Das Schicksal der Häuser Stagwell und Yaneryn (ASoIaF RPG. Sommertreffen 2012) – Teil 1

Dies ist der erste Teil eines gnadenlos subjektiven Diarys unserer Game of Thrones-Runde vom Tanelorn-Sommertreffen 2012. Es ist rein aus der Sicht meines Charakters verfasst und reißt etliche Geschehnisse nur an; andere erwähnt es überhaupt nicht, weil Valantyne diese nicht mal aus der Ferne mitbekam. Passiert ist während der Spielsitzung deutlich mehr, zumal wir ja zwei getrennte Gruppen hatten, für jedes Haus eine. Außerdem werden auch auch die meisten Hintergründe nicht oder nur andeutungsweise erklärt. Falls es also Fragen dazu geben sollte, gehe ich natürlich gerne darauf ein.

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Das Tagebuch der Lady Valantyne Yaneryn wird nach deren Tod bei ihren persönlichen Besitztümern gefunden. Die Aufzeichnungen in dem ledergebundenen Buch reichen bis in die Kindheit und Jugend der Lady zurück, so dass die Ereignisse auf Woodshadow Watch zur Zeit der geplanten Hochzeit zwischen Benjen Stagwell und Lady Valantyne die letzten Seiten des Buches einnehmen. Ob die Lady nach diesem jemals einen weiteren Band ihres Tagebuches begonnen hat, ist ungewiss, denn nur dieses eine Buch wurde gefunden. Falls sie nach dem letzten Eintrag je in einem neuen Band wieder angesetzt hat, so muss ein solcher sich an einem anderen Ort befinden.

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Morgen also soll es soweit sein. Morgen werde ich in mein neues Leben aufbrechen, alle Bande zu meiner Familie und zu Woodshadow Watch wenn nicht zerschneiden, so doch lockern, und neue Bande knüpfen zu meinem zukünftigen Lord Gemahl und dessen Familie.

Fast alle verhalten sich mir gegenüber, als sei ich schon nicht mehr anwesend. Und wenn sie mich zur Kenntnis nehmen, dann agieren sie vorsichtig, zurückhaltend, unnatürlich, als sei ich eine zum Tode Verurteilte oder von Greyscale befallen oder ein Spinnengewebe, das man nicht berühren darf, weil es zerreißen könnte.

Die Abendmahlzeit, von der ich soeben zurückgekehrt bin, gab ein recht gutes Beispiel für dieses Verhalten ab. Es wurde zwar beschlossen, dass Avery mit mir nach Stag’s Deep reiten wird, und fünfzig Bewaffnete mit uns, im Nah- und Messerkampf bewandert alle und vor dem morgigen Tag noch präsentabel herzurichten, wie Ser Daeron versprach. Doch ich selbst war in all die Gespräche am Tisch kaum oder gar nicht involviert, und so sah und hörte ich nur aus meinem Kokon heraus, was besprochen wurde. Lenlard, wie er zu Beginn des Mahles noch Maester Danald heftig zurechtwies, weil dieser mit seinem Anliegen Avery ansprach statt ihn selbst. Maester Danald, der zweimal das Mahl unterbrach, weil Raben eingetroffen waren, einer für Jerrit, einer für Haffren. Die Diskussion über die politische Situation und wie sie sich jetzt nach König Roberts Tod darstellt. Die Gerüchte um König Joffrey und seine Geschwister, und ob und inwieweit etwas Wahres an ihnen sein könnte. Jerrit, der in diesem Zusammenhang versuchte, sowohl Lenlard als auch Avery unauffällig in Richtung der Tyrells zu lenken, aber an beider unbedingter Treue zum Hirschen scheiterte, ganz gleich, wer unter dem Banner des Hirschen auf dem Eisernen Thron sitzen mag.

Zu guter Letzt nahm Lenlard Avery noch einen Schwur ab: Wenn er in Stag’s Deep die Gelegenheit fände, die Hochzeit zu verhindern und einen Krieg zwischen Haus Stagwell und uns anzuzetteln, so solle er dies tun. Dass unser Lord Bruder dies so ganz offen bei Tisch an- und aussprach, erschreckte mich nicht wenig, gebe ich zu. Denn so sehr ich mir wünschte, diese Hochzeit müsse nicht geschehen, es ist in meinen Augen unehrenhaft und die Vorspiegelung falscher Tatsachen, bereits mit diesem Vorsatz überhaupt aufzubrechen…

Kurz nachdem Avery sein Wort gegeben hatte, jede Möglichkeit dazu ergreifen zu wollen, betrat Maester Danald erneut den Saal. Er brachte eine geflüsterte Nachricht für unseren Lord Bruder, doch entweder er flüsterte lauter, als es angebracht gewesen wäre, oder meine Ohren sind besser, als man erwarten könnte, denn ich vernahm, was er Lenlard mitteilte: dass sein Streitross bei der Pflege im Stall plötzlich ausgekeilt habe und dass sein Knappe, Cymon Sand, von den Hufen am Kopf getroffen und schwer verletzt worden sei.
Auch Haffren schien die gewisperte Botschaft gehört zu haben, denn ihre Gesichtszüge entgleisten fast unmerklich, während Lenlard aus dem Saal eilte und die Speisegesellschaft sich zerstreute.

Ich muss mit Jerrit sprechen. Ich kann nicht abreisen, ohne nicht wenigstens mit ihm… Ich weiß, er hasst mich jetzt. Doch ich muss wenigstens versuchen, die Dinge mit ihm zu klären.

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Ich muss nachdenken. Ich habe Jerrit gesehen, habe ihn gesprochen, ja. Doch es sind noch andere Dinge geschehen, Dinge, über die ich mir erst klar werden muss und die mich noch mehr als zuvor schon bedauern lassen, dass ich keine Zeit mehr hier auf Woodshadow Watch verbringen kann, dass ich morgen bereits abreise.

Ich fand Jerrit zunächst nicht, als ich ihn suchte. Auf dieser Suche kam ich jedoch auch an der Kammer von Cymon Sand vorbei, und obgleich die Tür geschlossen war, konnte ich von drinnen die Stimme meines Lord Bruders und Maester Danalds vernehmen. Mutter voller Gnaden und Mädchen voller Reinheit seien meine Zeugen: Ich gehöre üblicherweise nicht zu den Menschen, die gern und viel lauschen, doch etwas in des Maesters Stimme brachte mich dazu. Er erklärte, dass sie noch immer in Lebensgefahr schwebe, und dass die Septa sie auch untersucht habe, und dass sie ein Kind unter dem Herzen trage. Daraufhin fragte mein Bruder, wer alles davon wisse, und der Maester stammelte, nur er selbst und die Septa, und Lenlard, seine Stimme so gepresst und voll Zorn, wie ich sie noch niemals gehört hatte, zischte, dass dies auch so bleiben müsse. Und wenn auch nur ein weiterer Mensch davon erfahre, dann sei das Leben sowohl des Maesters als auch der Septa verwirkt.

Dies war der Moment, in dem ich mich eilends entfernte, denn ich wollte keinesfalls ertappt werden, wie ich vor der Tür stand und diese Worte erlauscht hatte. Daher suchte ich Haffren auf, um noch ein wenig Zeit mit ihr zu verbringen. Es wird immerhin sehr lange dauern, bis wir einander wieder sehen werden. Es waren schöne, friedvolle Augenblicke in Haffrens Kammer, doch auch meine Schwägerin hatte die Bitte an mich, Stillschweigen über das zu bewahren, was ich am Ende der Abendmahlzeit in ihrem Gesicht gesehen hatte. Gehe es doch niemanden etwas an.

Nach dem Aufenthalt in Haffrens Gemächern wollte ich Maester Danald aufsuchen. Doch auf dem Weg in seinen Turm stieß ich im wahrsten Sinne des Wortes mit Jerrit zusammen, der eben den Maester verließ. Jerrit war die Situation mehr als unangenehm, das konnte ich spüren. Und ich konnte spüren, dass ihn etwas bedrückte, und darauf sprach ich ihn an. All die Jahre, in denen mein Halbbruder mir so vertraut gewesen war wie kein Zweiter, all diese Jahre konnten doch nicht völlig verschwunden sein…
Jerrit klang bitter, als er erklärte, seine Sorgen gingen mich nichts an, da er mir ja völlig egal sei. Und ich… ich stand nur da wie vor den Kopf geschlagen, war es doch er, dem ich gleichgültig geworden war…
Und dann sprachen wir uns aus. Mutter voller Gnaden sei Dank, nach all den Jahren sprachen wir uns aus. Er hatte nicht gewusst, dass mir der Umgang mit ihm verboten worden war, hatte gedacht, es sei allein meine Entscheidung gewesen… Und ich hatte nicht gewusst, dass ihm dies nie jemand mitgeteilt hatte, dass sein Zorn daher rührte…

Ich bin froh, so froh, dass es zu dieser Aussprache kam. Ist mir jetzt doch zumindest, was Jerrit betrifft, eine felsenschwere Last vom Herzen genommen. Und vielleicht können er und ich ja, obgleich ich fort muss, unsere einstige Vertrautheit wiedererlangen.
Etwas jedoch machte ihm zu schaffen. Als er erkannte, dass ich ihm nie aus eigenem Willen ausgewichen war und als er knurrte „Natürlich! Ich hätte es wissen müssen!“, da ging etwas über sein Gesicht, ein Schatten, eine Regung, als bedauere er etwas zutiefst. Dass wir diese Aussprache so spät hatten, so kurz vor meiner Abreise, vermutlich, doch ich hatte fast den Verdacht, da sei noch mehr.

Nach dieser Begegnung mit Jerrit (und auch wenn ich es schon einmal geschrieben habe, muss ich es einfach nochmals zu Papier bringen: Ich bin froh, so froh darüber!) suchte ich Maester Danald auf, wie ich es vorgehabt hatte. Ich wollte mich von meinem alten Mentor verabschieden und einige Bücher zusammenpacken, die mir sehr am Herzen liegen und die ich mitnehmen möchte.
Der Maester vermittelte mir seine besten Wünsche für die Zukunft und brachte sein Bedauern über meinen Weggang zum Ausdruck. Immerhin sei ich die einzige gewesen, die sich je für die Bibliothek und ihren Inhalt interessiert habe, sagte er. Doch dann fügte er noch etwas an, das mich stutzen ließ. Mit der Ausnahme des jungen Master Waters, fuhr er nämlich fort. Der habe sich kürzlich ein Buch über Gifte und ihre Anwendung entliehen…

Jerrit? Ein Buch über Gifte? Das konnte, das kann, ich mir nicht vorstellen. Nicht mein Bruder Jerrit, ganz gleich, wie entfremdet wir uns hatten. Maester Danald gegenüber ließ ich mir jedoch von diesen Gedanken nichts anmerken, sondern verabschiedete mich freundlich – und ging dann Jerrit suchen.

Als ich ihn gefunden hatte, sprach ich ihn rundheraus auf meines alten Mentors Worte an, und Jerrit schwor mir, dass er sich niemals mit Giften beschäftigt habe. Und ich glaube ihm. Denn Maester Danalds Stimme hatte seltsam geklungen in meinen Ohren, als er das von dem Buch sagte, und Jerrit war nach seinem Besuch bei ihm erregt, fast wütend gewesen, als wir im Gang aufeinanderprallten… Nein. Ich glaube Jerrit, und ich bin eher geneigt zu denken, dass der Maester einen Plan verfolgt.
Aber wenigstens ist Jerrit jetzt über Maester Danalds Machenschaften im Bilde. Das sollte ihm helfen, sich gegen sie zu verteidigen, hoffe ich…

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Wir sind in Stag’s Deep.

Ehe wir aufbrachen, gab Avery mir ein hoch-heiliges Versprechen: Wenn er einen Weg findet, die Hochzeit zu verhindern, wird er alles dafür tun.

Der Ritt an sich verlief friedlich. Avery und ich ritten voran, gefolgt von unserer Eskorte aus fünfzig von Ser Daeron sorgfältig ausgesuchten Männern. Etwa auf halber Strecke begegneten wir einem kleinen Tross, der in die entgegengesetzte Richtung reiste. Es handelte sich um Lady Ricarda Stagwell, die sich in Begleitung einer eigenen Eskorte sowie der Bastard-Tochter des Hauses, Arysa Waters, unterwegs nach Woodshadow Watch befand.

Wir wechselten einige Worte, vor allem Avery mit der Lady Ricarda. Diese klang recht nett, und ich begann zu denken, dass mein Leben auf Stag’s Deep vielleicht doch einiges Gute zu bieten haben könnte. Arysa Waters und ich musterten einander, wechselten bis auf die Begrüßung nur wenige Worte über unsere Reittiere – bis sie dann, beim Abschied bereits, ihr Pferd eng an das meine lenkte und mir etwas zuwisperte. Dass ihr Bruder Benjen eine neue Gespielin habe – ‚Hure‘ sagte sie wortwörtlich. Dass ich mich daran nicht stören, Benjen nicht darauf ansprechen solle… und vor allem solle ich der Frau nicht in die Quere kommen, sie sei überaus gefährlich.

Und mit dieser unerwarteten Warnung ritt Arysa davon, und ich hatte für den Rest des Rittes eine Menge Dinge, über die ich nachdenken musste.

Hier in Stag’s Deep angekommen, wurden wir höflich begrüßt und in unsere Gemächer geleitet, um uns von der Reise ein wenig auszuruhen und für den abendlichen Empfang umzukleiden. Anwesend bei Tische waren Lord Benjen, sein Bruder Jonathan, deren kleine Schwester Jolanda, vor kurzem zur Frau erblüht, und Ser Walter Florent, der Leibritter Lady Ricardas. Hinzu kamen einige weitere Ritter und Vertraute des Lords. Einer von ihnen – Ser Roderick Spoketon ist sein Name, wenn ich nicht irre – wechselte Blicke mit meinem Bruder: voll unterdrückter Wut von Averys Seite, Ausdruck offenen Hohns und Verachtung seitens dieses Ser Rodrick. Und kenne ich diesen Namen nicht? War Ser Rodrick nicht derjenige, dem Avery seine verstümmelte Hand zu verdanken hat? Doch. Doch, natürlich, eben er war damals verantwortlich. Wenig Wunder, dass mein Bruder den fremden Ritter so hasserfüllt anstarrte.

Die Frau, von der Arysa Waters gesprochen hatte, war ebenfalls bei dem Mahl anwesend. Sie bediente bei Tisch und sprach wenig, doch sie war offensichtlich valyrischen Blutes, und mag es aufgrund von Arysas Warnung sein oder weil es mir auch ohne diese aufgefallen wäre, die Frau wirkte mit ihren unauffälligen, gewandten Bewegungen und ihrer ganzen Körpersprache tatsächlich gefährlich auf mich.

Mit Lord Benjen wechselte ich während der gesamten Mahlzeit kaum ein Wort. Sein Bruder Jonathan jedoch suchte das Gespräch. Er hieß mich freundlich willkommen und brachte nach einigen Momenten des belanglosen Plauderns das Thema auf seine Schwester Jolanda. Genauer gesagt, er schlug vor, ob ich mich an der Unterweisung der jungen Frau beteiligen, eine Art Mentorin für sie werden wolle. Gerne nahm ich diesen Vorschlag an, natürlich. Wieder ein Grund, meinem Leben hier in Stag’s Deep mit etwas weniger Sorge entgegenzusehen, als ich dies bisher…

Es klopft.

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Ein Kommentar

Eingeordnet unter Pen & Paper, Tanelorn-Treffen

Eine Antwort zu “Das Schicksal der Häuser Stagwell und Yaneryn (ASoIaF RPG. Sommertreffen 2012) – Teil 1

  1. Nur erstmal ein Wort dazu: Cliffhanger ^^
    Im ersten Moment hab ich gedacht das es sich nicht lohnen würde es zu lesen da mir die Hintergrundstory unbekannt ist …. im nachhinein gut das ich mich dagegen entschieden habe.
    Man braucht zwar einen Moment um sich an den Erzählstil zu gewöhnen doch dann wird es doch ganz spannend, in diesem Sinne auf das nächste Update, was es auch sein wird Hauptsache neue Story ^^ ich weiß ich scheuche aber hier kann ich das und wenn ich ne Woche warten muss, auf ein Buch warte ich länger 😉

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