spaß macht. Der Schriftsteller, den ich dort spiele, ist einer meiner beiden Hauptcharaktere, und die Rundentagebücher, die ich aus seiner Perspektive schreibe, waren unter anderem mit ein Grund, warum ich diesen Blog damals gegründet habe.

23 Kommentare

Eingeordnet unter Pen & Paper, Projekte, Rollenspiel-Sonstiges

23 Antworten zu “Projekt ABC: D wie …

  1. Jetzt hab ich den ganzen Text gelesen..
    Und so auch erfahren wie du zu deinen Anmeldenamen kamst.
    Ist schon interessant, auch wenn ich Deadands nicht kenne.
    Lieben Gruss
    Elke

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  2. Hört sich spannend an .. aber ich verstehe immer noch nicht, ob das alles on-/ oder offline gespielt wird …

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    • Das wird üblicherweise alles offline gespielt. Man sitzt um den Tisch und erzählt die Geschichte gemeinsam. Jeder Mitspieler verkörpert einen Charakter – vergleichbar zu den Hauptfiguren in einem Ensemblefilm. Es geht auch ohne Spielleitung, aber meistens gibt ein weiterer Mitspieler den Spielleiter bzw. die Spielleiterin. Er oder sie beschreibt die Welt und übernimmt alle weiteren Nebenfiguren. Die Gruppe entwickelt die Geschichte gemeinsam in einer Mischung aus Beschreibungen und wörtlicher Rede ihrer Charaktere, und wenn die Erzählung an einen Punkt kommt, wo eine Handlung Erfolg haben oder fehlschlagen kann, wird gewürfelt (oder ein anderer Resolutionsmechanismus wie Karten oder dergleichen verwendet), um herauszufinden, ob die geplante Aktion klappt oder nicht bzw. wie gut.
      (Man kann das Ganze aber auch online spielen, wenn man mit seinen Mitspielern über Teamspeak oder Skype oder so verbunden ist. Dann nutzt man virtuelle Würfel, aber sonst funktioniert alles genauso.)

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  3. Deadlands sagt mir gar nix.

    Viele Grüße Anett

    P.S. Nein, das war ein Treppenfenster in einem Krankenhaus.

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  4. Die Cover auf dem ersten Fotos sehen klasse aus – manche Zeichner haben es einfach drauf! Und ich mag nach wie vor diese Reise durch das für mich unbekannte „Land“! :D
    Liebe Grüße
    Nicole

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    • Ja, das stimmt, das Artwork so mancher Regelwerke ist richtig toll. (Wir haben in einem RPG-Forum, das ich regelmäßig besuche, auch einen Thread zum Thema ’schönste Rollenspielcover‘, da sind einige absolute Highlights dabei.) Aber es kommt natürlich auch immer ein bisschen auf die Finanzkraft des Verlags an, ob er sich teure Zeichner und vollfarbige Illustrationen leisten kann oder ob die Bebilderungen eher einfach gehalten werden. Wobei es auch im Schwarzweiß-Bereich echt schöne Zeichnungen gibt. Na mal sehen, ob ich in den nächsten Wochen und Monaten noch das eine oder andere System finde, wo die Cover auch ein bisschen was für’s Auge sind.

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      • Oh ja, schwarz-weiß-Zeichnungen mag ich auch! Mein Mann liest und sammelt Comics. Und über die Jahre hat er mir dann auch die verschiedenen Zeichner ein wenig näher gebracht und es ist schon Wahnsinn was einige da zu Papier bringen.

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  5. do

    Toll, dass du das ABC mit Titeln eurer Rollenspiele machst. Allerdings muss ich zugeben, keine grosse Ahnung von deinem Hobby zu haben, habe mir aber deinen Text und Kommentarantworten durchgelesen und sehe jetzt klarer 🙂
    Herzlich, do

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    • Das Hobby ist auch tatsächlich nicht sooo weit verbreitet, also ist es gar kein großes Wunder, dass du damit nicht vertraut bist. Aber freut mich ja, wenn du jetzt einen kleinen Eindruck hast. :)

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  6. mit rollenspielen kenne ich mich nicht aus

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  7. Interessant zu erfahren, woher Dein Nickname kommt. Rollenspiele wie Deine kenne ich von entfernten Bekannten, die das auf Mittelaltermärkten machen oder die Mittelalterszenen nachspielen. Ich selbst kenne Rollenspiele nur als MMORPG, ich habe jahrelang World of Warcraft gespielt.

    LG und einen schönen Rest-Sonntag
    Babsi

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    • Oh, interessant, dass du World of Warcraft gespielt hast! Ich spiele es immer noch, allerdings momentan aus Zeitgründen nur noch deutlich seltener als früher. Auf welchen Servern warst du denn zugange? Hattest du eine bevorzugte Klasse und Fraktion?
      Ich habe in WoW tatsächlich nicht nur Quests erledigt, geraidet und Monster geschnetzelt, sondern auch freie Plots gespielt wie beim Pen & Paper auch. Das waren teilweise richtig coole und spannende Geschichten, von denen ich leider nur einige wenige niedergeschrieben habe – einige andere wären es ebenso oder sogar noch mehr wert gewesen. Aber zum derart ausgiebigen Spielen fehlt mir tatsächlich inzwischen leider die Zeit.

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      • Hi,
        ich habe angefangen mit einer untoten Horden-Hexe auf Ambossar, habe dann mal alle Klassen/Rassen angespielt und bin bei der Heiler-/Elementar-Schamanin hängengeblieben. Nachdem sich meine/unsere Gilde (mein Mann spielt auch) zerschlagen hat, bin ich zur Allianz auf Nozdormu gewechselt und habe dort aber auch Ele gespielt. Im Jahr 2016 habe ich mich aktiv in die Flüchtlingshilfe eingeklinkt und dann hatte ich 2 Jahre mehr oder weniger keine Zeit mehr um zu spielen. Ich habe allerdings die ganze Zeit brav mein Abo bezahlt, weil ich immer dachte, dass ich nochmal zurückkommen werde. Mein Char ist 104 und beim Einloggen vor kurzem habe ich gemerkt, dass ich überhaupt keinen Plan mehr habe, wie man den Character effektiv spielt – es hat sich mit dem ganz neuen Addon ja auch wieder vieles verändert. Also habe ich meinen Account erst mal auf Eis gelegt, ich habe ja trotzdem keine Langeweile. :-)

        Wo und was spielst Du denn?

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        • Ah, interessant! Ich selbst habe auf der Silbernen Hand mit einer untoten Schurkin begonnen und dann auch mal so alles angespielt, mag aber tatsächlich die Schurken weiterhin am liebsten. Mein Raid-Main war (ich habe aus Zeitgründen mit dem Wechsel auf Legion leider aufhören müssen zu raiden) ein Schurke, auch wenn ich als Zweit-Raidcharakter eine blutelfische Paladin in der Tank-/Heiler-Kombination bereitstehen hatte. Tatsächlich spiele ich deutlich mehr Horde als Allianz, habe aber auch auf Alli-Seiten fast alles mal angespielt.
          Aber seit Legion spiele ich nur noch meine RP-Magierin – sie ist auch die einzige, die ich in Legion auf 110 hochgespielt habe (mein Schurken-Main hängt immer noch auf 103 oder 104 oder so, den habe ich seit 2 Jahren nicht angerührt). Mit BfA habe ich noch gar nicht angefangen, bin noch am Überlegen, ob ich für BfA mit der Magierin nicht auf Alli-Seiten umziehen soll. Na mal sehen. :)

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          • Ich habe auch viel länger Horde gespielt, einfach weil wir eine geile Gilde hatten. Wir hatten 2 x Gildentreffen und wenn man die Leute kennt, mit denen man spielt, macht es ja nochmal viel mehr Spaß. Wie das dann so geht, gab es irgendwann Differenzen und auf Ambossar kann man sich nicht wirklich aus dem Weg gehen, also haben viele die Server gewechselt, leider. Nahkampf war nie mein Ding, dazu spiele ich nicht gut genug. „Legion“ habe ich nur bis Level 104 gesehen, dann habe ich meinen Char ja stehen lassen, meinen Account habe ich kurz vor BfA eingefroren. Ob ich jemals nochmal anfange, weiß ich nicht. Ich empfinde die Spielmechanik als immer komplizierter und wer seinen Char dann nicht beherrscht, der kommt nicht mehr mit. Und Casual-Spieler fallen dann eh hinten runter. Ich hab‘ seit 2007 gespielt … aber es gibt für alles eine Zeit.

            LG Babsi

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  8. So viel Interessantes und durchaus Wissenswertes zu Rollenspielen habe ich schon lange nicht gelesen. Ich kenne zwar selbst keine, aber es hört sich spannend an. Die Erklärung, wie Du zu Deinem Nickname gekommen ist, gefällt mir:
    Hab einen angenehmen Wochenstart,
    herzliche Grüße
    moni

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