51. MuRoCo: Kurzbericht

Der MuRoCo ist der „Mutterstädter Rollenspiel-Convent“, der zweimal im Jahr vom Jugendtreff Mutterstadt in dem kleinen Ort bei Ludwigshafen veranstaltet wird. In den späten 1990er- und frühen 2000er-Jahren war ich regelmäßig dort, aber irgendwann schlief das ein. Gute Freunde von damals waren zum 50. Jubiläums-Con im April nach Jahren erstmals wieder dort, und von ihnen kam jetzt der Anstoß, sich doch wieder einmal auf dem MuRoCo zu treffen, ganz wie früher.

Nostalgie nach 20 Jahren

Jetzt im Spätherbst war es ja kein Problem, am Samstag abend schon relativ früh auf dem Con anzukommen. Und eigentlich war alles fast wie früher. Den Weg kannte ich beinahe noch, auch wenn ich mich zur Sicherheit von meinem Navi leiten ließ; die Einfahrt zum Veranstaltungsort war auch fast unverändert, nur dass ich mich an den Parkplatz noch als Sandfläche erinnerte, ihn jetzt aber betoniert und mit aufgezeichneten Stellplätzen vorfand. Und vielleicht lag es an der Dunkelheit oder tatsächlich daran, dass es so lange her war, aber den Eingang musste ich erst suchen und einmal vergeblich um das ganze Gebäude irren, bis ein paar nette Raucher auf einem Balkon mich daran erinnerten, dass es zum Eingang ja eine Treppe hoch ging.

Drinnen hatte sich nichts, aber auch rein gar nichts, verändert. Derselbe MuRoCo-Stempel auf’s Handgelenk an der Kasse, dieselben 3,– Euro Eintritt, dieselbe Auswahl aus der Goodie-Kiste. Oh, halt, stop, etwas hatte sich doch verändert. Die MuRoCo-Würfel sind neu. Meine alten von damals hatten das Wort „MuRoCo“ statt der Sechs nur aufgedruckt, so dass nach langem und intensivem Gebrauch über die Jahre davon inzwischen kaum mehr etwas zu sehen ist. Die neuen sind erstens nicht mehr einfach beige, sondern bunt, und zweitens ist das Wort „MuRoCo“ wie die übrigen Punkte des W6 auch eingraviert.
Trotzdem wählte ich einen Würfelbecher statt eines Würfels oder einer Zinnfigur, denn ein Würfelbecher fehlte mir ohnehin noch, geschweige denn einer mit dem MuRoCo-Maskottchen darauf. (Falls es jemanden wundern sollte, warum auf dem Foto unten sowohl ein Würfelbecher als auch ein neuer Würfel zu sehen sind: Den Würfel habe ich weder geklaut noch erschnorrt. Das ist Knörzbots.)

MuRoCoGoodies.jpg

Apropos MuRoCo-Maskottchen. Damals, vor beinahe 20 Jahren, nämlich zum 12. MuRoCo, gab es als Goodie mal eine Zinnfigur von besagtem Maskottchen. Da ich die irgendwann auch tatsächlich mal angemalt hatte, hatte ich sie jetzt dabei, um sie meinen Kumpels zu zeigen, und dem Menschen an der Kasse zeigte ich sie auch gleich, wenn ich schon mal dabei war. Der gab sich ziemlich angetan („Also da war ich noch nicht mit an Bord!“) und wollte für das Archiv der Orga gleich ein Foto davon machen, was ich ihm auch gerne zugestand. Ich bin mal gespannt, ob das Bild irgendwann auf der Homepage oder der Facebook-Seite des Vereins auftauchen wird. Das würde mich freuen (und natürlich auch ein bisschen stolz machen).

MuRoCoMonster.jpg

Die Leute hatten sich auch kaum verändert. Ganz viele Gesichter kannte ich noch von damals – viele ein bisschen grauer, manche ein bisschen beleibter, aber fast alle noch zu erkennen. Aber der viel tollere Anblick war die Tatsache, dass tatsächlich auch zahlreicher Nachwuchs vorhanden war, sprich junge Leute um die zwanzig. Und da sage noch einer, unser schönes Hobby sei vom Aussterben bedroht!

Eigenbau mit Dinosauriern

Einer der Freunde, mit denen wir uns treffen wollten, hatte im Vorfeld schon erklärt, er würde etwas vorbereiten. Ganz im Sinne unseres Nostalgie-Trips war das Abenteuer, das er leitete, eines, das es auch vor 20 Jahren schon gab, in einem Setting, das damals noch hoch-innovativ war, heute, in Zeiten von Numenera & Co., allerdings schon nicht mehr ganz so sehr. Als System verwendeten wir eines, das sich dieser Kumpel ebenfalls selbst ausgedacht hatte und das den Namen „6D6-System“ trägt. Obwohl das System ein Eigenbau ist, würde ich es dennoch nicht als klassischen ‚Heartbreaker‘ bezeichnen, weil dieser Kumpel im Laufe der Jahre für unterschiedliche Settings eine ganze Reihe von ganz unterschiedlichen Systemen entwickelt und wieder verworfen hat, ohne allzuviel Herzblut an eines davon zu hängen, sondern jederzeit bereit war und ist, die Dinger auch wieder über den Haufen zu werfen, wenn sie nicht taugten.

Dieses 6D6-System nun funktionierte bis auf kleinere Haken im Kampf auch tatsächlich ziemlich gut. Man hat Attributs- und Fertigkeitswerte von 1 bis 5 W6, wobei jeweils der erste (bzw. der einzige, wenn man ein Attribut oder Fertigkeit nur auf 1 hat) Würfel explodieren kann. Deswegen muss dieser ‚erste‘ Würfel auch eine andere Farbe haben als die übrigen vier normalen Fertigkeitswürfel. Ein weiterer W6 braucht noch eine andere Farbe, denn das ist der sogenannte „Tool Die“, den man bei bestimmten Fertigkeiten, auf die der Charakter besonders spezialisiert ist, oder wenn der Charakter mit seiner Lieblingswaffe kämpft, zusätzlich würfeln darf. Gezählt wird die Anzahl der Erfolge. Das System war schnell verstanden und ging flüssig von der Hand, und nur im Kampf hakelte es teilweise ein kleines bisschen, wenn es daran ging, welche Auswirkungen die vergleichenden Proben bzw. der Unterschied in den Erfolgen nun jeweils hatten. Aber das war kein größeres Problem und tat dem Spielspaß keinen Abbruch.

Das oben schon kurz erwähnte Setting, in dem wir spielten, war auch sehr lustig. Und zwar handelte es sich um Bronzezeit-Techlevel mit den Überresten lange vergangener Hochtechnologie und Dinosauriern. Ein bisschen wie Numenera eben. Die Charaktere gehörten alle verschiedenen Kulten an, die als Hüter des verlorenen Tech-Wissens fungierten, und hatten daher alle irgendwelche Tech-Dinge als Spezialausrüstung bzw. Spezialfertigkeit.

Ich selbst griff bei den vorgefertigten Charakteren wieder einmal zu meiner altbewährten Standardnische und spielte einen Scout, während die anderen den muskulösen Nahkämpfer, den Tech-Psioniker, den Spion im Tarnanzug und die Beast-Masterin übernahmen. Beim Abenteuer selbst hatten wir viel Spaß und gerade die richtige Mischung aus Witzigkeit und doch auch dem gebührenden Ernst. Einfach nur reiner Slapstick hätte mir trotz Con-Abenteuer nicht so gut gefallen, denke ich.

Wir spielten am Samstag bis ca. 2:00 Uhr morgens und verabredeten uns dann für den Sonntag Mittag, um das Abenteuer noch zuende zu bringen. Dabei gelang es uns sogar, den Plot zu einem einigermaßen guten Abschluss zu führen und keinen Charakter zu verlieren – etwas, das wohl nicht allen Gruppen gelungen ist, die im Laufe der Jahre dieses Szenario schon gespielt haben.

Bis zum Ende des Cons und der traditionellen Tombola war dann noch eine Stunde Zeit zum Quatschen, die wir auch gerne und ausgiebig nutzten. Gewonnen hat zwar niemand von uns etwas, aber der Con-Besuch hat derart viel Spaß gemacht, dass wir das nächstes Frühjahr mit einiger Sicherheit wiederholen und generell wohl wieder öfter auf den MuRoCo gehen werden. Vorgemerkt ist der Termin jedenfalls schon mal.

8 Kommentare

Eingeordnet unter Pen & Paper, Rollenspiel-Cons, Rollenspiel-Sonstiges

8 Antworten zu “51. MuRoCo: Kurzbericht

  1. Schöner Bericht, ich mag deinen Stil. Toll, dass ihr nach Jahren so viel Spaß hattet!

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  2. Andreas O.

    Danke für den schönen Bericht!

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  3. Das klingt nach einem wirklich gelungenem Wochenende :)

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